Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
- Journal
- Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
- Volume
- 1. Jahrgang = 1922/23 Exemplar LBI
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 140 (sequence 154)
- Language
- German
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- IRI
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Otto Abeies, Wien. Gewalt!*) Eine Menschenansammlung im Prater, rund um ein Gebüsch, vor welchem ein Schutzmann steht. Aus dem Laubwerk klingt eine klagende, angstvolle weibliche Stimme. Abgerissene Rufe, bettelnd, beschwörend, winselnd, dann schmerzvoll aufschreiend —: „Gewalt, Gewalt!“ Ein irrsinnig gewordenes Flüchtlingsmädchen, dem dort drüben, als der Besitz des Dorfes wiederholt wechselte, Kosaken die Frauenehre raubten . . . Mancherlei Volk steht vor dem Gebüsch. Urwiener Bürgersleute, Marktweiber, die durch den Prater heimgehen,Dienstmädchen mit Kindern, Soldaten und Grossstadtgaffer, die stets zur Hand sind. In weiterem Abstande elegante Spaziergänger, welche die Neugierde aus der nahen Nobelallee herbeilockte. „Oih Weh!“ tönt es aus dem Gebüsch; Beschwörungen in jüdischer Sprache; was sie dem „Fonje“ alles geben will, damit er vor ihr lasse; markerschütternde Jammerrufe. Stumm steht alles vor dem Gebüsch, regungslos. Kein Lächeln kräuselt die Lipppen, kein Spass wird laut und diese Wiener Leutchen, die sich sonst so gerne mit einem Witzwort Luft machen, tauschen keinerlei naheliegende Randbemerkungen aus. „Gewalt!!“ Ist das nicht ein ominöses Wort? — Es steigt heiss in mir auf, der Blick schiesst hinüber, dort, ein paar Schritte weiter, ist der Sommersitz des „Budapester Orpheums“. Wenn dort Eisenbach seine Zelte aufgeschlagen hat, wenn sich dort oben am Podium ein jüdischer Feigling duellieren soll, oder ein Hahnrei, der nicht die Schulden des Hausfreundes zahlen will, einen Pistolenlauf gegen sich gerichtet sieht, oder eine alte Kupplerin ihren Lohn nicht kriegt, oder eine ekle Stundenhotelszene gemimt wird, in die eine hintergangene Ehegattin hineinschneit, — dann klingt immer wieder der Ruf „Gewalt!“ vom Brettel herunter und der Wirtshausgarten antwortet mit dröhnenden Lachsalven. Hier aber schweigender Ernst. Sind doch darauf dressiert, die Leute — vom jüdischen Tingel-Tangel dressiert —, sich an diesem geflügelten Ausruf *) Aus „Jüdische Flüchtlinge", Szenen und Gestalien, Verlag R. Lowif, Wien—Beilin.