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Jüdisches Familienblatt · 1886-01-01 · 15 (1886) · p. Seite 60

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1886
Issue
15 (1886)
Date
1886-01-01
Page
Seite 60 (sequence 4)
Language
German
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— 60 — Sanders sah das ein; hatte er sich ja oft selbst gesagt, daß Jlka nie in diesen Zustand hochgradiger Erregung verfallen wäre, wenn er nicht gerade, als Frau Rachelle starb, sie durch seine Worte, die allerdings eine Beruhigung sein sollten, aufgeregt hätte. Still einen Kuß auf die Stirn der schlafend Daliegenden. drückend, entfernte er sich. (Fvrts. folgt.) Allerlei für de« Familientifch. Gustav Freytag und Kerthold Auerbach. Ueber das litterarische Schaffen Beider sagt Professor Karl Bleibtreu gelegentlich einer kritischen Besprechung der jüngst erschienenen deutschen Litteratur-Geschichte von Franz Hirsch in Nr. 50 des Magazins f. d. B. d. I. u. A.: „Ein Dichter im höheren Sinne ist aber auch er (Freytag) nicht, so reicher Adel der Empfindung, so kräftige Phantasie, so vollendete Kunst der Darstellung ihm zu Gebote steht. Nirgends in sämmtlichen Werken Freytags stoßen wir auf das plötzliche Emporlodern jener vulkanischen Flamme elementarer Schöpferkraft wie sie in den Producten genialer Naturen urgewaltig hervorbricht. Das Dämonische, der Zug in's Große, mangelt ihm gänzlich, während er von Auerbach sagt: In Bezug auf Berthold Auerbach hätten wir eine noch wärmere Betonung seiner^minenten Bedeutendheit als Men sch und Denker gewünscht, mit welcher freilich die des Dichters und des Künstlers nicht Schritt hielt. Nichtsdestoweniger steckt in kleineren Werken, wie „Diethelm von Bachenberg" rc. eine elementare Gestaltungskraft, wie in keinem Product Freytags, Heyses rc. Auerbachs philosophische Ader hat leider die dichterische geschwächt". So weit Bleibtreu. Bei dieser Gelegenheit mag auch ein Berschen hier sein Plätzchen finden, das ich mir über Gustav Freytags „Soll und Haben" s. Z. in mein Merkbuch schrieb: An den Dichter des „Soll und Haben": Wie ungerecht vertheilst Du doch Des Juden gut' und schlechte Gaben, Schreibst alle Tugend ihm in's „Soll" Und alle Laster in's „Haben". _ Max Weinberg. „Maufetodt", — „rrriirrschrrrstiU"» — „matt". Die drei in der Ueberschrift genannten Wörter werden so vielfach über die Lippen gebracht, ohne daß man bei Anwendung derselben sich deren Ursprung klar macht, und namentlich auf die eigentliche Bedeutung der ersten beiden Wörter näher eingeht, deren Zusammensetzung zum mindesten eine auffallende ist. „Mausetodt" könnte man als: „todt, wie eine Maus", erklären, und „mäuschenstill" als: „still, wie ein Mäuschen". Nun ist es aber schwer erklärlich, warum man gerade „mausetodt" sagt und nicht ein anderes Thier mit dem Adjectiv „todt" zwecks näherer Bezeichnung in Verbindung gebracht bat, da doch eine Maus nicht mehr und nicht in anderer Weise todt sein kann, als jedes andere lebende Wesen. — Ebenso verhält es sich mit dem Worte „mäuschenstill". Wir haben außer dem Mäuschen doch noch eine ganze Anzahl lebender Wesen, die uns als Muster für „Stille" hingestellt werden könnten. Ja, ein Mäuschen ist sogar ein recht unruhiges Thierchen und macht, wenn es sich allein und unbelauscht wähnt, bei seiner