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Central-Verein-Zeitung · 1936-06-18 · 25 (18.6.1936) · p. [Seite]

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936) - farbig
Issue
25 (18.6.1936)
Date
1936-06-18
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Nr. 25 * 7. Beiblatt 18. Juni 1936 Ölleitung Beirati§itzung der Jewish Agency in Berlin Der neu gegründete Beirat der Jewish Agency in Deutschland, der das frühere sogenannte Jnitiativ-Komitee abgelöst hat, hielt in Berlin seine erste Tagung ab, die, wie Rabbiner Dr. Baeck in seinen einleitenden Worten aussprach, unter der Parole stand: Sehen, was ist; begreifen, was geschieht. Das erste Referat der Tagung, das das Mitglied der Exekutive der Jewish Agency, Dr. Werner Senator, Jerusalem, erstattete, trug durch eine klare, kluge und ruhige Darstellung der gegenwärtigen Situation in Palästina zu einer Erfüllung dieser Aufgabe in hervorragendem Maße bei. Senator verglich die gegenwärtigen Unruhen mit denen des Jahres 1929 und stellte fest, daß die jüdische Bevölkerung Palästinas jetzt zahlenmäßig, wirtschaftlich, im Bewußtsein der Weltöffentlichkeit und vor allem im Bewußtsein des Judentums der Welt stärker und geschlossener dastehe als damals. Eine doppelte Antwort habe aus dieser Verfassung heraus auf die Ereignisse zu erfolgen: eine entschlossene politische Willensbildung der Exekutive gegenüber der Mandatarmacht und eine materielle Verstärkung der Positionen im Lande. Es gehe nicht bloß um die 400 000 Menschen dort, sondern um die Judenheit der Welt, für die die Tore offen gehalten werden müßten. Die Zusammenarbeit der Exekutive mit den Behörden, dem Heer und der Polizei, die ununterbrochen funktioniert habe, sei im ganzen als gut zu bezeichnen. Obgleich eine Kritik an einzelnen Unterlassungen der englischen Regierung nicht unterdrückt werden solle, rücke doch die Exekutive von der Stimmung in- und außerhalb Palästinas, die die Regierung mit einer starken Schuld an der Zuspitzung der Lage belaste, entschieden ab. In der Zusammenziehung beträchtlicher Truppenmengen, in der Genehmigung des Baus einer Anlegestelle in Tel-Aviv und vor allem in der Genehmigung der neuen Einwanderungs- Schedule seien drei geradezu symbolische Tatsachen geschaffen worden, die man dankbar anerkennen müsse. Selbst die Tatsache, die in vielen Kreisen Unzufriedenheit erregt, daß gegen die Ruhestörer nicht mit der notwendigen Schärfe durchgegriffen worden sei, müsse unter dem Gesichtspunkt, daß ja die Zukunft unbedingt wieder eine Annäherung und Zusammenarbeit zwischen Juden und Arabern bringen müsse, günstiger beurteilt werden. Die Ereignisse selbst seien im Nahmen der gesamten vorderasiatischen Lage zu betrachten. Die Annahme, daß der Aufstand von den Arabern von langer Hand vorbereitet worden sei, lehnte Senator unter Hinweis darauf ab, daß der Moment, in dem die Araber zu grundsätzlichen Verhandlungen mit der Mandatarmacht in London eingeladen gewesen seien, und in dem sic entschlossen waren, dieser Einladung Folge zu leisten, von ihrem Standpunkt aus nicht eben günstig gewesen sei, um diese Verhandlungen durch Gewalttaten im Voraus zu belasten. Mit einem Bekenntnis zum friedlichen Aufbau, in dem die Juden nicht Herren, aber auch nicht Beherrschte fein wollen, schloß Senator seine eindrucksvollen Ausführungen. Es sprach sodann Dr. Tra nb über die Arbeit des Keren Hajessod. Er gab zunächst einen Finanzbericht, aus dem einige Zahlen hervorgehvben seien: Von den in Luzern vorverauschlagten Einnahmen des Kern Hajessod in Höhe von 260 000 Pfund Sterling sei im ersten Halbjahr bereits die Hälfte eingegangen. Davon sind rund 100 000 Pfund