Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1880-03-17 · N° 12. (17.3.1880) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
11 (1880)
Issue
N° 12. (17.3.1880)
Date
1880-03-17
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/5369809-9583817-9583938--4024-9583947
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Beilage zur „Israelitischen Wochenschrist." Rr. 12. Magdeburg, den 17. März 1880. 11. Jahrgang. „Wie. Ihr kennt mich nimmer, Rabbi?" „Verzeiht! meine Augen sind schwach, viele Thränen des Unglückes sind denselben entfallen, doch -Eure Stimme klingt mir so wunderbar bekannt und sammle ich meine Erinnerungen -" „Ich kehre heim Rabbi von langer, weiter Reise, und was ich Alles erlebt — — „Benjamin! Ja du bist es, komm mein Kind, und der Rabbi faßte den Kops des jungen Mannes mit beiden Händen und drückte ihm einen Kuß auf die Stirne. Ich danke dir mein Sohn, du wolltest helfen, aber Gott hat es eben nicht gewollt. Sarah ist verloren für immer." „Wer sagt Euch dies, mein Wohlthäter? Und wenn ich nicht umsonst gesucht hätte, und wenn ich Sarah wirklich gefunden hätte-" „Gefunden! Du sagst, du hättest Sarah gefunden? wo, wo ist sie, Benjamin schnell, denke daran, daß mir diese Zweifel namenlos Weh bereiten, sag, wo ist Sarah? „Beruhigt euch Rabbi, noch andere freudige Nachrichten bringe ich Euch. Auch Rabbi Calmi Gerson, Euer Freund, ist hier und in einer Stunde schon werden sie hier eintreffen; bin ihnen vorangeeilt, damit die Ueberraschuug Euch nicht schade." „Dank Dir, für diese Fürsorge, Benjamin, doch mein Herz ist gestählt; der Jammer, das Unglück haben es zu Stande gebracht." „Und hier noch etwas, nehmt diese Tefillin, es sind dieselben die Ihr Jakob gegeben. Diese Tefillin sendet Euch von Sarah Rebb Calmi mit den Worten:Jhrmögethoffen, Gott habe gar oft schon Menschen, dieihm treue Diener gewesen, geprüft, — hart geprüft und auf gar wunderbare Weise alle Schmerzen wieder geheilt. Hört Ihr Meister, versteht Ihr wohl! Alle, alle Schmerzen!" Rabbi Josua schüttelte wehmühtig mit dem Kopfe. „Ich danke meinen Freund für diesen Trost, doch alle Schmerzen, nein-" „Er meint es seien auch schon Fälle vorgekommen, daß längst Todtgesagte wieder zum Vorscheine kamen, und, doch hier kommt er selbst." Und die Thüre des kleinen Gemaches öffnete sich und Sarah lag an der Brust der Mutter und des Vaters und Thränen der Freude des Glückes entströmten aller Augen. Und dann erschien eine hohe kräftige Kriegergestalt und beugte das Haupt vor den beiden alten Leuten nieder. „Segnet mich mein Vater, sagte der Krieger mit zitternder Stimme, verzeihet mir all' den Schmerz, den Ihr meinetwegen erlitten." Und während die Mutter das Gesicht ihres Sohnes mit heißen Küffen und Thränen bedeckte, starrte Josua vor sich hin. Dann legte der die beiden Hände auf Jakobs Haupt und sagte: „Ich segne dich mein Sohn, denn Gott selbst hat dich gesegnet, hat dich unter seinen göttlichen Schutz gestellt. Dank dir, allmächtiger Gott, der du die segroße Freude dieses namenlose Glück uns gnädigst sendet. Vereinsamt saßen wir vor kaum noch einer Stunde, und jetzt haben wir unsere Kinder, unsere Kinder." Und der Rabbi weinte gleich einem Kinde während er seine beiden wiedergefundenen Kinder immer und immer wieder küßte. Das war heute ein anderer Purim als zum Anfänge unserer Erzählung. Lustig und froher Dinge lief Jung und Alt auf der Straße umher, scherzend und neckend, und Alles was Leben hatte, eilte dem Hause des Rabbi zu, um sich von dem Wunder selbst zu überzeugen. Uno sie überzeugten sich auch wirklich. Sie sahen die v erloren gegangene kranke