Der jüdische Herold
- Journal
- Der jüdische Herold
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 31 (19.8.1937)
- Date
- 1937-08-19
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German, Hungarian
- Belongs to
- journal issue
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Uaihovna^|0״sice?xafeaj•-- 18 1a* ^0!SS yx־ elf. ־׳£׳ u n A B Mit der Übernabmo von 3 ist das Abonnement anerkan ies ORTHODOXES OROAD Nortoov* ■frUM porotaste HadikrtivtMl poM Mccntfov ■ BnUdm (Wo IM79 UL 9t Podavaci poät. urad D* Streda. REDAKTION und ADMINISTRATION DUNA]SKA streda TELEFON 74. . ־**״■ ׳.SWNtsö V3Sc NUMMER 31. (635.) 19. August 1937• ERSCHEINT ]EDEN DONNERSTAG. ABONNEMENTSP REISE: Inland Ausland Ganzjährig Kf. 50.— 70.— Halbjährig 35 —.25 ״.— Vierteljährig 18 -*13 ״.— L*qags -v ^^■dMBBgMaEBBWfyWTfflBfqfTBrTB— דונאסערראהעלי יב׳ אלול תרציז m. G. XIII. JAHRGANG Die dritte KENESSIO GEDAULO eröffnet Marienbad. Am Dienstag, 17. August, abends wurde im Kursaal zu Marienbad im Beisein von 600 Delegierten, 150 Delegiertinnen der Frauenorganisation der Aguda und über 2000 Gästen aus allen Tei* len dver Welt, insbesondere aus Polen, der Cechoslovakei, Ungarn und Österreich, die Dritte Kenessio Gedaulo der Agudas Jisroel feierlich eröffnet. Den Vorsitz führten der Präsident der Welt-Aguda, Jacob Rosenheim, und Oberrabbiner Lewin־Rzeszow. Lange vor Beginn der Eröffaungssizzung belagerten Hunderte Menschen die zum Kursaal führenden Strassen. Sooft ein ״Gaon“ (hohe rabbinische Autorität) mit seiner Begleitung erschien, bildeten die Massen der vor dem Kongressgebäude stehenden Delegierten und Gäste spontan Spalier. Besonders herzlich und feierlich wurde der Aleksandrower Raw begrüsst, der ein einstiger Gegner der Aguda-Bewegung, sich vor kurzem der Aguda genähert hat. Sehr viele jugendliche Orthodoxe warteten vor dem Eingang zu dem grossen Saal, der jedoch nicht mehr als 1200 Personen fassen konnte, so dass die Reden durch Lautsprecher in alle untge« benden Säle übertragen werden mussten. Der Saal, in dem die Eröffnungssitzung stattfand, war mit den cechoslovakischen Nationalfahnen und Emblemen der Kenessio Gedaulo dekoriert. Auf der erhöhten Tribüne halte die gesamte Executi* ve mit Präsident Rosenheim in der Mitte Platz genommen. Auf der Ehrentribüne sah man alle erschienenen rabbinischen Grossen, unter ihnen der ״Gerer Reb b e“, den ״Czortkower“, den ״Sochaczower“, den ״Ostrower“, Rabbi Elchonon Wassermann, den ״Aleksandrower Rebbe“, die Oberrabbiner Schreiber-Bratislava, Silver-Amerika, Roftenberg-Antwerpen, Seotzkin-Luck, Duschinski-Jerusalern u. a. Es waren erschienen : Vertreter der cechoslovakischen Regierung, der englisehen uhd der polnischen Gesandschaft in Prag, sowie Vertreter der Sladtgemeinde Marienbad; als Vertreter der Neu-Zionistischen Organisation waren Prof. B. Ak zin und Dr. Oscar Rabinowicz erschienen. Präsident Rosenheim eröffnete die Kenessio Gedaulo unter ausserordentiieher Spannung der Tausende Zuhörer. Oberrabbiner Lewin begrüsste aufs wärmste die erschienen offiziellen Vertreter, Delegierten und Gäste und sagte, die Weltjudenheit bringe der Kenessio ein gewaltiges Interesse entgegen. Er gab der Hoffnung Ausdruck, dass die Beratungen des Kongresses dem gesamten Judentum und der jüdischen Religion zum Wohle gereichen mögen. Weitere Begrüssungsansprachen hielten der Gerer Rebbe, der Czortkower, der Sadagorer, der Sochaczower, der Aleksandrower, ferner die Oberrabbiner Silver-Cincinnati, Schreiber-Bratislava und Duschinski-Jerusalem. Es sprachen dann die erschienenen offiziellen Vertreter und die Vertreter der Neu-Zionistischen Organisation. Hierauf wurden Begrüssungsschreiben des englischen Aussenamtes, des englischen Kolonienministeriums, des cechoslovakischen Gesandten in London, Jan Masaryk, des csi. Innnenministeriums, des Flüchtlingskommissars Neill Malcolm, der Union österreichischer Juden, des Board of Depulies of British Jews und seines Präsidenten Nevilte Laski, des Rerchverbandes der Juden in Deutschland u. v. a. verlesen. Eine überaus ernst feierliche Stirnmung beherrschte len Saal als