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Central-Verein-Zeitung · 1936-04-02 · 14 (2.4.1936) · p. [Seite]

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936) - farbig
Issue
14 (2.4.1936)
Date
1936-04-02
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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Mitteiafrika Die Zerstreuung der Juden über die Erde (XXXI) Im Süden von Aegypten, da, wo die Sahara aufhört, beginnt' der englisch-ägyptische Sudan. Das Land, der Fläche nach sechsmal so groß wie Deutschland, hat nur eine einzige bekannte jüdische Gemeinschaft, nämlich in der Stadt Khartum. Das ist eine Großstadt von rund 150 000 Einwohnern, die überwiegend Neger und Araber sind, an der Stelle errichtet, wo der Blaue und der Weiße Nil zusammenfkießen. Ueber die Tatsache hinaus, daß dort Juden leben, ist nichts näheres bekannt, auch nicht eine annähernde Angabe über ihre Zahl. Zwischen den englisch-ägyptischen Sudan und das Rote Meer schiebt sich E r y t h r ä a. Für diese italienische Kolonie liegt eine amtliche Statistik vor, nach der in der Hauptstadt A 8 - m a r a, die inmitten des Kolonialgebietes liegt, 200 jüdische Menschen leben; es sind zumeist j e - m e n i t i s ch e Juden, die von der großen ararutfw «*c bischen Halbinsel jenseits des Roten Meeres herübergekommen sind. Das Gebiet zwischen Erythräa und dem ägyptischen Sudan ist das für das Weltgeschehen so bedeutsame Abessinien, dessen Grenze ungefähr 400 Kilometer von der sudanesischen Hauptstadt Khartum entfernt liegt. Abessinien*) hat zahlenmäßig die größte jüdische Gemeinschaft aller mittelafrikanischen politischen Einheiten. Seine jüdische Bevölkerung führt den Namen Falaschas, über ihre Zahl gibt es jedoch nur Schätzungen. Diese geschätzten Angaben liegen außerordentlich weit auseinander. In den letzten Jahrzehnten rechnete man ziemlich einheitlich mit einer Größenordnung von etwa 50 000 Abessiniern jüdischen Glaubens. Ein junger abessinischer Jude, der noch unlängst in Deutschland studierte, berichtete von 200 000 Falaschas, der Vertreter Abessiniens im Völkerbund nannte im Herbst 1935 sogar eine Zahl von 300 000 Juden in Abessinien für die Gegenwart. Diese letzten beiden Zahlen sind jedoch mit Recht angezweifelt worden. Auch wenn man von einer großen Fruchtbarkeit eingeborener Stämme ausgeht, wird man kaum mit einer höheren Zahl als 75 000 bis 100 000 Juden in Abessinien rechnen dürfen, also im Höchstfälle mit etwa 1 Prozent der etwa 10 Millionen starken Bevölkerung des großen mittel-ostafrikanischen Kaiserreiches. Südlich stößt an Abessinien das englische Gebiet Kenya. In dieser Kolonie leben nach einer vorliegenden Schätzung etwa 100 Juden. Eine geschlossene Gemeinde besteht in der Hauptstadt Nairobi, dem Sitz der englischen Kolonialverwaltung. Die Mitglicderzähl der jüdischen Gemeinde dieser Stadt ist nicht bekannt. Die Gemeinde ist 1904 gegründet worden, einzelne Namen von Funktionären der jüdischen religiösen Verwaltung deuten jedoch auf a s ch k e n a s i s ch e A b st a m m u n g der Mehrheit hin. Oestlich an Kenya grenzt Uganda, ein englisches Schutzgebiet, das von der jüdischen Soziographie deshalb zu registrieren ist, weil die englische Regierung Anfang dieses Jahrhunderts dieses Territorium für eine jüdische Siedlung zur Verfügung stellen wollte, ein Projekt, das sich jedoch nicht verwirklichen ließ. Nach Berichten des Hilfsvereins der Juden in Deutschland sind nach den Ereignissen des Jahres 1933 Auswanderer aus Deutschland nach Uganda gegangen, so daß auch in diesem Lande, in unmittelbarer Nähe des Aequators, allmählich . jüdische Siedlungen im Entstehen begriffen sind. Westlich reiht sich an Uganda Belgisch- Kongo, ein Kolonialgebict, dessen Fläche fünfmal größer als die des Deutschen Reiches ist. In der größten Stadt, in E l i z a b e t h v i l l e, besteht eine jüdische Gemeinde, auch außerhalb der Stadt, in der unendlichen Dürre der Ebene, leben einige wenige jüdische Familien in Kongo. Nach der dortigen amtlichen Statistik beträgt die Gesamtzahl der Juden gegenwärtig etwa 200 Menschen. 