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Jüdische Auswanderung · 1936-09-01 · September 1936 · p. Seite 97

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Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1936. Bestand LBI
Issue
September 1936
Date
1936-09-01
Page
Seite 97 (sequence 103)
Language
German
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Peru Peru kann als eines der zukunftsreichsten Länder Südamerikas angesehen werden. Seine Wirtschaft bietet große Entwicklungsmöglichkeiten, vor allem für größere und kleinere industrielle Unternehmungen. Die politischen Verhältnisse des Landes erscheinen als gefestigt. Peru dürfte imstande sein, einer nicht allzu großen Zahl von Juden aus Deutschland gute Arbeitsmöglichkeiten zu bieten, besonders Unternehmern mit etwas Kapital und gut ausgebildeten Handwerkern, auch Technikern und unter Umständen sogar sprachkundigen Kaufleuten. Leider sind die Einvvanderungsbestimmungen streng und schwer zu erfüllen. Seite I. Einwanderungsbedingungen............. 97 II. Das Land..................... 97 1. Natur und Haupteinteilung des Landes...... 97 2. Klima und Gesundheitsverhältnisse........ 98 3. Bevölkerung .................. 99 4. Regierungsform und Innenpolitik......... 99 III. Die Wirtschaft .................. 99 1. Landwirtschaft ................. 99 2. Bodenschätze .................. 100 3. Industrie .................... 100 4. Verkehr..................... 100 5. Außenhandel .................. 100 6. Währung .................... 101 7. Konjunktur ................... 101 IV. Aussichten für Einwanderer............ 101 1. Handwerker................... 102 2. Kaufleute.................... 102 3. Arbeiter .................... 102 4. Angestellte ................... 102 5. Techniker.................... 102 6. Mediziner.................... 102 7. Industrielle ................... 102 8. Siedler ..................... 102 V. Lebenshaltungskosten................ 102 VI. Kulturelles..................... 103 VII. Jüdisches Leben.................. 103 VIII. Brief aus Peru.................. 103 I. Einwanderungsbedingungen Seit Juni 1935 haben neue Maßnahmen die Vorschriften über die Einwanderung von Ausländern sehr streng gestaltet. Es ist notwendig, den Konsulaten im Auslande folgende Dokumente vorzulegen bzw. einzusenden: 1. Ein Sitten- bzw. Führungszeugnis und ein Gesundheitszeugnis. Das Führungszeugnis muß auch besagen, daß der Betreffende keiner zersetzenden oder terroristischen Partei angehört. Dem Gesundheitszeugnis muß auch ein Impfschein über Pockenimpfung beigelegt werden, der nicht älter als zwei Jahre ist. 2. Eine Bescheinigung eines anerkannten Bank- oder Kreditinstitutes, die beweist, daß der Betreffende über genügend Mittel verfügt, seine wirtschaftlichen Bedürfnisse zu befriedigen. Ein bestimmter Zeitraum, für den diese Mittel ausreichen müssen, ist nicht genannt. 3. Die Passagiere der 2. und 3. Klasse, die sich im Lande mehr als 60 Tage aufhalten wollen, müssen beweisen, daß sie ein Kapital von mehr als 2000 Soles besitzen, oder in Ermangelung dessen einen Arbeitsvertrag mit einer peruanischen Unternehmung von anerkannter Zahlungsfähigkeit, der vorher durch das Auswärtige Amt in Lima visiert worden ist. Auch von Passagieren der 1. Klasse, die ohne Angabe einer bestimmten Zeit im Lande zu bleiben gedenken, kann die Nachweisung eines Betrages von 2000 Soles oder mehr verlangt werden. 