der greise Führer, Jakob Rosenheim seine schon in äusserster Spannung erwartete Eröffnungsansprache hielt. Wegen Raummangels sind wir leider gezwungen, uns bloss auf die Wiedergabe der wichtigsten Partien dieser bedeutungsvollen Rede zu beschränken. Er führte u. a. aus: Hochverehrte Versammlung. Es sind eine grosse Reihe ernster Probleme jüdisch politischen, kulturell-religiösen, Wirtschaft« liehen und organisatorischen Charakters, die uns in der vor uns liegenden Woche beschäftigen sollen und deren Lösung wir von der Konzentration aller unserer geis« tigen Kräfte im Rahmen dieser Kenessio Gedaulo erwarten. Aber Sie werden es verstehen, wenn ich in dieser Stunde den Blick zurückwende zu jenem Tage von Kattowitz, an dem vor 25 Jahren unsere Organisation ins Leben trat. Es war die natürliche Reaktion der geschichtlichen Wahrheit gegen den verhängnisvollen Irrtum des zionistisch-russischen Organisationsprinzips, die damals aus dem gesunden Instinkte der der Religion traugebliebenen jüdischen Volksmassen zum Lichte des Bewusstsein* empordrängte... Von der Mannigfaltigkeit unserer Aufgaben gibt die Tagesordnung unserer UI. Kenessio Gedaulo ein getreues Spiegelbild. Zwei scheinbar entgegengesetzte, jedenfalls im starken Spannungsverhältnis zu einander befindliche nationale Aufgaben von höchster Aktualität stehen im Vordergründe; Die politische, wirtschaftliche, religiöse Zukunft Erez Jisroels, möge es nun in den bisherigen Formen die Golus- Heimstätte des jüdischen Volkes bleiben oder unter dem Namen eines jüdischen Staatswesens neue tragische Problematik für das Volk der Thora heraufbeschwören, und auf der anderen Seite der nun in ehr Tat immer stärker drohende Wandersturm der Massen des jüdischen Ostens über alle Kontinente treibt Kein sterbliches Auge vermag den Schleier zu durchdringen, der die politische und wirischaftliche Zukunft der verelendeten, um ihre nackte Zukunftsexistenz ringenden jüdischen Volksmassen in den Ländern der Not, oder die Entwicklung der Zufluchtsstätte auf dem Boden Erez jisroels verhüllt. Das aber wissen wir um so sicherer, dass es nur ein unfehlbar wirkendes tausendfach erprobtes Mittel gibt, um die nationale Existenz unseres Volkes allen Wechselfällen der Geschichte zum Trotz ob im Golus oder in Erez Jisroel zu sichern : taurosenu hakdauscho (unsere heilige Lehre). Den Problemen der Erziehung unserer Söhne und Töchter wird darum der erste Tag unserer Beratungen über die inhaltliehen Aufgaben des organisierten Klal Jisroel gewidmet sein. Was ln den Jeschiwaus (religiöse Hochschulen) als hochste Wissenschaft der Thoranation gepflegt wird, das muss alle Adern und Zellen des Voiksorganismus in einem wohl ausgebauten mittleren und unteren Schulwesen durchdringen, wie es Keren Haihora und Beth Jakob erstreben. Die inneren sozialen Aufgaben werden angesichts der Überfülle aktuellen Beratungsstoffes voraussichtlich nicht zu ihrem vollen Rechte im Rahmen der Tagesordnung kommen, und auch die wichtigen Beratungen über die Fragen des Chisuk hadas, über die Rettung der vielfach gefährdeten Sabbathut, über die Massnahmen zur Sicherung der jüdischen Familienreinheit, des Schutzes der Speisegesetze und der Schechito, der Beschaffung einwandfreier Tefiliin und Messusoth u. a. m. werden zum grossen Teil in dem engeren Rahmen von Arbeitskommissionen stattfinden müssen. Das gleiche gilt für die finanziellen und organisatorischen Fragen. Ausserdem richtete er noch einen warmen Appel an die Partien des jüdischen Volkes, die unter der Wucht des geschiehtliehen Geschehens sich hingerissen fanden, den zum Judentum zurückführenden Weg zu beschreiten, aber aus Beqehmlichkeit den Weg des religionslosen Nationalismus nahmen und sich damit selber die Heimkehr verammelt in die ״innersten Gemächer des li. htdurchströmten Vaterhauses“. Und forderte sie, aufNathen Birnbäum s. A. als auf ein leuchtendes Beispiel hinweisend, auf gleich ciesem Helden aus dem Lager des radikalen Nationalismus den Weg der Heimkehr zu Ende zu gehen. Mit einem in der heiligen Sprache andächtig gesprochenen Gebet schloss Präsident Rosenheim,