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Jüdisches Familienblatt · 1886-01-01 · 36 (1886) · p. Seite 142

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1886
Issue
36 (1886)
Date
1886-01-01
Page
Seite 142 (sequence 4)
Language
German
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142 Allerlei für den Familientisch. Eine MUUorienertrschaft. Ein recht interessanter Erbschaftsprozeß dürste demnächst die bayerischen Gerichte beschäftigen. Im Jahre 1861 starb in einem kleinen bayerischen Städtchen ein sehr reicher Israelit, welcher sein Vermögen seinen zwei Neffen und einer Nichte seiner Frau vermachte. Doch übergab dieselbe gleichzeitig dem Gerichte ein Codicill, welches der endgültigen Bestimmungen über die Verwendung seines Vermögens enthielt, und welches erst 25 Jahre nach seinem Tode eröffnet werden sollte. Nach Ablauf der 25 Jahre wurde nun dasselbe vor Kurzem eröffnet und enthielt die Bestimnmng. daß die erwähnten Erben nur dann von der Erbschaft Besitz ergreifen dürfen, wenn dieselben zur Zeit der Eröffnung noch dem streng-religiösen Judenthume angehören, im anderen Falle sollte die ganze, ca. 1 Million Mark betragende Erbschaft der dortigen jüd. Gemeinde zu Wohlthätigkeitszwecken zufallen. Inzwischen aber sind sämmtliche erbberechtigen Verwandten zum Christenthume übergetreten, haben somit jeden Anspruch auf die Erbschaft verwirkt, aber auch die jüd. Gemeinde des betr. Ortes hat sich inzwischen vollständig aufgelöst, sodaß i thatsüchlich niemand mehr vorhanden ist, der noch auf das! Vermögen Anspruch erheben könnte. Es dürste nun wahr- - scheinlich die ganze bedeutende Erbschaft der Staatskasse zu-! fallen.; Aus dem „Chasfidim-StübeL". In den politischen Blättern findet man jetzt lange! Artikel über die Eigenmächtigkeit der Handlungen unserer! östlichen Nachbarn, denen kein Vertrag heilig ist, wenn sie! ihre Pläne durchsetzen wollen. Zur Begründung dieser - russischen Eigenschaft möchte ich eine kleine chassidische! Anekdote erzählen, die ich einst gehört habe. Es ist bekannt,! , daß jeder Chassid es für seine Pflicht hält, die „heilige Zeit" ' (Ellul und Tischri) beim Rabbi zu verleben. Zu dieser Zeit! wallfahren die getreuen Gläubigen von allen Seiten, wie \ die Muhamedaner nach Mekka, zu ihrem „Heiligen", mit dem! anzubinden selbst der allgewaltige und furchtbare „Satan" sich fürchtet, indem sie hoffen, in seiner Nähe diese wichtige und ereignißreiche Zeit sicherer und — angenehmer verleben zu können. Daß es bei diesen periodischen Menschenversammlungcn oft lustig und auch turbulent hergeht und daß hierbei die „Lechajim-Flasche" eine Hauptrolle spielt, läßt sich leicht denken. In einem solchen Orte wohnte unweit vom heiligen Rabbi ein Mißnaged (Gegner der Chassidim), dem infolge der vielen Gelage, die oft mit Thätlichkeiten endeten, manche Nachtruhe gestört wurde. Am gcräuschvollsten ging es in der Nacht zum Rüsttage des Neujahrsfestes zu. Da schaarten sich alle um ihren würdigen Schutzpatron und suchten sich durch gegenseitiges Zutrinken Muth zuzusprechen, durch ihr Schreien und Johlen den bösen Feind zu vertreiben. Der Mißnaged, der sich in keiner deneidenswerthen Lage befand, wollte sich wenigstens durch satyrische Bemerkungen rächen und fragte am andern Tage einen