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Central-Verein-Zeitung · 1936-06-04 · 23 (4.6.1936) · p. [Seite]

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936) - farbig
Issue
23 (4.6.1936)
Date
1936-06-04
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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Juristisch-Wirtschaftliche Beratungsstelle in der Hauptgeschäftsstelle des Centralvereins, Berlin W 15, Emser Str. 42 (Tel.: J 2 Oliva 8141 bis 8145). 8 p rechstunden täglich 12—14 Uhr (ausser Sonnabend und Sonntag), für Mitglieder ausserdem zederreit nach vorheriger Anmeldung (ausser Sonnabend und Sonntag). Wann und wo finden Sie Rat? Hessen-Nassau und Hessen Frankfurt a. M. Steinweg 9, Zimmer 75—77 (Tel.: 254 03), Montag, Mittwoch und Freitag, 11—13 Uhr. Hains Albinistr. 12, II (Tel.: 318 57), Montag bis Freitag, 16—18 Uhr. Fulda Hotel Kaufherr, 4. Juni, 10 bis 12 Uhr. Bad Ems Braubacherstr. 17 bei Rabbiner Dr. Laupheimer, 10. Juni, 10V4 bis 12Uhr. Limburg a. d. L. bei Albert Metzger, Werner- Senger-Strasse 13, 10. Juni, 10 bis 17ya Uhr. Hassel Gemeindehaus, 11. Juni, 15 bia 18 Uhr. Bertha Pappenheim Am 28. Mai dieses Jahres ist Bertha Pappen» heim im 78. Lebensjahr nach schwerem Leiden sanft entschlafen. Der Jüdische Frauenbund betrauert den Verlust seiner Schöpferin und langjährigen Führerin. Das ganze Judentum derliert eine Persönlichkeit von einzigartigem Gepräge. Aus begütertem, streng orthodoxem bürgerlichen Hause stammend, wuchs sie in Wien als „höhere Tochter" auf. Aber schon 22jährig übersiedelte sie nach Frankfurt a. M. und trat in die jüdische soziale Arbeit ein. Dort und im benachbarten Neu-Isenburg schuf sie sich die Instrumente für ihr leidenschaftliches Bemühen um den Schutz von Kindern, Mädchen und Frauen. Zwölf Jahre war sie Hausmutter im jüdischen Mädchenwaisenhaus. Der Jüdische Mädchenklub,..der Frauenverein „Weibliche Fürsorge" und schließlich das Jfenburger Heim für gefährdete Mädchen, schwangere Mütter, Säuglinge, Kleinkinder und Schulkinder find von ihr begründet, jahrelang geleitet und immer wieder von ihrer Kraft befruchtet worden. Aber ihr Wirken reichte weit über diesen Kreis hinaus. 1904 schuf sie den Jüdischen Frauenbund, um besonders die Frauen bürgerlicher Schichten zur sozialen Verantwortung und jüdisch-geistigen Mitarbeit zu gewinnen. Den jüdischen Massen des Ostens fühlte sie sich auf das tiefste verbunden. Studienreisen nach Galizien, Rußland und Polen vertieften die Erkenntnis von der Notwendigkeit, die jüdischen Mädchen und Frauen dieser Länder durch eine ihren besonderen Aufgaben angepaßte Erziehung für den modernen Lebenskampf auszurüsten, ohne sie der Kultur ihrer jüdischen Tradition zu entfremden. Bis in ihr letztes Lebensjahr reicht diese Arbeit. Noch im November vorigen Jahres war sie in Polen, um die Gründung einer sozialpädagogifchen Ausbildungsstätte für jüdische Mädchen in die Wege zu leiten. Bertha Pappenheim war eine unermüdliche Kämpferin für den Gedanken der sozialen Verantwortung, unerbittlich in ihren Forderungen gegen andere, aber auch gegen sich selbst. Von puritanischer Einfachheit und Strenge, unbedingt bis an die Grenze der Ungerechtigkeit. Aber diese Härte ist nur die eine Seite ihres Wesens. Den Säuglingen und Kleinkindern des Jsenburger Heims begegnete sie mit Liebe und Zärtlichkeit; aufgeschlossen, freundlich, und ganz ernst nahm sie die Sorgen und Nöte junger Menschen auf; unermüdlich war ihre Treue und Fürsorge für ihre Schutzbefohlenen und den engen Kreis ihrer wirklichen Mitarbeiterinnen. Zur Farbigkeit dieses Lebens gehört noch viel mehr! Voll Charme, Geist und Humor war diese Frau, in jungen Jahren nicht ohne Sinn für weibliche Eleganz, immer