Jüdische Auswanderung
- Journal
- Jüdische Auswanderung
- Volume
- 1936. Bestand LBI
- Issue
- September 1936
- Date
- 1936-09-01
- Page
- Seite 69 (sequence 75)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/6492429-9991062-9587816--203-9587891- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Hafer (als Pferdefutter) und Mais — werden in größeren Mengen angebaut, und ein gewisser Ueberschuß wird exportiert. Der Bedarf an Reis und Zucker muß durch ausländische Einfuhr gedeckt werden. Chiles Gemüse hat sich neuerdings ausländische Märkte erobert. Besonders in den U. S. A. werden chilenische Bohnen, Erbsen, Linsen (Ausfuhrwert der letzteren 1935: 10,3 Millionen Pesos) sehr geschätzt. Obst gedeiht in sehr guter Qualität in der Umgebung Valparaisos und in der Nähe Valdivias. Aepfel, Melonen, Pfirsiche, Walnüsse und neuerdings auch Birnen werden exportiert. Das Obst ist von vorzüglichem Geschmack und trifft auf dem nordamerikanischen Markt gerade während des dortigen Winters ein, so daß es gute Absatzmöglichkeiten findet. Die Regierung sucht den Obstexport zu fördern; sie richtet vor allem ihr Augenmerk auf Standardisierung der Fruchtsorten, Verbesserung der Verpackungsmethoden usw. und hat zur Ueberwachung der Obstproduzenten und -exporteure Kommissionen in den Hafenorten eingesetzt. Berühmt ist Chiles W e i n b a u. Die Reben Chiles sind groß, süß und saftig und gelten als die besten Südamerikas. Sie werden sowohl frisch als Tafeltrauben wie auch als Wein exportiert. Etwa 83 °/o des Weinexports gingen nach Europa. Der chilenische Wein ähnelt den französischen und den rheinischen Sorten. Staatlicherseits wurden große Weinkellereien als Lagerstätten angelegt. Neben dem Ackerbau ist auch die Viehwirtschaft Chiles von großer Bedeutung. Der Export viehwirtschaftlicher Erzeugnisse bildet eine der Haupteinnahme-Ouellen des chilenischen Außenhandels. Der Bestand an Rindvieh betrug Anfang 1935 etwa 2,5 Millionen Stück, der an Schafen 1930 6,3 Millionen Stück. Das Vieh wird zum großen Teil im Territorium Magallanes gezogen, wo sich auch die fünf größten Gefrier- und Kühlfleischfabriken befinden. Der Wert des exportierten Fleisches betrug 1934 etwa 5,5 Millionen Pesos. — W olle nimmt unter Chiles Exportprodukten die dritte Stelle ein. 1935 wurden 9979 t Wolle im Werte von 20,4 Millionen Pesos exportiert (gegen 11293 t im Werte von 32 Millionen Pesos im Jahre 1934). Auch Häute und Felle bilden ein wichtiges Ausfuhrprodukt (1934 im Werte von 7,2 Millionen Pesos). Der große Holz reichtum des Landes wird noch lange nicht in vollem Maße ausgenutzt. Die Nutzholzbestände befinden sich zum größten Teil im wirtschaftlich erst wenig erschlossenen Süden. Eine chilenische Möbelindustrie ist im Aufbau begriffen. 2. Bergbau und Industrie Obgleich im Bergbau nur ein geringer Teil der Bevölkerung tätig ist, bietet doch der Export von Mineralien die wichtigste Einnahmequelle des chilenischen Außenhandels. Chile verfügt über das W eltmonopol an natürlichem Salpeter. Im Tagebau wird die salpeterhaltige Gesteinsschicht, der Caliche, in etwa 5 m Tiefe losgesprengt. Da die besten Caliche- Lagerstätten, die bis zu 50 % Salpeter enthielten, bereite abgebaut sind, sah man sich genötigt, durch moderne Produktionsmethoden auch Caliche mit nur etwa 8 °b Salpetergehalt zu verarbeiten. Als