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Central-Verein-Zeitung · 1936-06-25 · 26 (25.6.1936) · p. [Seite]

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936) - farbig
Issue
26 (25.6.1936)
Date
1936-06-25
Page
[Seite] (sequence 18)
Language
German
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Haber des Londoner Bankhauses Speyer Bros. Erfolgreiche Arbeit ließ die Anfänge dieses später hochberühmten Kunstbesitzes um die Jahrhundertwende entstehen: Zeichnungen, kleine griechische und römische Ausgrabungen, Renaissance-Goldschmuck, Metallarbeiten und ein Paar Majoliken sollten der Grundstock werden für die einzigartige englische Privatsammlung. Zu Beginn des Weltkrieges zog sich dann Henry Oppenheimer aus dem Bankleben zurück und widryete sich nur noch den Kunstinteressen. Als „Honorary treasure of the National Art- Collections Fund“ war Oppenheimer, allezeit in engster Verbindung mit den englischen Museen. In der Zeitschrift „The Burlington Magazine“ (Juni 1936), der führenden Kunstzeitschrift der Engländer, vergleicht A. C. R. Carter den kostbaren Graphikbesitz des verstorbenen jüdischen Sammlers mit dem von Malcolm, der seinerzeit vom Britischen Museum erworben wurde. Manches wird in diesem Aufsatz der Museumsleitung als Ergänzung der Bestände empfohlen: da wird hingewresen auf jene einzigartige Silberstiftzeichung eines alten Mannes von Jean Fouquet, ein seltenes Blatt in brauner Tinte von Albrecht Dürer, eine Michelangelo-Studie zum Gemälde in S. Maria sopra Minerva in Rom, schließlich jene hochberühmte Silberstiftzeichnung des Reiters auf dem Pferde von Lionardo. Andrem del Sarto, Andrea della Robbia, Claude Lorrain, Gainsborough, Watteau, Hogärth, Reynolds sind, nur die bedeutendsten Namen, die in dieser Abteilung der Auktion Oppenheimer begegnen. Die kostbaren Medaillen und Plaketten hatten ihre Gegenstücke nur noch in den Sammlungen Spitzer und Pierpont Morgan. In der Benjamin Fillon Collection waren viele italienische Majoliken beheimatet, die dem Ashmolean - Museum selbst fehlen. Es ist unmöglich, in diesem Rahmen alle die Werte auszuzählen, die dieses Ensemble von Kunstgegenständen ausmachen. „Indeed it would be rather sad if the delight which Henry Oppenheimer experienced in forming and taiking over his collections were not to be inherited by many Art lovers of the next generation, instead of by the compardtively few who can spend their leisure in Print-Rooms.“ (In der Tat würde es ziemlich traurig sein, wenn die Freude, die Henry Oppenheimer daran hatte, seine Sammlungen zusammenzustellen und über sie zu reden, nicht vielen Kunstliebhabern der nächsten Generation vererbt würde, anstatt den verhältnismäßig wenigen, die ihre Mußezeit in Kunsthandlungen verbringen können.) Mit diesen Schlußworten ihre Kataloges weisen Christie, Mansion & Woods noch einmal auf dieses große Ereignis nicht nur des Londoner, sondern des internationalen Kunstmarktes hin. vr. 01g» Bloch. dem hotleidenden Volk und zugleich die verbin. denden Brücken. In „Tancred or the new cruisade“ sind die beiden Leitmotive: die durch Herkunft, Idee und Gestalten bewirkte vermeintliche Einheitlichkeit von Judentum und Christentum und die Bedeutung einer Neugeburt Asiens. Auch in „Tancred" kehrt die Warnung vor der «verhängnisvollen Zerreißung in zwei Nationen, der Reichen und der Armen" wieder. Auch hier zeigt sich Disraeli wie in seinen früheren Romanen als ausgezeichneter Schilderer und Kritiker der englischen Gesellschaft, von verbrauchten