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Die Jüdische Gemeinde · 1926-11-15 · 1 (15.11.1926) · p. Seite 18

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Journal
Die Jüdische Gemeinde
Volume
1. Jahrgang = 1926-1927
Issue
1 (15.11.1926)
Date
1926-11-15
Page
Seite 18 (sequence 20)
Language
German
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ideen, die kluge Leute erfanden, um das Qaluth zu rechtfertigen und zu adeln. Er sagte weiter: Und nun, nach fünfjähriger Pause, in der die zionistische Vollpropaganda ruhte, treten wir erneut vor das Volk und entrollen vor ihm die ganze, die reine zionistische Fahne. Wir bringen ihm den Zionimus, der lebt und kämpft, die zionistische Weltanschauung, für die es nur ein einiges jüdisches Volk in allen Teilen dej" Welt gibt, ein Volk, geeint in Sprache, Kultur und geistigem Besitz, geeint durch seine Hoffnung auf Erlösung. Robert Weltsch, Chefredakteur der „Jüdischen Rundschau", schreibt: Wir fühlen als Juden die volle sittliche Verantwortung unseres Judeseins. Es ist uns nicht mehr ein Ansporn zum Vertuschen, Verdecken und Entschuldigen, sondern eine Aufgabe, die die „radikale Aenderung" des heutigen unhaltbaren Zustandes zum Ziele hat. Die Zeit des passiven Duldens ist vorbei. Ein anderer Führer der Zionisten, Adolf Böhm, führt aus: Für die zionistische Idee ist die Heimstätte selbst nur ein Mittel. Der Endzweck ist eine befreite Judenheit, die durch ihre Freiheit imstande ist, ihr Leben nach den hohen sittlichen Idealen des Judentums zu gestalten. Dr. Soloweitschik schreibt: Wir erheben den Anspruch, nicht eine Geistesrichtung innerhalb des modernen Judentums zu sein, sondern die neue, moderne Judenheit im Werden zu repräsentieren und zwar einen Mikrokosmus der Qesamtjudenheit mit allen in ihr vorhandenen Richtungen. Der preußische Oberregierungsrat Hans Goslar sagt: Unser Wollen, unser Programm läßt sich keineswegs mit den Schlagworten „Palästina", „Organisierung des jüdischen Volkes", „Heimstätte für das jüdische Volk und für den jüdischen . Geist" umreißen, Zionismus ist und muß heute viel m e h r als das alles zusammen sein, zumal in einer Zeit, in der der jüdische Liberalismus noch immer gewöhnt ist, als Aufrufer zum Judentum hinaus unter die jüdischen Menschen aller Art zu gehen. Hans Bloch führt in einem Artikel „Entwurzelung" aus: Die jüdische Bourgeoisie ist Erbe von Generationen, die einst wirklich um ihr Deutschtum rangen, ihr Deutschtum durch Lossagung vom jüdischen Gehalt erkaufen mußten.. Aber sie besitzt das Erbe als überkommene Selbstverständlichkeit, sie trägt es nicht und durchdringt es nicht, sie setzt sich nicht mehr auseinander. Sie erkennt keinen Maßstab an, an dem es zu messen ist, und wenn andere den Maßstab anlegen, so sind es Neider und Feinde, „Bösewichter," Antisemiten. Sie gibt ihr Judentum auch nicht auf, weil sie keinen Grund dazu sieht. Sie hat auch für das Judentum keinen Maßstab, an dem es zu messen ist, dem es zu genügen hätte. Ihr erscheint das Bestehende wahrhaft vernünftig. Wenn sie sich gegen die Akzentuierung des Jüdischen wendet, so hat sie opportunistische Gründe. In der Verteidigung gegen die feindliche Umwelt ist es ratsam, das „Noch-Jude", das „Auch- Jude" nicht unnötig zu beschweren; es ist eine Zugabe, die nicht 'stören darf. Sie verteidigt ihr Deutschtum, aber nein: sie verteidigt ihre Stellung, ihre Ruhe, ihren Besitz. Programmatisch schreibt Robert Weltsch in der „Weltbühne": Palästina bedeutet den ersten Versuch einer Generation, ihr Dasein neu aufzubauen, welche die Würdelosigkeit ihrer lügenverstrickten Existenz in Europa durchschaut hat. Das gut erfundene Schlagwort „völkisch" bietet dem jüdischen Bourgeois, der sich in der Ghettoexistenz ganz behaglich einzu- 18

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