Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Volume
- 2 (1947/48)
- Issue
- 5 (11.6.1947)
- Date
- 1947-06-11
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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11. Juni 1947 — Np. 5 iche Gestalten t. :i M-' f. Nazistische Verteidigungs weise im Leipziger Pogromprozeß Die Angeklagten, die wegen Verbrechens gegen die Menschlichkeit vor dem Leipziger Schwurgericht stehen, verteidigen sich ln einer ihrer ehemaligen- Partei würdigen Weise. Da verleumdet einer eine mit einem Juden verheiratete Zeugin, sie habe gewerbsmäßig- Unzucht getrieben. Er will damit' ihre Glaubwürdigkeit erschüttern. Klargestellt wird aber nur seine Niederträchtigkeit, denn der , von ihm erhobene Vorwurf erweist sich als durch- aus unbegründet, Charakteristisch sind auch die -in den letzten Monaten gemachten Versuche, Zeugen zu beeinflussen; da ist sogar eine weite ROise nicht, gescheut worden. Am' dritten Verhandlungstage schmückten sich die Angeklagten mit ihrer angeblichen Freund-' Schaft zur ehemaligen KPD'* und SPD. Der wegen, seines terroristischen Auftretens' in der Krachsiedlung gefürchtete Otto Beyschlag hat angeblich nicht nur einen kommunistisch gesinnten Verwandten * vorübergehend bei sich beherbergt, . sondern auch noch sechs oder sieben KPD- und SPD-Leute aus der nazistischen Haft 'befreit. , Auf die Frage, wie ihmdas möglich gewesen sei,. antwortet er, durch seir nen Einfluß in der Partei — nachdem er am Tage zuvor es so dargestellt hatte, als ob er überhaupt kaum etwas mit der Partei zu - tun gehabt hätte. Die Namen dfer von ihm angeblich geretteten KPD- und SPD-Mitglieder blieben ungenannt; Besonders schlau kommt sich wohl der über Geld verfügende Angeklagte Hermann. Brandt vor, der sich näch dem Zusammenbruch, um, sich zu tarnen, sofort an einem -jüdischen Geschäft zu beteiligen versucht hatte. Seine Frau erwarb schnell die Mitgliedschaft in einer antifaschistischen Partei. Ihm selbst war es gelungen, durch den vertrauensseligen Zeugen F. P. Richter ein glänzendes Leumundszeugniszu'erhalten. Der'Zeuge Richter müßte auf Befragen zugeben, daß er den Brandt nur „einige Monate“' gekannt habe und von dem Judenpogrom - überhaupt nichts gewußt hat. Das Leumundszeugnis" ist also höchst leichtfertig gegeben. Auch der Angeklagte Hans Zeise-Gött, der - am 10. November 1938 Kurierdienste leistete, ' läßt Leumundszeugen auf marschieren. Er ist, nachdem er früher sich als linksgerichtet hingestellt hatte, der NSDAP 193.2 beigetreten und. hat sich in der Kroch-Siedlung als Nazi bemerkbar gemacht. Der Angeklagte Erhard Fraaß behauptete, von der Ehefrau des Angeklagten Fleischhauer zur Teilnahme an dem Pögrom auf gef ordert worden zu sein. Sie habe gedroht, ihn andernfalls . fortbringen zu lassen. Daraufhin habe auch der Angeklagte Fleischhauer ihm angedeutet, daß er sich beteiligen sollte. Frau Fleischhauer hatte demnach mit auf die Anklagebank gehört; sie tritt aber jetzt als Zeugin, zugunsten ihres Ehemannes auf, jedoch wird sie nichf vöJneidigt. März 1933. Ueber Deutschland rast die erste große: Welle des -Naziterrors. SA.