Ministern und oberflächlichen Frauen bis zu überheblich-stupiden Dienern, mit ironischen Aphorismen, Dialogstücken und Situationen, die bereits an Wilde und Shaw erinnern. Die Stumpfheit des Parlamentarismus — „dieser alte Aberglaube des 18. Jahrhunderts" — wird ebenso dargelegt wie die Erschöpftheit der europäischen Rassen, denen die Unverbrauchtheit der in Wüsten lebenden gegenübergestellt wird. Tancred pilgert also, freilich aus -einer Luxusjacht, wie 800 Jahre früher sein Ahn, nach Jerusalem und zum Sinai, wo die Großen Israels wirkten: „Der Gesetzgeber aus her Zeit der Pharaonen, dessen Gebote noch heute gelten; der Herrscher, dessen Weisheit nach 3000 Jahren unter allen Völkern der Erde sprichwörtlich ist; der Lehrer, dessen Weisungen Europas Zivilisation geformt haben ..." Die Abenteuer und Intrigen freilich, in die Tancred dort versponnen wird, sind für heutige Leser vielleicht zu gewaltsam, besonders der Ritt ins Land einer geheimnisvollen Königin, in dem noch die Griechengötter angebetet werden — nur damit sich zu Judentum, Christentum und Islam noch die vierte kulturbringende Religion, das Griechentum, gesellen kann. Aehnlich romanhaft wirkt die Liebe Tancreds zu der schönen Jüdin Eva, in der er das idealisierte Arabien sieht, kluge Tochter des Mannes, der finanziell den westlichen Orient beherrscht, sowie politisch der von phantastischen Kombinationen hin und her geworfene arabische Verwandte Fakredin Syrien beherrschen möchte. Aber immer wieder steigen aus diesem Abenteuern wunderbar und anschaulich die Landschaften und die Völkerschaften Palästinas, Arabiens und Syriens hervor; immer wieder verblüffen Geschichts- und Religionsspekulationen und riesige politische Projekte. So glühend und berauschend wie die biblischen Landschaften sind diese Ideen geschildert; berückende Formulierungen und Konzeptionen durchfunkeln das ganze Buch, das ein Gleichnis für das Wesen Disraelis ist: eine Mischung aus orientalischer Phantasiefchwelgerei und kühlem westlichen Denken. Viele aktuelle Probleme entströmen diesen Seiten: So die naturgegebene Notwendigkeit des Zusammenhalts von Juden und Arabern, die Disraeli Abkömmlinge der gleichen kaukasischen Beduinenstämme und noch jetzt durch viele Beziehungen eng verwandt sein läßt. Oder die Bedeutung des Orients für den Weiterbestand des englischen Reiches. Manche Beurteiler werden im „Tancred" den ersten Ansatz zur Balfour-Deklaration erblicken, und in der späteren Politik Disraelis: im Ankauf der Suezkanal-Aktien durch England, der Einflußnahme aus Aegypten, dem im „Tancred" angeregten Erwerb der Insel Cypern, der Schaffung des indischen Kaiserreichs die konsequente Verwirklichung der Ideen dieses Buches. Jeder aber wird erkennen, daß Disraeli hier ein Hohes Lied Palästinas, des Judentums und Arabiens gibt. Er wird zum Geschichtsphilofophen ersten Ranges, wenn er auf zwei Seiten (171/72) eine geniale Konzeption der ältesten Religion und Historie JsraÄs gibt. Er wird zum Dichter, wenn er das eunggleiche Leben in der Wüste schildert oder ein- LaüLchüttenfest in Damaskus, der Stadt, in der wenige Jahre vorher eine furchtbare Judenverfolgung stastgesunden hatte. Und er wird zum Propheten, wenn er hierbei sagt: „Ein Volk, das die Weinlese weiterfeiert, auch wenn es keine Früchte mehr wro,r 1111.111111111 hum Ernst Lochner 8. Frankfurt a. M., Liebfrauenberg 39 I. Original englische Herrenstoffe erntet, wird seine Weinberge wiederbekommen... Welch unbezähmbarer Geist lebt in dem Volk!" Disraeli