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Die Jüdische Gemeinde · 1927-03-15 · 5 (15.3.1927) · p. Seite 129

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Journal
Die Jüdische Gemeinde
Volume
1. Jahrgang = 1926-1927
Issue
5 (15.3.1927)
Date
1927-03-15
Page
Seite 129 (sequence 7)
Language
German
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leicht, ist hier eben aus dem einzig-schweren Jahrtausendschicksai des Judentums zu begreifen und zu entschuldigen, aber in gewissen Grenzen ist es wohl zuzugeben. Freilich: es bleibt auch so immer nur ein Ton in der gegensatzreichen Vieltönigkeit der jüdischen Seele. Je stärker die These, desto stärker auch wiederum die Antithese: die Vornehmheit der kleinen jüdischen Aristokratie und die Eigenwertigkeit des überlegenen Individuums. — Ich streife zunächst nur das üble Bildungs-Parvenutum des sogenannten „Kurfürstendamms". Die Qeisteshaltung dieser Kreise hat Wolfgang Schumann durchaus treffend und ohne eine Spur von Uebertreibung als „Kultur- Kabarettismus" bezeichnet. Und jeder vornehme Jude wird ihm aus ehrlichem Herzen beistimmen müssen, wenn er von einer „jüdischen Mitschuld" spricht. Daß aber auch bessere jüdische Schichten hiervon nie ganz frei waren, das bezeugt schon Heinrich von Kleists überaus charakteristische Aeußerung aus seiner Berliner Zeit: „Am liebsten wären mir noch die jüdischen Kreise — wenn sie nur nicht so demonstrativ mit ihrer Bildung wären". Man schnitte sich gewiß als Jude wie als moderner Mensch ins eigene Fleisch; man erwiese sich im wahren Sinne des zur Zeitungs¬ und Parteiphrase verblasenen Wortes als „reaktionär", wenn man den sogenannten Intellektualismus schlechthin bekämpfen wollte. Der Weg nach vorwärts ist durchaus der Weg zum Intellekt — oder doch zu einer, wenn auch nur annäherungsweise zu erreichenden Synthese des Bewußten und Unbewußten. Aber es gibt einen guten Intellektualismus und einen — anderen. Und dieser andere — im Verein mit einem zäh-draufgängerischen, diesseitsfanatischen Machtwillen, der sich schon im Alten Testament bezeugt und sich freilich im ethischreligiösen Auserwähltheitsglauben auch ins Ueberlebensgroße steigert — dieser andere, fragwürdige Intellektualismus ist der Quell alles Uebels — und der fruchtbarste Nährboden für das üppige Emporschießen des Giftpilzes: Antisemitismus. — Auch kluge und gebildete Juden pflegen etwa den sicher klobigen Geistes- und Literatur- Antisemitismus eines Adolf Bartels in leichtem Spott lächerlich oder aber in sittlicher Entrüstung bitter-ernst zu nehmen; sie übersehen aber, daß dieser in die Literatur verschlagene friesische Bauern- und Quadratschädel (der mit Hebbel wirklich nur den Geburtsort gemein hat) von seinem Standpunkt aus nicht anders denken und urteilen kann — und daß er sachlichunzweifelhaft bis zu einem gewissen nicht unbeträchtlichen Grade recht hat. Denn das Mißverhältnis zwischen jüdischem Bevölkerungs- und Produktionsanteil ist allerdings enorm (mag es immerhin ehrenvoll für die allgemeine und besonders geistige Vitalität der Juden sein, — es bleibt aufreizend) — und dann pfeifen's doch wirklich die Spatzen von den Dächern, daß in Literatur und Kunst-Dingen die „öffentliche Meinung" in den Groß- und Weltstädten allerdings von der jüdischen Bourgeoisie, von den jüdischen Verlegern, von der jüdischen Presse und Kritik gemacht wird. Man muß noch sehr „reiner Tor" oder unkluger Vertuschungspolitiker (sei es aus Angst, sei es aus edleren Zugehörig- 129

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