Sterling an die Jewish Agency abgeführt worden. Die Jewish Agency wiederum, die außer dem Keren Hajessod noch andere Einnahmequellen hat, weist unter ihren. Ausgaben folgende Posten auf: Landwirschaftliche Kolonisation steht mit 94 000 Pfund Sterling weit voran. Dann folgen in starkem Abstand Ausgaben für Alija und Hachschara in Höhe von 24 000 Pfund Sterling und weitere für öffentliche Arbeiten, Erziehung, Kulturarbeiten, Gesundheitsdienst usw. Der Keren Hajessod betrachtet sich in seinen Investitionen vorzugsweise als Wegbereiter des privaten Kapitals, was er z. B. bei seiner Beteiligung an der Hule-Gesellschast, an der palästinensischen Gesellschaft für landwirtschaftliche Kolonisation, sowie bei der in Aussicht genommenen Gründung einer Agrarbank zum Ausdruck bringt. Traub sprach dann über die Keren-Hajessod- Arbeit in Deutschland und stellte dabei fest, daß die starke Beziehung zu Palästina, in die die Judenheit Deutschlands durch die hiesigen Ereignisse gekommen sei, sich in eine außerordentlich erhöhte Gebefreudigkeit für beit Keren-Hajessod umgesetzt habe. In der Aussprache gab Dr. K a n o w i tz, noch unter dem frischen Eindruck der selbst erlebten letzten Wochen in Palästina, ein starkes und erregendes Bild von der Haltung der jüdischen Menschen im Lande, die er als „Heroismus der Gelassenheit" kennzeichnete. Einmal müsse eine endgültige friedliche Zukunft die gegenwärtigen Mißhelligkeiten zwischen den beiden zukünftigen Staatsvölkern beenden — das sei die Hoffnung, die den Weg hier und dort vorzeichne. Die sonstige Aussprache wurde lediglich von Rabbiner Hahn (Essen) und Dr. Friedrich Brodnitz bestritten. Beide Redner brachten die schon mehrfach gehörten Klagen über den nicht ausreichenden Zusammenschluß der nichtzionistischen Agency-Mitarbeiter zum Ausdruck. Trotz der erfreulichen Geschlossenheit zwischen Zionisten und Nichtzionisten in diesem Gremium, die beide feststellten, sei es notwendig, daß der nichtzionistische Flügel eine innere Aktivierung durchmache, und daß er im Dienste der einigenden Aufgabe seinen eigenen spezifischen Beitrag liefere. Die Kürze der Diskussion und der ganzen Tagung bezeichnete Dr. Baeck in seinen Schlußworten als den „schweigenden Willen", der in allen Anwesenden spürbar geworden sei. Ihn gälte es, in tätige Opfer umzusetzen, um auch fernerhin „Boden zu erschließen, Saat zu säen, Bäume zu pflanzen, damit schließlich die Ernte komme". In kurzen Schlußworten begründete Traub die folgende Entschließung, die angenommen wurde: Der am Montag, dem 15. Juni 1936, in Berlin zu seiner ersten Tagung versammelte Beirat der Jewish-Agency in Deutschland hat mit Befriedigung von dem Aufruf des Präsidiums des Keren-Hajessod an alle seine Mitglieder und Freunde Kenntnis genommen, ihrer ungebrochenen Aufbaubereitschaft durch einen Sonderbeitrag von einem Viertel ihrer Jahreszeichnung Ausdruck zu geben. Der Beirat ist zu voller Mitarbeit an dieser Sonderaktion bereit und erivartet von allen Freunden des Keren Hajessod getreuliche Erfüllung der an sie ergangenen Aufforderung. Darüber hinaus ist der Beirat der Ueberzeugung, daß ein Weg gefunden werden soll, um in dieser Stunde die Gesamtheit der Juden in Deutschland zu verstärkter Mitwirkung am Palästina-Aufbau zu gewinnen. Er beauftragt das Präsidium des Keren Hajessod, die hierzu notwendigen Schritte einzuleiten. Die Antwort der Juden in Deutschland auf die Ereignisse in Erez Jisrael muß in aktiver Teilnahme an der Festigung und dem Ausbau der jüdisch-nationalen Heimstätte in Palästina bestehen. Aus Anlaß der Anwesenheit des Mitgliedes der Exekutive der Jewish Agency, Dr. Werner Senator, Jerusalem, in Berlin hatte