-Ab teil ungen. werden in Hilfspolizei verwandelt. Menschen, von denen, dieneuen Herren annehmen, daß sie sich; nicht gleichschälten lassen-, werden zusammengetrieben, mißhandelt, zu Krüppeln geschlagen, .gemordet.- . , . ’ Der Führer der.,’ SA-Hilfspolizeiterrorgruppe im Kreise Wolfenbüttel ist ein gewisser Herr Hanniba 1. Schon Vor .1933 hat er'sich in den Sch-lägefkolonrien der Partei hervorgetan. Jetzt steht hinter ihm die staatliche Autorität, Sein Betätigungsfeld sind vor allem die Harzdörfer Bündheim, Schlewecke, / Haflingerode. Aber auch am Elm ist der Nähie Hannibal verbunden, mit den Schreckenstagen 1933; > Mai 1947:- Der Verteidiger erklärt, was Han-? nib a 1 und seine Bande gegen die antinazistische deutsche. Zivilbevölkerung getan hat, sei kein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Die 2. ■ Strafkammer des;Landgerichts Braunschweig . spricht ihn für. die in Schöppenstedt^ begangenen Mißhandlungen frei. „Gerechtigkeit ist eine schöne Sache, - es gibt aber auch-Justiz“, sagte Heinrach Zille.- Der Freispruch Hanriibals ' hat in den Augen der Rabbiner Dr. Asher aus. Melbourne, Australien, auf Besuchsreise in der Britischen Zone Vor etwa zwei Wochen traf Rabbiner Dr. Asher, der Sohri des früheren Rabbiners von Wiesbaden, Dri Ansbacher, irn Aufträge der ^Weltorganisation liberaler Rabbiner“ in der Britischen Zone ein; Er hat für die Dauer seines Aufenthaltes Köln als Sitz gewählt und besucht nun nacheinander sämtliche Gemeinden der Britischen Zone. Seine Aufgabe besteht darin, sich ein Bild über unsere jüdischen Menschen iri Deutschland zu machen, um in der Lage zu sein, seiner Organisation einen entsprechenden Bericht vorlegen zu können. Seine Organisation beabsichtigt dann, Rabbiner nach Deutschland zu entsenden. Anonyme Brief Schreiber in Düsseldorf: Wir veröffentlichen heute. / einmalig - Ihren Brief, müssen jedoch darauf hinweisen, daß wir künftighin von , anonymen Schreiben, gleich welchen Inhalts, keine Kenntnis nehmen. s (Die Redaktion). Liebes Gemeindeblatt! Ihre Nummer vom 28. Mai ist so reichhaltig, daß' ich sie zweimal gelesen habe. Besonders hat mich der Brief -HAND IN HAND an einen Orthodoxen Freund tief berührt. Ich bin mit einer Christin verheiratet und (muß ehrlich gestehen, dank-der Aufopferung' meiner Frau bin ich gerettet worden.- So wird es bestimmt vielen jüdischen Mischehen ergangen sein, gerade diese christliche Frauen oder auch; vielleicht Männer, die zu . ihrem . jüdischen Ehepartner. treu gestanden sind,: sind Märtyrer und müssen heute von den 'jüdischen Institutionen als vollwertig anerkannt werden. Ari-r ders ist es aber bei den Juden,-die sofort nach der Befreiung ohne abzuwarten und ohne 'zu überlegen, sich mit christlichen Mädchen oder Witwen verheiratet haben. Sie haben gar nicht darnach gefragt, ob die Manier dieser Fi]äuen vielleicht Tausende Von Juden ermordet haben. Diese Egoisten haben nur an sich gedacht und haben gar nicht überlegt, ob nicht eine jüdische Witwe oder ein jüdisches Mädchen gerettet worden ist, mit der man sich verheiraten konnte. Diese ^Egoisten 'gehen noch soweit, ihre Kinder sogar christlich zu taufen. Das sind Verräter am Judentum, denn* vielleicht durch eine reitT jüdische Ehe könnte noch so