aufgeschlossen allem Schönen und kulturell Wertvollen. Briefe und Schriften zeugen von einer ganz seltenen Ausdruckskraft der Sprache. In sorgloseren Zeiten sammelte sie Spitzen und kostbare Gläser, bis zuletzt knüpften ihre nie ruhenden Hände die schönsten Ketten. Die Welt wird ärmer durch den Tod dieser Frau. Cora Berliner. * Zu Beginn der letzten Sitzung des Präsidialausschusses der Reichsvertretung der Juden in Deutschland gedachte der Präsident der Reichsvertretung, Dr. Leo B a eck, in warmen Worten der hingegangenen Frau. Bertha Pappenheim. Mit der Verstorbenen verlieren die Juden in Deutschland eine ihrer stärksten Persönlichkeiten. Oexen den jüdischen Weltkongress Die Repräsentanz der Union rumänischer Juden (U.E.R.) hat sich in ihrer letzten Sitzung eingehend mit der Frage einer eventuellen Beteiligung an dem bevorstehenden Jüdischen Weltkongreß in Genf besaßt. Es wurde beschlossen, an dem Kongreß nicht teilzunehmen. Auch die Union der jüdischen Gemeindeverbände Rumäniens, der die Verbände Altrumäniens, Transsylvaniens, Bessarabiens und der Bukowina angeschlossen sind, hat eine außerordentliche Beratung abgehalten, um zu der auch an sie ergangenen Einladung zu dem Kongreß Stellung zu nehmen. Die Beratung führte gleichfalls zu einem ablehnenden Beschluß. Außerdem ist die Einladung auch von dem Verband der israelitischen Gemeinden mit spanischem Ritus (Sephardischer Gemeindeverband) abgelehnt worden. Die Jüdische Partei, eine der beiden großen jüdisch-politischen Organisationen des Landes, hat ihre Teilnahme an dem Kongreß beschlossen. Die jüdischen Schulen in Palästina In der Berliner Ortsgruppe des I üd i s ch e n Lehrerverbandes in Preußen gaben zwei Lehrerinnen, Mally L i ch t e n st e i n und Dr. Ellen Litt mann, auf Grund einer längeren Studienreise einen fesielnden Tatsachenbericht über das Schulwesen und Schulwerk in Palästina. Mally Lichtenstein hob besonders die zentrale Stellung des Hebräischen als Umgangssprache hervor: sowohl Geschichte, Erdkunde als auch Rechnen und. Naturkunde werden aus hebräisch gelehrt. Das Land der Väter und seine Erfordernisse stehe natürlich im Mittelpunkt der Heimatkunde: Gartenarbeit sei ein selbständiges Unterrichtsfach. Die Schulen in den Städten leiden an Ueberfüllung und an Raumnot. Erhebliche Schwierigkeit bereitet die Einordnung der zusammengewürfelten Schülerschaft sowie die Anwesenheit verschiedener Altersstufen in einer Klasse. Die aus Deutschland gekommenen Kinder gewöhnen sich auf dem Lande leichter ein als in der Stadt. Besondere „Hachschara-Klassen" stellen den Uebergang in die Normalklassen her. In ihnen werden die Schüler zusammengefaßt, die im Hebräischen noch nicht genügend firm'sind. Dr. Ellen Littmann wies darauf hin, daß es in Palästina weder ein einheitliches Schulwerk noch einen Schulzwang gebe. Viele Kinder würden vorzeitig zu Erwerbszwecken aus der Schule herausgenommen. Bei den Alija-Gruppen sei die eine Tageshälfte der körperlichen, die andere der geistigen Arbeit gewidmet. Diese Tagesteilung gilt auch für die dort beschäftigten Lehrkräfte. Die Schultypen des Landes sind mannigfach. Neben vielen Privatschulen herrscht der Typ der Volksschule vor, in der eine Fremdsprache, Englisch, als Pflichtfach, und Arabisch, als Wahlfach, gelehrt wird. In manchen Kibbuzschulen werden beide Sprachen pflichtmäßig getrieben. Die Vortragende behandelte sodann eine Reihe wichtiger methodischer Fragen, die ihr bei der Beobachtung des Unterrichts in vielen palästinensischen Schulen ausgefallen sind. Die Pflege und Gestaltung der Feste in der Schulgemeinschast, die Einführung in das jüdische Brauchtum, die starke Berücksichtigung des neuhebräischen Schrifttums im Literaturunterricht