Jüdische Auswanderung
- Journal
- Jüdische Auswanderung
- Volume
- 1936. Bestand LBI
- Issue
- September 1936
- Date
- 1936-09-01
- Page
- Seite 26 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/6492429-9991062-9587816--158-9587844- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
disehen Bedarf. Daneben fängt auch die Kunstseiden- Industrie an, sich gut zu entwickeln. Es existieren eine große Anzahl von Krawattenfabriken, Strumpffabriken usw. Sowohl bei der Seidenals auch bei der Baumwoll-Industrie ist der gefürchtetste Konkurrent Japan. In engem Zusammenhang mit der Entwicklung der Textilindustrie steht eine Reihe von Nebenindustrien der Textilbranche, wie z. B. die Knopfherstellung (Horn, Galalith), die Abfälle und Nebenprodukte der Fleischindustrie verarbeitet. Auf der argentinischen Viehzucht bauen sich auch die Gerberei-, Schuh- und Lederwarenindustrien auf, Industrien, die den Bedarf des Landes fast restlos decken. Für den Aufbau der Gerbereien ist es ein großer Vorteil, daß Gerbsäure (Ouebracho-Extrakt) in Argentinien selbst in großen Mengen gewonnen wird. 1934 gab es 200 Gerbereien in Argentinien. Eine der — auch in der Qualität ihrer Produkte — bestentwickelten Industrien ist die Schuhindustrie. Aus Leder wurden 1933 14 Millionen Paar Schuhe und Stiefel hergestellt, aus Gummi, Stoff und anderem Material 40 Millionen Paar. 1934 bestanden 491 Schuhfabriken im Lande mit 23 000 Beschäftigten. Von Bedeutung ist auch die argentinische Industrie der Nahrungs- und Genußmittel. (Hierbei sehen wir von den schon dargestellten Fleisch- und Mühlenindustrien ab.) — Gemüse- und Obstkonserven, insbesondere Tomatenprodukte, werden fabrikationsmäßig in vorzüglicher Qualität hergestellt. — An anderen Genußmittelindustrien sind zu nennen: Tabakwarenfabriken, Brauereien (17 Betriebe im Jahre 1934, die jährlich 129 Millionen Liter Bier produzieren), Mineralwasser- und Likörfabriken, Großbäckereien und Teigwarenfabriken. Die chemische Industrie ist noch im Anfangsstadium; lediglich Seifen und Parfümerien werden in größeren Mengen fabriziert. Die Seifenindustrie ist eine der blühendsten des Landes. Ferner werden noch Papier und Pappe (18 Betriebe), Gummiwaren (9 Betriebe), Zündhölzer und Phosphor (25 Betriebe), Glas und Glaswaren (17 Betriebe) und Zement (30 Betriebe) hergestellt. Die eigentliche Schwerindustrie ist aus den oben dargelegten Gründen noch sehr stark im Rückstand, wenn auch schon eine Reihe von Maschinen und Maschinen-Zubehörteilen, vor allem Schrauben, im Lande selbst hergestellt wird und eine große Anzahl von Reparaturwerkstätten im Lande besteht. 4. Außenhandel Argentiniens Ausfuhr besteht fast ausschließlich aus Agrarprodukten. Sie teilte sich nach Warengruppen und den wichtigsten Erzeugnissen im Jahre 1935 folgendermaßen auf: tilien noch an erster Stelle. Die Aufteilung nach Waren- Wert in 1000 arg. % desGesamt- Papierpesos ausfuhrwertes Menge in 1000 Tonnen Erzeugnisse der Landwirtschaft 954 049 61,9 14 577 Mais 321 487 20,8 7 048 Weizen 273 769 178 3 860 Leinsaat 215 903 14,0 1 778 übrige 142 890 9,3 1 891 Vieh Wirtschaft 509 502 33,0 1148 Fleisch 223 347 14,5 560 Wolle 115 316 7,5 136 Häute 979 76 6,3 163 übrige 72 863 4,7 289 Forstwirtschaft 43 942 2,8 304 Ouebracho 43 752 2,7 281 übrige 1 190 0,1 23 Verschiedenes 34 880 2,3 202 Insgesamt: 1542 373 100 16 231 Die Einfuhr enthielt dagegen hauptsächlich Fertigwaren und Produktionsmittel für die einheimische Industrie, teilweise auch Lebensmittel. Trotz des Aufschwunges der argentinischen Textil-Industrie stehen Texgruppen war im Jahre tinischen Papierpesos): 1935 wie folgt (in 1000 argen- Textilien Eisen und Eisenwaren Kohlen und Mineralöle Lebensmittel und Getränke Maschinen und Fahrzeuge Chem. und pharmaz. Erzeugnisse, Oele, Farben Holz und Holzwaren Metalle und Metallwaren (außer Eisen) Papier und Papierwaren Steine, Erden, Glaswaren und Keramik Verschiedenes 382 687 117 545 113 882 111 010 97 572 79 535 72 200 47 450 38 196 33 145 81 759 o,o 32,5 10,0 9,7 9,5 8,3 6,8 6,1 4,0 3,2 3,0 6,9 Insgesamt: 1 174 981 100 (Nach Angaben der Deutschen Ueberseeischen Bank) Die Hauptlieferanten und Hauptabnehmer Argentiniens sind die europäischen Industriestaaten. Unter den Abnehmern stand England an erster Stelle. Deutschland folgte erst an fünfter, nach den Vereinigten Staaten, Holland und Belgien. Dagegen stand Deutschland als Lieferant nach England und den Vereinigten Staaten an dritter Stelle. Prozentual teilte sich 1935 die Ein- und Ausfuhr gentiniens folgendermaßen auf: Bestimmungsländer bzw. Herkunftsländer Ar- Deutschland England U. S. A. Alle anderen Länder Ausfuhr % Einfuhr % 6,8 9,1 30,6 21,1 11,8 14,4 50,8 55,4 100 100 (Xach Angaben der Deutschen l eberseeischen Bank) Die sehr bedeutende Stellung, die England in der Ein- und Ausfuhr .Argentiniens einnimmt, hängt zum großen Teil mit den riesigen englischen Kapitalinvestitionen zusammen. Schon im Jahre 1910 wurde das in Argentinien angelegte britische Kapital auf 270 Millionen Pfund geschätzt; heute sollen es etwa 450 Millionen Pfund sein. Nach England haben die Vereinigten Staaten ebenfalls sehr große Kapitalien im Lande angelegt; man schätzte diese im Jahre 1910 auf 800 Millionen Dollar. Es liegt auf der Hand, daß so starke Kapital-Verflechtungen nicht ohne Einfluß auf die Handelsbeziehungen bleiben können. Argentinien steht deshalb unter den englischen Abnehmerländern — einschließlich der britischen Dominien, Kronländer und Protektorate — an neunter Stelle! e r t i g e Waren Deutschland exportierte nach Argentinien (in Millionen Insgesamt davon: Rohstoffe und halt darunter: Steinkohlen Fertigwaren darunter: Textilwaren Papier und Papierwaren Chemische und pharmaz. Erzeugnisse Ton- und Porzellanwaren (außer Ziegeln) Glas und Glaswaren Waren aus Eisen W aren aus anderen unedlen Metallen Maschinen (außer elektrischen) Elektrische Maschinen (einschl. Teile) Elektrotechnische Erzeugnisse Wasserfahrzeuge Apparate, Instrumente, Schreibmaschinen u Erzeugnisse der Feinmechanik Kinderspielzeug, Rechenschieber im Jahre 1935 Heic hsmark) : 97,18 dgl-, 4,84 1,54 91,89 5,13 5,30 14,15 2,97 2,23 26,30 3,73 10,76 1,62 5,78 2,96 1,13 1,41 Laut Bericht der Deutsch-Südamerikanischen Bank bietet der argentinische Markt bei preislicher Konkurrenzfähigkeit für deutsche Waren gute Verkaufsmöglichkeiten. Insbesondere sind es die folgenden deutschen Waren, für die Interesse besteht: Halbfabrikate und sonstiger Bedarf für die Landesindustrie, Chemikalien, insbesondere auch Schwerchemikalien, Drogen und pharmazeutische Produkte Maschinen und Ersatzteile, Motoren, Werkzeuge, Eisen- 26