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Central-Verein-Zeitung · 1936-05-27 · 22 (27.5.1936) · p. [Seite]

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936) - farbig
Issue
22 (27.5.1936)
Date
1936-05-27
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Paradies der Milliardäre am Hudson-River» eine Eisenbahnfahrt, die Ankunft eines Schiffes, oder Beginn und Ende einer Freundschaft: immer bezwingt er durch die Fülle seiner Visionen und durch die Besessenheit, mit der er die Welt an sich reißt und zum Tönen bringt, in der Magie seiner unwiderstehlichen Wortkunst. So imponierend auch der stoffliche Reichtum des Werkes ist und der kühne Versuch, ein Jnventarium unserer Gegenwart zu geben, entscheidend ist, daß hier, wie in jedem wahrhaften Kunstwerk der Stofs durch die Form verzehrt wird. Hat dies Werk, das von der Menschheit großen und manchmal auch sehr kleinen Gegenständen handelt, für uns Juden eine besondere Bedeutung? Ich glaube, ja. Nicht deshalb, weil in dem Buche Juden in allen Spielarten Vorkommen, nicht deshalb, weil der Autor gelegentlich von der „Ueppigkeit, Farbigkeit und Humorigkeit" spricht, dre viele Juden auszeichnen, nrcht deshalb, weil Eugen Gants treuester Freund in New-Zork ein Jude ist, über dessen Art und Unart wir interessante Aussagen erhalten, nicht deshalb, weil dem Werk ein Wort aus der Bibel vorangeht, sondern deshalb, weil „Von Zeit und Strom", dies Pathetische Lied von der Erde, ein Triumphzug des Geistes ist. an den zu glauben uns aus. erlegt ist. Der Uebersetzung von Hans Schiebelhuth gebühren Respekt und Bewunderung. In wieviel Arbeitstagen und Arbeitsnächten mag er mit der nuancenreichen Sprache Wolfes gerungen haben! Seine Mühe hat sich gelohnt. Die Uebertragung trägt den Stempel der Vollendung. kaut Mayer. Dreißig Jahre nach Ibsens Tod Zum 23. Mai 1936 Die Generation über Dreißig ist heute die letzte, für die das Erlebnis Ibsens eine Bildungsmacht gewesen ist. Und man stellt fest, in welchem Ausmaße es gerade Juden waren, die seinen europäischen Ruhm mit begründet haben: der dänische Jude Georg Brandes bahnte dem Kulturkritiker den Weg, der Jude Julius Elias übersetzte ihn, gemeinsam mit Paul Schlenther, ins Deutsche, der Wiener Jude Emil Reich schuf die erste wissenschaftliche Monographie. Und vor allem stellte der jüdische Theaterdirektor und Literarhistoriker Otto B r a h m die sittlichen Forderungen des nordischen Magus in seinem Theater der Dichtung unausweichbar zur Diskussion. Neben Oskar Sauer und Rudolf Rittner, Bassermann und Marr haben zahlreiche Juden in Deutschland die Gestalten Ibsens zuerst bei Brahm verkörpert. Emanuel Reicher war Rosmer, um ihn nur in einer seiner, Hauptrollen zu nennen. Irene T r i e s ch war Rebekka West und Hedda Gabler, Nora und Irene, Ellida Wangel und Rita Allmers, bei Meinhard und Bernauer fügte sie die HjördiS in den „Helden auf Helgeland" hinzu. B a r n o w s k y ergänzte den Ibsen-Zyklus seines Vorgängers um den „Peer Gynt", den er in Morgensterns Nachdichtung bei der Eröffnung des Lesftng-Theaters zur deutschen Uraufführung brachte und ein Jahrzehnt hindurch auf dem Spielplan behielt; Jlka G r ü n i n g, die Gina Ekdal und Aline Solneß seines Ibsen-Zyklus, war Mutter Aase. Frieda Richard spielte sie danach unter Berthold Viertels Regie bei R e i n h a rd t, der in seinen Anfängen „Die Kronprätendenten" (mit sich selber als Bischof