und vor allem das ungewöhnliche hohe Niveau der Bibellektüre und -interpretation sind ihrer Darlegung zufolge hervorstechende Merkmale der Schulen in Palästina. F. F. Blich in die Zeitschriften Englands Stellung in Fernost Zur gleichen Zeit, wo die Ereignisse in Palästina Englands Prestige im Nahen Osten auf die Probe stellen, wird das Ansehen des britischen Imperiums auch im Fernen Osten einer Belastungsprobe ausgesetzt. Hierauf weist Leonid Kaubisch in einem instruktiven Aufsatz „Der Machtkampf im Fernen Osten" hin („Volk und Reich", 12. Jahrg., Nr. 4). Viel komplizierter als die Position der USA ist — wie Kanbisch ausführt — die Lage und Stellung Großbritanniens, das noch unlängst mit Japan verbündet war. In dem Kampf zwischen Sowjetrußland und dem japanischen Kaiserreich steht England eher auf Seiten der Japaner. Die bolschewistisch-kommunistische Gefahr für das britische Weltreich ist in London schon längst als Tatsache anerkannt worden. Die Wühlarbeit, die von den Sowjets an den Grenzen Indiens und in letzter Zeit in Indien selbst angerichtet wird, dürfte von den Engländern nicht ewig passiv beobachtet werden. Auch die Bolschewisterung Chinas und der Verlust dieses mächtigen Absatzgebietes für englische beziehungsweise indische Erzeugnisse ist für die Wirtschaft dieser Länder ein unersetzlicher Verlust. Alle diese Motive sollten Großbritannien endgültig an die Seite Japans stellen; aber die schließlich doch imperialistischen Endziele der japanischen Expansionspolitik, wie es besonders der letzte Punkt des „Tanaka-Testaments" vorsieht — die Besetzung Indiens —, bedrohten das britische Reich in seinen tiefsten Interessen. Die japanische Losung „Asien für die Asiaten" spricht für sich selbst. Und trotzdem ist es heute lange noch nicht klar, welche Erwägungen bei den Engländern schließlich siegen werden. Aegypten im Aufbruch Nachdem Richard v. Kühlmann in dem Aufsatz „Weltprobleme um Aegypten" („Europäische Revue", 12. Jahrgang, Nr. 4; vgl. Nr. 19 der C-V.-Zeitung) eine glänzende Uebersicht der außenpolitischen Perspektiven, die sich im Umkreis des Landes abzeichnen, gegeben hat, veröffentlicht nunmehr Professor Dr. Richard H a r t m a n n eine tiesdringende Studie über die nationalägyptische Bewegung, die wegen ihrer Ausstrahlung auf Palästina sorgfältige Beachtung verdient: „Das heutige Aegypten" („Deutsches Volkstum", 18. Jahrgang, Nr. 5). Zwei Punkte — so saßt er zusammen — sind es, die bisher jede Einigung mit England hinderten. Die Aegypter sehen in der Stationierung englischer Truppen auf ägyptischem Boden einen unerträglichen Widerspruch mit der Souveränität des Landes. Für England aber ist und bleibt der Suezkanal der Angelpunkt des Imperiums. Und nicht minder schwierig ist die Sudanfrage. Aegypten lebt vom Nil, der aus dem Sudan kommt. Die Zukunft des Sudan hängt aber ebenfalls vom Nilwasser ah. Es mag stimmen, daß diese Wasser zur Befruchtung weiter Strecken des Sudans und Aegyptens ausreichen. Aber wer an den Staudämmen im Sudan sitzt, kann Aegypten knapp halten. Dazu kommt noch, daß die ägyptische Baumwolle, die bisher eine Monopolstellung einnahm, am ehesten durch die des Sudan wird ersetzt werden können. Man sieht, hier geht es nicht um Prestigefragen; es geht um Lebensfragen. Das Imperium kann am Suezkanal unter Umständen tödlich getroffen werden. Aegypten aber kann vom Sudan her ausgehungert werden. Es ist — fährt Professor Hartmann fort — verständlich, daß Aegypten seit dem Weltkrieg ganz von den eigenen Angelegenheiten in Anspruch genommen ist. Aegypten hat aber zum Wiedererwachen der arabischen Welt am meisten beigetragen. Und auch heute noch gibt es dort Kreise, die ihren Blick auf die gesamte arabische Welt gerichtet halten, die eine zunächst geistige, in weiterem Sinne aber doch auch politische Einheit der arabisch redenden Länder erstreben. Wenn in der praktischen Politik jetzt die Richtung vorherrscht, die Aegypten für die Aegypter fordert und die sich gerne als Nachkommen des Volkes der Pharaonen fühlt, so ist das aus der Geschichte eines Jahrhunderts, zumal der letzten Jahrzehnte, begreiflich. Das geistige Erbe aber, das man wahren und sich neu zu eigen machen will, stammt nicht aus dem grauen Altertum, es ist das Erbe des arabischen Mittelalters, das allen arabischen Völkern gemeinsam ist. Wenn einmal die brennenden Fragen des Tages eine — sei es auch nur vorläufige — Lösung gefunden haben, dann wird wohl auch jenes Gefühl von der großen arabischen Einheit wieder mit ganzer Wucht im Bewußtsein der Aegypter durchbrechen. Warum getrennte Erziehung? Die Monatsschrift für das deutsche Volk, „Deutschlands Erneuerung" (20. Jahrg. Nr. 4), veröffentlicht einen interessanten Beitrag „Warum besondere Schulen für Juden?" Darin wird die Verwischung des Nassebewußtseins als die wichtigste Folge der bisherigen gemeinsamen Erziehung von deutschen und jüdischen Kindern angeführt. „Kinder", so heißt es in dem Beitrag, „schließen Freundschaften nach ihren gemeinsamen Neigungen, auch nach dem zufälligen Zusammensitzen, und diese Freundschaften halten oft für das ganze Leben und ergeben Bindungen, die den Blick für die Rassenfrage verdunkeln. Juden können in ihrer Freundschaft eine solche Wärme und Herzlichkeit entfalten, eine außerordentlich gewinnende Einfühlung in den andern, dazu ist die Aufnahme in den Familien eine so liebenswürdige, daß dadurch das Bild dieser Rasse von diesen Erfahrungen her ein Licht erhält, das oft für das ganze Leben anhält, doppelt, weil, diese Erinnerungen eine Einheit bilden mit den Bildern der Kindheit überhaupt. Und Kindheitseindrücke sind nun einmal die uns am meisten formenden, die anhaltendsten und am schwersten zu überwindenden. Daher ist es sehr schwer, an solche Menschen eine Aufklärung über Rassefragen heranzutragen. Dies Gebiet ist gefühlsmäßig vorbesetzt und gesperrt für eine verstandesmäßige Betrachtung." „Die jüdischen Kinder", so fährt der A. F. signierte Beitrag fort, „sind mitunter besser in der Schule. Einmal sichert ihnen ihr lebhafteres Temperament einen Vorteil über die langsameren deutschen Kinder. Wir können nun nicht von unseren Kindern verlangen: seid ebenso lebhaft! — wir würden ja damit unsere Art verbiegen. Unsere Kinder haben ein Recht auf ihre langsamere Art. Wir dürfen sie aber nicht in einen Wettbewerb bringen, dem sie ihrer Natur nach nicht voll gewachsen sein können." — An den übrigen Ausführungen des Verfassers ist noch bemerkenswert, daß er hinzufügt, er müsse zugeben, „daß abgesehen von diesen beiden Ungleichheiten (lebhaftere Art, frühere Entwicklung der jüdischen Kinder), die ein scheinbares Bild geistiger Ueberlegenheit der jüdischen über die deutschen Kinder erzeugen, im allgemeinen die Juden eine größere Neigung zu geistigen Beschäftigungen und einen zäheren Fleiß dafür mitbringen." Nordische und jüdische Schauspielkunst In einem Aufsatz „Sein oder Können?" („Nationalsozialistische Monatshefte", 7. Jahrgang, Nr. 74) vertritt H. A. S ch u l z e die 'interessante Ansicht, daß nur der nordische Mensch imstande sei, das Heldenfach im Theater zu verkörpern, während der Jude nur die Qualität für das Charakterfach besitze. „Geht man", sagt Schulze, „die Bilderreihen ab, wie sie an großen ehemaligen Hoftheatern, wie z. B. auch am Berliner Staatstheater, zu sehen sind, so findet man in den Bildnissen ehemaliger Bühnensterne fast nur nordische Menschen abgebildet. Zur Abwechslung zeigt sich einmal ein dinarischer Kopf, und wenn sich eine ostische oder unregelmäßige, irgendwie befremdende Gesichtsbildung zeigt, so stellt sich bald heraus, daß es ein Darsteller der Charakterrollen oder der Komiker war. Ein alter Schauspieler versicherte — wie wenige gibt es, die solche Betrachtungen angestellt haben! —, daß bis vor wenigen Jahrzehnten ein Jude außerhalb, des Charakterfaches niemals beschäftigt hätte werden können und nicht beschäftigt worden sei. Daß die Ausnahmen ganz selten gewesen sein müssen, ist auch ohne weitere Untersuchung zu merken." „Was wäre nun", fragt Schulze, „nordische Schauspielkunst? Man könnte sagen: das Grundwesen des germanischen Schauspielers ist das Wesen des an sich Haltenden, der alles, was er sagt und tut. nur soweit sagt und tut, als er es auS seiner Verhaltenheit entläßt. Seine hochtrachtende Ausdruckskunst wird Stil sein. Nordischem Wesen ist Bühnenkunst vielleicht fern, soweit sie Entblößung, hemmungslose Darstellung sein soll. Germanische Schauspielkunst wird, je echter sie ist, um so weniger „wirkungsvoll" sein. Sie Mrd oft auf Wirkung verzichten und nach innen drängen, vertiefen und verhüllen, fast bis zur Nichtmehrspürbarkeit. Dies innerliche Germanentum, immer wieder sei betont — hoch gewachsen, blond und blauäugig allein tut's freilich nicht —, dies nordische Wesen wird leicht, solange der Künstker noch ungesestigt ist. aus seiner verhaltenen Art herausgedrängt und ihm ein artfremdes Sich-Aufschließen zugemutet.. Hier müßten Verständnis und Förderung einspringen, die solche stillere Art ihren Weg zum sichtbaren Darstellen finden läßt. Was für Unheil allein allgemeine und besonders vom Judentum eingeprägte Begriffe vom „Temperament" angerichtet haben, ist unbeschreiblich." F.F. VomHekdesch zumKrankenhaus Kein Geringerer als Rudolf B i r ch o w, der nicht allein ein großer Pathologe war, sondern sich auch zeitlebens eifrig um Fragen der öffentlichen Gesundheitsfürsorge kümmerte und beispielsweise Berlins Krankenhauswesen in großzügigster Weise förderte, hatte einmal eine literarische Fehde mit einem bekannten Zeitgenossen, dem jüdischen Gelehrten David Cassel, über die Frage, ob das Judentum bereits im biblisch-talmudischen Zeitalter Krankenhäuser gekannt habe. Er verneinte die Frage. Und tatsächlich gab es in jener Zeit keine eigentlichen Krankenhauseinrichtungen — wohi aber eine Vorstufe dazu, nämlich eine Herberge in der Synagoge selbst oder in einem besonderen Anbau. Ursprünglich nur Fremdenasyl hat diese talmudische Herberge in gewissem Umfang der Krankenpflege gedient. Später — im Mittelalter — fanden in dieser Herberge, die „Hekdesch" benannt wurde, arme Durchreisende Aufnahme. Der Name sollte bedeuten, daß das Haus „heiliger Wohlfahrt" gewidmet war. Wie sich aus diesem mittelalterlichen Hekdesch im Laufe der Jahrhunderte das moderne jüdische Krankenhaus entwickelte, darüber sprach Rechtsanwalt Alexander Philippsborn vor Aerzten im Rahmen einer Vortragsreihe, die von der G e s u n d h e i t s v e r w a lt u n g der B e r l i n e r j ü d i s ch e n Gemeind e gegenwärtig veranstaltet wird. Während im christlichen Europa etwa seit 1500 das Krankenhauswesen selbständigere Formen annahm, bildeten sich bei den Juden, zum Teil unter dem bitteren Zwang der Verfolgungen und Vertreibungen, vielfach Wohlfahrtseinrichtungen oder Krankenpflegevereine — Chewra Kadischa oder Bikur cholim — für die Zwecke der Krankenversorgung. Das alte Hekdesch verschwand mehr und mehr. Wo die Juden seßhaft blieben oder wieder festen Fuß faßten, kam es nur in seltenen Fällen zur Bildung eines kleinen Spitals. Das erste — für damalige Begriffe ansehnlichere — Krankenhaus erstand 1535 in Frankfurt a. M. Ob Berlin vor der Vertreibung der Juden im Jahre 1573 ein Hekdesch gehabt hat, ist urkundlich nicht belegt, aber wahrscheinlich. Wechselvoll gestaltete sich — wie der Vortragende an zahlreichen Beispielen erläuterte — in anderen Städten das Bild der Entwicklung — überall beherrscht von einer den Zeitverhältnissen entsprechenden Primitivität, die mancherlei Mißstände zeitigte. Mit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurden die vorhandenen Anstalten zeitgemäß umgebaut und viele kleinere neu errichtet. Diese Entwicklung steht in Zusammenhang mit der Emanzipation und Assimilation der Juden und den Fortschritten ihrer Bildung. Hand in Hand damit geht die Beobachtung, daß, wo der Fortschritt mit einem Verzicht auf die eigene Kultur erkauft wurde, auch die jüdischen Krankenhäuser sich teilweise stark entkonfessionalisierten. In Berlin trat an die Stelle des in der Ora- Nienburger Straße 12 untergebrachten, 12 Krankenstuben umfassenden Lazaretts im Jahre 1861 ein größerer Komplex in der Auguststraße mit 100 Betten; neben ihm erstand 1900 eine zweite Anstalt mit 56 Betten in der Elsässer Straße. In der Auguststraße wirkte als erster Chefarzt Dr. Markus Herz, ein Lieblingsschüler Kants und Freund Mendelssohns, der Gatte der berühmten Henriette Herz. Die. Berliner Gemeinde fand auch nichts dabei, christliche Chefärzte anzustellen, so Romberg (1820—22), Büttner (1823—26), v. Gräfe (1826—39), Bardeleben (1869—71), v. Langenbeck (1871—80). Auch in Breslau soll der erste Spitalarzt bis 1767, Dr. Böhnisch, ein Christ gewesen sein. Meist betreuten die Anstalten über den engeren Kreis ihrer Insassen noch andere Stadt- und Hauskranke. Wie vielfach sonst, herrschte auch bei den Juden eine gewisse Abneigung gegen das Krankenhaus, was zum Teil mit den bereits erwähnten — früher zweifellos erheblich gewesenen — Mißständen in der Anstalt zusammenhing, und was wohl auch einer der Gründe gewesen sein mag, den Außendienst mehr und mehr auszudehnen — zum Teil in politischem Rahmen. Die Abneigung weiter Kreise war so groß, daß zeitweise knapp ein Drittel der Betten in der Auguststraße besetzt war. Einer der am Krankenhaus tätigen Aerzte, der Chirurg Behrend, beklagte sich in einer Berliner jüdischen Wochenschrift — sie hieß „Tie Gegenwart" — bitter über das mangelnde Interesse der Gemeindemitglieder. Aus der anderen Seite gab es zu ^allen Zeiten hochherzige Stifter, die durch reiche Spenden die Existenz der jüdischen Krankenhäuser sicherten. Wesentlichen Einfluß haben naturgemäß auch die Verfolgungen der Juden auf die Entwicklung des jüdischen Krankenhauswesens gehabt. So erklärt es sich Philippsborn, daß z. B. in Frankreich, Belgien und Italien kein ausgesprochen jüdisches Krankenhauswesen aufgekommen ist, während Polen, England, Holland, Amerika und neuerdings Palästina blühende Anstalten ins Leben gerufen haben. —u— Deutschland, Ortsgruppe Berlin. Sprechzeit i allen Fragen der Behinderung während der Sommei monate nur nach telephonischer Vereinbarung (6 { Tiergarten 1305) bei Hans I. Hey mann, Berli NW 87, Tile-Wardenberg-Straße 10, vorn Part. Dtto Schlesinger, der Eisenbahnattentäter von Leiferde, war, wie auf verschiedene Anfragen mitgeteilt sei, nach Feststellung des Vorsitzenden in dem Strafprozeß gegen ihn in Hildesheim, weder Jude noch jüdischer Abstammung. Sein Vater, Ernst Schlesinger, ist geborener Böhme, österreichischer Staatsangehöriger und polizeilich als katholisch gemeldet. Er war Chorsänger in Stuttgart, hieß mit seinem Theaternamen Singer und war später Theatersekretär in Bamberg. Die Mutter Otto Schlesingers ist evangelisch und stammt ebenfalls aus Böhmen. .

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