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Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen · 1935-09-01 · September 1935 · p. Seite 94

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Journal
Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
Volume
1935. Bestand LBI
Issue
September 1935
Date
1935-09-01
Page
Seite 94 (sequence 96)
Language
German
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Schulen im Ausland Wir bringen nachstehend eine Zusammenstellung über das Schul- und Bildungswesen in 12 Ländern Europas und in den Vereinigten Staaten. Die allgemeinen Angaben über das Schul- und Bildungswesen sowie über Berufsausbildung und die beruflichen Aussichten in den verschiedenen Ländern werden mit Vorbehalt gemacht. Neue Verfügungen der betreffenden Regierungen und Behörden, die später erfolgen, können die hier geschilderte Lage der Dinge ändern. Man erkundige sich also auf alle Fälle noch einmal bei dem zuständigen Konsulat oder den betreffenden Instituten, bevor man eine letzte Entscheidung trifft. Bei der Aufzählung der verschiedenen Schulen wurde nur ( ine Auswahl aus der großen Anzahl der vorhandenen Institute gegeben. Die Angaben beruhen zum großen Teil auf eigenen Zusammenstellungen des Verfassers, benutzt wurde aber auch das Material, welches die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden fortlaufend über einzelne Schulen und Berufe herausgibt. England. Man unterscheidet das Privatschul- und das öffentliche Schulwesen. Die privaten Schulen heißen eigentümlicherweise Public Schools. Sie sind Internatschulen (Boarding Schools) und mehr oder minder teuer. Sie heißen auch Grammar schools und, wenn für Mädchen bestimmt. High Schools. Privatschulen., welche auf die eigentlichen Public Schools vorbereiten, heißen Preparatory Schools. Die Preise, welche für Pension und Schulgeld gefordert werden, sind verschieden; aber es ist mit allermindenstens 125 Pfd. pro Schuljahr zu rechnen, und viele dieser Schulen sind noch bei weitem teurer. Dabei ist zu bedenken, daß das englische Schuljahr nur 9 Monate dauert. Es beginnt gegen Mitte September und dauert bis Ende Juli. Dazwischen liegen jedoch 14 Tage Weihnachts- und oft zirka 1 Monat Osterferien. Das Schuljahr zerfällt in 3 sogenannte Terms. Die Public Schools sind oft Stiftungen, die bis auf das Mittelalter zurückgehen. Andere sind im Besitz ihrer Leiter, noch andere von konfessionellen Verbänden gegründet und erhalten (z. B. die Quäkerschulen). Die eigentlichen öffentlichen Schulen werden von den Gemeinden unterhalten (Municipal Schools). Sie sind Externate (Day Schools). Oft sind sie schulgeldfrei. Immer aber verfügen sie über zahlreiche Stipendien (scholarships). Man unterscheidet Volksschulen (Elementary Schools), Mittelschulen (im allgemeinen Central Schools genannt), höhere Schulen (secondary schools) und Berufsschulen (im allgemeinen technical schools genannt). Der Aufbau des Schulwesens ist in großen Zügen folgender: An die elementary school, in die man mit dem 7. Lebensjahr eintritt, schließt sich einerseits die Central, andererseits die Secondary school an. Im allgemeinen ist der Lebergang schon nach dem vierten Schuljahr, also im 11. Lebensjahr möglich, da man in der Elementary School ein Junior Department (vom 7.—11. Lebensjahr) und ein Senior Department (vom 11.—14. Lebensjahr) unterscheidet und viele Schüler nach Absolvierung des Junior Departments auf eine andere Schule übergehen. Selbstverständlich aber kann sich der Schüler auch damit begnügen, nur die Volksschule zu besuchen. Auch die Public Schools sind höhere Schulen. Sie nehmen oft die Schüler ebenfalls erst im 14. Lebensjahr an. Viele sind aber mit eigenen Preparatory Lehrgängen verbunden (7.—14. Lebensjahr). Auf alter Tradition fußt es. daß in der englischen Schule Chai aktererziehung und Uebung in Spiel und Sport sehr im Vordergrund stehen. Der daneben übliche wissenschaftliche Betrieb gleicht ungefähr dem auf den entsprechenden deutschen Schulen. An vielen Public Schools herrscht Koedukation. Die englische höhere Schule gliedert sich ebenfalls in 2 Lehrgänge. Der erste umfaßt 4 Jahre (12.—16. Lebensjahr) und führt zur First School Examination. Diese gilt hier und da bereits als Ersatz für die Universitätszulassungsprüfung (Martriculation). Hierauf folgt ein zweijähriger Lehrgang (advanced course) mit einer Prüfung, die unter Umständen die erste Universitätsprüfung ersetzt. Viele Central Schools behalten ihre Schüler auch bis zum 16. Lebensjahr und sind den Secondary Schools ähnlich. In die technical school tritt man mit dem 16. Lebensjahr ein, doch gibt es auch Schulen und Kurse, die an Volksschulen anschließen. Sehr entwickelt ist das Abendschulwesen für Erwachsene, das unter Umständen auch zu Berechtigungen führt. Auch die Universitäten haben interne (internal students) und externe Studierende (external students). Ganz überwiegt das Internatssystem in den sehr teuren und vornehmen Universitäten Oxford und Cambridge. Die Internen leben in den sogenannten university colleges, deren jedes einen eigenen Lebensstil zu entwickeln sucht. Die Studien- (und für die Internen) Unterhaltungskosten sind zum Teil recht hohe. So rechnet man für Oxford und Cambridge an Studien- und Ernährungsgebühren 86—150 Pfund und an anderen Universitäten 50 und mehr Pfund. Für den Lebensunterhalt muß man, falls man Externer ist, mindestens 12—15 Pfund pro Monat bezahlen. Universitäten gibt es außer in Oxford und Cambridge in London, Birmingham, Bristol, Durham, Exeter, Leeds, Manchester, Sheffield, Nottingham, Reading, Wales, Aberdeen, Glasgow, Edinburgh und St. Andrews. Um zugelassen zu werden, muß man sich der sogenannten Matriculationprüfung unterziehen. Die Ferienkurse für Ausländer, die an einzelnen Universitäten abgehalten werden, sind oft eine gute Vorbereitung auf die Zulassungsprüfung. Ist der Studierende aufgenommen, so heißt er, solange er noch kein Diplom besitzt, undergraduate. Der englische undergraduate ist jünger als sein deutscher Kollege im gleichen Studienjahr. Studiengang und, soweit sie internals sind, auch Lebensweise der undergraduates sind daher ziemlich streng geregelt. Nach dreijährigem Studium wird man im allgemeinen zur Bachelor-Prüfung zugelassen. Das Bachelor- Diplom wird mit dem Zusatz der besonderen Fachrichtung versehen (z. B. A.-Bachelor of Arts d. i. Geisteswissenschaften; B. Sc. Bachelor of Science usw.; in Schottland wird nach 3 Jahren der Mastertitel an Stelle des Bachelor verliehen.) Nach 2 oder 3 weiteren Studienjahren erhält man auf Grund einer entsprechenden Prüfung den Master, der ebenfalls mit der Bezeichnung der Studienrichtung versehen ist, und schließlich kann man den Doktor erwerben, der aber z. B. in den geisteswissenschaftlichen Fächern außerordentlich schwer ist. Die Universitäten haben meist dieselben Fakultäten wie in Deutschland. Selbständige Hochschule für Technik, Landwirtschaft, Tierarzneikunde. Bergwissenschaft usw. wie in Deutschland gibt es nicht. Die entsprechenden Institute sind den Universitäten angegliedert. Mediziner studieren 5 Jahre (einschließlich der klinischen). Sehr entgegen kommt ausländischen Medizinern die Universität Manchester. An Prüfungen sind abzulegen: 1. Vorexamen in Physik und Chemie, und zwar vor Beginn des Studiums oder im ersten Studienjahr. 2. Examen in Anatomie, Histologie, Embryologie, Physiologie und Pharmakologie. In den übrigen Fächern wird eine Prüfung erst nach 5 Jahren abgelegt. Als Diplom wird meist der Bachelor of Medicine und Surgery verliehen (M. B. oder B. S.) oder auch die Mitgliedschaft beim Royal College of Surgeons (M. R. C. S.) oder der Licenciate of the Royal College of Physicians (L. R. C. P.). Zahnmediziner legen dieselbe Vorprüfung wie Mediziner ab. Die nächste Prüfung, ein Examen in Biologie, Anatomie. Physiologie, Pharmakologie, Medizin, Chirurgie, Metallurgie und zahnärztlicher Mechanik, wird meist schon nach dem zweiten Studienjahr abgelegt. Das Schlußexamen findet am Schluß des vierten Studienjahres statt. An Diplomen wird verliehen der Bachelor of Dental Surgery (B. D. S.), der Licenciate in Dental Surgery 94

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