Nicolas) zur Aufführung brachte, und später in einer Meisterinszenierung „John Gabriel Borkman" mit P a l l e n b e rg als Foldal. Bei Leopold I e ß n e r war Lucie Mannheim (unter Fehling) Nora und Fritz Kortner (unter Viertel) Borkman und (unter Erich Engel) Oswald Alving. Ludwig H a r t a u war bei Meinhard und Bernauer Hjalmar Ekdal — Maria Orska die Hedwig — und Ejlert Löwborg. Erwähnt sei ferner Leopold »Jeßners Königsberger Aufführung der „Frau Inger auf Oestrot" mit Rosa B e r t e n s in der Titelrolle und vor allem der beharrliche Dienst Gustav Lindemanns vom Wanderensemble bis zum Düsseldorfer Schauspielhaus mit seiner wegweisenden Aufführung von „Kaiser und Galiläer". Seine (nicht jüdische) Gattin Luise Dumont hat sich nicht nur als Bühnenkünstlerin und -leiterin, sondern auch als glühende Meisterin des geschriebenen und gesprochenen Wortes für das sortzeugende Ethos der Ibsen-Frauen eingesetzt. Die dichterischen Schönheiten Henrik JbsenS leben heute unvermindert im Buch, die mystische Musik seiner Dialoge und die fugische Kunst seines Szenenbaus gilt es einem neuen Geschlecht zu vermachen. Auch unter veränderten Verhältnissen spricht zu uns die von Peer Gynt nicht erfüllte Forderung, du selbst zu sein, Ellidas unter Frei« Universalität und Humanität Die biographische Darstellung einer großen Persönlichkeit hat zwei Wurzeln: Die umfassende Kenntnis aller dieses Leben und seine nach außen wirkenden Funktionen charakterisierenden Einzelvorgänge, ihre allgemein- und geistesgeschichtlichen Voraussetzungen, Abhängigkeiten und Bedingungen — und die künstlerische Fähigkeit, in den Rahmen des so erworbenen Materials das einmalige Leben mit seinen seelischen Spannungen, seinen Wünschen und Zielen, seiner oft nur geahnten tiefsten Sehnsucht zu stellen. Das Reizvolle, Ergreifende und den Leser im Tiefsten Erfassende einer solchen zeitbedingten und psychologisch unterbauten Biographie liegt in der Einheit und in der harmonischen Verbindung. von wissenschaftlicher Erkenntnis und künstlerischer Einfühlung. Agnes v. Z a h n - Harnacks für ihren Vater liebevoll errichtetes Denkmal („Adolf v. Harnack". Hans Bott Verlag, Berlin 193 6) erfüllt diese Voraussetzungen nach jeder Richtung. Was einen an dem so unendlich reichen Leben Harnacks, reich an Ehren, Wirkung nach außen, reich aber auch an innerer, die Menschen fesselnder und begeisternder Kraft, beim ersten Blick vielleicht am meisten erstaunen läßt, das ist die bis zur Unwahrscheinlichkeit gesteigerte Unermüdlich, keit und der Fleiß eines Mannes, der nicht nur seine umfassende Lehrtätigkeit ausübte und aus seinen Schultern die Präsidentenämter der Akademie der Wissenschaften und der Kaiser-Wilhelms- Gesellschaft trug, als Generaldirektor die Preußischeu Staatsbibliotheken verwaltete, Wissenschaftliche Kommissionen leitete und förderte, sondern dessen eigentliches Lebenswerk in der Fülle der wissenschaftlichen Werke, Aufsätze, Reden, Rezensionen niedergelegt ist, von dessen zahlenmäßigem Inhalt uns das rund 1500 Veröffentlichungen umfassende bibliographische Verzeichnis einen Einblick vermittelt. Harnacks ursprüngliches und eigentliches Arbeitsgebiet war die Kirchengeschichte, und in dem halben Jahrhundert seines wissenschaftlichen Wirkens ist sie nach seinem eigenen Urteil be- Die Kleine wollte den Greis mit Gewalt in den Kreis der die Pagode Umschreitenden hineinziehen, doch er