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Jüdische Auswanderung · 1936-09-01 · September 1936 · p. Seite 66

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Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1936. Bestand LBI
Issue
September 1936
Date
1936-09-01
Page
Seite 66 (sequence 72)
Language
German
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Chile Der lang hingestreckte, dünn bevölkerte Küstenstaat ist klimatisch mindestens in seinem mittleren Teil außerordentlich begünstigt. Er bietet nicht nur der landwirtschaftlichen Siedlung noch große Möglichkeiten, sondern dürfte auch eine bedeutende industrielle Zukunft haben. Die mehreren Hundert Juden aus Deutschland, die seit 1933 eingewandert sind, dürften wirtschaftlich restlos Fuß gefaßt haben. Ob eine weitere Einwanderung der Juden aus Deutschland stattfinden kann, hängt ausschließlich von der künftigen Einwanderungspolitik der chilenischen Regierung ab. Zur Zeit ist die Einwanderung für Juden aus Deutschland kaum möglich. Seit; I. Einwanderungsbedingungen ............. 66 II. Das Land...................... 66 1. Natur und Haupteinteilung des Landes...... 66 2. Klima und Gesundheits\erhaltnisse........ 68 3. Bevölkerung ................... 68 4. Regierung und Innenpolitik............ 68 III. Die Wirtschaft.................. . . 68 1. Land- und Waldwirtschaft............ 68 2. Bergbau und Industrie.............. 69 3. Verkehr ..................... 70 4. Außenhandel................... 70 5. Währung .................... 71 6. Konjunktur ................... 71 IV. Aussichten für Einwanderer............. 72 V. Lehenshaltungskosten ................ 72 VI. Kultur und Jüdisches Leben............ 72 VII. Briefe aus Chile.................. 72 I. Einwanderungsbedingungen 1. Einreisebestimmungen Zur Einreise bzw. Durchreise ist Visum erforderlich. Persönliches Erscheinen bei den zuständigen Vertretungen ist unbedingt erforderlich. Vorzulegen oder zu erfüllen sind: 1. Reisepaß für mindestens zwei Jahre Gültigkeit, gerechnet ab Datum der Antragstellung. 2. Taufschein. 3. Geburtsurkunde. 4. Führungszeugnis, polizeiliches, nicht älteren Datums als 14 Tage, über die letzten fünf Jahre. 5. Gesundheitszeugnis, nicht älter als 14 Tage, daß der Antragsteller geistig und körperlich gesund ist. 6. Impfschein, amtsärztlicher, gegen Pocken, nicht älteren Datums als fünf Jahre (ist unbedingt getrennt von dem Gesundheitszeugnis vorzulegen). 7. Auskünfte zur Ausfüllung von Fragebogen (u. a. Abgabe von Fingerabdrücken). 8. Zwei Paßbilder. 9. Quittung über bezahlte Hinreise; bei Handwerkern und Privatreisenden außerdem Bestätigung oder Quittung für bezahlte bzw. sichergestellte Rückreise. 10. Von Personen, die sich vorübergehend bis zu drei Monaten in Chile aufhalten, weitere Unterlagen und Nachweis des Besitzes bis zu 1000 RM. 11. Minderjährige benötigen ferner Vollmacht der Eltern oder ihrer gesetzlichen Bevollmächtigten. 12. Rückreisende Personen, die in Chile fest ansässig sind, benötigen nur Reisepaß, Carnet de Identidad, Führungszeugnis der chilenischen Polizeibehörde und Pockenimpfschein nicht älteren Datums als fünf Jahre. Das erteilte Visum hat eine allgemeine Gültigkeit von 3 Monaten innerhalb der chilenischen Grenzen, doch kann diese Gültigkeit auf ein Jahr und mehr ausgedehnt werden. Bei vorübergehender Arbeitstätigkeit von Monteuren, Facharbeitern, Ingenieuren usw. ist der Sichtvermerk von der Dauer der Erledigung der festgesetzten Arbeiten in Chile abhängig. Für Touristen können Sammeleinreisevisa ausgestellt werden, die gebührenfrei sind und zu einem Aufenthalt von 3 Monaten in Chile berechtigen. 