Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
- Journal
- Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
- Volume
- 1. Jahrgang = 1922/23 Exemplar LBI
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 142 (sequence 156)
- Language
- German
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Geburtstag.*) Heul fand ich die Stube mit Flieder geschmückt Und blühenden Kirschenzweigen. Ich holte die Geige aus dem Fach, Ein Frühlingslied zu geigen. Weiß Gott, das Lied gelang mir nicht, Trotz Kirschenblühlen und Flieder; Eh’ ich’s versah, griff meine Hand Die alten Leidenslieder. Erst leise und bebend, dann schluchzend und wild Kol-Nidrei — — das brünstige Klagen. Da hab’ ich mit abgewandtem Blick Die Blüten hinausgeiragen. Begegnung.*) Schon sinkt die Sonne und d<is Abendrot Schmiegt sich erglühend an das müde Meer. Da naht mit harten Schritten Ahasver Und löst vom Strand ein schwankes Fischerboot, Steigt hastend ein und stößt vom Uferrand. Weit durch den Abend tönt sein Ruderschlag. Dieweil er keuchend hinfährt, bteicht der Tag. Schwarz tropft das Blut von seiner welken Hand. „Was soll die Fahrt? Horch, wie die Möve lacht! Suchst du den Tod? Kein Meer verschlingt den Kahn“ Da schüttelt er das Haupt und blickt mich an Und seufzt: „Ich hole mir die Nacht“. Chanuka.*) Du hohe Frau, entfeth das erste Licht Mit deinen treuen, weißen Priesterhänden. Wenn sich sein Glanz in deinen Augen bricht Und einen Kranz dir um die Stirne flicht, . Will ich mich betend nach dem Osten wenden. Dann aber will ich dnreh die Winternacht Dich zu den Treuen in die Gasse führen. Wir treten an die hellen Fenster sacht, Wtr lauschen, wie die Sabbathstube lacht Und stehlen leise uns an ihre Türen. Dort sollst du unser stolzes Väterlied Von sitberreinen Kinderstimmen hören. Ich zieh’ dich fest an mich, wir singen mit, Durch uns’re lichtverklärten Seelen zieht Ein keuscher Klang von fernen Tempelchören. ’) Aus „Die Genesung“, Gedichte. Verlag R. Löwit (Berlin—Wien).