Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1885
- Issue
- 11 (1885)
- Date
- 1885-01-01
- Page
- Seite 44 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 44 — In Bezug auf das christliche Ncujahrssest heißt cs weiterhin: .... „Freilich bekämpfte die Kirche, welche für den Beginn des kirchlichen Jahres den noch heute beibehalteneu ersten Adventsonntag bestimmte, die Feier des bürgerlichen Jahreswechsels, aber vergebens: sie mußte sich im 8. Jahrhundert bequemen, den 1. Januar als Neujahrstag, wenigstens für die germanische» Völker, anzuerkcnuc», wen» auch erst im Jahre 1700 dieser Tag als solcher für die gcsammte Christenheit festgesetzt wurde." Auch eine „Morene"! Ein Rabbiner Sllddeutschlands, der neben der Theologie gerne der Naturwissenschaft obliegt, besuchte öfters die Schtveizer Gletscher und wurde von mehreren Bekannte» deshalb befragt, wie sich ein Rabbiner auf die Gletscher versieigen könne. „Wissen Sie nicht", war die Antwort des Theologen, „daß jedem Rabbiner die 13118 (Moräne-Gletschergeröllc) von großer Wichtigkeit sein muß: darnach muß man gar hoch steigen." Anfrage. In einem anscheinend gut inspirirtcn und ans Copenhagen stammenden Leitartikel der „Magdebg. Ztg." vom 1. d. über den skandinavischen Radicalismus lese ich bei Besprechung und Characterisirung der Spaltung zwischen der „politischen" und der s. g. „litterarischen" Linken in Dänemark , daß dort in der gegenseitigen Zeitnngspolemik eine „weniger auf Besiegung als aus Verhöhnung des Gegners gerichtete Kriegsführung" geübt werde und gegenüber dem Führer der litterarischen Linken, dem „auch in Deutschland wohlbekannten geistreichen Litterarhistoriker Dr. Georg Brandes, sowie seinem Streitgcnoffen und Bruder, dem Redakteur Dr Eduard Brandes, in diesen Diatribcn in den „Organen der Gegner die „s e m i t i s ch c Eigens ch a f t" der „Gebrüder Brandes" eine stets wicderkehrcnde Rolle spiele. Es liegt mir nun daran und ist wvlst auch für die Leser ds. Bl. im Allgemeinen nicht ohne Interesse zu wissen, wie es sich mit dieser „semitischen Eigenschaft" der Gebrüder Brandes verhält und gewiß dürfte» sich unter den Lesern ds. Bl. Orientirte befinden, die hierüber an dieser Stelle einen kurzen Ausschluß geben möchten. Desgleichen lese ich in einem älteren Jahrgang des „Uebcr Land und Meer" von der semitischen Abstammung Gambetta's. Weiß auch vielleicht darüber Jemand etwas Näheres? Max Wein derg. (Vvn anderer Seite wird angefragt, ob der in Mailand am 14. Deeember v. I. verstorbene Leone W e i l - Schott —• bekannter Bibliophien und Besitzer einer der reichhaltigsten Privatbibliotheken dieser Stadt — Jude war? Aus Rußland. Vor etwa 20 Jahren wurde ein Großgrundbesitzer bei Wilna Vater einer Tochter — deren Mutter nicht seine Frau war. Da er sich des Kindes entledigen wollte, gab er es seinem jüd. Pächter, um es bei Seite zu schaffen. Dieser verbarg das Kind und ließ es auf Anrathen des Kownoer Rabbiners von einer jüd. Frau auf seine Koste» großziehen. Dann nahm er es als eine verwaiste Verwandte zu sich. Da sein Sohn die schön erblühte Jungfrau zur Ehe begehrte, enthüllte er ihr das Gcheimniß ihrer Geburt — doch sie blieb freudig Jüdin und wurde freiwillig die Schwiegertochter ihrers Retters. Das stille Glück wurde durch einen Juden, der einen Streit mit dem Pächter hatte, vernichtet, da er dem Gutsherrn Alles verrieth. Dieser übergab, da die Tochter nicht zu ihm zurückkchren wollte, die Sache dem Gerichte, welche die Anklage wegen Kindesraubes erhoben. Doch (und dies ist eben das für Rußland Unglaubliche) nachdem der Rabbi von Kownv sein Zeugniß abgelegt hatte, war der Spruch des Gerichts: 1. Das Kind tvird als Erbin des Gutsbesitzers anerkannt. 2. Der jüdische Adoptiv- und Schwiegervater swird für alle Kosten und Mühen entschädigt. 3. Der Denunciant erhält zwei Monate Hast. — (Ob's wahr ist? Red.) — Der „Courrier de Mvstaganem" schildert eine Löivenjagd, an welcher 17 Colonisten, 5 Araber und ein Jude Tb--' genommen haben, von denen 2 durch den Löwen getödret und 2 schwer verletzt wurden, während der muthige Jude ihn durch einen Schuß in's Ohr tödtete. In Koradno starb vor einige» Wochen R. Meier Senders im 107. Lebensjahre. Aus dem Spruchschatz des Talmud. Poetisch übertragen von Max Weinberg. Wer Anderer Herz zur Milde rührte Und brach der Gutthnt Bahn, Der hat oft inehr getdan. Als wer die Wohllbat selbst vollführte. * ' . * Wie kann ich mich wohl recht an meillent Feinde rächen? — Nim in an Erkenntnis; zu, und ab an Fehl und Schwächen. * * Nicht leicht wird Unrechtes Grenzen verletzen, Wer sich im Erlaubten weis; Grenzen zu setzen. Riilhsel-Aufgabe«. I Deutsches Kogogryph. Bon Eugen Szkolnp in München. Einen Hohenpriester nennt Dir das Wort, Wenn Du es ganz gerathen. Fügst Du ein s an, ist's ein Ort In Hellas' schönen Staaten. II. Hebräisches Silben-Räthsel. Bon Jacob Kaufmann in Essen. Die erste trug mich aus den Knien Und führt' mich sorgsam an der Hand: Die zweite sah ich siegreich zieh'n, Aus ihu blickt stolz das Vaterland. Das Ganze war eilt böser Mann. — O nehmt Ench kein Exempel d'rait. III. Zweisprachiges Homonym. Bon I. Herzberg. Deutsch ist es als der Name Bon Kaiser und Bauer bekannt, Dem Herrn rvard eS geheiligt, Wird es hebräisch genannt. Auslosung der Räthsel in Ur. 10. I. Mammon. Mao,,. II. Ehartumim. Ehartum. IH. 1? (Ziege). Eis. Ei. IV. V'IP (zwei). C'it' (Zähne). V. 13 J3 132S (Adner drr Sota des Ner). Nichtige Auflösungen sandte» ein: »1 der Näthsel in Nr. », A. I. Hosmatlti i» Frankfurt a. M. M. Berliner in Schneidemiihl. Dolphc in E. Amalie und Hedwig Krolik in Kosel O.-S. Recha Ehrlich in Schroda. Aron Hamei in Winzig. Weißmann in Kätscher. Richard Pacharzewski in Magdeburg. Sali Cohen in Ree«. Cantor Levin in Glogau (Sie haben Recht, das Arithmogriph enthielt in Zeile 7 einen Druckfehler und in Zeile S einen Aufgabefehler). b) der Räthsel in Nr. 10. Max und Mioriß Golde in Posen (II in. TV.) Markus Wotsermann und Konsorten in Barchseld. S. u. L. Cohen in Rees. Lehrer Weißmann in Kätscher. Nathan Griinfeld, Obersecundaner m Königsberg (II). Engen Szkoinh in München (l— 4). Richard Pacharzewski, (2 U 4). I. Kailsmann in Esse». Löwe und Felix in Magdeburg. Verantwort,cher Redaetenr Ur. Rahmer, Magdeburg. Druck von D. L. Wolfs, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig.