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Israelitische Schulzeitung · 1882-08-01 · 8 (8.1882) · p. Seite 30

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Journal
Israelitische Schulzeitung
Volume
1 (1882). Bestand LBI
Issue
8 (8.1882)
Date
1882-08-01
Page
Seite 30 (sequence 2)
Language
German
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30 nett Erzählungen könne er jedoch nicht überall einverstanden sein. Ebenso sei es bedauerlich, daß um der Kürze willen auf die so nothwendige Beibehaltung des biblischen Spracheolorits habe verzichtet werden müssen. Derlei Bedenken fallen in Bezug aus den 2. Theil des Büchleins, der die nachbiblische Geschichte behandelt, im Allgemeinen fort. Die Einzelheiten, die Referent hervorhob, müssen hier übergangen werden. Hieran schloß sich das Referat des Herrn Ti nt ner- Bunzlau über das Schul- und Gesangbuch non Liebling und Jakobsohn. Redner betonte die Wichtigkeit und Rothwendigkeit des Gemeindegesanges und meinte, daß die Religionsschnle der Anleitung zu einem solchen wenigstens ein bescheidenes Plätzchen gewähren müsse. Reben eignen Compositionen enthalte die vorliegettde Sammlung eine geschmackvolle Auswahl der besten Leistungen auf dem Gebiete der fynagogalen Musik unter steter Anlehnung an die überlieferten Sangesweifetr. Die gute Ausstattung und der billige Preis empfehlen noch besonders die sorgsame Arbeit des Verfassers. Daher könne Referent den Collegen die Anschaffung des Buches nur auf's Angelegentlichste ans Herz legen. — An letzter Stelle besprach Herr I>r. Brann-Breslau das Lehrbuch des jüdischen Religions-Unterrichts von Rabbiner Hochmuth- Veßprim betitelt: „Gottesverehrung und Gotteserkenntniß." Das vorliegende Buch sei eine sehr beachtenswerthe Leistung. Ehemals fei die Philosophie die Magd der Theologie gewesen, jetzt sei die Systematisirung des Religions-Unterrichts in die Knechtschaft metaphysischer Spekukationen gerathen. Die Emaneipation von solchen Anschauungen bezwecke der Verfasser. Er weist aus der heiligen Schrift nach, daß unter Erkenntniß Gottes der Wandel in Gottes Wegen, das Streben nach Gottähnlichkeit Zu verstehen fei. Seine neue Eintheilung basirt im Wesentlichen darauf, daß im ersten Theil vom Glauben und den Pflichten des religiösen Menschen, im zweiten vom Glauben und den Pflichten des religiösen Juden gehandelt wird. Von nicht zu unterschätzendem Werthe seien die zahlreichen Antnerkungen, in welchen mit Gründlichkeit und Schärfe und in knapper Ausdrucksweife die Meinungen der jüdischen Religionsphilosophen über die einzelnen Glaubettswahrheiten unmittelbar aus den Quellen dargestellt werden. Jedem Lehrer, der zu Speeialstudien keine Zeit habe, werde darum das Buch, selbst wenn er die Principien des Verfassers nicht theile, ein unentbehrlicher Rathgeber sein. ■— An jedes einzelne der erwähnten Referate knüpfte sich eine angeregte und lebhafte Debatte. Es giebt kaum eine Prineipienfrage auf dem weiten Gebiete der jüdisch-religiösen Pädagogik, die dabei nicht mit mehr oder minder großer Gründlichkeit berührt oder erörtert worden wäre. Auf die Einzelheiten näher einzugehen, müssen wir uns versagen. Erst um 11 Uhr wurde die erste Versammlung geschlossen. Die zw eite Versammlung begann am 29. Mai um 9l/a Uhr. Namens des Vorstandes referirte der Schriftführer Dr. Bran n-Breslau. Er eonstatirte mit Genugthuung, daß die Betheilignng an den Arbeiten des Vereins eine bedeutend lebhaftere geworden fei. Am 6. Juni 1881 hatte der Verein 99 Mitglieder, er verlor 3 und gewann 26 Mitglieder. Seit dem 1. Januar sind 2 Collegen durch Versetzung in eine andere amtliche Thätigkeit ausgeschieden, so daß der Verein gegenwärtig 120 Mitglieder zählt. — Im Aufträge der erwählten Revisoren theilt Herr Held-Breslau mit, daß die vom Schriftführer geführten Kassenbücher und die zugehörigen Beläge eingehend geprüft feien und zu keinerlei Ausstellung Veranlassung gegeben haben. Auf seinen Antrag wird dem Schriftführer einstimmig Decharge ertheilt und nach § 8 des Status beschlossen, daß der aus dem Jahre 1880 verbleibende Kassenüberschuß an die Unterstützungskasse abgeführt werde. — Dr. Coh n-Kattowitz beantragt, daß die Jahresbeiträge nicht mehr direct durch den Schriftführer, sondern, wie bereits früher einmal, durch die Vertrauensmänner eingezogen werden. Der Antrag erhielt die Majorität. Auf den Vorschlag von Lieb ermann-Brieg wird der dritte Punkt der Tagesordnung (Neuwahl des Vorstandes und der Vertrauensmänner) dadurch erledigt, daß der bisherige Vorstand und die bisherigen Vertrauensmänner durch Acclamation auf 1 Jahr wiedergewählt werden. Es folgt die Discussion des „Normal- Lehrplans für die Religionsschule", eingeleitet vom Referenten Dr. Braun- Breslau. — Nach einem kurzen historischen Ueberblick, in welchent Referent nachweift, daß die jüdische Religionsschule das Product des Entwickelungsganges sei, welchen das Judenthum seit fetwa 100 Jahren, und zwar namentlich in Deutschland, genommen habe, erörtert er eingehend, was von einem Normal-Lehrplan zu erwarten sei. Er müsse nicht mehr und nicht weniger als die allgemeinen Grundzüge des gesummten Schulorganismus enthalten. Er dürfe darum nicht ins Einzelne gehen und nicht einer Abhandlung über Schulerziehung gleichen, er müsse vielmehr den Charakter eines Statuts festhalten und den Durchschnitt im Auge haben. Ermäßigung und Erweiterung bleibe nicht ausgeschlossen, sie selber aber gehöre schon in Special-Pläne und habe im Normal-Plan keine Stätte. Der Commission habe eine Gemeinde vorgeschwebt, wie sie im Durchschnitt in den beiden Nachbarprovinzen vorhanden fei, eine Gemeinde, die eine Schule mit 2 Lehrkräften und etwa 100 Kindern unterhalte. Sie habe principiell all' dasjenige ausgeschlossen, was nicht überall verlangt werden m ü s s e. Was hie und da nothwendig sei, was hie und da wünschenswerth erscheine, gehöre nicht in den Normal-Plan. Der der Versammlung vorliegende Entwurf fei das Resultat mühevoller Beratungen und erregter Discussionen. Die Commission habe die ihr von der vorigen General-Versammlung gegebene Directive, ihre Vorschläge einer Anzahl bewährter Schulmänner zur Begutachtung vorzulegen, in ausgiebigem Maße zur Anwendung gebracht. Sie habe mehr als 70 Rabbinern, Predigern und Lehrern ihre Ausarbeitung zngeschickt und darauf etwa 12 mehr oder minder umfangreiche Gutachten, fämmtlich reich von dankenswerthen Anregungen und Belehrungen, erhalten.*) Mit Benutzung der letzteren sei der nochmals sorgfältig geprüfte Entwurf, der heute zur Berathung stehe und sich in den Händen der Mitglieder befinde, angefertigt worden. Referent ging sodann int Einzelnen auf die dent Plane vorausgeschickten allgemeinen Bemerkungen ein und behielt sich etwaige weitere Aufklärungen für die Specialdebatte vor. Ans der sehr lebhaften und umfangreichen Debatte fei hier nur das Wichtigste hervorgehoben. Dr. C o h n - Kattowitz erklärt nach warmer Anerkennung der dankenswerthen Leistung der Commission, daß er feinem Standpunkt gemäß sich an der Beschlußfassung über einen Plan, der, wie es bei dem vorliegendett den Anschein habe, die traditionelle Seite des Judenthums gänzlich verschweige, sich nicht betheiligen könne und stellt eine Reihe von Anträgen, die diesem Mangel abhelfen sollen. Im ersten Satze, der nach den Vorschlägen der Commission lautet: „Der Zweck des jüdischen Religionsunterrichts ist die religiöse Durchbildung der jüdischen Jugend, gegründet auf die Kenntniß des Lehrinhalts der jüdischen Religion, der jüdischen Geschichte und auf diejenige Kenntniß der hebräischen Sprache, die den Zögling befähigt, den Urtext der hl. Schrift zu verstehen und sich mit Verständniß und Frucht am öffentlichen Gottesdienste zu betheiligen", beantragt er, hinter „Religion" einzufchalten: „und der praktisch-religiösen Uebungen" und hinter „öffentlichen" hinzuzufügen „und häuslichen." Ref. erwidert, daß er sich einen jüdischen Religionsunterricht, welcher principiell die Tradition verschweige, nicht denken könne, daß es einen solchen wohl auch kaum in Deutschland geben werde. Daß übrigens der Commission eine derartige Tendenz völlig fern gelegen, weist er im Einzelnen an Beispielen aus dem fpeciellen Theil des Lehrplans nach. Die besondere Hervor- **) liefen Antworten ein von Dr. Hamberger-Königsberg i/Pr., Dr. Caro-Erfurt, Dr. Cohn-Kattowitz, Dr. Deutsch-Sohrau O/S., Dr. Ieilchenseld-Pofen, Dr. Guttmann-Hildesheim, Dr. Kirschstcin-Berlin, Dr. Hirsch-Frankfurt a M., Dr. Kroner-Stadt-Lengsfeld, Dr. Mattersdorf- Gleiwitz, Dr. Nahmer-Magdeburg. Dr. Nofin-Breslau, Dr. Samter-Waldenburg, Rabb. Wassertrilljng-Bojanowo.

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