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Jüdische Auswanderung · 1936-09-01 · September 1936 · p. Seite 94

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Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1936. Bestand LBI
Issue
September 1936
Date
1936-09-01
Page
Seite 94 (sequence 100)
Language
German
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Goldpesos zu halten. Die Einfuhr aber, die 1928, vor Krise und Krieg, noch 14,3 Millionen Goldpesos betragen hatte, stürzte 1933 auf 7 Millionen. 1934 stieg sie auf 11 Millionen, doch wies das erste Halbjahr 1935 wieder einen Einfuhrrückgang gegenüber dem ersten Halbjahr 1934 auf. (Die genauen Zahlen für 1935 sind noch nicht bekannt.) Innerhalb der Lieferanten Paraguays machte sich in den letzten Jahren eine bezeichnende Umgruppierung bemerkbar. Japan rückte gewaltig vor, wie denn die Japaner überhaupt in den kleinen und ärmeren Ländern Südamerikas die größten Fortschritte machen. Von 1933 auf 1934 verdreifachte sich die Einfuhr japanischer Waren, und im ersten Halbjahr 1935 war sie bereits 20 o/0 höher als im ganzen Jahr 1934. Japan war 1934 bereits der drittwichtigste Lieferant Paraguays hinter Argentinien und England, und 1935 durfte es bereits an zweiter Stelle stehen. (Die beherrschende Stellung Argentiniens, die sich aus geographischen Gründen ergibt, dürfte allerdings schwerlich zu erschüttern sein.) Besonders die japanischen Textilien beherrschen jetzt zum Schaden der deutschen und englischen Stoffe den Markt. Die Februar-Revolution 1936 führte zu einer schweren Stockung des geschäftlichen Lebens, die vor Wiederherstellung ruhiger politischer Verhältnisse auch schwerlich zu beseitigen sein wird. Man hofft jedoch, daß der neuen Regierung eine innerpolitische Konsolidierung gelingen wird, und daß dann Paraguay mit seinem zweifellos jahrelang aufgestauten Bedarf an Einfuhrartikeln ein lohnenderer Markt für Textilien, Automobile, Chemikalien, pharmazeutische Produkte, Glaswaren, sanitäre Anlagen und dergleichen sein wird. Die Bedeutung der wichtigsten Länder für die Ein- und Ausfuhr Paraguays geht aus folgender Tabelle hervor: Außenhandel Paraguays nach Ländern (in 1000 G.-Pesos) (Ohne Transitwarenverkehr) Einfuhr 1934 Ausfuhr 1934 nsgesamt 11 341 12 378 davon aus/nach Argentinien direkt 6 696 4 757 Argentinien Transit 6 235 England 1 142 15 Deutschland 466 102 Vereinigte Staaten 396 138 Japan 677 — Die Einfuhr aus Deutschland, die 1935 auf 60 o/0 des Vorjahrstandes zurückging, scheint durch die Ausnutzung des Askiverfahrens durch die paraguayanischen Importeure sieh neuerdings günstiger zu gestalten. Die folgende Tabelle gibt einen Ueberblick über den Handel zwischen Deutschland und Paraguay: Deutschlands Außenhandel mit Paraguay 1935, in 1000 RM Einfuhr insgesamt 1 525 Davon: Baumwolle 695 Kalbfelle und Rindshäute 507 Rohtabak 78 Gerbhölzerrinden und -auszüge 19 Ausfuhr insgesamt 983 Davon: Garn aus Baumwolle 15 Baumwollgewebe 126 Filme, belichtet und unbelichtet 17 Papier und Papierwaren 33 Farben, Firnisse, Lacke 26 Sonstige chemische u. pharmaz. Erzeugnisse 196 Glas und Glaswaren 24 Bleche und Draht 39 Kessel, Teile und Zubehör von Maschinen 16 Werkzeuge und landwirtschaftliche Geräte 59 Sonstige Eisenwaren 138 Waren aus Kupfer 14 Elektrotechnische Erzeugnisse 17 Sonstige Erzeugnisse der Feinmechanik 23 Chirurgische Instrumente 17 („Ibero-Amerikanische Rundschau", Nr. 2, April 1936) 6. Konjunktur Die Aufwärtsentwicklung des paraguayanischen Wirtschaftslebens wurde durch den Chaco-Krieg jäh unterbrochen. Zwar hat Paraguay im Kriege selbst Erfolge errungen, aber es wird noch eine geraume Zeit dauern, bis die wirtschaftlichen Kriegsfolgen überwunden sind. Der Kriegszustand bewirkte — hauptsächlich auf landwirtschaftlichem Gebiet — einen Mangel an