Der jüdische Herold
- Journal
- Der jüdische Herold
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 45 (2.12.1937)
- Date
- 1937-12-02
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German, Hungarian
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lltl. Knlhovna MasarUtova N CS ORTHODOXES OROAH U n A B (eskoslo ן Mit der Übernahme von 3 BDk.tet ist das Abonnement anerkannt. _v Noriuort iftMi umM( ri*filalt»lw I Ukgrafov 1 Bnbtan CUo 15479 1H. Podavaci poit ürad D. Str«da. 1a0c«?r REDAKTION und ADMINISTRATION DUNAJSKÄ STREDA TELEFON 74. ERSCHEINT ]EDEN DONNERSTAG. ABONNEMENTSPREISE: Inland Ausland Ganzjährig K f 50.— 70.— Halbjährig 35 —.25 ״.— Vierteljährig 15 -*13 ״.— NUMMER 45 (649.) 2 Dezember 1937 כס־1* תרצ׳ח דונאסערייאהעלי כה' m G. XIII. JAHRGANG ״Chanuka!“ von Rabb. Benjamin Benedikt Wien (Forfsefzun..) II Im Beth-Hamidrasch, im jüdischen Lehrhaus der Vorzeit sassen die Talmudweisen beisammen und dachten über das Chanukafest nach. כאי הדנה? Was ist Cha• nuka? Wozu Chanuka? Dürfen wir das Chanukafest begehen? Gewiss, es war ein heiliges Ziel, dafür die Makkabäer kämpften! Galt auch ihr Kam f der Befreiung Israels aus tiefster Schmarh und Schande, aus furchtbarem Elend und schrecklicher No?, war es nicht dennoch ein Kampf, war es nicht dennoch ein Krieg, der unzählige Menschenleben erforderte? Das Ziel heiligt nicht die Mittel, denken die Taimudweisen. Hat nicht David, der Idealkönig des jüdischen Volkes auch für G-tt gekämpft und hat ihm nicht dennoch G־tt verboten, das Heiligtum zu errichten, musste David nicht erst sterben, ehe sein Sohn Salomo das Htiligium errichten kannte? Gewiss, Dawid hat gekämpft für G־it, für Thora und tür Israel. Einen heiligen Krieg hat er geführt, aber es war dennoch ein Kampf und b uibefieckte Hände können keinHeiligtum errichten. Sagen wirdoch sogar am Pesachfeste, das der Erinnnerung der Erlösung Israels aus dem Aegyptischen Exil geweiht ist, an den letzten Festtagen, nur das halbe Hallel, weil unsere Freude über die Erlösung Israels nur ei e halbe sein kann, da doch gleichzeitig das ägyptische Heer in Meere unterging. Und dies im Sinne de s Midraschwortes: מעשי ידי טובעים בים. ואתם אומרים שירה. Meiner Hände Schöpfung ertrinkt im Meere und ihr w) Iet Loblieder singen? spricht G־tt. Üben wir doch am Sederabend die alte Sitte dass wir während wir des Auszuges aus Aegypten gedenken, bei der Aufzählung der zehn Plagen über die Aeg pter gekornmen waren, zehnmal den Weinbecher um einem Tropfen seines Gehaltes vermindern um damit zum Ausdruck zu bringen, dass unsere Freude nicht voll sein kann, wenn andere Menschen dabei leiden müssen. Jede Plage die über die Aegypter kommen musste vermindert die Grösse unseres Freudenbechers. Und als es einst zu einer Meinungsverschiedenheit im Bethamidrasch kam, ob man am Schabbos Waffen tragen dürfe oder nicht und Rabbi Eliser dies gestatten wollte, weil die Waffe keine Last sondern ein Schmuck, keine Bürde son* dern eine Würde des Mannes sei, da verboten es die Weisen indem sie sagten : ווינם אלא עאי הם לו I dass das Tragen d r Waffe eine Schmach tür die Menschheit bedeute, weil dies bezeuge, das die Menschheit noch nicht so weit vorgeschritten sei, dass sie der Waffen entbehren könne. Mit Recht frugen sich unsere Weisen daher כאי הניבה? Was ist Chanuki? Wozu Chanuka? Dürfen wir das Chanukafest feiern? Und die Antwort darauf lautete Ja. wir dürfen es dennoch feiern, denn trotzdem Anliochus Judäa zu einer syrischen Kolonie machte, trotzdem Antiochus das jüdische Volk unterdrückte und unterjochte, halten die Makkabäer geschwigen. Erst כשנכנסי יונים לה־כל als die Griechen in den Tempel drangen, erst als man ihnen ihre Religions- und Gewissensfreiheit rauben wol te, erst als man aile Gele im Tempel verunreinigte, er-.t als man