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Jüdische Auswanderung · 1938-07-01 · Juli 1938 · p. Seite 87

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Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1938. Bestand LBI
Issue
Juli 1938
Date
1938-07-01
Page
Seite 87 (sequence 93)
Language
German
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Die Philippinen Die Philippinen, eine Inselgruppe im Südosten Asiens, deren Gesamtfläche etwa der Preußens entspricht, sind einwanderungspolitisch für uns noch weitgehend Neuland. Nach den bisherigen Informationen und Erfahrungen bieten sie jedoch beachtliche Aussichten für bestimmte Berufe, wie insbesondere Ingenieure und Metallchemiker, aber auch sprachkundige und nicht unbemittelte Kaufleute und kaufmännische Angestellte. Sowohl wegen der Konkurrenz der billig arbeitenden Eingeborenen wie wegen des Klimas haben Angehörige ungelernter Berufe, aber auch manche Arten von Handwerkern, keine Aussichten. Das tropische Klima der Philippinen kann nur von kräftigen jungen Menschen auf die Dauer ohne Schaden ausgehalten werden. Wichtig für den Einwanderer ist die Beherrschung beider Landessprachen (Englisch und Spanisch). I. Einwanderungs-Bedingungen 1. Gesetzliche Voraussetzungen Die Einreise nach den Philippinen ist nur mit einem amerikanischen Visum gestattet, das vom zuständigen amerikanischen Konsulat erteilt wird. Die Visen können aus politischen, moralischen und sanitären Gründen verweigert werden. Im allgemeinen werden die Visen durch die amerikanischen Konsuln nur dann erteilt, wenn diese den Eindruck haben, daß sich der Einvvanderungswillige auf den Philippinen wird einordnen können. Sie verlangen deshalb vom Einwanderungswilligen entweder den Nachweis von nach ihrem Ermessen ausreichendem Eigenkapital oder aber ein *Einladungsschreiben von einem auf den Philippinen Ansässigen, in welchem auch die wirtschaftlichen Chancen des Einwanderungswilligen auf den Philippinen als günstig dargestellt werden. Dieses Einladungsschreiben darf jedoch kein Arbeitsversprechen oder gar einen Arbeitsvertrag enthalten, da dies einen Verstoß gegen das auch für die Philippinen gültige amerikanische „Contract Labor Law" bedeuten würde (siehe die entsprechenden Abschnitte unter „Einwanderungsbestimmungen der Vereinigten Staaten"). Erst bei der Ankunft im philippinischen Hafen werden die Bedingungen der Zulassung des Reisenden und die Dauer seines dortigen Aufenthaltes von den Behörden bestimmt. Staatenlosen wird — selbst wenn sie im Besitz des gültigen Visums sind — die Landung vom Einwanderungsbeamten nur ausnahmsweise gestattet. Nichtamerikaner haben bei einem Aufenthalt von mehr als zwei Monaten eine Kopfsteuer in Höhe von 16 Pesos (gegenwärtig etwa 20 RM.) zu entrichten; ausgenommen Kinder unter 16 Jahren, die in Begleitung ihrer Eltern reisen. Als günstigster Rciseweg wird folgende Route empfohlen: Marseille—Suez—Indien—Singapore—Hongkong—Manila (Fahrtdauer Marseille—Hongkong: weniger als 1 Monat; Hongkong—Manila: 2 Tage). Die Reise per Bahn über Moskau—Sibirien—Charbin -Hongkong ist nicht empfehlenswert und dauert meistens etwas länger. 2. Zollbestimmungen Persönliche und Haushaltsgegenstände einschl. Möbel, Bett- und Tischleinen sowie Geschirr von Personen, die sich auf den Philippinen niederlassen, sind zollfrei, falls die Menge und Art dieser Gegenstände dem Beruf, Stand und der sozialen Lage des Einreisenden entspricht. Die zollfrei eingeführten Gegenstände dürfen nur zum persönlichen Gebrauch und nicht zum Tausch oder Verkauf bestimmt sein. Es ist erforderlich, daß die Gegenstände den Einreisenden begleiten oder innerhalb einer vom Zollkollektor für angemessen erachteten Frist vor oder nach der Ankunft des Eigentümers eingehen. Der Einwanderer muß dem Zollkollektor nachweisen, daß er sich tatsächlich auf den Philippinen niederlassen will, und daß die von ihm eingeführten Gegenstände aus seinem bisherigen Wohnort stammen. Es empfiehlt sich, ein Verzeichnis der Gegenstände von der zuständigen deutschen Polizeibehörde beglaubigen zu lassen. IL Das Land 1. Aufbau und Haupteinteilung der Inselgruppe A. Geographische Grundzüge Die Philippinen sind eine Gruppe von Inseln in dem südöstlich von Asien gelegenen malaiischen Archipel. Die Inselgruppe erstreckt sich zwischen 21° und 5° nördlicher Breite und 117° und 127° östlicher Länge; sie besteht aus mehr als 7000 Inseln, von denen nur etwa 2500 einen Namen tragen und nur knapp 500 über 250 ha groß sind. Insgesamt weisen sie etwa 296 000 Quadratkilometer Fläche auf, also etwa soviel wie Preußen. Die Bevölkerung wird auf etwa 13 Millionen geschätzt. Die Philippinen stellen den mittleren Teil des ursprünglichen Gebirgsrandes Asiens dar, der in zahlreiche große und kleine Inseltrümmer aufgelöst ist. Daher finden wir an der Ostseite — also gerade den Vereinigten Staaten von Amerika zugewandt, mit denen die Philippinen seit Jahrzehnten über eine Meeresstrecke von 13 500 km hinweg in enger wirtschaftlicher Verbindung stehen — ein Gebiet mit wenigen und schlechten Häfen, hinter dem sich bis zu 3000 m Höhe ansteigende, mit Urwald bedeckte und mit zum Teil noch tätigen Vulkanen durchsetzte Bergketten erheben. Nicht nur die östlichen Ränder, sondern auch die übrigen Teile des Inselgebiets sind mit Gebirgen durchzogen; kaum ein Drittel des Landes nehmen die Ebenen, breiten Talgebiete und fruchtbaren Küstenstreifen ein, in denen der größere Teil der meist kleinbäuerlichen Eingeborenen-Bevölkerung ansässig ist. Wie die Gebirgslandschaften werden auch die übrigen Landstriche der Inseln von vulkanischen Ausbrüchen und Erdbeben heimgesucht. Die größten Inseln sind (von Norden nach Süden): Luzon 106 000 qkm Mindoro 10 000 qkm Samar 13 300 qkm Leyte 9 000 qkm Cebu 4 400 qkm Negros 12 700 qkm Panay 11500 qkm Palawan 11 700 qkm Mindanao 96 000 qkm B. Die wichtigsten Städte Manila liegt an der Westküste von Luzon, der größten und nördlichsten Insel des Archipels. Die Be- MEMHARDSTR.4 GEGENÜBER: HERTIE 87

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