manch-junges jüdisches Leben dem Judentum zu Gute kommen. Die Landesverbände’ sind verpflichtet, solche Juden aus ihren Reihen nuszuschließen, denn das( sind jüdische Verräter. Wer heute, noch sein Judentum untergräbt, der ist nicht wert Mitglied niner jüdischen Gemeinde zu sein. Ein Düsseldorfer Gemeindemitglied. nichtnazistischen Bevölkerung nichts mit Gerechtigkeit zütun, sondern nur mit der Justiz, deren Binde bedenklich verrutscht ist, mit der Justiz, die zwischen 1918 und 1933 Wohlwollende Förderin des Nationalismus und Nazismus, nach 1933 williges Werkzeug nazistischen, Terrorsgewesen ist. Antifaschistische Organisationen in ■ Braun- , schweig protestierten gestern abend gegen die milde Behandlung der Nazis, die seit 1933 den Bevölkerungsteil terrorisierten, der sich nieht gleichschalten lassen wollte. Die, Staatsanwalts Schaft hat Berufung gegen die Freisprechung des SA-Standartenführers Hannibal und das lächerlich milde Urteil gegen die.'SS-Leute 'eingelegt, die in Bettingerode hausten. Justizminister Ellinghaus erklärt; 'Strafgesetz und Strafrahmen hätten" voll genügt, um das Gericht zu wesentlich schärferem Urteil zu berechtigen. Im' übrigen, sei es seit langem die Absicht 'des Oberlaridesgerichtspräsidenten, die betreffende Strafkammer,, personell umzugestalten. Wir . dürfen wohl'annehmen, daß die beiden Urteile dazubeiträgen, "daß diese Absicht des Herrn Oberlandesgerichtspräsidenten beschleunigt durchgeführt wird. NEUE BÜCHER Victor H. Bernstein: „Final, Judgmerit. The Story of Nuremberg“ (Verlag Boni & ’ Gaer, New York, 1947). Das Buch bietet weit mehr, als sein Titel besagt: es behandelt nicht nur den Nürnberger Prozeß, sondern schildert auch die Nazi-Weltherrschaftsgelüste und .bringt Vorschläge für . eine . aufbauende Politik in Deutschland. - Isa Vermehren: „Reise durch . den Letzten, Akt“ (Chr. Wegner, Verlag, Hamburg, 1946). Ein Bericht über die Zustände in Nazi-Konzentrationslagernfür Frauen bis zur Pefrei-' urig. . / . H. R. Trevor-Roper: „The Last Days of Hitler“ (Verlag Macmillan & Cq., London, 1947).-, Philipp Frank: „Einstein. His Life and Times“ (Verlag Alfred A. Kriopf, New Yqrk, 1947). H. B. Gisevius: „Bis zürn bitteren Ende“. 2. Band: Vom .Münchener Abkommen zum 20. Juli 1944' (Fretz & Wasmuth Verlag, Zürich 1946). f NEUES JÜDISCHES SCHRIFTTUM Richard . Großman: „Palestine. Mission“, (Verlag Hamish Hamilton, London).' ■ Ein:. Bericht über Palästina aus der Feder eines der führenden Mitglieder der anglo-amerikanischen Palästina-Kommission 1946. ’ - Josef Fraenkel: „Theodor Herzl: A. Biography“ (Verlag Ararat Publishing Society). Josef Kastein: „Wege* und Irrwege“ (Verlag Olympia,' Tel-Aviv). M. Pv Waters: „Haganah“ (Verlag Newman Wolsey, London). Behandelt den Ursprung der Haganah und die wertvollen Dienste, die diese Organisation im letzten Kriege den englischen Behörden geleistet hat. ’ ' James Parkes: „The Emergence of the Jewish- Problem, 1878/1939“ (Verlag: Oxford- University Press.) Ein bemerkenswerter Beitrag zur Jüdenfrage. ... - >■ (' Anna und Maxa -Nordau:/ „Max Nordau: a Biography“ (Verlag Nordau Committee, New York)., fein. Buch über' den großen Zionisten und -/Freund