Sarah, gesund und blühend schön wieder, sahen den als todtbeweinten Jakob als Obersten mit Orden geschmückt in der Ecke des Zimmers stehen, Jedem freundlich die Hand reichend, Worte des ErkennenS nnd der Freundschaft sprechend. Und auch den bleichen Bocher sahen sie wieder, die Hand Sarah's fest in der Seinen haltend, denn sie waren Verlobte. Und auch Rabbi Calmi Gerson verschönerte den Familienzirkel, während die lustige Ester ihre neuen Geschwister bewundernd anblickte. Alle dachten an Deborah, aber Niemand wagte ihren Namen zu nennen. Ester war das Bild ihrer Mutter. Die Großeltern erzogen sie als ihre eigene Tochter. Die Liebe hatte die Schuld gesühnt! Ueber die geographische Verbreitung der Juden entnimmt die „Weser-Zeitung" dem physikalisch-statistischen Atlas des deutschen Reiches" von R. Andres und O. Peschel (1878) folgende Mittheilungen: Man nimmt an, daß gegenwärtig die Zahl der Juden auf der Erde 6—7 Millionen betrage. (Die Zahl der Christen schätzt man auf 400 Millionen, der Mohamedaner zu 170 Millionen, der Heiden zu 850 Millionen.) Von diesen 6—7 Millionen Juden kommen ungefähr 5 Millionen auf Europa, 500,000 auf Afrika, 750,000 auf Asien und 150,000 auf Nordamerika. Auf die einzelnen europäischen Staaten vertheilen sich die Juden in folgender Weise: 1. Polen 783,000, 2. Oesterreich-Ungarn 1,376,000, 3. Rumänien 150,000, 4. Rußland mit Finnland zusammen 1,829,000,*) 5. Niederlande 69,000, 6. Deutschland 511,000, 7. Türkei 100,000, 8. Griechenland 5000, 9. Dänemark 5000, 10. Schweiz 7000, 11. Serbien 2000, 12. Frankreich 46,000, 13. Großbritannien 46,000, 14. Italien 36,000, 15. Norwegen 2000, 16. Schweden 2000, 17. Belgien 2000, 18. Spanien 6000, 19. Portugal 1000. Ordnen wir die obigen Staaten nach den drei großen europäischen Völkerfamilien, so zeigt uns die Statistik, daß von den ca. 5 Millionen europäischen Juden der bei Weitem größte Theil unter den Völkern slavischer Zunge seinen Wohnsitz aufgeschlagen hat. ,Innerhalb der romanischen Gruppe leben 89,000 Juden, innerhalb der germanischen 842,000 und innerhalb der slavischen 4,047,000. Bei Berechnung dieser Verhältnisse zeigt sich nun. daß in der romanischen Gruppe 3, in der germanischen 24, in der slavischen aber 35 Juden auf eine Quadratmeile entfallen. Wenden wir uns zu der Verbreitung der Juden im deutschen Reiche im Speciellen, wofür die Volkszählung von 1871 zuverlässiges Material liefert. Danach wurden Juden gezählt, in: 1. Hamburg . . 13,796, auf 1000 Einwohner kommen 41 2. Hessen . . . 25,373, - - - 30 3. Elsaß'Lothring. 40,938, - - - 26 4. Baden . . . 25,703, - - - 18 5. Waldeck . . 834, - - 15 6. Preußen . . 325,565, - - - - 13 7. Lübeck . . . 565, - - - 11 8. Bremen . . 465, - - - - 5 Von den größeren Bezirken ragen durch starke Vertretung der jüdischen Nationalität hervor: die Regierungsbezirke Posen, Bromberg, Wiesbaden, Marienwerder, Kaffel, weiter Unterfranken und Rheinpfalz; unter den Städten mit jüdischer Bevölkerung stehen an der Spitze: Berlin, Breslau, Hamburg, Zlltonr, Stettin, Frankfurt a. M.,. Mannheim, Straßburg, Mühlhausen im Elsaß. Selbst da, wo das platte Land weit und breit von ihnen frei ist, häufen sie sich in den Städten, wie Leipzig, Dresden und München beweisen. Die am Stärksten (1871) von Juden bevölkerten deutschen Städte sind Fürth mit 6,5 pCt. und Frankfurt a. M. mit 9,8 pCt. *) Nach anderweitigen statistischen Mittheilungen soll die Zahl der Juden im russ. Reiche sich 3—3'/, Millionen belaufen. — In Bosnien und Herzegowina wohnen nach neuester Zählung 3i2b Juden. (Red.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.