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Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen · 1934-08-01 · August 1934 · p. Seite 59

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Journal
Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
Volume
1934. Bestand LBI
Issue
August 1934
Date
1934-08-01
Page
Seite 59 (sequence 61)
Language
German
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Abgesehen von der weltwirtschaftlichen Depression sind die Schwierigkeiten für das Fortkommen auch noch auf besondere, mit der Zusammensetzung der Bevölkerung und der Struktur der Wirtschaft in der Südafrikanischen Union zusammenhängende Verhältnisse zurückzuführen. Die nachstehend mitgeteilten Tatsachen bringen z. T. eine Erklärung. Bevölkerungsbewegung In einer Veröffentlichung des österreichischen Wanderungsamtes wird über die Bevölkerungsbewegung in der Südafrikanischen Union mitgeteilt, wie stark die Landflucht dort ist, obwohl das Land an und für sich schon außerordentlich dünn bevölkert ist: „Wie die kolonialen Nachrichten' melden, hat sich die weiße Bevölkerung in der Südafrikanischen Union um 16,04 Prozent vermehrt; davon entfallen 13,55 Prozent auf die Vermehrung der städtischen und nur 2,49 Prozent auf jene der Landbevölkerung. Es geht daraus hervor, daß das Flachland seinen gesamten Geburtenüberschuß durch Abwanderung in die Städte verliert. Dabei ist aber das Land außerordentlich dünn besiedelt; es kommen dort nur 5,7 Menschen auf einen Quadratkilometer. An der Entvölkerung des Landes ist außer den klimatischen Schwierigkeiten, wie der Dürre, auch die dort übliche Erbteilung schuld, nach der infolge des großen Kinderreichtums selbst große Farmen schließlich durch Teilung so zerstückelt wurden, daß die auf die einzelnen Köpfe entfallenden Grundstücke für die Ernährung ihrer Eigentümer nicht mehr hinreichten. Die Lebenshaltung dieser Kleinfarmer steht tief unter der des Stadtarbeiters; auch ist die Erziehung der Kinder viel schwieriger als in jeder Stadt; 12 bis 15 km täglicher Schulweg sind keine Seltenheiten. Arzt und Kirche sind meilenweit entfernt. Strebsame Familien, die für ihre Kinder sorgen wollen, wandern, da eine weitere Aufteilung des Grundbesitzes nicht, möglich ist, nach den Städten ab." Arbeitsbedingungen Aus einetm Bericht über die Arbeitsbedingungen in der Südafrikanischen Union, den wir folgen lassen, erhellt, aus welchen Gründen es für europäische Arbeitskräfte so schwierig ist, Arbeit zu finden: „Die Arbeitsbedingungen in der Union sind sehr kompliziert durch das Bestehen einer großen Menge ungelernter eingeborener Arbeiter, außer asiatischen und anderen farbigen Elementen, welche zu niedrigen Löhnen in Wettbewerb mit den halbgelernten Mitgliedern der europäischen Rassen treten. Der größere Teil der niederen Arbeiten in den Minen, der Industrie und in landwirtschaftlicher und Weidearbeit wird von einheimischen Arbeitern ausgeführt. Der europäische Arbeiter ist als Folg© davon in der Wahl seiner Arbeit beschränkt und auf die Arbeiten höherer Qualität sowie Aufsicht und Kontrolle der ungeschulten eingeborenen und farbigen Arbeiter angewiesen. Arbeitslosigkeit unter gewissen Klassen von Europäern hat sich verschärft. Die am meisten Betroffenen sind eine Klasse, beizeichnet als „Arme Weiße" (poor whites). Diese Leute haben kein spezifisches Gewerbe oder spezielle Ausbildung und sind daher nicht imstande, mit den nichteuropäischen Arbeitern in Wettbewerb zu treten zu den niedrigen Lohnraten und einen europäischen Lebensstandard aufrechtzuerhalten. Verschiedene Schätzungen sind bezüglich der Zahl dieser Klasse von Europäern gemacht worden. Die gewöhnlich angenommenen Zahlen schwanken zwischen 100 000 und 150 000 Personen, von denen 40 000 tatsächlich bedürftig sind." Über Südafrika als Landwirtschaftsgebiet und die Lage der Farmer sind sehr interessante Mitteilungen in einem Artikel einer englischen Zeitung enthalten. Nachfolgend ein ganz kurzer Auszug: Was den Ackerbau anbetrifft, ist der größere Teil von Südafrika ein armes Land, und es ist zweifelhaft, ob es je selbst mit seiner billigen Eingeborenenarbeit imstande sein wird, auf den Mais-, Milch- oder Fleischmärktcn der Welt in Wettbewerb zu treten. Die allgemeine finanzielle Lage der Freistaatfarmer ist verschlechtert, weil 90 o;0 von ihnen ihren Besitz verpfändet haben. Infolge der aufgeblähten Werte in den letzten Jahren und der heutigen allgemeinen Abnahme von Weilen sind in sehr vielen Fällen die auf die Farmen ausgeliehenen Beträge höher als die gegenwärtigen Werte. Große Strecken Landes sind von Vegetation entblößt, Quellen versiegen oder sind bereits versiegt, wodurch die Schwierigkeiten, das Vieh zu tränken, sehr vermehrt wurden und auf ausgedehnten Gebieten herrscht fast Not auf den Gehöften und Öde außerhalb derselben. Bei all dieser Düsterkeit gibt es jedoch einige Lichtstrcifen. Einige Farmer haben tatsächlich das Land verlassen. Eine Anzahl „bywoners" (ungelernte europäische Arbeiter, die auf dem Grundbesitz wohnen) sind in die Städte gewandert, wo sie im allgemeinen von Mildtätigkeit leben oder Beschäftigung bei staatlichen oder städtischen Arbeiten gefunden haben. Es ist zweifelhaft, ob sie durch ihre eigenen Bemühungen jemals auf das Land zurückkommen werden, ihre dortigen Stellen werden, wie zu fürchten ist, von denjenigen Farmern eingenommen, die nicht imstande sein werden, sich wieder wirtschaftlich zu erholen und Landbesitzer zu bleiben. Insolvenzen bei Farmern sind nicht abnorm, wahrscheinlich weil die Schuldscheininhaber und andere Gläubiger die Vergeblichkeit kennen, ihre Forderungen einzutreiben. Schlecht wie die Lage ist, bestehen doch zuversichtliche Hoffnungen, daß die Mehrzahl der Grundbesitzer erhalten bleiben wird. — Aus weiteren Nachrichten aus Südafrika ist zu ersehen, daß Landarbeit und Gartenbau zum größten Teil von Mischlingen und Eingeborenen geleistet wird.-- Auch bezüglich landwirtschaftlicher Berufsumstellung ist eine Anzahl Versuche angestellt worden, die aber mißlungen sind, „der gute Wille war da, aber von jungen Leuten, die in großen Städten aufgewachsen sind und am Pult oder hinter dem Ladentisch gearbeitet haben, kann man nicht gut erwarten. daß sie mit der Landarbeit in Südafrika fertig werden. Sie müssen hier mit den Eingeborenen konkurrieren, die von Kindheit an die. Landarbeit gewohnt sind. Junge Leute, die die Arbeit leisten können, bekommen bei freier Station etwas Lolin." Gemeinschaftssiedlungen existieren nicht, Eleven werden in Bauernwirtschaften aufgenommen. Die Arbeit ist sehr schwer. Junge Leute vom Lande, die in Vieh- und Landwirtschaft aufgewachsen sind, kämen dafür in Frage. Für landwirtschaftliche Lehranstalten, die vorhanden sind, ist die Kenntnis von Englisch und auch die Erlernung der zweiten Landessprache „Africaans" notwendig. Bei Besprechung der Arbeitsverhältnisse im Abgeordnetenhause führte der Arbeitsminister aus, daß die Arbeitslosigkeit unter den Europäern in den Städten hauptsächlich der Landflucht infolge der ungünstigen Verhältnisse auf dem Lande zuzuschreiben sei. Deshalb müsse zunächst die Ertragsfähigkeit des Landbaues gesteigert werden. Die Regierung werde die erforderlichen Kredite in Anspruch nehmen, um die Lebensbedingungen auf dem Lande zu verbessern. Auch die Verhältnisse in der Industrie bedürften dringend einer Änderung. Während in den staatlichen Betrieben etwa 45 °/o sogenannte „zivilisierte" (europäische) Arbeiter beschäftigt wurden, sei dieses Verhältnis in den Betrieben der wichtigsten Gemeinden nur 14 o/o. Die Regierung will in nächster Zeit ein ausgedehntes Programm für die Erneuerung und Ausdehnung des Eisenbahnnetzes zur Ausführung bringen, durch das ein großer Teil der Arbeitslosen Beschäftigung finden soll. Die Lohnsumme für diese Arbeiten dürfte rund 10 Millionen Pfund ausmachen. Die erste Phase des Programms soll die Errichtung eines Modelldorfes für 200 Arbeiter und ihre Familien sein, die jedoch nach drei Jahren ihre Wohnstätte wieder zu verlassen haben. In dieser Zeit sollen sie soviel verdient haben, daß es ihnen mit ihren Ersparnissen möglich sein soll, sich selbst anzusiedeln. Sie sollen dann durch eine neue Gruppe von Arbeitern ersetzt werden. Die Farmer sollen veranlaßt werden, mehr Europäer einzustellen; zu diesem Zweck will die Regierung für jeden Europäer, der eingestellt wird, dem Farmer einen Zuschuß bis zum llöchstbetrage von 50 Pfund unter der Bedingung zahlen, daß diese Leute eine entsprechende Unterkunft erhallen. Zur Erhöhung der Entlohnung kann vom Arbeitsdepartement ein Zuschuß von 2 Pfund monatlich gewährt werden. Auch ist die Regierung den Farmern so weit entgegengekommen, daß sie zur Beseitigung der Schäden, die durch die letzten außerordentlich starken Regenfälle entstanden sind, sieben Achtel der kosten übernimmt.--■ Uns ist mitgeteilt worden, daß Zahntechniker keine Arbeit in Südafrika finden. Einige Männer und Frauen dieses Berufes sind einer brieflichen Nachricht zufolge bereits eingetroffen. Es ist für sie unmöglich gewesen, eine Position zu finden. Sie sind in den meisten Fidlen gezwungen, eine andere Vrbeil anzunehmen, und auch das ist wegen mangelnder Ausbildung schwierig. Ferner 59

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