Herzls, ' 1 ‘ Emil Skopec, München 19, Aldringstraße 13/TI lks.» schreibt uns: „Als ich nach Kriegseride Kenntnis von den Greueltäten der Nationalsozialisten gegen Juden, gegeri andere Völker und die eigenen Leute erhielt, wurde mir klar, daß der dadurch hervorgerufene Haß sich fortpflänzert muß. Infolgedessen,,1 geriet die mich tragende Ueberzeugung, daß jedes Unglück, und mag es* noch so furchtbar sein, schließlich doch zum besten führen kann; fast ins Wariken. Urn so1 mehr hat mich als alten Nationalsozialisten die Stimme von Victor Gollancz bewegt, weil er, der Verfasser des Buches ,Jm dunkelsten Deutschland* (,Neue Zeitung* Nr. 16 vom 24. Februar- 1947), Jude ist. ‘ Ich Würische aus ganzem Herzen, daß Göllancz* Ruf bei* den Deutschen, besonders bei den nationalsozialistischen Parteigenossen, * einen recht großen Widerhall findet und Anlaß' dazu gibt, mit der Ueberwindung des Hasses zu beginnen’ soweit dieses Gebot der Stunde von ihnen noch-nicht erfüllt ist. Allerdings wird .solches Streben für Menschen, bei denen' der -Haß ein* Wesenszug.. ist, ein schwer erreichbares Unterfangen Sein. Bei den zum Hassen Verführten jedoch wird die zu überwindende Heirimnung nicht so groß sein. Die Hauptsache Wird immer bleiben, daß man selbst in seinem Innern aufrichtig bestrebt ist, sich von den nationalsozialistischen. Irrtümern und Irrlehren zu befreien.“ Cecil Roth: „The History of the Jews of Italy“ (Verlag Jewish PubliCation Society of Ariie- $ rica). ,v . Tagung des KuHur^Dezernates . Nordrhem «Westfalen , Am -8. Juni fand in Düsseldorf eine vori etwa 250 Menschen besuchte Versammlung ■ statt, Es waren zirka 24 Gemeinden vertreten. Die Hauptreferate jyurden. von Ch. Rozyne, Ruwen\ Abelson und dem Vertreter der Jewish Agency Jgjhrlich' gehalten.' ., * Die Tagung hätte den Zweck, den Grundstein zü einer erristen Kulturarbeit zu .legen. Das vorläufige Präsidium, bestehend aus Ch. Rozyne, Türkeitaub, Fiszmann und Karl Marx, soll die .vorbereitenden Arbeiten übernehmen. Die Gemeinden wurden auf gefordert,- je einen- Vertreter für deri Kultur-Rat zu benennen. 'Ausführlicher Bericht folgt in unserer-nächsten Ausgabe. ' ■ Geschäftsstellen an allen wichtigen Plätzen1 der Westzone I -BÄüfllK’. Seit 7S Jahren fm Dienste der heimischen Wirtschaft Jüdische Kitider lernen den Tod Noch niemals zuvor, so will uns scheinen, wurden uns die furchtbaren Verbrechen des nationalsozialistischen Deutschland ,so erbarmungslos vor Augen gestellt wie in diesem. Augenblick, da wir vor dem schlichten Denkmal, der 6 - Millionen' vergasten Jüden im- UNRRA-Heim für elternl. jüdische Kinder zu Lindenfels ständen. Von deri ernsten Augen dieser verwaisten, kleinen Menschen, denen man das Beste nahm, waS eiri kindliches Herz: besitzen kann, ging eine stumme v Anklage aus, so unendlich groß ,wie die Summe der Schuld, die. jene Teufel in Menschengestalt auf sich luden. Langsam erst, Schritt für Schritt lernen diese dem Tod entronnenen Kinder jetzt, was es heißt zu leben, leben zu dürferi .als freier Mensch ohne Angst vor Verfolgung und Haß. Große Aufgaben und große Verantwortung sind in die Hände ihrer Erzieher , und Lehrer gelegt, clenn sie. sind es, die den