Jüdische Auswanderung
- Journal
- Jüdische Auswanderung
- Volume
- 1937. Bestand LBI
- Issue
- Herbst 1937
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 37 (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
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zu den vorhandenen reichen Kohlenlagern auch Fundstätten von Eisenerzen hinzukommen. Australien ist in der glücklichen Lage, über beträchtliche Eisenerzlager zu verfügen, die über den ganzen Kontinent verteilt sein sollen. Die Umwandlung dieser Erzläger in Eisen und Stahl findet jedoch im großen Stil nur in den Werken von Neusüdwales statt; daneben werden kleinere Mengen Eisenerz in Südaustralien und Tasmanien verarbeitet. Im Produktionsjahr 1933/34 wurden in Australien 487 000 t Barreneisen und 518 000 t Fluß-Stahl produziert. Hinzu kamen noch 431 000 t andere Stahlprodukte, vor allem Schienen. Obgleich die Energiewirtschaft Australiens reichliches Rohmaterial in den unerschöpflichen Kohlenlägern findet, bildet der Mangel an Erdöl doch ein erhebliches Hindernis für die industrielle Entwicklung. Es ist bisher trotz eifrigster Bohrungen nicht gelungen, größere Erdöllager zu entdecken. Doch wird die Suche nach Petroleum fortgesetzt, und die australischen Regierungen geben jährlich große Summen zur Unterstützung der Petroleum-Mutungen aus. — Auch betreibt man in Australien unter großen Kosten Versuche, Kohle in O e 1 umzuwandeln, um die australische Handelsbilanz von der gewichtigen Hypothek der Petroleum- und Benzineinfuhr zu erleichtern. Außer den obengenannten Bodenschätzen werden noch in Australien Mangan, Wolfram, Wismut, Antimon, Asbest, Graphit sowie verschiedene Halbedelsteine (wie Rubine und Opale) gefunden. 4. Die Industrie In Anbetracht der außerordentlich geringen Bevölkerung Australiens und der großen, noch ungenutzten Möglichkeiten auf dem Gebiet der Landwirtschaft und Viehzucht ist es erstaunlich, daß Australien schon eine sehr beachtliche Industrie aufweist, die in weitcrem schnellem Fortschritt begriffen ist. Dies erklärt sich aber vor allem aus der schon früher erwähnten Verstädterung Australiens; die Neigung der Bevölkerung zum Leben in der Stadt gibt der Industrialisierung einen starken Antrieb. Doch macht sich die Tatsache, daß der Aufbau der australischen Industrie zum großen Teil mehr soziologischen und politischen als rein wirtschaftlichen Faktoren entspringt, in mannigfacher Weise geltend und bestimmt die Struktur dieser Industrie sehr stark. Sowohl die Hemmungen wie die Gewinnchancen der Industrie sind zum großen Teil künstlich geschaffen. Denn auf der einen Seite liegen ihre Hauptschwierigkeiten nicht zuletzt in dem außerordentlich hohen Lohnniveau, das teils durch die gesetzlichen Mindestlöhne, teils durch die Gewerkschaften erzwungen wird, und in der Fülle sozialpolitischer Vorschriften; auf der anderen Seite aber sorgen Zollschutz und andere Staatsmaßnahmen dafür, daß der Industrie ein auskömmliches Preisniveau nach Möglichkeit garantiert wird. Unter solchen Umständen kann sich dann freilich auf Grund der reichen Rohstofflager in einer großen Reihe von Zweigen die heimische Produktion durchsetzen, auch wenn sie, wegen der Kleinheit des Marktes, nicht die Methoden der modernen Massenproduktion anwenden können; und es ist kein Zweifel, daß die Tendenz zum Aufbau weiterer Industrien vorläufig innerhalb des zollgeschützten Marktes noch ein weites Feld hat und auch für neue Gründungen Raum bietet. Betrachtet man nun den gegenwärtigen Stand der australischen Industrie im einzelnen, so zeigt sich folgendes Bild: Die Zahl der industriellen Kleinbetriebe1), d. h. der