ihr Heiligstes entweihte, da standen sie auf und griffen sie zum Schwerte um in Notwehr sich zu verteidi־ gen. Keinen Augenblick vergassen sie an das Zi d ihres Kampfes. Und nur so war es möglich, dass sie, eine kleine Minorität, die gewaltige Ueberm cht, besiegen konnten. Der G ttesgeist, der die Makkabäer beseelte, hat ihnen Kraft und Sieg verliehen im Kampfe gegen einen übermächligen und übermütigen Feind. Nicht weil sie stärker waren an Heeresmacht, sondern stärker im Glauben und im Eifer dafür, weil sie für eine gerechte Sache fochten und von der Gerechtigkeit derselben im Tiefsten durchdrungen waren, weil sie sich begeistern konnten für eine Idee u. ideale Güter, darum sindsie Sieger geblieben und Vorbilder für alle Zeit, auf ihrer Fah ne stand das Wort Mkbi ככבי, das bedeutet entweder: Makkabi, der Hämmerer, weil sie auf ihre Feinde einschlugen gleich dem Hammer, oder מי כמוך באלים השם Wer ist wie du unter den Mächtigen, o Ewiger. Und ich möchte sagen, dass beide im Rech, te sind, denn wenn Israel die Fahne hoch hält, auf der geschrieben steht: מי כמוך באלום השם Wer ist wie du unter den Mächtigen, o Ewiger, die Fahne der G-ttestreue, dann ist an diese seine Fahne der Sieg des Makkabäers geheftet. Speere haben die Makkabäer genommen und Lichter daran gesteckt und sie entzündet, sagt der Tal. mud. Zum Schwert haben sie in der Notwehr gegriffen, um ihr Heiligstes zu vßrteidig^n. Keinen Moment haben sie daran vergessen, dass sie das Schwert ergriffen um ausgelöschte Lichter wieder zu ent' zünden. An die Schwedspitze haben sie das Licht gesteckt, das ist der Sinn des Chanukafestes, und darum dürfen wir es feiern, meinen die Weisen des Talmuds. Dass diese Auffassung des Chanukafestes nicht bloss ein Gafusprodukt ist, sondern dass auch unsere Weisen im Lande Israel בימים הדם in jenen Zeiten so gedacht haben, dafür gibt es bedürfte es eines Beweises, ein klassisches Beispiel aus eben der Geschichte der Makkabäer: Zwei Fürsten der Makkabäer, Johann Hyrkan und Alexander Jannai, wollten in der Tat dem jüdischen Reiche mehrere kleine angrenzend Staaten einfügen. Aber, nicht nur dass dieses Unternehmen von der öffentliehen Meinung heftig missbilligt wurde, sondern, was noch mehr zählt, die Herrscher konnten für diesen Feldzug keine jüdischen Soldaten finden und waren gezwungen, fremde Söldner anzuwerben. Warum ist Esther der Morg: nröte verglichen? Um dir zu sagen : So wie die Morgenröte das Ende der ganzen Nacht ist, ist Esther das Ende aller Wunder, bemerken unsere Weisen im Midrasch. Und was ist’s mit Chanuka, lautet darauf die Frage? Chanuka ist nicht zum Aufschreiben bestimmt. Wir aber sprachen von jenen Festen, die verschrieben werden. Die Chanukageschichte hat ihr Ende, ihren Abschluss in der Geschichte des jüdischen Volkes noch nicht gefunden. Immer wieder haben die Juden aus der Zeit der Not in das Beth Hamidrasch, in das Lehrhaus sich geflüchtet und dort das Friedensasyl gefunden. Immer wieder sind jüdische Menschen unter Hingabe ihres Lebens treu zu ihren Vätern gestanden. Durchs ganze Mittelalter hindurch haben sie ihr Leben hingegeben, haben sie Scheiter« häufen bestiegen und als echte Makkabäersöhne ihrem Glauben nicht abgeschworen. Man spricht von jüdischer Feigheit. Aber sind jene Menschen feige, die ihr Leben zu Opfern bereit sind, w«il sie sich ihre Gewissensfreiheit nicht rauben lassen wollen? Sind jene Menschen feige, die, weil sie wissen, dass eine grosse Verantwortung auf ihnen ruht, nicht zum Schwerte greifen wollen und lieber sich töten lassen als andere töten? Sind das nicht echte Makkabäersöhne Und sind etwa jene Juden, die auch heute im 20. Jahrhundert in den Kerkern Sowjetrusslands leiden, in den Konzentrationslagern Deutschlands schmachten, weil für sie ihre Ueberzeugung einstehen nicht