Stachel des Erlebten aus den /kindlichen Seelen, herauslösen müssen, ohne diese Seele zu .verletzen. ~y . ' , . Seit Jrili 19’46 sind ^diese 350 Kinder in I.iriderifels, inmitten der/herben, erfrischenden Lieblichkeit--des Odenwaldes. Sie alle, diese kleinen polnischen Staatsbürger, Im Älter zwischen 5 und 17 Jahren, haben ihre Eltern iri den Gaskammern deutscher Konzentrationslager (verlören. Ihr Schicksal ist fast immer das gleiche und’in dürren Worten bald erzählt: Sie lebten, geborgen im Schoße ihrer Familie, irgendwo in Polen..Wie Kinder leben, hineingestellt . in den Kreis ihrer Gefährten, t ihrer kleinen Aufgaben, Pflichten upd Spiele. In einer Nacht dann Werden sie plötzlich aus dem Schlaf gerissen, die ganze Familie verhaftet, abtransportiert, ehe hie noch, in ihrer Naivität begriffen haben, was mit ihnen, geschieht. Nur eines wissen sie, daß sie verlö-, ren sind, /wenn sie nicht entfliehen .können.. So springen sie, aus fahrenden Zügen, Schlei-, chen sich des Nachj.3 durch Sperren, "entwischen geschickt und mit dem Mut der Verzweiflung ihren Henkern im schwarzen Rock der SS. Verborgen, illegal leben sie'dann iri Polen oder Rußland, bis auch'für sie die Befreiung kommt, bis die ÜNRRä rie; sammelt und.ihnen wieder.-ein Heim gibt. Das ist ihr Schicksäl. Welche Fülle des Leides, des tiefsten Schmerzes aber verbirgt sich hinter^ diesen dürftigen Sätzen. Wer kann einen solchen Abschied von Eltern und Geschwistern, Freunden und Verwandten riachempfin- ’den, einen Abschied in dem Bewußtsein, daß i es kein Wiedersehen, geben wird? Wer kann .fühlen, was-es heiß!, zum letzten Male die [zärtliche' Hand der Mutter «u halten, die einem | grausigen Tod entgegengeht? Wer kann spüren, wie weh es tut, wenn d£r Vater die Auf- .; merksamkeit der Schergen, auf sich ■ selber | lenkt, um dein Kind die Flucht zu erleichtern j_ und damit vielleicht das Leben zu retten? All - diese unendlich schmerzvollen Erlebnisse^ spie-; - geln sich in den Äugen dieser Kinder, die «heute vor uns stehen 'und. die ein. großer Teil des deutschen Volkes bereits wieder Vergessen hat, weil er sie vergessen wollte- . / /' $ie aberleben in ihrer eigenen kleinen Welt, die die UNRRA ihnen in 12 Lagern in der US-Zorie geschaffen hät. Vier Hotels .in Lindenfels .bilden ihre Heimat.' Dort - haben sie ihrä Schule, ihr Hospital, ihren Arzt, Auf ent-, haltsräume, an deren Wänden ihre Bastelarbeiten und Schattenrisse hängen. ‘Dort treiben sie/ Gymnastik ünd;machen, ihre Schulaufgaben für deh in jiddischer Sprache gehaltenen Unterricht am nächsten Tag. 20 Lehrer und 20 Erzieher, junge Polen und Polinnen, sorgen' für - sie, die UNRRJ^ Stelltdie Kleider ünd die Verpflegung. Man'hat viele Pläne und Ideen*'für die Weiterbildung,der Kinder- und die. Vorbereitung auf ihren späteren Aufenthalt in Palästina/ wohin sie auswandern wollen, sobald es irgend geht. -Aber noch . fehlt es an Material Räumen füri die1 Werks'chulen, an Büchern zur geistigen Artfeit im Hinblick auf ein Studium an der Universität Jerusalem. / Vorerst einmal ist »es wichtig, daß die Kinder sich .wohlfühlen, daß sie wieder lachen und lächeln lerneri und daß, ihre Her-' zen sichaufschließen für die Schönheit der. Landschaft, in der sie. leben. - So machen sie ■denn auch viele Ausflüge und Wanderungen in .die. Umgebung:- an/ schönen Tagen /wird der Unterricht in'eine Waldschule .