Arbeitskräften und dadurch einen Rückgang der Agrarproduktion. Die Eingliederung der zurückkehrenden Kriegsgefangenen und Frontkämpfer dürfte dem aber abhelfen. Die Revolution im Februar dieses Jahres gab zu weiterer Beunruhigung Anlaß. Bei den Wirtschaftsplänen der neuen Regierung, die Sozialisierungsbestrebungen nicht fernsteht, ist die Gefahr des Abzuges von ausländischem, bisher in Paraguay investiertem Kapital gegeben. Zudem werden die Pläne der Regierung große Geldsummen beanspruchen, deren Aufbringung fraglich ist. Mit der Erlangung von ausländischen Krediten ist nicht zu rechnen, da der Zinsendienst der bestehenden ausländischen Schuld seit 1932 nicht mehr geleistet wird. Von der Beruhigung der innerpolitischen Lage und von der Lösung des Finanzierungsproblems wird es abhängen, ob Paraguays Wirtschaft am allgemeinen Aufschwung der südamerikanischen Volkswirtschaften teilhaben wird. IV. Aussichten für Einwanderer Bei der Armut, Bedürfnislosigkeit und geringen Zahl der einheimischen Bevölkerung sind die Aussichten für Einwanderer mit europäischen Lebensbedürfnissen in städtischen Berufen im allgemeinen schlecht. Besonders Akademiker und unbemittelte Kaufleute können — ungeachtet einzelner Ausnahmen, denen die Gründung einer Existenz geglückt ist — vor der Einwanderung nach Paraguay nur gewarnt werden. Am ehesten können Handwerker, wie Schreiner, Schlosser^ Schmiede, Zimmerleute, Mechaniker usw., auf ein sehr bescheidenes Auskommen rechnen. Kaufleute gibt es mehr als genug, und die Löhne der kaufmännischen Angestellten sind äußerst niedrig, so daß Neueinwanderer, zumal wenn sie das Spanische nicht beherrschen, sehr schlechte Aussichten haben. Um als selbständiger Kaufmann tätig zu sein, muß man die spanische Sprache beherrschen, ferner die Verhältnisse kennen und über ein gewisses Kapital verfügen, das allerdings, bei der Niedrigkeit der Preise und dem Tiefstand der Valuta, verhältnismäßig bescheiden sein kann; mit 8000 bis 10 000 RM. ist man in Paraguay schon ein reicher Mann und findet mancherlei Betätigungsmöglichkeiten, da Geschäfte oder Beteiligungen fast immer zu kaufen sind. Für die meisten akademischen Berufe ist die Lage in dem armen und kaum zivilisierten Lande aussichtslos. Ueber die Möglichkeiten für A e r z t e hören wir folgendes: In der Hauptstadt selbst herrscht Ueberfluß an Aerzten, und die Verdienstmöglichkeiten sind unvorstellbar gering. Für ausführliche Konsultationen werden Honorare von etwa 30 Pf. gefordert, da die arme Bevölkerung nicht mehr zahlen kann; oft begnügen sich die Aerzte sogar damit, ihre eigenen Rezepturen mit geringem Nutzen abzugeben. — Auf dem flachen Lande finden einzelne Aerzte bei sehr bescheidenen Einnahmen noch ein großes Arbeitsfeld, doch sind die rechtlichen Verhältnisse sehr unsicher, da ausländische Aerzte die Erlaubnis zu praktizieren nur an den Orten erhalten, an denen Aerzte paraguayanischer Staatsangehörigkeit nicht vorhanden sind; die Erlaubnis muß jedes Jahr erneuert werden, kostet eine kleine Gebühr und erlischt sofort, wenn sich ein einheimischer Arzt am gleichen Ort niederläßt. Ungleich günstiger als für Einwanderer mit städtischen Berufen sind die Aussichten für Landwirte — weniger im Chacogebiet, wo die große Hitze, der Mangel an Trinkwasser und die Ungezieferplage gewaltige Anforderungen an den Siedler stellen, als vielmehr in dem überaus fruchtbaren, ungezieferfreien und klimatisch begünstigten Südosten des Landes, dem „Garten Südamerikas". Freilich werden sich auch hier nur Naturen durchsetzen, die keine Mühe und Entbehrung scheuen, über eine robuste Gesundheit verfügen und nicht nur reine Landwirte im europäischen Sinne, sondern auch handwerklich geschickt und unabhängig genug sind, um sich in jeder *)4

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