1923 hat ihre Zahl 177 betragen. Zuwachs und Zuwanderung ist also spärlich. Südlich an Belgisch-Kongo stößt Angola, eine portugiesische Kolonie, die ebenfalls einmal, und zwar in den Jahren vor Beginn des Großen Krieges, im Blickfeld des jüdischen Siedlungswesens stand. Die Zahl der heute in Angola lebenden Juden wird für die Zeit unmittelbar nach Beendigung des Krieges auf etwa 100 angegeben. In den allerletzten Jahren haben einzelne jüdische Familien erneut Fuß fassen können, der jüdische Volkssplitter hat sich dort also ein wenig vergrößert. Mit diesen Angaben ist das jüdisch-statistische Material über die riesenhaften Länderflächen Mittelafrikas erschöpft. Es sind sehr wenige Zahlen, die bekannt sind, aber noch lückenhafter ist die Kenntnis des kulturellen und. materiellen Standards der jüdischen Menschen inmitten des afrikanischen Erdteiles, der für Europäer überhaupt nur beschränkte Lebensmöglichkeiten bietet, noch dazu innerhalb einer so quantitativ tausendfach überlegenen Umwelt Eingeborener. Aber es müssen körperlich und seelisch starke, widerstandsfähige jüdische Menschen sein, die in diesem europafremden Klima arbeiten können; ihr Glaube muß tief in ihrem Innern eingewurzelt sein, wenn sie auch zu ihrem Teil jüdisches Gemeinschaftsleben in eine unbegrenzte Zukunft hinüberretten — trotz der weltfernen Abgeschlossenheit ihres Lebens. Dr. E. R—z. *) In der , C.-V.-Zeitung' ist in Nr. 44 deS Jahrgangs 1935 ein Aufsatz erschienen, in dem alle wissenswerten Einzelheiten über die Juden in Abessinien zusammengefaßt sind. Des weiteren sei hierzu auf die Zeitschrift „Der Margen", Doppelnummer vom September/Oktober 1935, Nr. 6/7 des 11. Jahrgangs, hingewiesen. 3X3 Buchstaben Internationale jüdische Organisationen Von Dr. Hans Kalisch (Berlin) Das Aufgehen der neueren Zeit hat für die Judenheit einen gewaltigen Umbruch mit sich gebracht. Die von der Vergangenheit erzwungene oder überkommene schiefe soziale Schichtung drängt gewaltig nach einem Ausgleich. Die Verschiebung der räumlichen Verteilung ist in einem Tempo und einem Ausmaß vor sich gegangen, die eine Art von Völkerwanderung darstellt. Die Probleme der Schichtung und der Berührung mit der andersgläubigen Umwelt begleiten den Juden aus der alten in die neue Heimat. Dazu die Fragen, die mit der Besinnung aus die eigene Wesensart verbunden sind, — wie Dissimilation und Zionismus. Nationale und soziale Fragen, die die gesamte Judenheit angehen, sind in reichster Fülle vorhanden. Die Vergangenheit war geneigt, wo sich Schäden allzu. deutlich aufdrängten, Humanitär und charitativ zu Helsen. Das lief darauf hinaus, in einer Zahl von Einzelfällen einzugreifen. Seit langem hat man gelernt, daß das nicht ausreicht, daß ziel- OSE, TOZ and ORT OSE, TOZ'unb ORT sind Bezeichnungen, die dem westeuropäischen Juden nicht so viel sagen, wie den jüdischen Massen des Ostens. Für diese sind sie ein Begriff. Es gibt viele jüdische Organisationen, die Hilfs- und Aufbauwerk leisten. Die Besonderheit bewußte, organisatorische Arbeit erforderlich ist, wenn man sozialen und völkerpsychologischen Erscheinungen gerecht werden will. Sozialer Not muß die Quelle abgegraben, latente Kräfte müssen gestärkt, wirtschaftliche und geistige Hilfs- und Aufbauarbeit muß geleistet werden, um eine innerlich gesunde und gefestigte Judenheit wiederherzustellen und zu erhalten. Das erfordert nicht nur unmittelbare Arbeit auf den verschiedensten sozialen und geistigen Gebieten, sondern vor allem auch eine planmäßige Aufbringung der dazu erforderlichen materiellen Mittel. So ist es gekommen, daß sich im Laufe der letzten Jahrzehnte eine große Anzahl von Organisationen für die verschiedenen