Betriebe mit weniger als 10 Arbeitern ist in Australien verhältnismäßig viel höher als in anderen industriell!) Der Begriff „Industrie-Betrieb" der australischen Statistik deckt sich in vieler Beziehung mit dem „Gewerbe-Betrieb" der deutschen Statistik. entwickelten Ländern. Der australische Unternehmer ist, um die hohen Lohnunkosten zu sparen, gezwungen, sich nach lohnenden Rationalisierungsmöglichkeiten und Arbeiter sparenden Betriebsanordnungen umzusehen, und der Kapitalreichtum des Landes begünstigt die Entwicklung zum kapitalintensiven Betrieb. Die australische Statistik zeigte im Fiskal-Jahr 1934/35, daß 70 °/o der damals bestehenden 24 211 „industriellen" Betriebe weniger als 10 Arbeiter beschäftigten; 35 «b beschäftigten sogar weniger als 4 Arbeiter. Die Anzahl der größeren Betriebe war erstaunlich gering; nur 6,8 °/o aller Betriebe beschäftigten mehr als 50 Personen. Dabei machte sich in den kurz auf die Krise folgenden Jahren sogar schon eine Tendenz zur Betriebsvergrößerung bemerkbar, die deutlich wird, wenn man die genannten Zahlen mit denen des Jahres 1931/32 vergleicht; damals beschäftigten nur 5,4 o/o aller Betriebe mehr als 50 Arbeiter. Der Wert der hergestellten Produkte war dagegen im Verhältnis zur Kleinheit der Betriebe erstaunlich hoch. 1934/35 wurde der Wert der gesamten industriellen Produktion Australiens auf rund 365 Millionen Pfund geschätzt (1935/36 betrug er 414,6 Millionen Pfund). Die folgende Uebersicht zeigt, wie sich dieser Wert der Gesamtproduktion auf die einzelnen Industriezweige verteilt und gibt dabei ein Bild von den Ausmaßen der australischen Industrie selbst: Wert der australischen Industrie -Produktion 1934/35 (in 1000 £A) Eisen- und Stahl-Industrie 19 101 Wolle (Kammgarn und Lumpenwolle) 10 712 Technische Betriebe (außer Seefahrt und Elektrotechnik) 9 194 Herrenschneiderei und Fertigkleidung 8 407 Trikotagen und andere Wirkwaren 6 561 Stiefel und Schuhe 6 557 Verzinktes Eisen und Blechindustrie 5 663 Chemikalien, Drogen, Medizinen 5 171 Karosserie-Bau 4 908 Möbel und Polsterwaren 4 405 Hemden, Kragen und Unterkleidung 4 174 Drahtfabrikation (einschl. Nägel) 3 982 Elektrische Anlagen, Kabelu. Apparatebau 3 822 Autoreifen 3 499 Andere Gummiwaren 2 580 Damenschneiderei 3 488 Papierherstellung 3 448 Chemische Düngemittel 3 441 Bleiweiß, Farben und Firnisse 2 667 Hüte, Mützen, einschl. Putzu. Modewaren 2 373 Glasflaschen 1996 Radio-Apparate 1859 Für die Vielfältigkeit der Erzeugnisse der verarbeitenden Industrie ist die Elektroindustrie beispielhaft. Diese stellt u. a. Motoren, Kontrollgeräte, Heizungs-, Kühlungs- und Klimaanlagen, Kühlschränke, Ventilatoren, Plätteisen, Staubsauger, Glühbirnen und neuerdings sogar Generatoren her. Andere industrielle Betriebe sind reine „M ontagefabrik e n". So werden, wovon im Abschnitt „Verkehrswesen" die Rede ist, in Australien Automobile von zahlreichen Firmen zusammengesetzt. — Neuerdings bemüht man sich auch, in Australien eine eigene Flugzeug-Industrie zu entwickeln, die ebenfalls vorwiegend eingeführte Einzelteile zusammensetzt und Reparaturen vornimmt. — Die australischen Eisenbahnwerkstätten verdienen gleichfalls Erwähnung. Schließlich kann noch darauf hingewiesen werden, daß australische Werften in der Lage sind, moderne Ueberseeschiffe zu bauen. Die folgende Uebersicht gibt einen Vergleich des Einfuhrwertes wichtigster industrieller Produkte mit u^m Werte der in Australien selbst produzierten Mengen. Es ergibt sich daraus vor allem, daß in der Textilindustrie, in den verschiedenen Konsumgüter-Industrien und in eini- Silk'out, sutk1tm - mU ViUwtUit! 37