erzählt erschüttert, wie die Juden im Londoner Whitechapel dieselben Bräuche feiern, wie vor 2000 Jahren in Palästina, und noch heute die Sephardim an den Ufern des Mittelmeers. Er fühlt sich bewußt — und er hat jederzeit diese Bewußtheit Privat und öffentlich betont — zugleich als Jude und Christ, als Jude seiner Abstammung, als Christ seiner Religion nach; erfüllt von jenem Stolz auf seine Rasse, den sein größter Politischer Gegner Gladstone als „die erste seiner Tugenden" anerkannte, wie vom Stolz auf seine Arbeit für Englands Imperium und Königin. Wie diese Haltung nicht nur einem denkerischen Prozeß, sondern innerer Ueberzeugtheit entsprang, das versucht er im „Tancred" zu analysieren und zu begründen. Was er in diesem Buch bekennt, wird zur Maxime seines Handelns für die zweite Hälfte seines Lebens, iü der er die unwirklich und unverwirklichbar scheinenden Träume der ersten Hälfte verwirklichte. Disraeli ist, so sehr er als überzeugter Christ lebte, zeitlebens ein überzeugter Jude geblieben. Wie sein Vater in der Schrift „Genius of Judaism“, steigerte er in seinen Büchern die Geschichte des Judentums und seine eigene Herkunft ins Phantastisch-Großartige. Stets bekannte und verteidigte er sein Judentum: in seiner Schulzeit, während der er heimlich boxen gelernt hatte, mit der Faust, später mit der Selbstbezeichnung „Orientale", die man, um ihn herabzusetzen, tausendmal ihm entgegengeworsen hatte. Während seiner ersten Rede als Parlamentskandidat erscholl ihm der Nus entgegen: „Shylock! Altkleiderhändler!" In eisigem Schweigen saßen die Mitglieder seiner eigenen Partei um ihn, lote er als künftiger Führer dieser Partei, unmittelbar nach dem Erscheinen des „Tancred", seine judenchristliche Theorie öffentlich verteidigte und für die Gegenpartei stimmte, damit der neu ins Parlament gewählte, Jude gebliebene Lyonel os Rothschild seinen Sitz einnehmen konnte. Während seiner ganzen Laufbahn trat er für die Emanzipation der Juden ein, auf dem Berliner Kongreß, der ihm die Freundschaft Bismarcks eintrug, besonders für die Juden in Rumänien. Noch in seinem letzten Roman, der im Jahr seines Todes erschien, preist er die Menschen seiner Herkunft. Was frühzeitig seine Königin erkannt hatte, spricht die größte Biographie Disraelis, das offizielle 3000 Seiten starke Monumentalwerk der beiden Nichtjuden Monypenny und Buckle in dem Satz aus: „Die fundamentalste Tatsache zur Würdigung Disraelis ist, daß er ein Jude war." K. P. Disraelis Palästina-Roman Benjamin Disraeli: Tancred oder Der Neue Kreuzzug. Uebersetzt und bearbeitet von Julius Eibau. Jüdische Buch-Vereinigung und Erwin Löwe Verlag, Berlin Der fünfundzwanzigjährige Benjamin Disraeli unternahm 1831, nach einer von Fehlspekulationen, vielerlei Eitelkeit, romantischer Träumerei und geistiger Beschäftigung erfüllten Jugend, eine Reise durch Südeuropa zum Orient, wo unter nomadisierenden Scheichs und während einer erregten Woche in Jerusalem sein Stolz auf Geschichte und Schicksal des Judentums wieder erwachte, nachdem sein Vater einst mit dem Zwölfjährigen zum Christentum übergetreten war. Das Erlebnis Palästinas erstand noch einmal, geläutert, gesteigert, zu geschichtsphilosophischen und weltpolitischen Plänen erweitert, fünfzehn Jahre später in dem Roman „Tancred oder Ter Neue Kreuzzug", der 1847 erschien, als Disraeli die Führung der englischen Konservativen übernehmen sollte. Dieser Roman des fast Fünfundvierzigjährigen, mit seinen romantischen Geschehnissen, paradox-großartigen Ansichten, dunklen