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Jüdische Auswanderung · 1938-07-01 · Juli 1938 · p. Seite 68

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Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1938. Bestand LBI
Issue
Juli 1938
Date
1938-07-01
Page
Seite 68 (sequence 74)
Language
German
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lichungen sind reichlich 100 englisch, 25 jiddisch, davon fünf Tageszeitungen. Ein Dutzend ungefähr ist zweisprachig, englisch und jiddisch, ungefähr ebenso ist die Zahl der hebräischen Publikationen; schließlich gibt es eine in Ladino. Auf dem Gebiete einer eigenartigen jüdischen Kunst ist das Jiddische Theater zu erwähnen. Die Zahl der Bühnen schwankt zwischen fünf und zehn. Einige von ihnen haben bedeutende Schauspieler hervorgebracht. 6. Soziale Hilfe 1. Allgemeines Die jüdische Sozialarbeit umfaßt alle Gebiete der Fürsorge — für Notleidende, Kranke und Genesende, hilfsbedürftige Kinder und Waisen, Alte und Obdachlose —, ferner Arbeitsbeschaffung und Berufsberatung, Darlehnshilfe, Erholung. In diesen Bereichen wurden 1935 nahezu 1500 örtliche und bezirkliche Zentralstellen (agencies) gezählt, die im Jahre mehr als 30 Mill. § für die Zwecke ihrer Mitgliedsvereine aufwenden. Sozialorganisationen sind weiter die sogenannten Centers und die Settlements, beides Einrichtungen, die auf dem Gedanken der Nachbarschaftshilfe aufgebaut sind (die Settlements gleichzeitig als Wohngemeinschaft der Mitarbeiter), mit einem Aufwand von 4 Mill. S jährlich. Unter Einrechnung der Erziehungsvereine, der Spitzen verbände, der Hilf s vereine für Uebersee usw. ergab sich 1935 ein Sozialetat von fast 50 Mill. S im Jahr. Die Mittel werden zum Teil aus eigenen Mitgliedsbeiträgen und Spenden aufgebracht. Steigenden Anteil aber haben Sammlungen, die zentral durch dafür gegründete Stellen gesammelt und von diesen verteilt werden. 2. Fürsorge für Notleidende Die Fürsorge ist, wie in allen Ländern, ursprünglich Armenfürsorge gewesen und, der jüdischen Lehre entsprechend, zunächst von den Synagogen ausgeübt worden. Die erste freie W ohlfahr tsvereinigung (Hebrew Benevolent Society of New York — WohltätigkeitsgeselJschaft) wurde 1822 gegründet. Sie entwickelte sich durch verschiedene Phasen, die durch die großen Einwanderungswellen geschaffen wurden, zur Jewish Social Service Association of New York, der größten jüdischen Wohlfahrtsorganisation der Welt. Entsprechende Organisationen bestehen in den anderen Städten. Sie haben die gleiche Entwicklung durchgemacht. Die neuzeitliche Namensgebung — in Chicago z. B. Jewish Social Service Bureau (Bureau bedeutet Amt) — hat nicht nur formale Bedeutung, sondern ist Ausdruck einer W andlung der Arbeit. Einmal ist an die Stelle reiner, nach summarischen Maßstäben gegebener Unterstützung das „c a s e w o r k" (die individuelle Einzelbehandlung und -feststellung) getreten. Darüber hinaus aber bildet die Unterstützung, wenn sie auch die meisten Mittel erfordert, nicht mehr den Hauptinhalt der Betreuung. Diese erfaßt vielmehr die Familie in allen ihren Bedürfnissen und hat zum Ziel, sie wieder auf eigene Füße zu stellen und von der Unterstützung unabhängig zu machen. Die zuständigen Organisationen nennen sich „Family care agencies" (Familienfürsorgestellen). Sie haben durchschnittliche Familienhaushaltspläne ausgearbeitet und stellen den von ihnen betreuten Familien wöchentlich oder monatlich Beträge zur Verfügung, die sorgfältig nach ihren jeweiligen Bedürfnissen berechnet sind, mit denen sie dann aber im einzelnen selbständig zu wirtschaften haben. Die Zahl der family agencies wird auf etwa 100 geschätzt, ihr Aufwand belief sich 1935 auf etwa 4,2 Mill. $. Sie beschäftigen Hunderte von sozialen Berufsarbeitern. Ein wichtiger Arbeitszweig der family agencies ist die Betreuung geistig oder moralisch Minderwertiger, insbesondere Knaben und Mädchen. Hierfür ist in New York City eine Sonderorganisation, der Jewish