blieb der Prozession fern. Die Erwachsenen schwangen ein Instrument, Kinderklappern nicht unähnlich, hin und her und schienen dadurch ihrer Freude über irgend etwas Ausdruck zu verleihen. „Ta hsi", riesen sie laut dazwischen. Flowerbrink lachte: „Die Sippe des Bauern Fong hat allen Grund, „Heil und Segen" zu schreien. Fu, der Karawanenführer, hat mir verraten, daß Fong, der 13 Jahre in kinderloser Ehe gelebt hat, vor einigen Tagen glücklicher Vater von Drillingsbuben geworden ist. Wissen Sie, was drei Söhne in diesem Lande bedeuten? Hören Sie für kurze Zeit auf, „taubstumm" zu sein und unterhalten Sie sich ungeniert mit mir, damit Ihr Schnabel nicht ganz einrostet!" Senta wollte zum Sprechen ansetzen, aber sie konnte den Blick nicht von dem alten Bauern lösen, der sie ebenfalls wie hypnotisiert anstarrte. Ein Sonnenstrahl spielte aus dem hellen Gold des Davidssterns, den Senta wie gewöhnlich um den Hals trug, und ließ ihn blitzend aufleuchten. Da machte der Greis sich von dem Kind los. Und während es schleunigst unter die Schar der die Pagode mit den Kräckern umkreisenden, lärmenden Sippe sprang, beugte er sich tief vor Senta und sprach ein Wort aus, das sie und Rex gleichzeitig Iusammenfahren ließ: „Jiddin?" fragte er mit zitternder Stimme. Mit der dunkelbraunen, ab gearbeiteten Hand wies er, wie zur Erklärung seiner Frage, auf den Magen Dabid. Als Senta vor freudiger Ueberraschung nicht gleich antwortete, wandte sich der Alte in Piggin-Englisch an ihren Begleiter: „Ist deine tai-tai Jüdin?" erkundigte er sich lebhaft, „und bist du auch Jude? Schema beni, wie lange hat Lung dies heilige Zeichen nicht mehr gesehen!" Dann fingerte er zittrig in seiner blauen Leinenjacke herum, brachte gleich darauf einen abgegriffenen Tefillinbeutel zum Vorschein und zeigte Rex die schwarzen, rissig gewordenen Gebetriemen, wobei er immer wieder nach dem Magen David am Hals der Fremden blickte. Der junge Engländer hatte sofort die Verständigung mit dem Greis versucht. Aber im Nu verschwand jede Klarheit aus dessen dunklen Augen. Die lleine Enkelin kam lustig springend von der Prozession der Angehörigen der Familie Fong herbei und reichte dem alten Mann gleichfalls einen Kräcker. Nun klapperte auch er damit, beteiligte sich urplötzlich an den Gesängen der andern und schenkte den Fremden keinen Blick mehr. „Wahrscheinlich fürchtet er sich vor irgendetwas, wenn er nicht mittut", meinte Senta beklommen. „Mr. Flowerbrink, bitte, lassen Sie uns alles tun, um aus ihm herauszubringen, was er über die Juden in Lan-tschou weiß." Doch alle Versuche verliefen ergebnislos. Drei Tage lang blieben die Reisenden in dem erbärmlichen Ausspann von Wangling-ho, an der Straße nach Lan-tschou. Die Familie des seltsamen jüdischen Bauern war bald ermittelt. Es waren Enkel und Urenkel, bei denen er hochgeehrt lebte. Doch davon, daß er Jude war, wußte niemand etwas, ja, sie ahnten nicht einmal, was dieser Begriff überhaupt bedeutete. Sie wußten nur, daß sich der erhabene, fast hundertjährige Greis jeden Morgen die seltsamen Lederriemen um den linken Arm und die Stirn band. Dazu sprach er fremdklingende Worte, wenn er sich während dieser Handlung immer nach einer bestimmten Richtung hin verneigte. Einer der Enkel, der in der Hauptstadt die Kunst des Schreibens erlernt hatte, holte das Papier, aus dem er mitgeschrieben hatte, was der Greis an fremden Worten kannte, die niemand