2. Erwerbstätigkeit und Einwanderung Die Einwanderung in Chile ist nur in besonderen Einzelfällen möglich. Ausnahmen vom Einwanderungsverbot werden z. B. für Handwerker und Landwirte mit ihren Familien und Personen mit festem Anstellungsvertrag gemacht. Außer den Unterlagen im Abschnitt „Einreisebestimmungen" Ziffer 1 bis 6 und 9 sind den chilenischen Vertretungen zu unterbreiten: a) Personen, die auf Grund eines mit der Regierung oder von Unternehmungen oder Anstalten abgeschlossenen Vertrages reisen: dieser Vertrag, verschen mit einer Beglaubigung eines chilenischen Notars. Die Verträge privater Unternehmen oder Anstalten müssen Angaben über Art und Dauer der Beschäftigung, Gehaltsabmachungen und Hin- und Rückreisesicherheiten enthalten. b) Handwerker: Berufsprüfungszeugnis (Meisterprüfungszeugnis) und Mitnahme von Barmitteln, über deren Höhe von Fall zu Fall entschieden wird. c) Private: Angabe des Zwecks der Reise und Mitnahme von Kapital und oder sonstigen in Chile realisierbaren Werten, Über deren Höhe, Umfang und sonstige Bemessung von Fall zu Fall entschieden wird 3. Gebühren Für die Erteilung eines Visums (irgendwelcher Art) werden je Reisepaß, einschließlich der Begutachtung der einzelnen Zeugnisse und Atteste, 17,65 RM. erhoben. (Aus „Deutsche Paßvorschriften und Eineisebestimmungen des Auslands", herausgeg. von der Industrie- und Handelskammer Stuttgart, Juni 1936.) IL Das Land 1. Natur und Haupteinteilung des Landes Chile ist ein ausgesprochener Küstenstaat, der sich in einer Länge von zirka 4000 km und einer Breite von nur zirka 188 km zwischen dem Stillen Ozean und dem Westrande der Anden dahinzieht. Die Nachbarstaaten Chiles sind Peru, Bolivien und Argentinien. Landschaftlich und klimatisch zerfällt das Land in drei klar unterschiedene Zonen: Nordchile, von der Nordgrenze bis etwa Valparaiso, Mittelchile, von Valparaiso bis Valdivia, und Südchile, von \ aldivia bis zur Südspitze des südamerikanischen Kontinents. Nordchile ist ein W üstengebiet. Einige Flüsse durchschneiden, von den Anden kommend, den Küstenstreifen und bieten die Möglichkeit, an ihren Ufern Agrarprodukte in bescheidenem Umfange anzubauen. Der Wüstencharakter dieses Landstriches ist auf die Tatsache zurückzuführen, daß den in diesen Breiten wehenden Ostwinden durch die Andenbarriere der Zutritt zur Westküste verwehrt wird und so die Küstengebiete praktisch regenlos bleiben. Fällt — was in Abständen von Jahrzehnten vorkommt — einmal ein starker Regenguß, so steht alsbald das Land in märchenhafter Blüte. Infolge der Regenarmut gestaltet sich die Wasserversorgung der Städte sehr schwierig; so wird Antofagasta durch eine 210 km lange Röhrenleitung mit Wasser aus den Andengebieten versorgt. Trotz der landschaftlichen und landwirtschaftlichen Dürftigkeit birgt dieser Teil des Landes die Quellen von Chiles Reichtum: die Salpeter- und Kupfererzlager. Da Salpeter erst seit Mitte des 19. Jahrhunderts abgebaut wird, sind die größeren Siedlungen, auf die sich die geringe Bevölkerung dieses Landesteiles konzentriert, erst jüngeren Datums. Antofagasta, erst nach 1870 gegründet, ist heute der Hauptort Nordchiles. 1930 zählte es über 53 000 Einwohner. Es besitzt einen großen Hafen, der neuerdings mit 66

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