das Präsidium des Keren Hajessod einen Kreis von Gästen zu einem Bericht über die politische und wirtwirtschaftliche Entwicklung Palästinas eingeladen. Auch hierbei bewies Dr. Senator in seinen Ausführungen, die inhaltlich etwa den bei der Beiratstagung der Jewish-Agency erstatteten Referat entsprachen, seine kluge, abwägende, ruhige und doch von tiefer innerer Entschlossenheit getragene Betrachtungsweise. Er entrollte ein eindrucksvolles Bild der gegenwärtigen palästinensischen Situation. Anschließend sprach Dr. Traub über die Pionierrolle des nationalen Kapitals. Auch diese Veranstaltung stand unter dem Vorsitz von Rabbiner Dr. Baeck, der die Redner begrüßte und in einem Schlußwort der Gewißheit Ausdruck gab, daß die Juden in Deutschland sich ihrer Pflicht gegenüber dem Aufbauwerk bewußt bleiben würden. * Die heutige Zeit macht eine neue gegenseitige Abschätzung der Einwanderungszentren der Welt zur. unabweisbaren Pflicht. Sie müßte einen inneren Zwang ausüben, das Araberproblem in neuer Beleuchtung zu sehen. Aber der Beirat der Jewish Agency schien der Aufrollung dieser und anderer brennender Gegenwartsfragen nicht zu bedürfen. Dabei wäre ihre Erörterung gerade im Zeichen unbedingter, aber parteimäßig nicht gebundener Palästinabejahung unabsehbar wichtig. Die in der Agency-Arbeit vereinten Zionisten und Nicht-Zionisten tun Unrecht daran, die Unterschiede, die sich dabei ergeben könnten und sollten, zu bagatellisieren. In ihrem verständlichen Wunsch, die praktische Zusammenarbeit nicht mit ideologischen Erörterungen zu belasten, lassen es beide Gruppen an Klarheit des Erkennens fehlen. Damit aber erweisen sie dem Aufbauwerk keinen Dienst. Die völlige und vorbehaltlose Gleichsetzung, die im Bewußtsein der Außenstehenden die Arbeit für Keren Hajessod und Jewish Agency mit dem Zionismus erfährt, macht es großen Kreisen schwer, sich für diese Arbei einzusehen. Man vermißt in ihr einen seiner selbstsicheren und aller Konsequenzen bewußten Standpunkt. Würde er gefunden und in aller Selbständigkeit für die gemeinsame Arbeit fruchtbar gemacht werden, so wären freilich Tagungen, wie die hier beschriebene, nicht mehr möglich. Es gäbe einen Austausch der Meinungen und einen Wettstreit der Geister. Es würde viel bequemer werden, Beiratsmitglied der Jewish Agency zu sein. Aber in einem Kreis, der ins Leben zu wirken bestimmt ist, würde endlich einmal auch Leben gespürt werden. Wie aus dem Bericht hervorgeht, verlief die Tagung der Jewisll Agency kurz und programmgemäß. Jede lebhaftere Mitwirkung ihrer — immerhin aus allen Bezirken des Reiches — teilweise nur für den einen Sitzungsnachmittag hierher gereisten Teilnehmer fehlte. Das repräsentative Gremium der Juden in Deutschland, die sich über die Grenzen der Parteien hinweg zu gemeinsamer Arbeit für Palästina die Hand reichen, trat im Zeichen tief einschneidender Geschehnisse zusammen; aber es ist diesen Gescheh-' nisten gegenüber stumm geblieben. Diese Tatsache wird auch dann nicht weniger verwunderlich, wenn man in der angenommenen Entschließung tatsächlich die Kundgebung eines „schweigenden Willens" sehen möchte. Denn das war das Absonderliche an diesem Schweigen in schicksalhafter Stande: es wurde in ihm kein verhaltener Rist hörbar. Man akzeptierte eine Entschließung — weiter nichts. Es kann hier nicht untersucht werden, wo der Fehler steckt. Ob der zionistische Teil der Anwesenden, ermüdet durch vorhergegangene wichtige Sitzungen ihrer eigenen Organe, der Agency-Tagung vielleicht mit einer gewissen inneren Notwendigkeit das Schicksal eines unvermeidlichen Nachspiels bereiten muß: der Mandatstext verlangt es, aber in Wirklichkeit ist es längst seines ursprünglichen Sinnes entleert. Vielleicht aber auch verdienen die Nicht-Zionisten die ihnen aus ihren eigenen Reihen heraus gemachten Vorwürfe, vielleicht sind sie nicht aktiv genug und es fehlt ihnen der Zusammenschluß. Das alles sind mehr oder minder Fragen der Organisation. Sie können in dieser Ebene gelöst werden. Uns aber will scheinen, als gäbe der Verlauf dieser Sitzung zu tieferem Nachdenken Anlaß. Dem Judentum in Deutschland ist Palästina nahe gerückt. 