-verlegt, für die freien Nachmittage und' die Schularbeiten stehen ihnen, die kastanienbepflanzten Höfe .der Hotels zur ’Verfügung. Da sie aber als freie Mensehen erzogen* werden., dürfen sie sich auch außerhalb des. Heimes vollkommen frei bewegen, und es ist erfreulich,. daß es bis /jetzt nur 2U kaum nennenswerten Zwischenfälleri mit der deutschen Bevölkerung kam. Der späte Nachmittag und der Abend gehören der Unterhaltung und der Freude; die bisher' so karg in ihrem jungen Leben bemessen war. Sie haben eine Theater- und eine S.inggrUppe zusamrriengestellt, und einmal in der Woche gehen sie alle in eine Spezials-Filmvorführung, Die Spörtbegeisterung ist groß im Kinderheim . Lindenfels und nicht selten "hat die Rettungsstelle nach einem * heißen Match aufgerissene Knie und aufgeschrämmte Ellenbogen zu verbinden. / . ' , _ _; So leben die Kinder in ihrer Gemeinschaft, in einer Atrriosphäre, die einfach ist und s,auber ' und voll jener menschlichen; Wärme, die. sie so* sehr ’/verrhissen mußten. Nleman<i karin ihnenihre Familie; ersetzen, niemand ihnen das, zurückgeben, was sie'verloren. Sie wollen kein Mitleid, denn es wäre zü wenig, für sie. Was sie brauchen, ist Liebe und Verstehen, ist ein Trost, den sie nicht spüren dürfen, weil. sie scheu sind und allzuoft ent-; täuscht vori Menschen, die , schlimmer wären als jedes . Tier. Wir' aber' die wir einem Volk 'angehören, das jahrelangjenen /Verbrechern gehorchte, ’ wir können nicht erwärten,. daß uns diese Kinder heute Ächtung, entgegenbringen oder gar Liebe... Wir können nur ihnen und. damit der Welt beweisen, daß ünsert, Wille zu friedlicher Arbeit ohne Haß und Rachsucht groß ist und ehrlich. Vielleicht lehrt uns gerade unsere jetzige. Not, über das• tragische Schicksäl dieser kleinen Menschen nicht hinwegtäpschen: vielleicht, müssen wir durchdiese Talsohle nur gehen, um wieder wirklich i menschlich zu werden, anderen gegenüber/. Niemänd in /Deutschland darf, diese Kinder, vergessen, niemand die 6 Millionen, unter denen ihre Elte’rn waren. Uns alle geht es an, wir älle. müs/sen dafür sorgen, daß solches niemals wiederkehre. Tag für Tag ruhen die ernsten Augen der. Kinder in Linderifels auf dem schlichten Denkmal, das in prangenden Lettern auf schwarzem Grund die Zahl trägt: 6 000 000. Vergessen - auch - wir sie nicht/-^ sie, wird uns bewahren vor neuen Fehlern, Vor neuem Haß und neuem Leid.. Tilla Hegemer. i‘ - i Neuwahl des Vorsitzenden des Landesverbandes Nord-Rhein / Am 29. Mai fand in Düsseldorf die Neuwahl des .Präsidiums des Landesverbandes statt. Julius D.reif uss würde zum 1. Vorsitzen-, den und Siegfried S. e e 1 i g ■ /um Stellvertretern?,, den Vorsitzenden. gewählt; . , ---• Die' Synägpgengemeinde Köln erklärte ‘ihren . Austritt aus'dem Landesverband. -;iaoö 02 jewish Relieillnit, B A.O.R. Die Büros der 92, Jewis1^ Relief Dnit, die für Westdeutschland izustäridig v ist, befinden sich jetzt;im Radnor . House,Düsseldori,yoIksgartenstr.33 (2; Stock). Tele ton 82701 und 81825 La: