Jüdische Auswanderung
- Journal
- Jüdische Auswanderung
- Volume
- 1937. Bestand LBI
- Issue
- Herbst 1937
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 77 (sequence 83)
- Language
- German
- Belongs to
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Süd-Rhodesien Nach Annahme des neuen, viel strengeren Einwanderungsgesetzes in der Südafrikanischen Union Anfang 1937 hat auch das benachbarte Süd-Rhodesien die Bestimmungen wesentlich verschärft; doch dürfte es sich hierbei wohl nur um eine vorübergehende Maßnahme handeln. In diesem Sinne geben wir zur Orientierung über dieses zukunftsreiche Land den folgenden Abschnitt aus dem Bericht wieder, den der Vorsitzende des Vorstandes des Hilfsvereins, Dr. Mark Wischnitzer, nach seiner Informationsreise Ende 1936 erstattet hat. I. Allgemeine Beschreibung des Landes 1. Lage und Natur des Landes........... 77 2. Klimatische Verhältnisse............. 77 3. Bevölkerung ................... 77 II. Die Landwirtschaft 1. Der Ackerbau .................. 77 2. Viehzucht..................... 78 3. Ansiedlungsprobleme ............... 78 III. Der Bergbau .................... 79 IV. Verarbeitende Industrie............... 79 V. Löhne und Lebenshaltungskosten........... 80 VI. Die jüdische Niederlassung in Süd-Rhodesien .... 80 I. Allgemeine Beschreibung des Landes 1. Lage und Natur des Landes Süd-Rhodesien, mit einer Flächengröße von 389 370 qkm, ist ein Hochland, das im allgemeinen 1200—1600 Meter über dem Meere liegt, überragt von einigen Bergen und Höhenzügen, die im Osten des Landes in den Inyangabergen 2500 m Höhe erreichen. Die Flüsse aus diesem Gebiet fließen nach allen Himmelsgegenden ab, zum Sambesi, Limpopo und zur Küste. Es sind dauernd fließende Gewässer. Das Land ist im allgemeinen nicht wasserarm, doch sind die Niederschlagsmengen in den einzelnen Teilen des Landes ganz verschieden, ein Umstand, der für die Wahl eines Siedlungsgeländes von ausschlaggebender Bedeutung ist. 2. Klimatische Verhältnisse Das Klima Süd-Rhodesiens ist ausgesprochen tropisch, in höheren Lagen subtropisch. Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt 66° F 19° C, bei einem Maximum von 78° F 25° C und einem Minimum von 54° F 121/2° C, wobei die ausgesprochen große Abkühlung in den Nächten in Betracht zu ziehen ist. Die kältesten Monate sind der Juni und der Juli. In diesen ist die nächtliche Abkühlung so stark, daß in einzelnen höheren Regionen das Thermometer beinahe bis an den Gefrierpunkt sinkt. In den Monaten Mai und August liegen die Temperaturen unter dem Mittel, um von Mitte August an zu steigen. Sie erreichen die größte Höhe im Oktober. Die Monate September und Oktober sind somit die unangenehmsten und heißesten. Trotzdem ist das Klima für Europäer noch gut erträglich und gesund. Malaria kommt nur in einigen niedrig gelegenen Landstrichen vor. Um in den größeren Höhenlagen körperlich arbeiten zu können, müssen Europäer über ein gesundes Herz und gesunde Lungen verfügen. Die Sterbeziffern des Landes liegen weit unter denen vieler europäischer Länder. Bezüglich der Niederschlagsverhältnisse ist folgendes hervorzuheben. Die Zone mit niedrigster Regenmenge hat im Jahresdurchschnitt 21,3 engl. Zoll 540 mm; in den meisten Teilen des Landes liegt sie etwas über 30" 760 mm und erreicht in einer kleinen Gebirgszone im Osten des Landes 53,6" 1360 mm. Die Niederschläge genügen somit in dem größten Teil Süd-Rhodesiens zur Erzeugung guter Ernte. Zwei Jahreszeiten sind deutlich voneinander zu unterscheiden, Regenzeit und Trockenzeit. Die Regenzeit hat ihrerseits wieder zwei Perioden, eine, die vom Oktober bis Dezember dauert. In dieser sind kurze Regenschauer und Gewitterregen von halb- bis zweistündiger Dauer die Regel. Die Hauptregenzeit dauert von Dezember bis März. Lang anhaltende, wenn auch nicht so heftige Regen sind hier vorherrschend. In der Trockenzeit, die von April bis September dauert, sind nur wenige Regentage zu verzeichnen. 3. Bevölkerung Etwa einer M illion Eingeborener stehen rund 50000 Weiße gegenüber, von denen etwa 40 °/o landwirtschaftlich tätig sind. Die Schwarzen sind einigermaßen anstellig und arbeitsam. Zum weitaus größten Teil leben sie als Landwirte in Reservaten. Da es in Afrika nicht üblich ist, daß Weiße grobe Arbeiten verrichten, ist man auch in der Landwirtschaft auf die Hilfe der Schwarzen angewiesen. Längere Arbeitskontrakte sind in Rhodesien nicht üblich, da die Eingeborenen in der Regel ihre Arbeitsplätze häufig wechseln. Kontrakte werden üblicherweise auf 1—6 Monate abgeschlossen. In neuerer Zeit wird versucht, die Eingeborenen an ihre Arbeitsplätze zu binden, indem ihnen 5 acres kultiviertes Land pro Kopf gestellt werden, deren Eigentum sie erarbeiten können. Sie wohnen in Hütten, die sie sich selbst herstellen. Ein gewöhnlicher Landarbeiter verdient etwa 10—15 Schüling pro Monat, jedoch ist der Lohn für geschickte Facharbeiter, wie vor allem Öchsentreiber, bis £ 2 pro Monat. Hierzu kommen dann noch die Ernährungskosten, die auf der Farm etwa auf 7/6 Schilling pro Monat zu veranschlagen sind. Die Leute sind anspruchslos. Sie sprechen außer ihrer eigenen Sprache fast ausnahmslos Pidgin-Englisch. II. Die Landwirtschaft 1. Der Ackerb au Die Vegetation in Süd-Rhodesien ist dem tropischen Klima und der im allgemeinen ausreichenden Niederschlagsmenge entsprechend recht mannigfaltig, infolgedessen werden in den verschiedenen Zonen des Landes mit Erfolg verschiedene Kulturpflanzen angebaut. Mais ist das Hauptprodukt des ackerbautreibenden Farmers und wird in großer Menge angebaut. Er dient der menschlichen Ernährung und als Viehfutter. Die Qualität in Süd-Rhodesien gilt als besonders gut, und es werden im allgemeinen auch große Ernten erzielt. Verschiedene Sorten sind eingeführt und haben sich gut bewährt. Die Ernte beginnt Mitte Mai. Der Ernteertrag ist sehr verschieden. Man rechnet mit einem Ertrag von etwa 10 Sack pro acre. Baumwolle ist das zweitwichtigste Produkt des Landes. Sie hat sich gut eingeführt und gehört in Ver- SILBERSTEIN & C 0 BERLIN S036 REICHEN B E R G E R STRASSE 154 77