35 000 seiner Menschen sind dort. Indem es für diese Menschen hofft, bangt es trat das Schicksal des Gesamtwerts. Aber große Schichten des Judentums in Deutschland sind nicht zionistisch. Nicht weil sie, wie auf der Tagung nicht sehr glücklich gesagt wurde, „den Anschluß verpaßt* haben, sondern weil geistige Vorbehalte, verschieden an Art, Ursprung und Gewicht, doch ernsthaft genug, um auch von der gemeinsamen Palästinaliebe nicht übertäübt zu werden, — sie von der Anerkennung des Ausschließlichkeitsanspruchs Palästinas fernhalten. Dr. Eva Reichmann-Jimgmann. l>ie Verteilung der neuen Xiinwanderungszertifikate Das Einwanderungsdepartement der Jewish Agency hat die ihm von der Regierung für das Halbjahr April/September 1936 zur Verfügung gestellten Zertifikate wie folgt verteilt: 1200 Sonderzertisikate wurden für deutsche Juden, Ehaluzim und Umgeschichtete, die mit Hilfe des vom Londoner Hilfsfonds zur Unterstützung deutscher Juden bereitgestellten Fonds von 150 000 Pfund angesiedelt werden sollen, reserviert. Von den übrigen Zertifikaten wurden 1400 für Ehaluzim mit landwirtschaftlicher Ausbildung, 475 für Angehörige palästinensischer Einwohner, 265 für Sephardim, 320 für Spezialisten, 40 für sogenannte „alte Zionisten", 300 für von Jndustrieunternehmungen angeforderte Spezialisten, 163 für Agudisten bereitgestellt. Die Verteilung nach Ländern geschieht wie folgt: Deutschland 260 (außer den 1200 Sonderzertifikaten), Polen 1150, Rumänien 230, Litauen 115, Tschechoslowakei 95, Lettland 65, Wien 50, Saloniki 60; der Rest entfällt auf andere Länder. Oie Agudas zu den Palästina-Unruhen lieber die Stellung der Agudas Jisroel zu den gegenwärtigen Ereignissen in Palästina sprach in Berlin der Leiter der P a l ä st i n a - Zentrale der Agudas Jisroel, Dr. Salomon E h r m a n n (Frankfurt a. M.). Er betonte, daß die Agudas nur innerhalb der Einheitsfront des jüdischen Volkes zu den Palästina- Unruhen Stellung nehmen könne. Wenn die Juden nicht einmal in Palästina die Möglichkeit gefunden hätten, ihr Leben so zu gestalten, wie sie es wünschen, ohne, wie augenblicklich, Verfolgungen und Angriffen ausgesetzt zu sein, so müsse der Grund dafür darin gesehen werden, daß sie die Idee Palästinas, so wie sie von den Agudisten verstanden werde, noch nicht verwirklicht hätten. Palästina dürfe nicht der Boden sein für Parteien, die durch areligös-sozialistifche Doktrinen Fortschritte erzielen wollen. Ehrmann wies auf die Notwendigkeit hin, vor allem g e - fetzestrene Menschen ins Land zu bringen. Palästina sei nur „das territoriale Werkzeug, um Gottes Werk zu vollenden." g. * Dr. Max Nußbaum sprach in einer Kundgebung der Berliner Zionistischen Vereinigung znm Thema „Volk in der Prüfung".