zu deuten vermochte. Senta, durch das Ereignis im Innersten aufgewühlt, hörte ergriffen Anklänge an die altvertrauten Worte der heiligen Sprache, die der Chinese mit sonderbarer Betonung von seinem Papier abheit getroffenes verantwortliches Wählen, das Adelsmenschentum Johannes Rosmers, Helene Alvings Ruf, die Gespenster des Gestern zu überwinden, und das getäuschte Harren auf das Wunderbare der Nora, die ja keine „Emanzipierte" ist, sondern eine Frau, welche die Achtung des Mitmenschen bei ihrem nächsten Wesen fordert. In einer politischen Zeit erstehen uns die „Kronprätendenten" neu als Charakterologie der Macht, und in einer Zeit des fordernden Lebens lesen wir die Warnungen Rubeks und des von der Sonne betrogenen Julian, der die Entwicklung der Geschichte, zurückschrauben will, mit „gewandeltem Auge". Wir verstehen heute, warum die Anziehungskraft, die Ibsens dramatischer Kosmos auf uns Juden ausüben mußte, so groß war: die alttestamentarische Strenge des von Kierkegaard beeinflußten „Brand", die Diesseitsmysterien des Lebens, die der Art unserer Diesseitsreligion ent. sprechen, und der Glaube an die jederzeit mögliche Umkehr des Menschen zu göttlichem Tun, die jüdischer Ethik gemäß ist. vr. Lutz Weltmann. stimmend und wegweisend für seine gesamte Gelehrtenarbeit geworden. Aber von diesem Teilgebiet der Theologie ausgehend umfaßte er bald die gesamte christliche Religionswissenschaft in ihren geschichtlichen Grundlagen. Agnes v. Zahn-Harnack konnte und wollte nicht die Bedeutung ihres Vaters für die Theologie „in ihren Einzelheiten und Einzelleistungen aufzeigen, so wenig wie ein einfaches Nebeneinander im Ablaufe seines fast 80jährigen Lebens. Es galt vielmehr Harnacks Persönlichkeit in ihrem zeitgeschichtlichen Rahmen zu schildern". Indem sich aber die Verfasserin trotz der ungeheuren Fülle des Stoffes bewußt beschränkte, zeigte sie sich als Meisterin. In fesselnder Darstellung rollt das geistige, politische, soziale Geschehen einer mit tausendfachen Spannungen geladenen Zeit am Auge des Lesers vorüber, im Mittelpunkt aber steht leitend, richtend, betrachtend, oft auch warnend die Gestalt eines Mannes, dessen geistiges Feld in jahrzehntelanger Arbeit und Lebenserfahrung die Welt des Geistes überhaupt geworden war. Harnacks Forschungen gingen von dem Gnostiker Marcion aus, dem Verkünder der Lehre vom „Guten Gott" und dem „Gerechten Gott", dem Feinde des Judentums und seines Gesetzes. Diesem Kirchenlehrer hat Harnack 50 Jahre nach seinen ersten Untersuchungen noch eine besondere Arbeit gewidmet. Man wird an diesen wissenschaftlichen Ausgangs- und Endpunkt erinnert, wenn man feine Stellung zum Alten Testament und zum Judentum in der Zeit des Auftretens Christi, seine Auffassung von der „Ueberwindung des Judentums" durch diesen betrachtet. Aus der Art, wie Harnack das Wesen des Christentums sah, aus. der Art der Darstellung seines Bildes von der geschichtlichen Persönlichkeit feines- Gründers, aus dem sich daraus ergebenden Bruch mit Ueberlieferung und Herkommen, mußten sich heftige und scharfe Angriffe aus den Reihen der Theologen ergeben. Davon gibt das Buch ein anschauliches und trotz ruhiger und abwägender Objektivität erregendes Bild. las, und bat es sich aus. Beglückt, daß: „die holde Jungfrau, die blühendste unter allen Persimonenblüten, die Hände besaß, wie Zwiebelsprofsen, das dürftige Geschreibsel eines überaus Unwissenden annehmen wollte," reichte er es ihr. Rex konnte einige von den hebräisch-chinesischen Worten entziffern, das übrige besorgte der Jünger der Schreibkunst für ihn. Der Gottesname stand da geschrieben, und noch ein Paar andere hebräische Worte, aber ohne Verbindung, fast sinnlos aneinander gereiht. Rex Flowerbrink, der aus frommem Hause stammte, belauschte den Alten am Morgen des dritten Tages beim Anlegen der Gebetriemen. Das führte der Chinese mit beachtlicher Genauigkeit aus, aber die Worte, die er dazu herunterschnurrte, waren ein Gemisch aus hebräisch-jiddisch-chinesischen Brocken. Dem Gebet fehlte jede Eindringlichkeit, weil es eben nichts weiter war, als zusammenhangloses Gestammel von Worten. Bevor Senta Hartmann mit Rex Flowerbrink weiterreiste, suchte sie den Greis Lung noch einmal auf. Sie hatte sich von Rex genau notieren lassen, wie sie den Alten fragen mußte, wenn sie erfahren wollte, ob es in Lan-tschou die jüdische Gemeinde gegeben habe, der er angehört hatte. Aber er kicherte nur in fast gehässiger Weise und murmelte: „Was weiß ich? Maski — das macht ggx nichts!" Dann stieß er blitzschnell das Wort „Hoangho" hervor und wandte Senta den Rücken. Durch nichts mehr war er aus seiner Ruhe zu bringen. Niedergedrückt über ihren Mißerfolg trat sie wieder vor die Hütte, wo Rex sie erwartete. Eine halbe Stunde später ritten sie weiter. Das Erlebnis mit dem jüdischen Bauern war nicht danach angetan, Sentas Hoffnung, bald in den Besitz der Tora zu gelangen, zu steigern. Auch Rex Flowerbrink konnte sich auf den Namen des Ortes, in dem sich, soviel er sich erinnerte, die Ueberreste einer uralten Synagoge, der einzigen Chinas, befanden. Aber auch die jüdische Wissenschaft durfte zu vielem, was Harnack als geschichtlich erwiesenes Faktum lehren zu müssen glaubte, nicht schweigen. Der Vorwurf, den er in seinen Vorlesungen gegen die Rabbinen und jüdischen Theologen glaubte erheben zu müssen, daß sie ein im Gegensatz zur geschichtlichen Wahrheit stehendes Judentum „destilliert" hätten, rief jüdische Gelehrte wie Baeck, Eschelbacher, Perles, Schreiner u. a. auf den wissenschaftlichen Kampfplatz. Daß bei diesem Streit um Erkenntnisse, soweit sie nicht Glaubenssondern Geschichtswahrheiten sind, die Fragestellung: Apologetik oder objektive Forschung im Mittelpunkt stand, sei hier nur vermerkt. Aber es mag zur Kenntnis der Form, in der damals diese in der Sache scharfe Auseinandersetzung geführt wurde, ein Satz aus Baecks Schrift angeführt werden: „Was über allgemein religiöse Fragen, über das Verhältnis von Religion und Arbeit, von Religion und Wissenschaft gesagt wird, ist so wahr und so schön, daß man immer wieder wünscht, Herr Harnack möchte seine Verehrer mit einer Schrift über „das Wesen der Religion" beschenken." Es ist ein deutlich sich abzeichnender Weg, der in der universalgeschichtlichen Entwicklung der letzten 250 Jahre von Leibniz über Wilhelm v. Humboldt zu Adolf v. Harnack führt. Universalität des Wissens und Humanität der Gesinnung waren die Grundlagen für die Wirkung, die von ihm ausging. Es war bezeichnend für ihn, der tief in seinem protestantischen Christentum wurzelte, daß er einmal Lessings Parabel von den drei Ringen dahin glaubte deuten zu sollen, daß alle drei Ringe echt seien, nur jedem sei seiner der liebste. Daß die großen Kräfteströme, die von der Persönlichkeit Harnacks ausgingen, der Leser noch einmal an sich Vorüberrauschen steht und hört, das ist der große und reiche Gewinn aus diesem Buch. vr. E. Fr—1. Kunstnachrichten In München verstarb der Teilhaber der Firma Hugo Helbing, Theodor N e u st ä t t e r. Er war seit über 30 Jahren im Kunsthandel tätig und besonders als Leiter von Versteigerungen in weiten Kreisen bekannt, die er in München, Berlin, Frankfurt, Zürich, Luzern usw. durchführte. In der „Neuen Freien Presse", Wien, veröffentlicht der österreichische Maler und Graphiker Armin H o r o v i tz Erinnerungen an seinen Vater Leopold Horovitz unter dem Titel „Leopold Horovitz, ein Porträtist der Franz-Josephs-Zeit". Darin wird ein lebensvolles Bild einer abgeschlossenen Kunstepoche lebendig. Horovitz malte bekanntlich das Porträt der Kaiserin Elisabeth und der Fürstin Sapieha, der Gräfin Potocka, vieler Wiener Schauspieler und nicht zuletzt das Bildnis von Johann Strauß. Der Maler Eugen Spiro veranstaltet in der Amsterdamer Kunsthandlung Fetter eine große Ausstellung seiner Werke, die in der holländischen Presse großen Anklang findet. Es sind vor allem Bilder, die in der letzten Zeit entstanden sind, hauptsächlich Porträts junger Frauen. Auch Landschaften sind ausgestellt, südfranzösische Motive uno Ausschnitte aus der spanischen Künstlerkolonie Tossa. In Zürich veranstaltet die Galerie Aktuaryus eine Ausstellung von Bildern des Malers Arthur S e g a l. Es werden 30 Gemälde gezeigt, die in Mallorca entstanden sind. Der Berliner Maler Henry Happ, bekannt durch eine Ausstellung im Jüdischen Museum, arbeitet jetzt in London als Bilderrestaurator. nicht deutlich besinnen. Einzelne Silben schwirrten ihm durch den Kopf, ohne daß sie sich zu einem Ganzen zusammenfügen wollten. Es blieb nur die Aussicht, daß Senta in Lantschou durch Wan-Euls Verlobten, den Getreidehändler Liu, Näheres in Erfahrung brachte. Im Bezirk des Hoang-ho aber, des Gelben Flusses, den der Mann von Wang-ling-ho genannt hatte, liegt die Stadt Kai-fong-fu. Ihr strebte Juan Liborra mit allen Mitteln modernster Reisetechnik zu. 12. In einem erregten Streit saß der hochehrwürdige Schammes Lin mit feinem ältesten Sohn in dem Raum zusammen, den der „erhabene Greis", der im Gegensatz zu seinem Sohn Ngi noch die Kleidung seiner Vorfahren bevorzugte, sein „Studierzimmer" nannte. Das Gemach, mit seinen funkelnden Rotlackmöbeln, deutete aus den ersten Blick einigen Wohlstand an. Aber seitdem die jüdische Gemeinde von Kai-song-fu sich aufgelöst hatte, zehrte Lins Familie von den kümmerlichen Resten einstigen Besitzes. Es war wieder einmal die Rede von Bernhard Ufebecks Testament und dem Unglück, das Ngis Familie betroffen hatte. „Habe ich dir nicht immer gesagt", ereiferte sich der Alte, „die Strafe unseres einzigen Gottes wird nicht ausbleiben? Habe ich dich nicht immer wieder ermahnt, dem jüdischen Glauben treu zu bleiben, in dem du ausgewachsen bist?" Schuldbewußt senkte der Sohn den Kops. Doch Lin fuhr fort und geriet dabei in immer größere Erregung. „Was ist dein ,Gott der Wohlhabenheit' gegen den einen einzigen Etunoi? Mißratener Sohn, der zu anderen Göttern zu beten wagt! Du, du allein hast es auf dem Gewissen, wenn ich meinem ehrwürdigen Freund Usebeck — das Andenken des Gerechten sei zum Segen! —das Versprechen, das ich ihm auf dem Totenbett gegeben habe, nicht habe halten können!" (Fortsetzung folgt.)

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