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Jüdische Auswanderung · 1938-07-01 · Juli 1938 · p. Seite 84

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Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1938. Bestand LBI
Issue
Juli 1938
Date
1938-07-01
Page
Seite 84 (sequence 90)
Language
German
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Industrie), sondern auch vor allem die eubanische Bienenzucht. Die Produktion und Ausfuhr von Honig und Wachs ist erwähnenswert (1936 wurden 5 175 t Honig im Werte von S 580 000 ausgeführt). Henequen (Sisal-Hanf) ist die Faser der Agave, die zu Seilen, Tauwerk, Bindfaden etc. verarbeitet wird. Die jährliche Produktion an Henequen-Fasern wird auf 75 000 Zentner geschätzt. Getreide: Die Getreideproduktion ist äußerst gering; Getreide und Mehl bilden einen der bedeutendsten Posten der Einfuhr Cubas, wie überhaupt Nahrungsmittel und Getränke rund ein Drittel des Wertes der Einfuhr ausmachen. Nennenswert ist lediglich die eubanische Reis produktion. Vieh Wirtschaft: Das fette Gras, das weite Flächen der Insel bedeckt, ist ein vorzügliches Viehfutter. Die Regierung fördert die Viehzucht in jeder Weise. Besonders im Osten bestehen auch eine Anzahl großer Viehfarmen; jedoch ist der Absatz des jährlichen Rindviehüberschusses von 50 000 Stück ein Problem für die Farmen. In kleinem Umfang wird Fleisch zu Büchsenfleisch, Kühlfleisch usw. verarbeitet. Die Fleischindustrie hat durch Zollschutz seit einigen Jahren einen gewissen Auftrieb erhalten. Auch die Erzeugung von Molkereiprodukten und Eiern hat gute Fortschritte gemacht. Etwa ein Sechstel der Fläche Cubas wird als forstwirtschaftlich nutzbar angesehen. Die wichtigsten Edelholzarten sind: Zeder, Mahagoni und Majagua (eine Lindenart). Holz, insbesondere Mahagoni, wird auch in geringen Mengen ausgeführt. Zedernholz wird auf Cuba zur Herstellung von Zigarrenkisten und Bleistiften verwandt. 2. Industrie Mit mineralischen Bodenschätzen — ausgenommen Eisen — ist Cuba nicht im besonderen Maße gesegnet. Bisher wurden von den vorhandenen Lagern auch nur geringe Mengen abgebaut. Die Eisen lager Cubas werden auf 3V2 Milliarden Tonnen geschätzt. Ueber 90 v. H. sind im Besitz von nordamerikanischen Stahlkonzernen. Die bisherigen Förder- und Ausfuhrmengen halten sich in bescheidenen Grenzen; 1936 wurden 345 000 Tonnen ausgeführt. -— Bei Santiago de Cuba werden geringe Mengen von Mangan erzen gefördert. — Der Abbau der Kupfer erze auf Cuba war bisher durch den Tiefstand der Preise und die Höhe der Förderungskosten behindert. Immerhin wurde 1936 Kupfer im Werte von 1,5 Mill. Dollar exportiert. Im Zusammenhang mit der Kupfererzeugung steht die Produktion von geringen Goldmengen. Seit einigen Jahren wird auf Cuba auch Petroleum gefördert. Die geförderten Mengen reichen aber nicht aus, um den eigenen Bedarf zu decken. Deshalb muß Petroleum — wie alle übrigen Kraftstoffe, insbesondere Kohle — eingeführt werden. — Eine Benzinquelle in der Provinz Sta. Clara wird seit Anfang 1935 von einer nordamerikanischen Gesellschaft ausgebeutet. Dort tritt reines Benzin aus der Erde, wie es als Treibstoff für Automobile ohne weitere Verarbeitung verwandt werden kann. Die Gesellschaft förderte in den letzten 2 Jahren etwa 5 Millionen Gallons (1 Gallon 3,79 Liter) aus dieser Quelle zutage und beabsichtigt, die Bohrungen nach Benzin in großem Maßstab fortzusetzen. Der Industrialisierung Cubas sind enge Grenzen gesetzt: Die Natur hat die Insel nur mit wenigen industriell verwertbaren Rohstoffen ausgestattet, an Kraftstoffen wie Kohle, Petroleum, Wasserelektrizität ist das Land sehr arm. Auch ist das Absatzgebiet zu klein, als daß sich irgendwelche Massenproduktion in großem Maßstabe lohnte, und das nordamerikanische Produktionsgebiet ist zu nah, als daß Cuba ernstlich als Konkurrent auf irgendeinem industriellen Gebiet auftreten könnte. Trotzdem bietet der eubanische Markt einige Chancen für industrielle Kleinbetriebe, und es hat sich auch die bestehende eubanische Industrie — trotz schwerer Rückschläge in den Depressionsjahren — gut entwickelt, wobei freilich ein freigebig gewährter Zollschutz sehr förderlich war. Die eubanische Bevölkerung bevorzugt aber (wenn kein zu hoher Preisunterschied besteht) ausländische Produkte, so daß sich die einheimischen Fabrikanten immer mehr genötigt sehen, die Verpackung und Aufmachung