- Im ersten Teil seiner Ausführungen versuchte der Referent, eine Charakteristik des jüdischen Menschen zu geben, der durch Freude an der Feststellung von Fehlschlägen — im Augenblick an- . gesichts der Lage in Palästina — den Typ des jüdischen Selbsthassers darstellt und überall da, wo aufbaubereite und Zukunftsfreudige Kräfte am Werk sind, durch seine Kritik zersetzend wirkt. Im Zusammenhang damit richtete Nußbaum heftige Angriffe gegen die Orthodoxie, die abseits vom Zionismus stehe, sich aber für berechtigt halte, in den Ereignissen in Palästina Mahnung und Strafe für die unreligiöse Haltung eines großen Teils -der palästinensischen Juden zu sehen. Palästina bezeichnete der Redner im übrigen als die „einzige Wirklichkeit", die die Juden in der Welt^ besäßen, alles andere sei nur ein „Kartenhaus", das jeden Tag in sich Zusammenstürzen könne. Daß dieses „Kartenhaus", nämlich die Diaspora, schon seit über 2000 Jahren besteht und daß in ihm sich echte und lebendige' und Jahrhunderte überdauernde Kräfte entwickelt haben, . schien dem Referenten weder eines Hinweises noch gar einer gründlicheren Untersuchung wert. Die Diaspora, so meinte er, bekäme überhaupt erst einen Sinn, wenn sie auf das Zentrum Palästina bezogen sei. n. ß-n. Przytyk Der Prozeß wegen der Pogromvorgänge in Przytyk, über dessen Beginn wir in der vorigen Woche berichtet hatten, dauert noch an. lieber den bisherigen Verlauf der Verhandlung wird folgendes berichtet: Oie Anklage v Die Anklageschrift ist u. a. zu entnehmen: Am 9. März war in Przytyk, wo schon vorher mehrere Boykottaktionen der Nationaldemokraten durchgeführt worden waren, Jahrmarkt, der von zahlreichen Menschen aus der Umgebung besucht worden war. Als die Polizei versuchte, zur Unterdrückung einer in Gang gesetzten Boykvttaktion einen Boykott-Terroristen festzunehmen, umzingelte die Menge die Polizei. Es entstand eine Panik und eine schwere Schlägerei, in deren Verlauf der 53jährige Nichtjude Stanislaw Wieszniak durch einen Revolverschuß tödlich getroffen wurde. Daraufhin stürmte die Menge die geschlossenen jüdischen Lüden und Wohnungen; die Wohnung des jüdischen Schneiders L e s k a , ans der die Schüsse gefallen waren, wurde durchsucht, einige Geschoßhülsen wurden gefunden, die ganze Familie verhaftet. Festgestellt wurde auch, daß die antisemitischen Hauptbeteiligten mit Revolvern hantierten. Die Behauptung einiger jüdischer Zeugen, daß Wieszniak durch einen Schuß getötet wurde, der aus der Mitte der Excedenten siel, konnte nicht bewiesen werden. Es wurden dann viele I u d e n t auch Kinder, schwer mißhandelt, die 70jährige Jvchewed Palant, die auf der Suche nach ihren Kindern war, wurde bis zur Bewußtlosigkeit geschlagen. Das jüdische Ehepaar Minkowski fiel den Ausschreitungen zum Opfer. Vernehmung der Angeklagten Zn Beginn der Verhandlung wurden die Angeklagten vernommen. Der jüdische Hauptangeklagte L e s k a, ein stark kurzsichtiger, 19jähriger früherer Jeschiwa-Hörer, wird beschuldigt, wiederholt Schüsse ans einen Haufen von Bauern abgegeben zu haben; durch einen dieser Schüsse soll der Bauer Wieszniak getötet worden sein. Bei seiner Vernehmung gestand Leska, aus einem Fenster Schüsse abgegeben zu haben, erklärte jedoch, er habe keineswegs in die Menge geschossen, sondern nur Schreck- und Alarmschüsse in die Luft abgegeben. Die übrigen jüdischen Angeklagten erklärten, sie hätten unter den Angriffen der Antisemiten schwer zu leiden gehabt und rn Notwehr gehandelt. Als letzter der jüdischen Angeklagten wurde der 68jührige Feldberg vernommen. Er erklärte, er habe wiederholt die B e h ö r d e n auf die den Juden des Städtchens drohende Gefahr a u f m e r k s a m g e m a ch t. Es sei für ihn un- Mit dem LSIldSClllllllCilll Florenz I ketten an der italienischen Riviera 1. VII. bis 30. IX. in Forte dei Marmi, breiter Sandstrand, nahes Gebirge, Pinienwälder, Wohngelegenheit für Eltern im Ort Tagespreis für Ferienkinder 4,75 RM inkl. wahlfreiem Unterricht und Sprachkursen Auskunft . durch das Landschulheim Florenz, Pian dei Giullari, Villa Pazzi.

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