Prophezeiungen, wirkte, nach dem Sturz des mächtigen Ministerpräsidenten Peel, gerade in diesem sür Disraeli und England entscheidenden Augenblick höchst befremdend und verwirrend. ' „Tancred" blieb Disraeli zeitlebens das liebste unter seinen Büchern; der Staatsmann, der in seinen phantastischen, meist einen großen Aufstieg darstellenden Romanen oft Grundzüge praktischer Politik vorausgeahnt hat, holte sich noch viel später, wenn es um Probleme des Orients ging, Auskunft aus seinem eigenen „Tancred". Vom Erscheinen des Buches an trat er für dessen ungewöhnliche Hauptmotive unablässig mit Wort und Tat ein. Das damals als wahnwitzige Phantastik erscheinende Projekt eines indischen Kaiserreichs unter englischer Herrschaft wurde 1876 Wirklichkeit, als der Premierminister Disraeli der kühlen Königin Viktoria, die er als seine „Fee" ansprechen durste, die indische Kaiserkrone anbot — von nun an Earl of Beaconssield. Julius E l b a u hat jetzt den „Tancred" sür die Jüdische Buchvereinigung weniger übersetzt, als unter starken Kürzungen in modernes Deutsch übertragen und mit einem knappen, von Tatsachen dicht gefüllten Vorwort begleitet. Der Held des Romans ist der junge Tancred, aus einem der ältesten, angesehensten und reichsten Adelsgeschlechter Englands, der nach seiner Großjährigkeitserklärung einen Parlamentssitz, eine gesellschaftliche und politische Laufbahn ausschlägt, weil er überzeugt ist, daß nicht die gedankenarm und tatenlos gewordenen Mächte der Aristokratie und des Parlamentarismus, sondern nur große, neue Ideen England retten können. Diese Ideen hofft er in Palästina zu finden, dem „Land der Inspiration", dem einzigen Land, in dem sich Gott dem Menschen offenbart hat. In seinem von Eltern und bm Freunden als Phantasterei abgelehnten Plan, bestärkt ihn eine Lieblingsgestalt Disraelis, der sehr Äuge, sehr reiche, sehr mächtige Bankier Sidonia, eine Mischung aus dem englischen Baron. Rothschild und Disraeli selbst, den der politische Schriftsteller schon in seinem Roman „Coningsby" als Sprecher seiner Gedanken auftreten ließ. Denn „Tancred" ist der dritte und letzte Roman einer Serie von Gegenwartsromanen, in denen sich Disraeli mit dem England seiner Zeit kritisch und reformistisch auseinandersetzt. In „Coningsby or tho new generation“ hatte er die Bestrebungen des jungen Flügels her konservativen Partei geschildert, der demokratische Und soziale Ideen verwirklichen wollte, gegen eine in der Tradition erstarrte Aristokratie. In „8iby1 or the two nations“ zeigte er die Kluft zwischen dieser überheblichen Aristokratie und Spiegel vorgehalten werden sollte. Das, was gerade den Stücken von Bernstein ihren besonderen Reiz verleiht und ihnen den Publikumserfolg sichert — man denke an Dramen wie „La Rafale“ oder „Le Voleur“, die seit drei Jahrzehnten immer wieder und wieder zur Aufführung gelangen — ist die Kühnheit und zugleich diskrete Eleganz, mit der der Dichter seine Themen — meist erotischer Natur — behandelt. Hinzu kommt ein ungewöhnlich stark ausgeprägtes Gefühl sür dramatische Effekte, eine virtuose Beherrschung des Technischen im Ausbau und in der Durchführung eines Stücks. Diese Theaterrontine bewies Bernstein auch als jahrelanger erfolgreicher Leiter eines großen Pariser Theaters. Der tiefste Grund aber, weshalb Bernstein zu den beliebtesten und meistgespielten Autoren des A,französischen Theaterpublikums gehört und seine uv Schauspiele, wiewohl sie auch im Ausland, unter s anderem oft in Deutschland gespielt wurden, sich - gerade in Frankreich von einer so einzigartigen ^Bühnenwirksamkeit erweisen, ist: Bernsteins lStücke sind Stücke französischer Mentalität, die Sprache seiner Dramen in ihrem Verzicht aus Schwerfälligkeit und Kompliziertheit, in ihrer glitzernden Leichtigkeit und zugleich Leidenschaftlichkeit entspricht ebenso französischem Wesen wie r die Art seiner kritischen Analyse, in den Privaten Konflikten von Individuen die eigentliche und entscheidende Problematik des Lebens zu sehen. Zweimal hat Bernstein auch jüdische Stoffe behandelt: in den Dramen „Judith" und „Israel"; aber weder das eine, nych das andere k stehört zu den Stücken, denen ein gxößerer Erfolg beschieden war. Erfolgreich war und ist der Gesellschaftskritiker Bernstein, der mit letztem psychologischen Raffinement und allen Mitteln geistreicher Wortkunst Situationen der privaten Sphäre des modernen Franzosen beleuchtet. Lein? Serggrüa. . Nach Mitteilungen de.r englischen Presse ist zwischen der englischen Theatergesellschaft Tennent und Henry Bernstein vereinbart wors „ den, in der kommenden Londoner Saison vier | französische Stücke, davon zwei von Bernstein, zur Aufführung zu bringen. Maughams „Heilige Flamme“ im Jüdischen Kulturbund Rhein-Ruhr Der Kölner Kulturbund hat, soweit es die Sparte „Theater" betrifft, einen sehr deutlich spürbaren Willen: Zusammenführung vorhandener Kräfte, Ensemblebildung auch bei gewahrter Variabilität der Besetzung. Das ist zwar weitgehend Arbeit der Regie. Dahinter steht indessen, theaterpolitisch gesehen, der eindeutige Aufbauwille der Leitung. So kommt es, daß die Aufführungen im Laufe dieses Spieljahres von Fall zu Fall geklärter sind; bewußter, offener in der Absicht, beherrschter in den Mitteln. Und so kommt es, daß der Kulturbund einem nicht immer sehr willigen Publikum ein „trauriges" Stück bringen durfte und damit einen durchschlagenden Erfolg errang. Seit sechs Jahren tragen zwei Frauen an dem Unglück, das Maurice Tabret, den Flieger, an den Rollstuhl gefesselt hat: Mutter, Gattin und Pflegerin. Maurice zeigt sich heiter und gelassen, vor allem bemüht, seiner Frau die Schrecknisse des Krankendaseins zu ersparen; diese selbst lebt sür ihn, wie er es will, schön und unbekümmert und verbirgt unter dem So-sein Schmerz und Entbehrung. Die Mutter, dem Sohn am tiefsten vertraut, ist in den dunkelsten Stunden mit ihm. Während ftev das tiefe Einverständnis zwischen Stella, ihrer Schwiegertochter, und ihrem jüngeren Sohn Eolin bemerkt, begünstigt, beobachtet Schwester Wayland ünversöhnlich, mit eifersüchtiger Liebe, die Gattin des Kranken.. Die Mutter löst das dem Sohn gegebene Versprechen eiü, ihm zum Tod zu verhelfen, wenn ihm das Leben unerträglich würde. Er stirbt, ehe er zu irgendeiner traurigen Wahrheit hat erwachen können. Die Mutter gab Jenny Marba. In dieser Figur war alles ausgeformt und edel: gesellschaftliche Ueberlegenheit der Dame, menschliche Güte der Freundin und der entsagungsvolle Schmerz der Kutter. Camilla S p j r a - E i s n e r ^Berlin^ spielte die schöne, gütige Gattin des Sohnes, gepeinigt von der Liebe zu einem gesunden Mann, und war vielseitig und vornehm in den Mitteln, diese reichhaltige Farbtafel seelischer Empfindungen aufzuzeigen. Als gequält und rachsüchtig Liebende, klar in der Linie der Pflichtbewußten Pflegerin, gab Ruth F e st e r s e n die Probe eines bedeutenden Talents. Sie wie Frau Spira, uns mehr im heiteren oder Soubrettensach bekannt, waren Ueberraschungen, denen sich noch eine dritte ebenso schöne