ihrer Produkte den ausländischen anzugleichen. Nach den gebrauchten Rohstoffen lassen sich zwei Gruppen von Industrien unterscheiden: a) solche, die einheimische Rohstoffe verwenden, und b) solche, deren Produktion auf eingeführten Rohstoffen beruht. Zur erstgenannten Gruppe gehören folgende Produkte: Zigarren und Zigaretten, Sisal-Taue und -Bindfaden, Möbel, Büchsenfleisch, Molkereiprodukte, Obst- und Hummerkonserven, Zement, Ziegel und Schindeln, Alkohol und Rum, Schwämme. Zur Gruppe b) gehören: Farben, Seife, Parfumerien, Toiletteartikel, Hüte (Stroh und Filz), Papier und Karton, Blechbehälter, Wirkwaren und Trikotagen, Steichhölzer, Konfektion, Stiefel und Schuhe (einheimische Leder werden nur für Sohlen verwandt), Aluminium-Artikel, Biskuits, Mineralwässer (hergestellt unter Verwendung eingeführter Essenzen), baumwollene Bekleidungsstücke, Wolldecken, Handtücher, Bier und künstliche Düngemittel. 3. Währung und Finanzen Die Währungseinheit der eubanischen Republik ist der Peso, der die gleiche Parität wie der U. S. A.-Dollar hat. Gegenwärtig notiert also 1 eubanischer Peso RM. 2,49. Seit 1934 gibt die eubanische Währungsbank auch Papiergeld aus, das in Silberwährung eintauschbar ist. — Neben dem eubanischen Peso läuft auch Geld der Vereinigten Staaten um; der U. S. A.-Dollar ist die im Geschäftsleben gebräuchliche Rechnungseinheit. Cuba hat keine Devisenbewirtschaftung. Die Staatseinnahmen und -ausgaben werden für 1936/37 auf rund 73 Mill. Dollar veranschlagt. Die gesamte innere und äußere Verschuldung der Republik belief sich Ende März 1937 auf 249 Mill. DoUar. 1934 bat die Regierung um ein Moratorium für die Amortisation der ausländischen Schulden; außer den Annuitäten werden aber auch die Zinsen nicht bezahlt. Die ausländischen Investitionen auf Cuba sind sehr hoch: die der. Nordamerikaner belaufen sich auf insgesamt über 951 Millionen Dollar. Davon war etwa ein Drittel in der Zuckerproduktion angelegt. Die englischen Investitionen werden auf etwa 34 Millionen Pfund geschätzt. 4. Außenhandel Cubas wirtschaftliches Wohlergehen ist ganz vom Außenhandel abhängig. Die einheimische Produktion ist zur Zeit noch weniger auf Selbstversorgung als auf Ausfuhr einiger weniger Stapelprodukte eingestellt. Ein großer Teil der Nahrungsmittel, der Bekleidung und der Fertigwaren muß aus dem Ausland eingeführt werden. Die Einfuhr wird jedoch durch hohe Zölle erschwert. Nahrungsmittel und Textilien bilden rund 50 v. H. der Einfuhr. Reis wird aus Indien und Siam bezogen, Mehl aus den U. S. A. und Canada, Schmalz aus den U. S. A., Fische aus Norwegen, Spanien und den U. S. A., und Bohnen — ein Volksnahrungsmittel — aus Chile, den U. S. A., Frankreich und Rumänien. Baumwollwaren kommen aus den U. S. A., Großbritannien und Japan, Wollwaren aus den U. S. A., Belgien und Italien. Die Säcke für den Zucker- und Kaffee-Export kommen aus Indien (in Zukunft soll ein großer Teil in Cuba selbst hergestellt werden), und bei der Lieferung von Maschinen, Elektroartikeln und Werkzeugen sind U. S. A. und Deutschland Konkurrenten. Chemische und pharmazeutische Erzeugnisse liefern Frankreich und die U.S.A. Die gesamte Einfuhr belief sich 1936 auf 103 Mill. Dollar, ca. 50 v. H. mehr als 1934. Davon kamen Waren im Werte von über 66 Mill. Dollar aus den Vereinigten Staaten. Die Einfuhr aus Deutschland war nur geringfügig: nicht einmal 5 v. H. des Wertes aller eingeführten Waren kam aus Deutschland. Die Ausfuhr richtet sich ebenfalls hauptsächlich nach den Vereinigten Staaten (wohin 1936 für 122 Mill. Dollar Waren exportiert wurden), denen — nach weitem Abstand erst — Großbritannien folgt. Deutschlands Anteil an der eubanischen Ausfuhr ist noch geringer; nur 1,8 v. H. des Ausfuhrwertes aller ausgeführten Waren richteten sich nach Deutschland. 5. Verkehr Cuba hat ein verhältnismäßig gut ausgebautes Straßen- und Eisenbahnnetz. Die Eisenbahn steht in scharfer Konkurrenz mit dem Kraftwagentransport auf den guten eubanischen Chausseen. Das Schienennetz Cubas umfaßt insgesamt fast 14 000 km, von denen 4900 km öffentlichen Bahnen und 9100 km Privatbahnen gehören. Die zuletzt genannten sind im Besitz der Zuckermühlen und stehen dem allgemeinen Verkehr nicht offen. 1931 wurde eine Zentralehaussee vollendet, die die Insel in ihrer ganzen Länge durchläuft, was dem Automobilverkehr —

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