Einzelgebiete gebildet haben, die einerseits selbständig ihren Ausgaben nachgehen, andererseits aber einander ergänzen. Im folgenden soll versucht werden, die wichtigsten derartigen Organisationen zu - schildern. von OSE, TOZ und ORT liegt darin, daß sie mit der Arbeit keiner sonstigen Organisation konkurrieren, sondern für jegliche Arbeit die notwendigen Vorbedingungen zu schaffen Helsen. Es ist überflüssig, über die soziale Notlage. der jüdischen Massen des Ostens Einzelheiten vorzusühren. Sozial einseitig und, wie wir heute wissen, falsch, d. h. ungünstig geschichtet, durch die räumliche Zusammenballung in den Städten und durch Verarmung gesundheitlich gefährdet, müssen diese Massen, um den Lebenskampf, sei es in der alten Heimat, sei es in einer neuen, bestehen zu können, hygienisch betreut und beruslich umgeschichtet werden. Zunächst gilt es, den Menschen gesund und arbeitsfähig zu machen, unv dann ihm eine passende berufliche Betätigung zu schaffen. Diesen Ausgaben dienen OSE, TOZ und ORT. OSE und ORT geben die Anfangsbuchstaben der ursprünglichen russischen Namen wieder, TOZ entspricht den Anfangsbuchstaben der polnischen Bezeichnung für OSE. Eine Anzahl von Aerzten und führenden Persönlichkeiten gründete 1912 in Petersburg die „Gesellschaft zum Schuh der Gesundheit der jüdischen Bevölkerung" (OSE). Ihre Ziele waren: 1. Wissenschaftliche Erforschung des physischen und psychischen Zustandes; 2. hygienische Aufklärung: 3. Einwirkung auf staatliche Behörden, jüdische gesellschaftliche Organisationen und auf die jüdische Bevölkerung selbst zur Ergreifung von Maßnahmen zur physischen Sanierung der Juden, insbesondere der Hera n wach senden Jugend. Richtunggebend war dabei der Gedanke, die breiten jüdischen Massen zum Eigendienst ihrer Gesundheit zu erziehen. Das bereits weit gediehene Werk wurde durch den Weltkrieg vor andere Aufgaben gestellt, die Fortsetzung im russischen Stammlande unmöglich. Gedanke und Name sind aber lebendig geblieben. Seit August 1923 besteht ein 08E-Verband, zusammengesetzt aus den 08E-Gesellschaften, die in den verschiedenen Ländern entstanden sind. Sitz des Verbandes war zunächst Berlin, jetzt befindet sich die Zentrale in Paris. Organisationen bestehen in Polen (dort mit dem Namen TOZ), Litauen, Lettland, Rumänien, Danzig, Deutschland, Ungarn, Frankreich und den Vereinigten S ta a t e n. OSE (TOZ) begleitet das Leben des jüdischen Menschen mit hygienischer Fürsorge. Ehe- und Schwangerschaftsberatung, Säuglingsfürsorge, Sorge für das Kleinkind (dieser Teil der Arbeit steckt noch in den Anfängen), Schulhygiene, Schulspeisungen, Ferienkolonien, zahnärztliche Fürsorge, Milchküchen, Verteilung von Zukost für Säuglinge, Höhensonnestationen zur Bekämpfung der Rachitis und dergleichen sind eingerichtet und werden neu eingerichtet, wo die Mittel dazu ausreichen. Die Tuberkulosebekämpfung, die wegen des Umfangs der Aufgabe grundsätzlich dem Staate überlassen bleiben muß, wird unterstützt. - Daneben läuft eine großzügige hygienische Aufklärung durch Flugblätter und illustrierte Hefte, beispielsweise das Heft „Mämme un Kind", das, unterstützt durch lehrreiche Bilder, die junge Mutter zur richtigen Säuglingsbehandlung anleitet, oder das farbige Flugblatt „Vor Kinder zum Gedenken", das die zehn Gebote für das Kind von der Zahnbürste bis zum Füßeabtreten enthält. Diese Literatur ist in Hunderttausenden von Exemplaren unter den jüdischen Massen des Ostens verbreitet worden. Der Gesundheitsdienst von OSE und TOZ umfaßt zurzeit in Osteuropa etwa 400 verschiedene Stellen. Darunter 15 Beratungsstellen für Schwangere, 31 Beratungsstellen für Säuglinge und stillende Mütter, über 90 schulmedizinische Stationen, 76 Ferienkolonien, 13 Tuberkulosefürsorgestellen, 9 Spitäler und Entbindungsheime. In besonderen Kursen werden Krankenschwestern ausgebildet. In Litauen ist der OSE die schulhygienische Fürsorge offiziell von der Negierung übertragen. Dort besteht auch in Kaunas (Kowno) ein vorbildliches Gesundheitshaus. In Polen versorgt die TOZ in ähnlicher Weise die. jüdische Bevölkerung. Hier spielt die Speisung bedürftiger Schulkinder eine erhebliche Rolle. Die OSE hat die Kenntnisse und Verbindungen, diesie im Ausländ hat, der Reichsvertretung der Deutschen Juden zur Verfügung gestellt und damit in zahlreichen Fällen Hilfe leisten können. Suchen OSE und TOZ den jüdischen Menschen gesundheitlich so hinzustellen, daß er arbeiten kann, so sucht ORT ihm zu Helsen, die richtige Arbeit zu finden. 1880 wurde in Petersburg durch S. P o l j a - k o s f und Baron H. G.ü n z b u r g die „G e s e l l - schaft zur Förderung der Landwirtschaft und des Handwerks unter den Juden" gegründet. Nachdem der Weltkrieg die ursprüngliche Tätigkeit eingeschränkt hatte, wurde 1921 in Westeuropa der ORT-Verband mit dem Sitz in Berlin gegründet, der in Polen, Litauen, Lettland, Deutschland, Frankreich, Eügland, den Vereinigten Staaten und Südafrika Landesverbände besitzt. Das Ziel des Verbandes ist durch Zurücksührung zur Landwirtschaft und Förderung handwerklicher Ausbildung die berufliche Schichtung der Juden von der durch die Geschichte bedingten Einseitigkeit loszulösen. Diesem Ziel dienen: Anstalten für fachliche Ausbildung für Handwerker und Techniker, Lehrgüter für landwirtschaftliche Ausbildung, sowie die kreditweise Versorgung jüdischer Handwerker mit Produktionsmitteln. Einen nicht geringen Raum nimmt auch die Organisierung der produktiven V e r w a n d t e n h i l f e ein, d. h. die Heranziehung günstig gestellter Verwandter in den Einwanderungsländern zur Gewährung von Hilfe für die berufliche Ausrüstung der im Heimatlande Zurückgebliebenen. In Wilna besitzt der ORT ein T e ch n i k u m, das einzige jüdische Technikum in Osteuropa, während in Kaunas das „Haus der jüdischen A r b e i t", eine große Handwerker-Mittelschule, errichtet worden ist. Zahlreich sind die Fachschulen und Lehrwerkstätten, sowie die zur Fortbildung eingerichteten Tages- und Abendkurse. Von dem Umfang der Arbeit des ORT gewinnt man eine Vorstellung, wenn man hört, daß 1934/35 in Polen, Rumänien, Litauen, Lettland und Frankreich 43 neue Institutionen für fachliche Ausbildung entstanden und in Polen und Rußland zur Heranführung von Juden an die industrielle Tätigkeit 20 neue Werkstätten gegründet worden sind. Die Zahl der vom ORT in Osteuropa der Landwirtschaft zugeführten Juden ist bereits sechsstellig. In den letzten Jahren hat sich der ORT auch der Umschichtung der Juden i n D e u t s ch l a n d angenommen. In den osteuropäischen Ausbildungsstätten wird aus Deutschland stammende Jugend in Svnderkursen landwirtschaftlich und handwerklich ausgebildet. Eine Anzahl von Juden aus Deutschland ist bereits in Südfrankreich landwirtschastlich angesiedelt. Die Mittel für die umfangreiche Tätigkeit von . OSE, TOZ und ORT fließen aus verschiedenen Quellen. Ein Teil wird von der Bevölkerung der Länder, in denen gearbeitet wird, selbst ausgebracht, da-, durch kommt der Gesichtspunkt des Eigenschutzes zur Geltung. Weitere Mittel kommen aus den Ländern, deren Judenschaft in der Lage ist, für die Juden weniger begünstigter Länder Mittel aufzubringen. Hinzu tritt der Zuschuß, den die großen jüdischen Hilfsorganisationen aufbringen. (Wird fortgesetzt.) Die Arbeit des Hilfs Vereins 1935 Der Hilfsverein der Juden in Deutschland übermittelt uns eine Darstellung seiner Arbeit im Jahre 1935, die eine instruktive Ergänzung der Zahlen und Tatsachen ermöglicht, die wir kürzlich in „Hilfe und Aufbau" mitgeteilt haben, aus der wir folgendes entnehmen: Während in den Monaten Januar bis Juli sich der Nettobetrag der vom Hilfsverein gewährten Auswandererunterstützungen monatlich zwischen 9000 und 20 000 NM bewegte, stieg er dann in den folgenden Monaten außerordentlich