Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 16 (1885)
- Issue
- N° 42. (15.10.1885)
- Date
- 1885-10-15
- Page
- Seite 319 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Etwaige Beitritts- Erklärungen sind mit dem Jahresbeitrag von 10 Mk. bis dahin an Herrn Dr. Berliner (Berlin, Jnvalidenstraßc 151) zu richten. Hoffen wir, dag der Verein durch seine Leistungen immer mehr an Ausbreitung gewinnen und lebensfähig werde. Aerki« Als höchster Gerichtshof in Landesstrafsachcn hat der Strafsenat entschieden, daß religiöse Versammlungen zu denjenigen Versammlungen zu rechnen sind, in welchen öffentliche Angelegenheiten erörtert oder berathen werden sollen, und dag demzufolge Versammlungen von kirchlichen und religiösen Vereinen, soweit diese Corporationsrechtc nicht habe», der polizeilichen Anmeldung bedürfen. Königsberg, 1l. October. Herr v. Giers empfing auf der Durchreise nach Petersburg heute hier den Geh. Commereienrath Simon, mit welchem er eine zweistündige Unterredung hatte. Herr v. Giers erklärte, Rußland werde die diirch die Ausweisungsmaßregeln betroffenen russischen Untcrthancn besonders entgegenkommend behandeln. Dresden. (Lr.-Corr.) Mit den Eintritt der herbstlichen Zeit giebt auch der hiesige „Brüder-Vcrein", besonders durch seine Vortragsabende weiteren Kreisen wohlbekannt, sein Winter-Programm heraus. Wir entnehmen demselben, daß diese im Sinne einer freiere» Lebensanschauung gehaltenen, Jedermann frei zugänglichen Vorträge von den HH. Oberrabb. Or. Landau und Rcchtsanw. Emil Lehman», Ehrenmitgliedern des Vereins, sowie den HH. Institutsdirektor Schmidt und Schuldirektor Bruno Müller — je einer im November, Deccmber, Januar und März — gehalten werden. Zur Beförderung der Geselligkeit schließen sich diesen Vorträgen Untcrhaltungsabende mit Güsten im Hotel Stadt Petersburg an, und werden auch 3 Familienabende, am 18. Oktober, 3. Januar und 31. Mürz (Purim) stattfinden. — Nach wie vor ist der sogen. Unterstützungsfonds der Pflege allgemeiner Wohlthätigkeit und der Unterstützung gemeinnütziger, humanitärer Bestrebungen gewidmet. Mannheim. (Or.-Corr.) Gelegentlich der Vermählung des ErbgroßherzogS von Baden wurde auch Herr David Aberlc sen. von hier als langjähriges hochverdiente» Mitglied des Synagogcnraths und seit einigen Jahren Vorsitzender desselben zum Ritter des Zähringer Löwenordens ernannt. Krakau. Um das Andenken Montefiore's zu beschmutze» hat v. Schönerer in seinen „Unverfälschte deutsche Worte" von einer Rabbinctverjammlung in Krakau 1840 gesprochen, bei welcher Sir Moses angeregt hat, die Presse zu verjuden und bergt, mehr. Wir erklären demgegenüber: Es hat in diesem Jahrhundert keine Rabbincrversammlung in Krakau stattgcsunden! Daß das Andere blödsinnig ist, wird man uns wohl jetzt ohne Weiteres glauben. Der „österr. Volkssreund" würde uns verbinden, wenn er uns das Buch nennen möchte, welches Einer unserer „ersten" Rabbiner geschrieben hat und das bei uns gleich einem neuen Schulchan Bruch geschätzt wird. In diesem Buche soll gelehrt werden, wie man die Schule verjudet! Schade, daß wir es nicht kennen! Linz a. d. Donau. In der Kapuzinerkirche hier wurde jüngst der israelitische Religionslehrer Koselik getauft. Die Freude über den neugewonnenen Glaubensgenossen währte indeß bei den Kapuzinern nicht lange, denn bald darauf wurde derselbe aus dem Kloster, wo er 6 Wochen gewohnt, polizeilich abgeholt und verhaftet. Herr K. scheint verschiedene Schwindeleien begangen zu haben. Ec ließ sich auf den Namen „Sachs" und auf Grund des Zeugnisses eines Krcisrabbiners als Schächter in Bad Hall anstelle», jirtch das Draufgeld ein und verschwand, um seine Stelle nie anzutreten. Dann zog er sich als Religionslchrer Koselik in das hiesige Kapuzinerkloster zurück und war natürlich als Sachs nicht aufzufinden. Bermuthlich