Board of Guardians (eine Art Fürsorgeerziehungs-Ausschuß) eingesetzt, der über eine große und für die Sonderaufgaben ausgebildete Mitarbeiterschaft verfügt. Er unterhält je eine Anstalt für Jungen und für Mädchen, die einzigen jüdischen dieser Art in den Vereinigten Staaten. Die Zukunft der jüdischen Familienfürsorge wird im Augenblick als ungewiß angesehen. Sie wird von der Entwicklung abhängig sein, die einmal die staatliche Sozialversicherung (social security), zum andern die staatliche Wohlfahrtspflege nehmen wird, die in Ausdehnung und Vertiefung begriffen ist. 3. Gesundheitsfürsorge Die Sorge für den Kranken ist von der jüdischen Gemeinschaft stets als eine wichtige Aufgabe empfunden worden. Bereits 1850 wurde das erste jüdische Krankenhaus in Cincinnati, Ohio, errichtet, das sich grundlegend von dem traditionellen Ghetto-Hospital unterschied. Inzwischen ist sowohl zahlenmäßig wie in der Leistung eine große Entwicklung eingetreten. Die mehrfach aufgeworfene Frage, ob die Unterhaltung eigener jüdischer Krankenhäuser, die sehr kostspielig sind und zuweilen die Etats der jüdischen Organisationen ganz umgeworfen haben, notwendig und erwünscht ist, ist bejahend entschieden worden, obwohl einerseits die Häuser auch nichtjüdische Patienten aufnehmen und jüdische Kranke andererseits auch allgemeine Krankenhäuser aufsuchen. Die Gründe lagen einmal darin, daß der jüdische Kranke im jüdischen Krankenhaus sich heimischer fühlt, auch in einem, das nicht rituell geführt ist. Zum andern aber sind die jüdischen Anstalten unentbehrlich als Ausbildungs - und Forschungsstätten für die jüdischen Aerzte, die nur selten in allgemeinen Krankenhäusern Anstellung finden, und zur Ausbildung der jüdischen Schwestern. Die hier geleistete Forschungsarbeit ist auch für die allgemeine Gesundheitsfürsorge nutzbar geworden, wie andererseits die jüdische Arbeit durch die umfassendere allgemeine befruchtet worden ist. Die Ausbreitung der jüdischen Krankenhäuser geht daraus hervor, daß jetzt Groß-New York allein 18 Krankenhäuser und Kliniken mit zusammen nahezu 4000 Betten und einem Aufwand von 9 Mill. $ jährlich besitzt. In der ganzen Union gibt es etwa 70 jüdische Krankenanstalten mit einer Bettenzahl von 9000, jährlichen Ausgaben von rund 19 Mill. s, mehr als 2% Mill. Pflegetagen im Jahr. Die Zahl der Angestellten beläuft sich auf rund 4300. Einige der Krankenhäuser gehören zu den führenden Krankenanstalten der Vereinigten Staaten im allgemeinen, so insbesondere Mt. Sinai in New York City, 1855 gegründet, jetzt die größte jüdische Anstalt mit 13 000 bis 14 000 Patienten und 13/4—2 Mill. $ Ausgaben im Jahr; ferner Michael Reese in Chicago, Mt. Sinai in Cleveland, Beth Israel in Boston, Jewish Hospital in St. Louis, Cedars of Lebanon in Los Angeles. Außerdem gibt es noch 40 bis 50 meist mit den Krankenhäusern verbundene jüdische Kliniken und Polikliniken, die jährlich von 2 bis 2V2 Millionen jüdischen und nichtjüdischen Patienten aufgesucht werden. Für Geisteskranke ist leider kein einziges jüdisches Krankenhaus vorhanden, was insbesondere im Hinblick auf die nicht seltenen Fälle von Neurose beklagt wird. Es kommen für die Kranken nur die Spezialanstalten in Frage, die von den Staaten und ihren Abteilungen unterhalten werden. Unbefriedigend geregelt sind auch die Verhältnisse für die chronisch Kranken. Für sie besteht nur ein einziges jüdisches Krankenhaus in New York City und sonst keines im ganzen Lande. Sie sind daher auf Krankenanstalten angewiesen, die von Städten, Bezirken (Counties) oder Staaten unterhalten werden, aber auf einem wenig befriedigenden Niveau geführt sind. Die jüdische Anstalt ist das 1884 gegründete Montefiore Hospital, das allerdings einen besonders hohen Stand einnimmt HECHT & DAVID BRESLAU, Ring Ä9 Sie finden bei uns an Stoffen für Ihre Ausrüstung alles, was Sie brauehen! Seiden-, Woll-, Herren Stoffe Baumwollenu. Leinenstoffe 68

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