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Jüdische Auswanderung · 1939-01-01 · Januar 1939 · p. Seite 41

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Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1939. Bestand LBI
Issue
Januar 1939
Date
1939-01-01
Page
Seite 41 (sequence 45)
Language
German
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verdienst von 6$000 bis 9$000 ergibt; für einen sehr bescheidenen Lebensunterhalt genügt dies. (Nach Angaben der Sociedade Benejiciente aus Rio./ Es ist besonderer Wert darauf zu legen, daß die Arbeitsaufnahme in solchen Fällen möglichst sofort erfolgt, damit die Betreffenden sich möglichst schnell mit den Verhältnissen vertraut machen und die Landessprache erlernen; diese beiden Faktoren — Kenntnis der Landessprache und der Verhältnisse — sind die Voraussetzungen zum Aufstieg, der nicht selten dem Einwanderer gelingt. Freilich stehen den Auswandererbriefen, die etwa den Aufstieg vom Arbeiter zum Aufseher melden können, andere gegenüber, die von einem Versagen bei der schweren körperlichen Arbeit sprechen; so sollen z. B. manche Einwanderer als ungelernte Arbeiter bei Ford eingetreten sein, aber zum größten Teil nicht durchgehalten haben. Ein sehr verbreiteter und nicht allzu schwerer Beruf für Einwanderer ist der des C o p e i r o (Diener, sozusagen männliches Mädchen für alles). Ein Copeiro verdient bei freier Station etwa 150$000 bis 200Ü000 im Monat, was für einen Junggesellen nicht ungünstig ist. / b) Gelernte Arbeiter und Handwerker Alle Berichte aus Brasilien stimmen darin überein, daß für gelernte Arbeiter und Handwerker, die ihr Fach gründlich verstehen, mit Leichtigkeit Stellungen gefunden werden können, und zwar Stellungen, von denen man von Anfang an, d. h. auch ohne Kenntnis des Portugiesischen und der Landesverhältnisse, einigermaßen leben kann. Dagegen sind die Ansichten darüber geteilt, ob auch Handwerker, die keine reguläre Ausbildung genossen haben, sondern nur als „U mschichtler" kurze Lehrgänge durchgemacht haben, in Brasilien günstige Aussichten haben. Sicher dürfte allerdings sein, daß solche Umschichtler in Brasilien eher Aussichten haben, sich durchzusetzen, als etwa in Ländern wie Südafrika, wo der Leistungsstandard unvergleichlich höher ist. Als gesuchte Berufe werden fast alle Handwerksarten angegeben: so besonders Mechaniker, Elektrotechniker, Tischler (vor allem Kunsttischler), Tapezierer, Maler, Rohrleger, Klempner, überhaupt sämtliche Arten von Bauhandwerkern, ferner Blecharbeiter, Radio-Fachleute, Installateure, aber auch Weber, Stricker, Schneider (Maß- und Zuschneider), Handschuhmacher, Kürschner, Gerber, Lederwarenarbeiter, Friseure usw. Von Klempnern wird gemeldet, daß sie keine hochqualifizierten Spezialisten zu sein brauchen, sondern nur Löten, Schweißen und die übrigen mit der Herstellung von Weißblechgegenständen verbundenen Verfahren beherrschen müssen. Nach Angabe des Komitees von Säo Paulo ist damit zu rechnen, daß Handwerker zum mindesten das Existenzminimum verdienen können. c) Kaufleute und kaufmännische Angestellte Für mittellose Kaufleute und kaufmännische Angestellte sind die Aussichten in Brasilien ausgesprochen schlecht, es sei denn, sie beherrschten das Portugiesische schon weitgehend und womöglich außerdem das Englische, Immer wieder wird in den Briefen der Komitees in Säo Paulo und Rio, wie in zahllosen Auswandererberichten, darüber geklagt, daß kaufmännische Angestellte kaum unterzubringen seien. Einen großen Vorsprung haben wegen der zahlreichen englischen und amerikanischen Firmen, die in Säo Paulo und Rio ihren Sitz haben, solche Bewerber, die in mehreren Sprachen korrespondieren und stenographieren können, d. h. vor allem auf Englisch und Portugiesisch. Als Angestelltengehälter werden etwa 450$000 im Monat