liegen noch andere Gründe für die Verhaftung vor. Wie«. Die Antisemiten Schocnerer, Flieget und Tuerk bildeten einen besondere» parlamentarischen Klub unter dem Namen: „Verband der Deutsch-Nationalen. Im Polenclub wies Abgeordneter Ruczka specicll auf die Antisemiten hin, die möglicherweise auch eine Vertretung in den Ausschüssen verlangen könnten, was er beispielsweise für den Pctitivnsausschuß, dessen vieljühriger Obmann er gewesen sei, verhütet wissen möchte. Ec warnte in einer Wirkungsvollen Rede, die im Club einen nachhaltigen Eindruck erzielte, vor einer jeden, selbst oberflächlichsten Verbindung mii den Antisemiten, deren verwerfliche Tendenzen er mit den schärfsten Worten geißelte. „Als Christ und Geistlicher", ries Canonicus Ruczka aus, „habe ich den Antisemitismus stets verdammt; denn 'zwischen den Antisemiten und den echten Christen besteht eine Kluft, die nie und nimmer überbrückt werden kann". ZP!l. Im Abgcordnctenhanse interpellirte der Antisemit Komlossy wegen der gesetzlichen Fixirung des Stcfanstages als eine» allgemeinen christlichen Nationalfestes gegenüber den bereits im Parlament „dominirenden Juden und Freimaurern". Naris. Die „Revue politique et litteraire“ vcröffenilichl höchst bedeutende Autographen von Adolf Cremicux. In der Nr. vom 5. September werden Correspondcnzen mit der Tragödie Rahcl der Oeffentlichkeit übergeben. In einem Briefe v. I. 1841, — sie tt.it damals in Bordeaux auf — ist folgende Stelle interessant: „Unser Rabbiner (es war der Grand-Rabbin Marx) hat zu Gunsten der Rahe,, eine Sünde begangen: er hat 2 ganze Stunden im Theater- Saal zugebracht! Welch' Wunder! Ich bin sehr stolz über diesen jüngsten Erfolg. Im Paulinum will er mich nicht hören, weil ich mich darin taufe. Wenn ich ihn noch veranlassen könnte, doch zu kommen, würde sich der Stolz ganz meiner bemächtigen". — Furi«. Unser Glaubensgenosse, Baron Ignatz Weilweiß, hat dem Arbeiter-Verein 20 000 Lire gespendet, die ohne Unterschied der Confession zur Verwendung kommen. Petersburg. Die hiesige „Wiedomosti" läßt sich über die Neuchristen in Palma berichten. (Wir verweisen unsere Leser auf die eingehende Darstellung im Litteraturbl. 1883. 27 ff.) Treffend ist die Bemerkung, welche „Hameliz" daran knüpft: „Wenn diese Christen nach Jahrhunderten ihres jüd. Ursprunges wegen von ihren Mitchristen gehaßt und ausgestoßen werden, wie wird es erst den Judenchristen m Kischinef und Elisabethgrad ergehen?" Amerika. Ein betrübendes Bild giebt die Schilderung der Verhandlungen der hies. Rabbiner. Betrübend wegen der Ansichten, die dort ausgesprochen wurden, belustigend aber wegen der Pcrsönlichkeilen, die dort Rabbiner spielen. Das geht noch über Wcstphalen und Rheinland. Ta macht ein Herr den Vorschlag, die Religionsschulcn zu schließen, da sie doch nichts nützten. Nur in den Spnagogcn sollten die Rabbiner den Kindern etwas vorpredigcn — das würde mehr wirken! Dieser Mann hat sich in Europa in der bescheidenen Stelle eines Elementarlehrers nicht behaglich gefühlt, hat in Obcrschlesien ein Eisengeschäft gehabt und dort den liberale» Juden gespielt. Nachdem er auch materiell Bankerott gemacht hat, ist er zum Rabbinatc in Amerika reis und wagt «s.andicLcsfentlichkeit ungescheut mitscincncorruptcnVor>chlägenzu trctenI Aew-Aork. Herr Joseph Aron, ein Franzose, wurde aufgefordcrt in das Comitee zur Errichtung eines Denkmals für den verstorbenen General Grant einzutreten. Er lehnte aber dies schmeichelhafte Anerbieten ab u. zwar — aus Patriotismus. Im Jahre 1870 wären Grants Sympathien auf Seiten Deutschlands gewesen, darum kann Herr Joseph Aron es nicht über sich gewinnen, als Franzose in das besagte Comitee cinzutrcten. Das scheint doch eine kleine Extravaganz zu sein. Soll die Anerkennung der Nachwelt kein höheres Kriterium kennen, als — Franzosenfrenndlichkeit?