zugesellte: der Maurice Alfred Berliners (Valthofs), der von einer ebenso weisen Ueberlegenheit wie erschütternden Leidenschaftlichkeit war, wahrhaft tragisch als Figur durch das Maß der Haltung und in diesem Punkt vom Darsteller erfaßt und meisterhaft gestaltet. Die Wandlungsfähigkeit dieses sonst komischen Schauspielers dürfte sich hiermit eindeutig und erfolgreich erwiesen haben. Ben Spanier gab den behandelnden Arzt, wie Willibald Fraenkel den Freund mit Zurückhaltung charakterisierend. Den Bruder des Kranken, Colin Tabret, spielte Heinz Friedeberg. Das Bühnenbild zeigte einen geschmackvoll neutralen Wohnraum, für den Egon Markus verantwortlich zeichnete. Die Regie hatte Moriz S e e l e r, den man nach dieser so schön gelösten Aufgabe öfter im Rheinland tätig wünscht. L. S. Neue Schallplatten Die Schallplattenfirma Columbia bringt u. a. einige Aufnahmen mit dem Pariser Philharmonischen Orchester unter Selmar Mehrow itz, so eine Bälettsuite von Gretry und die bekannte sinfonische Dichtung von Franz Liszt „Les Preludes“. Bei der Marke Decea wurde Milhauds siebentes Streichquartett, gespielt vom Wiener Galimir-Ouartett, ausgenommen. Bei Bi8.MLter8 Voioe ist eine neue Wiedergabe von Mendelssohns Italienischer Sinfonie,. gespielt vom Bostoner Sinfonie-Orchester unter Kus.sewitzki, zu hören. Wanda Lands w s k a hat hier auch das berühmteste Klavierwerk von Bach, die Chromatische Fantasie und Zuge. auf. hem-Cembalo^ gespielt. Generalmusikdirektor Hans Wilhelm Steinberg, der für die kommende Saison als erster .Dirigent des Berliner Kulturbundes verpflichtet wurde, wird sich dem Berliner Kulturbundpublikum am 1. Juli, 20 Uhr 15 Min., im Kulturbundtheater, Berlin SW 19, Kommandantenstraße 57, in einem Sonderkonzert mit dem erheblich verstärkten Kulturbundorchester vorstellen. Zur Aufführung gelangen: Concerto grosso (am Flügel: H. W. S t e i n b e r g) von Erneft Bloch, Lieder eines fahrenden Gesellen (Solist: Fritz L e ch n e r) von Gustav Mahler und Tschaikowskys 6. Sinfonie (Pathetique). Nach Beendigung einer Konzertreise, die ihn durch Norwegen und Polen nach Wien führte, hat Hans Wilhelm Steinberg die Proben zu diesem Sonderkonzert ausgenommen. Ludwig Fuldas Lustspiel „Die Jugendfreunde" wird am 2. Juli in das Repertoire des Berliner Kulturbundestheaters ausgenommen. Die Regie hat Ernst Rosenbaum (Raden), Bühnenbild und Kostüm: Heinz Condell. In den Hauptrollen sind beschäftigt: Gina Friedman n, Gerda Klein. Ruth Manheimer, Ellen Moses, Martin Brandt, Herbert G r ü n b a u m, Walther Herz, Jose Ernesto Lew h. Jüdischer Kulturbund Berlin. Die überaus erfolgreiche Revue der Kleinkunstbühne (künstlerische Leitung: Max Ehrlich) „Herr Direktor bitte Vorschuß" von Willi Rosen und Max Ehrlich wird in einer einmaligen Sondervorstellung am 27. Juni abends 21 Uhr 15 Min., im Kulturbundtheater, Berlin SW 19, Kommandantenstraße 57, mit Max Ehrlich und der Premierenbesetzung wiederholt. Else Dublon gab im Rahmen der Veranstaltungen der Künstlerhilfe der Berliner Jüdischen Gemeinde am 2. Juli, 20 Uhr 15 Min., im Schumannsaal, Lützowstraße 76, einen einmaligen Tanzabend. Unter- Leitung von Ernst Ewald Gebert spielt das Orchester der Künstlerhilfe Werke von Mozart, Gluck und Bizet. Am Flügel: Rudi Lehmann. Im Verlage Carl Fischer, New-Pork, erschienen „Variationen über die Hatikwah", ein Werk, das einen persönlichen Stil haben, aber nur für fortgeschrittene Spieler, zu bewältigen sein soll. 213102

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