zerstörenden Arbeit viel Geräusch, womit es manchem ängstlichen Schläfer schon die Nachtruhe geraubt hat. Die sonderbare Zusammensetzung obiger Wörter wird uns aber erklärlich erscheinen, wenn wir bei deren näheren Betrachtung auf das jüdische Schriftthum zurückgreifen. Dieses hat der deutschen Umgangssprache manches Wort geliefert, das uns heute als deutsch erscheint, und manches ursprünglich hebräische Wort hat sich in der deutschen Schriftsprache vollkommen das Bürgerrecht erworben: Wir erinnern an „Mamon" qlÖB), Geld; „pleite" CIB*») („Flöten gehen"); „schachern". (NNO) handeln; »Moos", lnllvj Geld u. a. m. Auch das Wort „Maus" ist in den beregten Wörtern nicht der Name für jenes Thierchen, sondern das hebräische Wort niö, (todt). „Mausetodt" heißt demnach eigentlich „todt-todt", und wird dieses Wort zumeist in scherzhafter Weise zur Verstärkung der Bezeichnung „todt" gebraucht. Ebenso verhält es sich mit dem anderen in der Ueberschrift genannten Worte, das, weil es irrthümlicherweise mit „Maus" in Verbindung gebracht worden ist, „mäuschenstill" heißt, eigentlich aber „mausstill" heißen müßte, und soviel heißt, wie: still wie einer, der todt ist, oder „todtenstill". — Das dritte Wort „matt", das den Schachspielern wohl bekannt ist, stammt ebenfalls aus dem Hebräischen. Bekanntlich ist das so sehr verbreitete und beliebte Schachspiel aus dem Oriente während der Kreuzzüge zu uns herübergekommen und ist die den Spielregeln entnommene Bezeichnung ,,matt" eine specifisch orientalische, resp. hebräische „Matt" bezeichnet nichts anderes als das hebräische N1Ü (todt) und soll durch dieses Wort angekündigt werden, daß „der König" gewissermaßen „todt", d. i. zur Zeit operationsunfähig ist. ll. H. (So sehr wir der letzten Erklärung beistimmen mit dem Hinzufügen, daß die Worte: Schach matt! identisch sind mit: Schach (Scheikh) matto (NY), „König, du bist tot!" so wenig können wir der Erklärung der beiden ersten Worte beitreten, weil die Verschmelzung eines hebräischen mit einem deutschen Worte zu einem uns doch gar zu absonderlich erscheint. Red.) Uiithsel- Aufgaben. I. Deutsches Kogogryph. Von 6. in R. Ich kenn' ein Volk aus alten Tagen, Verschoben spannt man's vor den Wagen Oder richtet's ein zum Wohnen Für Fürsten auf den Herrscherthronen. Weiß recht die Zeichen man zu drehen, Kann auch ein Bischof d'raus entstehen, Aus welchem rückwärts, ohne Fuß, Gar ein Prophet entstehen muß. II. Zweisprachige Homonyme. 1. Von I. Herzberg in Jnowrazlaw.' Es schmücket Dich, dient Dir zur Zierd', Wenn's sich hebräisch präsentirt. Deutsch ist's als Flüßchen wohl bekannt, . In einem kleinen deutschen Land. 2. Von 0. in R. Sie, die Frau, obschon sie log, Hat immerhin es gut gemeint; Er, ein deutscher Pädagog, War bekannt als Kinderfreund. 3. Von F. R. in M. Deutsch braucht man's zum Reisen, Hebräisch zum Speisen. Auflösung der Räthsel tu vor. Nr. I. Jonas (der Prophet betete im Walfisch). Onias (Hohepriester im Oniastempel). II. Ohr, Feigen. III. Rau8vd Chaudesch (hat h a l bfestlichen Eharacter). Chaudesch (E^lln) (der ganze Mona:). Antwort auf die Scherzfrage: Die Regel vom (Zaum). Verantwortlicher Redacteur vr. Rahm er, Magdeburg. Druck von D. L. Wolff, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig.

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