4. In Ermangelung von Kapital oder eines Arbeitsvertrages muß der Immigrant den zuständigen Behörden beweisen, daß er Angehörige in Peru besitzt, welche sich verpflichten, ihn zu ernähren, falls er keine Arbeit findet. Zu diesem Zweck müssen die Angehörigen oder Freunde Gesuche einreichen, die von den Behörden verifiziert werden müssen; die einen wie die anderen müssen sich verpflichten, nötigenfalls die Kosten der Rückfahrt zu bezahlen, indem sie eine Kaution stellen, deren Betrag von den Behörden festgesetzt wird. 5. Die 2000 Soles müssen bei der Schiffahrtsgesellschaft, die den Betreffenden transportiert hat, oder bei einer anderen offiziellen Unternehmung hinterlegt werden; die Quittung muß dem Konsul in dem Moment, wo man das Visum verlangt, vorgezeigt werden. Der deponierte Betrag wird wiedergegeben, wenn festgestellt worden ist, daß der Einwanderer alle gesetzlichen Formalitäten bei seinem Betreten und Aufenthalt im Lande erfüllt hat. Damit alle diese Bestimmungen erfüllt werden, müssen alle Personen, die ihre Angehörigen in das Land kommen lassen wollen oder die Arbeitskontrakte besitzen, sich an eine Abteilung des Innenministeriums wenden, die kürzlich eigens zu diesem Zweck geschaffen worden ist und „Ausländer-Abteilung" heißt. Diese prüft, ob alle Formalitäten erfüllt worden sind, und gibt ihre Genehmigung erst nach dieser Prüfung. (Nach Angaben der Hicem, Mai 1936) Alle in einem peruanischen Hafen eintreffenden Personen müssen sich innerhalb 24 Stunden nach der Landung bei der Polizei zur Ausstellung einer Identitätskarte melden. Kosten: 10 Soles. Wie aus Lima berichtet wird, werden polnische Staatsangehörige von den Einwanderungsbehörden nur sehr ungern zugelassen. II. Das Land 1. Natur und Haupteinteilung des Landes Peru grenzt an Ecuador, Brasilien, Columbien, Bolivien und Chile. Da seine Grenzen, insbesondere die gegen Ecuador, nicht feststehen, schwanken auch die Schätzungen seiner Größe. Die richtige Zahl dürfte etwa bei 1244 577 qkm liegen. Demnach wäre Peru etwa zweieinhalbmal so groß wie das Deutsche Reich. Der durchschnittlich 50 km breite und 2000 km lange Küstenstreifen trägt Wüstencharakter. Nur wo die Andenflüsse ihn durchkreuzen, entwickelt sich auf fruchtbarem Boden eine reiche Vegetation. Um diese Täler konzentrieren sich die menschlichen Siedlungen, die, im Süden schwach gesät, von der Bucht von Pisco ab dicht aufeinander folgen. Die Hauptstadt Lima liegt, umgeben von gartenreichen Vorstädten, auf einem sanft von den Andenvorläufern zur See sich neigenden Plateau. Das Bild der rechteckig sich kreuzenden Straßen mit zahlreichen historischen Bauwerken der spanischen Konquistadorenzeit und schönen Privathäusern im spanischen Kolonialstil zeugt von Limas großer Vergangenheit als ehemaliger Hauptstadt Spanisch-Südamerikas und bietet doch den Anblick einer lebhaften und vornehmen modernen Großstadt. In den letzten Jahren wurde die Anzahl großer, erdbebensicherer Eisenbetonbauten vermehrt. Auf neu angelegten, 40 m breiten Straßen pulsiert ein reger Großstadtverkehr. Dort trifft sich täglich die Stadt zur Abendpromenade. Historische Sehenswürdigkeiten und Ausflugsgelegenheiten bieten ebenso Abwechslung wie moderne Vergnügungen aller Art. Callao, als Hafen Limas 12km von der Hauptstadt entfernt, trägt den Charakter einer geschäftigen Handels¬ und Hafenstadt, die nicht durch Limas städtebauliche und landschaftliche Reize verschönt wird. In diesem Landesteil regnet es selten. Kalte Gebirgswinde werden vom Andengebirge abgehalten, und eine frische, vom Humboldtstrom her wehende Seebrise macht das Tropenklinri für Europäer angenehm. 7 97

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