Jüdische Auswanderung
- Journal
- Jüdische Auswanderung
- Volume
- 1936. Bestand LBI
- Issue
- September 1936
- Date
- 1936-09-01
- Page
- Seite 46 (sequence 48)
- Language
- German
- Belongs to
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Autostraßen, wolkenkratzerhohcn Geschäftshäusern und schönen Gartenanlagen. Sie liegt am Nordufer der Lagöa dos Patos, eines in 300 km Länge sich parallel zur Küste streckenden, haffartigen Binnensees. Das deutsche Element ist in der Stadt und in den Siedlungen ihrer Umgebung besonders stark vertreten. Beiern, auch nach dem Staat, deren Hauptstadt es ist, Parä genannt, liegt 145 km landeinwärts an der meerartig sich erweiternden Mündung des Amazonas. Die Stadt zählt etwa 300 000 Einwohner. Beiems moderner Hafen, der Ozeanschiffen zugänglich ist, ist der Umschlagsplatz für einen großen Teil der Produkte des Amazonasgebietes. Gegen ihre Umgebung, die reines Urwaldgebiet ist, sticht diese Stadt mit ihrem fast orientalisch-regen Leben und Treiben stark ab. Das Stadtbild ist höchst malerisch. Viele Bauten aus der Kolonialzeit sind in schönen schattigen Straßen und auf weiten Plätzen erhalten, und auf den Märkten handelt das bunteste Bevölkerungsgemisch. Der berühmte Botanische Garten der .Stadt ist eigentlich ein Stück Urwald, das durch \\ ege zugänglich gemacht ist. Die Hauptstadt des Staates Minas Geraes, B e 11 o Horizonte, eine Stadt von 156 000 Einwohnern, liegt etwa 1000 m hoch inmitten eines reichen Bergbau- und Landwirtschaftsdistrikts. Infolge der Höhenlage ist das Klima erfrischend und gesund. Fortaleza, auch, nach ihrem Staate, Cearä genannt, ist mit 139 000 Einwohnern die nächstgrößte Stadt. Sie liegt an der Nordküste Brasiliens und ist der Exporthafen für die Tropenprodukte ihres Hinterlandes. M a c e i 6, zwischen Recife (Pernambuco) und Säo Salvador (Bahia), an der Ostküste gelegen, hat etwa 125 000 Einwohner, und ist der Sitz verschiedener Industrien, die Artikel des Massenverbrauchs herstellen. Die Produkte des Staates A 1 a g ö a s werden hier verschifft. Curityba, die Hauptstadt des südlichen Staates Paranä, hat rund 113 000 Einwohner. Sie erfreut sich durch ihre Höhenlage von etwa 1000 m eines gemäßigten Klimas und ist von blühenden Kolonien umgeben, die dort den Absatz und \ erladeplatz ihrer unter den günstigsten Klimaverhältnissen und auf fruchtbarem Boden gewachsenen Produkte finden. Mit dem 104 km entfernt liegenden Hafen Paranagua ist Curityba durch Eisenbahn, mit Säo Paulo durch Bahn und Autostraße verbunden. Die größte Siedlung des riesigen inneren Amazonasgebietes ist M and os (88 000 Einwohner), am Rio Negro, 20 km vor seiner Mündung in den Amazonas, gelegen. Hier konzentriert sich der Handel der Tropen- und Urwaldprodukte, die nicht nur dem brasilianischen Bundesstaat Amazonas entstammen, sondern auch aus den benachbarten Gebieten Columbiens, Perus und Boliviens kommen. Obgleich Manaos 1700 km von der Amazonasmündung entfernt liegt, gelangen Ozeandampfer bis in seinen Hafen. Neben den hier genannten größeren Städten existiert eine Fülle von Provinzstädten, besonders in den gemäßigten Gebieten Südbrasiliens. 2. Klima und Gesund heits Verhältnisse Entsprechend seiner Ausdehnung kann man nicht von einem einheitlichen Klima Brasiliens sprechen. Es ist jedoch möglich, im großen ganzen drei Zonen zu unterscheiden: die tropische Aequatorzone, die subtropische Zone und die gemäßigte Zone. A. Die Aequatorzone, deren mittlere Temperatur über 25° C liegt, erstreckt sich über den Norden des Landes hin, vom Amazonengebiet bis zum südlichen Pernambuco, über den Norden von Goyaz und über den Staat Matto Grosso bis zu dessen Hauptstadt Cuyaba. Hier herrscht eine für Europäer ungesunde Wärme, die besonders im Amazonasgebiet mit kaum erträglicher Feuchtigkeit der Luft verbunden ist. Weiter nach Nordosten zu, im Staate Ceara, ist eine unfruchtbare Trockenheit festzustellen. Beides, feuchte Wärme wie übergroße Trockenheit, sind Faktoren, die die wirtschaftliche Entwicklung der Gegend hemmten und diese nicht für europäische Besiedlung in Betracht kommen ließen. Als Beispiel der Temperaturverhältnisse seien hier die von Beiern (Parä), 1,27° südlich des Aequators, genannt. Kältester 46 Monat ist dort der Februar, wärmster der November; die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt ca. 26° C. Um diese Temperatur variieren die Monatsdurchschnitte nur um ca. 1°, so daß man von temperatur bedingten Jahreszeiten kaum reden kann. Aehnlich sind die Temperaturverhältnisse von Recife (Pernambuco), nur daß hier der verhältnismäßig kälteste Monat der Juli und der wärmste der Februar ist. B. An die ausgesprochen tropische Zone schließt sich die subtropische Zone mit mittleren Temperaturen von 20—25° C an. Sie umfaßt die Staaten Bahia, Sergipe, Espirito Santo, Rio de Janeiro, Minas Geraes, Säo Paulo, den Süden von Matto Grosso und Goyaz, sowie den Norden von Parana. Die Jahresdurchschnittstemperatur von Rio de Janeiro beträgt 22,5° C. Rios kältester Monat ist der Juli (20 ), sein wärmster Monat der Februar (26°). Rio ist eine der gesündesten Tropen städte; kühle Winde machen die Hitze zumeist erträglich. Die Regenzeit Rios dauert von November bis Mai. Säo Paulos Klima ist für den Mitteleuropäer noch angenehmer als das Rios. Seine Höhenlage von 760 m mindert die Temperaturen, die in diesen Breitengraden sonst herrschen. Zudem ist Säo Paulo niemals ganz windstill. Ks hat eine Jahres* durchsehnittstemperatur von 18°; kältester Monat ist der Juli (14°), wärmster der Januar (22°). In Säo Paulo sind also die Temperaturunterschiede zwischen der Sommer- und Winterzeit deutlicher ausgeprägt als in den meisten anderen Städten Brasiliens, was ebenfalls dazu beiträgt, daß europäische Einwanderer sich in Säo Paulo wohlfühlen. San tos liegt zwar nicht weit von Säo Paulo entfernt, hat aber als tiefgelegene Küstenstadt erheblich höhere Temperaturen. Hier beträgt der Jahresdurchschnitt 22°, die Temperatur des kältesten Monats (Juli) 18,5', die des wärmsten Monats (Dezember) 25°. Noch vor nicht allzu langer Zeit war der Hafen Santos berüchtigt wegen des dort herrschenden Gelbfiebers, von dem einlaufende Schiffe häufig hart betroffen wurden. Heute ist diese Krankheit, in Santos wie im ganzen Küstengebiet, völlig ausgerottet. C. In der dritten, der gemäßigten Zone, in welcher Parana, Rio Grande do Sul und Santa Catharina liegen, schwanken die Durchschnittstemperaturen zwischen 15 und 21°. In den sogenannten Wintermonaten fällt in diesen Staaten manchmal die Temperatur bedeutend und nähert sich nachts sogar dem Nullpunkt. Curityba, die Hauptstadt des Paranägebietcs, ist 908 m hoch gelegen. Ihre Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 16,5°. Kältester Monat ist der Juni (12°) und wärmster der Januar (20,5°). Das südlicher und nur 30 m hoch gelegene Städtchen Blumenau im Staate Santa Catharina weist eine Jahrestemperatur von 21° auf. Die Temperaturen der extremen Monate Juni und Januar betragen 16 bzw. 25°. Auch hier sind also die jahreszeitlichen Temperaturschvvankungen ziemlich gut ausgeprägt; daher wurde diese Gegend als landwirtschaftliches Siedlungsgebiet mitteleuropäischer (deutscher) Einwanderer bevorzugt. Die schlimmste Krankheitsgeißel Brasiliens, das Gelbfieber, ist heute in den Gebieten, denen sich die europäische Einwanderung zuwendet, verschwunden. Dies ist tatkräftigen Regierungsmaßnahmen zu verdanken. Lediglich einige Gebiete im Landesinnern, nach denen sich die Immigration nicht richtet, sind noch malariaverseucht. Die Moskitos bilden dort eine große Plage. Schädigungen durch diese und andere Insekten, sowie durch Giftschlangen auf dem Lande werden ebenfalls durch wirksame Gegenmaßnahmen bekämpft; (Herstellung von Schlangenserum durch das weltberühmte Instituto Butantan in Säo Paulo). In den Großstädten ist die Sterblichkeitsziffer gering (in Rio sterben von 1000 der Bevölkerung nur 20 im Jahre). 3. Bevölkerung und Einwanderung Die Bevölkerung Brasiliens stellt ein wohl einzigartiges Rassengemisch dar. Außer den drei Grundrassen, nämlich den Indianern, den Portugiesen und den durch den Sklavenhandel in das Land gekommenen Negern, die sich nach Aufhebung der Sklaverei im Jahre 1888 stark mit der übrigen Bevölkerung vermischten, sind noch die „Mulattos" (Mulatten), hervorgegangen aus der Verbindung von Weißen mit Schwarzen, die „Caboclos" oder „Mamelucos", aus einer Verbindung von Weißen mit Indianern, und die „Zambos", aus einer Vermischung von Schwarzen