an, um im Dezember eine Summe von über 70 000 NM zu erreichen. Als Haupteinwanderungsgebiete stellten sich im Jahre 1935 noch mehr als früher die großen überseeischen Länder heraus, insbesondere die Vereinigten Staaten, die ABC-Staaten Südamerikas (Argentinien, Brasilien und in geringerem Grade auch Chile) und in sehr bedeutendem Maße auch Südafrika. Dagegen wurde die Zuwanderung nach europäischen Ländern im Lause des Jahres immer schwieriger und fand auch aus. grundsätzlichen Erwägungen heraus nicht die gleiche Förderung wie die nach Uebersee. Eine zuverlässige Statistik über die jüdische Auswanderung aus Deutschland 1935 ist leider zurzeit nicht möglich, doch geben die folgenden Zahlen, die freilich nur die vom Hilfsverein finanziell unterstützten Personen umfassen, gewisse Anhaltspunkte für die geographische Verteilung der Auswanderung. Die sehr zahlreichen Fälle, in denen Auswanderungswillige sich vom Hilfsverein nur beraten lassen und dann die Auswanderung selbst vollziehen, sind in den folgenden Angaben nicht enthalten: Nach mropäischen Länder«: Nach überseeischen Ländern: Zahl der Fälle . . . 166 Zahl der Fälle . . . 1988 Zahl der Personen . . 827 Zahl der Personen. . 1617 Betrag der Unter- Betrag der Unterstützungen NM 13 899,59 stützun gen NM 293 677,56 Im einzelnen war die geographische Verteilung der Auswanderung. folgende: Europa: 30 Länder mit 766 Füllen und 927 Personen; Uebersee in vier Erdteilen: 27 Länder mit 1088 Fällen und 1617 Personen. Diese Zahlen geben ein eindrucksvolles Bild' der Zerstreuung in höchster Potenz, der die auswandernden deutschen Juden unter den gegenwärtigen Umständen leider unterworfen sind und zeigen gleichzeitig auch die außerordentlichen Schwierigkeiten jeder auswanderungspolitischen Arbeit. Die Verhältnisse in einer Fülle von Ländern müssen verfolgt und alle sich dort etwa' bietenden Möglichkeiten müssen ausgenutzt werden, weil zurzeit noch jede Aussicht auf Masseneinwanderung, wie sie etwa die Vorkriegszeit in den Vereinigten Staaten gekannt hat, leider fehlt. Andererseits dürfen freilich diese Zahlen nicht etwa zu der Annahme verleiten, die jüdische Auswanderungsbewegung aus Deutschland oder auch nur die auswanderungspolitische Arbeit des Hilfsvereins erstrecke sich auf eine so beschränkte Menschenzahl. Tatsächlich beziehen sich die genannten Zahlen nur auf die vom Hilfsverein geldlich unterstützte Auswanderung, während wvhll seine wichtigste Tätigkeit in der Erteilung von Rat und Auskunft an die vielen Tausende be-' steht, die ihre Auswanderung dann aus eigener Kraft vollziehen können. Um diese Auskünfte möglichst schnell und nach dem neuestell Stand der Dinge erteilen zu können, setzt der Hilfsverein sein Möglichstes daran, das Netz seiner Korrespondenten in aller Welt immer dichter zu machen und sich so auf dem laufenden zu halten, daß er die Auswanderungswilligen aus jede sich bietende Chance aufmerksam machen und den Einwanderern das Fortkommen im neuen wichtigen Arbeit des Hilfsvereins bekundet. Nouptsebriktloiter: Dr. Alfred H i r s c li b e r g; Stellvertr. und verantwortlich für die Aufnahme von Bildern: Dr. Margarete E d e 1 h e i m. Verantwortlich für Sport: Dr. Ernst G. Löwcnthal, sämtlich in Berlin. Für Rücksendung unverlangter Einsendungen ist Freiumschlag beizufügen. Leiter der Anzeigen-Äbteilung und verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Friedrich Nathan, Berlin. DA. I. Vj. 40 909. PI. 5. Verlag: Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens e. V., Berlin W15, Emser Strasse 42. Druck der Buch- und Tiefdruck Gesellschaft mbH, Berlin SW 19. Praktische Geschenke V Strumpfhaus Metzger I Dal Spfttia Ihaus für Strümpfe / Wollwaren / Handschuhe Vlln ersdorfer Strafte 60 _ _ Nähe Kant Straße StraBsnbahn 62, 44, 45, 8, 3, 72, 93; Omnibus 9 ✓ Herrenartikel / Trikotagen

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