genannt, was zum Leben reicht. Die Aufstiegsmöglichkeiten sind gering. Was die Möglichkeiten für selbständige kaufmännische Berufe angeht, so sind die Ansichten über den Hausierhandel widersprechend. Während von manchen Seiten ganz entschieden vor der Ergreifung des Hausiererberufes gewarnt wird, weil hier die Konkurrenz sehr scharf, die Erfolgsmöglichkeit gering und die Feindschaft der Behörden wie der Presse und der öffentlichen Meinung ständig spürbar sei, beurteilt man von anderer Seite die Möglichkeiten für Hausierer nicht ungünstig. Eine Reihe jüdischer Einwanderer aus Deutschland hat versucht, sich etwa mit kleinen Ständen mit Zigarren, Obst, Erfrischungen usw. selbständig zu machen, doch scheint dies nur einem kleinen Teil geglückt zu sein. Der Beruf des Vertreters ist reichlich besetzt, vielleicht schon überbesetzt. d) Freie Berufe Die Aussichten für freie Berufe sind in Brasilien im allgemeinen sehr gering, da der wirtschaftliche Nationalismus durch die Verfassung alle derartigen Stellungen weitgehend den eigenen Staatsangehörigen vorbehalten hat. Im einzelnen hören wir folgendes: Es ist für einen Ausländer ausgeschlossen, als Rechtsanwalt tätig zu sein. Von einer Nostrifizierung der Diplome kann keine Rede sein; denn dazu müsse man, abgesehen von allen Prüfungen, Militärdienst leisten und die brasilianische Staatsangehörigkeit besitzen. Beinahe dasselbe gilt für Mediziner, mit der Ausnahme, daß diese sich in ärztlichen Instituten als „Geschäftsleiter" eine bescheidene Verdienstmöglichkeit schaffen können. Nicht ungünstig sind die Aussichten für Ingenieure und Techniker, besonders, wenn sie über gute Spezialkenntnisse verfügen und sich während der ersten Zeit durch handwerkliche Fähigkeiten, etwa als Elektrotechniker oder Schlosser, über Wasser halten können. Bauingenieure können, ebenso wie Architekten, in großen Bauunternehmungen tätig sein und ein geringes, aber zum Lebensunterhalt genügendes Gehalt verdienen. Auf eigene Rechnung können sie nicht arbeiten, sondern es muß immer ein brasilianischer Diplom-Ingenieur nach außen hin die Verantwortung übernehmen. Der Anerkennung ihrer Diplome stehen die gleichen Schwierigkeiten entgegen wie bei den Rechtsanwälten usw. Keinerlei Aussichten haben Zahnärzte und Zahntechniker; Chemiker haben nur Aussichten, wenn sie ein brasilianisches Diplom erworben haben. Musiker sollen sehr geringe Aussichten haben. e) Frauenberufe Ueber die Aussichten einwandernder Frauen wird übereinstimmend Günstiges berichtet. „Frauen und Mädchen können sofort im Haushalt unterkommen. Köchinnen werden sehr gut bezahlt, ebenso Kinderfräulein, wenn sie die englische Sprache beherrschen; dann ist die Bezahlung wegen der vielen Engländer und Amerikaner in Säo Paulo besonders gut." Die günstigen Aussichten für Frauen haben dazu geführt, daß viele Ehepaare getrennt leben müssen, da die Frau in einem fremden Haushalt wesentlich mitverdient. Eingewanderte Frauen und Mädchen sind nicht nur in den schon genannten häuslichen Stellungen tätig, sondern auch im Büro, wo bei Beherrschung der Landessprache und womöglich auch des Englischen ebenfalls günstige Aussichten vorhanden sind. Auch Frauen mit gewerblichen Kenntnissen, wie Weberinnen, Strickerinnen, Schneiderinnen usw. finden leicht Stellung. Da Frauen oft leichter Stellung finden als Männer, ist es nach Ansicht der Paulistaner Gemeinde zweckmäßiger, daß die Ehepaare zusammen einwandern, als daß der Mann vorfährt. In Säo Paulo können notfalls kleine Kinder für einige Zeit im Kinderheim der Gemeinde untergebracht werden, wenn beide Eltern arbeiten müssen. Herbert Israel Liebenthal . Spedition Mitglied der Jüdischen Gemeinde Berlin W 8 Kronenstraße 33 Umzugstranspoi'te nach allen Erdteilen Tel.: 1« 37 40 tri

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