Nebenprodukt wird bei der Salpetererzeugung das Jod gewonnen. Auch hier verfügt Chile über ein nahezu vollkommenes Monopol; etwa 90 °/o des Weltbedarfs an Jod werden durch Chile gedeckt. Die Salpeter-Produktion Chiles hat — hauptsächlich infolge der allgemeinen Aufrüstung — in letzter Zeit wieder stark zugenommen; dabei spielte auch mit, daß die einzelnen Salpeterproduzenten nach Auflösung des großen staatlichen Zwangskartells, das ihnen bestimmte Produktionsquoten zuteilte, die Produktion erhöhten. Es wurden im Geschäftsjahr 1934/35 1,13 Millionen Tonnen Salpeter gewonnen und 1935 Salpeter und Jod im Werte von 147,3 Millionen Pesos exportiert, was etwa 31,1 °/o des chilenischen Gesamtexports ausmachte. Von etwa gleich großer Wichtigkeit ist Chiles Kupfer Produktion. Chile ist der zweitgrößte Kupferproduzent der Welt. Auch die Kupferproduktion und Ausfuhr wurde in den letzten Jahren stark ausgeweitet. Die Ausfuhr von Kupfer und Kupfererzen betrug 1935 etwa 182,9 Millionen Pesos und damit 38,7 <y0 der chilenischen Gesamtausfuhr. Die Produktion von Kupferbarren betrug 259926 t. Als Nebenprodukt der Kupfergewinnung und durch Waschen wird auch Gold gewonnen (1935 8234 kg; exportiert wurde Gold im Werte von 12 Millionen Pesos). Chiles Eisen erzeugung ist mengenmäßig nicht unbedeutend (1935: 849 400 t Eisenerz); hinzu kommt, daß Chile eines der wenigen Länder Südamerikas mit größeren Kohlenvorkommen ist (1935 wurden 1,9 Millionen t gefördert), so daß alle Grundlagen für eine Verhüttungs-, Eisen- und Stahlindustrie gegeben sind, wenn auch die Erzlager verhältnismäßig ungünstig zu den Kohlenvorkommen liegen. Die chilenische Bergwerksproduktion hat in den ersten Monaten von 1936 gegenüber der gleichen Zeit des Vorjahres bedeutend zugenommen. Die Begründung der chilenischen Industrie ist nicht auf wirtschaftliche Notwendigkeiten, sondern vor allem auf nationalistische Motive zurückzuführen. Auch sah sich die Regierung in den 20er Jahren, als der Salpeterexport und damit Chiles Kaufkraft für Fertigwaren ausländischer Herkunft zurückging, veranlaßt, den Aufbau einer heimischen Industrie zu begünstigen. So kam es 1928/29 zu einem ersten Produktionshöhepunkt. Die Weltwirtschaftskrise hatte dann eine Reihe von Zusammenbrüchen zur Folge, jedoch haben inzwischen die meisten Industrien den Stand von 1929 weit überschritten. Dabei spielten der Fall des Peso und die Devisennotlage Chiles insofern eine Rolle, als dadurch die Möglichkeit, ausländische Waren einzukaufen, verringert und die Notwendigkeit der Eigenerzeugung erhöht wurde. Heute bestehen etwa 5000 Fabriken im Lande, und etwa 24 Q/o der arbeitstätigen Bevölkerung Chiles sind in der Industrie beschäftigt. Die Regierung hat für die gesamte industrielle Produktion und die einzelnen Produktionszweige Indices (Basis 1928/29 100) berechnet, die die eben geschilderte Entwicklung verdeutlichen. Der Gesamtindex stieg von 87 im Jahre 1931 auf 137,5 im Jahre 1935 (Monatsdurchschnitt) und 144,7 im Februar 1936. ÄRZTE Kurzwellen-Diathermie-Apparate ♦ Höhensonnen ♦ Mikroskope ♦ Elektrokardiographien Kystoskope ♦ Rektoskope ♦ Zentrifugen ♦ Operationsmöbel ♦ Instrumentarien Umtausch elektrischer Apparate in andere Stromarten I n z a h I u n g n a h m e vorhandener Einrichtungen JOHANNES BEHRENDT 6 MB H, BERLIN N4, ORANIENBURGER STR*oö 69