Gläubigen, ob nicht der Rabbi in der Nacht sämmtliche himmlische Hcerschaaren um sich versammelt hatte, um mit ihnen über die Tilgung der Sünden seiner Getreuen zu verhandeln, was nach dem Geschrei zu urtheilen schon denkbar war. Allerdings antwortete der Chossid mit wichtiger Miene, hatte der heilige Rabbi eine wichtige Streitsache vor, die aber kol Jisroel (ganz Israel) an geht. Seit längerer Zeit schwebt vor dem Bes-din 8ok6l ma’lo (himmlischen Gerichtshof) ein Prozeß zwischen dem “Ifc? von Edom (Jowon) (Schutzengel Rußlands) und dem HtT von Jsroel. (Es war gerade die Zeit, wo die Juden in Rußland zum ersten Mat zum Militär genommen wurden). Ersterer berief sich auf Jereinias und den Talmud (Dina d’malchusse j Dina) und verlangte, daß auch die Juden zum Militär ge- 1 Verantwortlicher Redaeteur Dr. Rahmer, Magdeburg. Druck von ' nommen werden sollten, letzterer berief sich auf die Thora wo es heißt: ubagojim lo jiss’chaschow: Israel wird nicht bei den Gojim mitgezählt werden. Da das Recht auf beiden Seiten zu sein sd)ien und das himmlische Gericht die Verantwortung in diesem Streite nicht allein übernehmen wollte, so schickte es beide Parteien nach unten zum Rabbi. Daher der gehörte Lärm in der Nacht. — „Und welche Entscheidung fällte der Rabbi, fragte der Mißnaged?" — Schaute, was fragst Du noch? natürlich zu Gunsten Israels. — „Aber man nimmt doch Juden zu Soldaten trotz des Ausspruches Eures Rabbi?" Dafür kann der Rabbi nichts: Ter Rufs hält nicht den Psak Bes-din. „Daher ist es auch kein Wunder, daß die Russen jetzt den Berliner Vertrag gebrochen und Batum annektiert haben." Levy-Zachan. llvpdvp. Rudolf Kleinpaul bemerkt u. A. in seiner mit „Interjektionen" überschriebenen Abhandlung der „Gegenwart" Nr. 32: „Die Ziege nennt man in Ober- und Mitteldeutschland nicht bloß Gaiß, sondern auch Heppe. „Heppe!" oder „Hepp!" ist zugleich Lockruf für die Ziegen. Wenn den Inden spottweise „Hep! Hep!" zugcrufen wird, so geschieht, es um ihres Ziegenbartes willen." Aus dem Spruchs chah des Talmud. Poetisch übertragen von Max Weinberg. War' uns der Zukunft Blick gegeben, Wer möchte dann wohl weiter leben? * -i- * Der Eine stets den Baum begießt, Der And're die Frucht genießt. -i- '* * Stark sind auch Schwache im Verein Und schwach die Stärksten durch Entzwei'n. Mthsel-Ausgaben. jjcQc». I. Deutsches Kogogryph. Von C. m R. Der Bettler und der König, Wer viel hat oder wenig, Wer von ihr Abschied nimmt, Der wird es ganz bestimmt. Doch wenn nach beiden Enden Wir noch ein Zeichen senden, 'nen deutschen Dichter man erblickt, Den unsre Lieder hochentzückt. II. Hebräisches Mort-Räthsel. Bon L. M. Sie sind in jedem Land Als klug und weise bekannt; Doch nimmst davon Du einen Farren, So werden beide sie zu Narren. Kannst die Lösung Du nicht finden, So wird die Sidra sie Dir künden. LH. Zweisprachiges Homonym. Von I. Herzberg, Jnowrazlaw. Ein Weib nenn' ich, nicht stanbgeboren, Der Weißen Mutter und der Mohren; — Doch schreibst hebräisch Du mich nieder, So werde ich zum Nichts gleich wieder. Auflösung ber Riithsel in Ur. 35. I. 1. Psalm. Salm. 2. Cellulose. Ellul. II. D*H2ttn 'chic Bienen, Deworim 1,44). \ L. WoIss, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig.

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