Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936) - farbig
- Issue
- 13 (26.3.1936)
- Date
- 1936-03-26
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdisches Leben Professor Dr. Karl Strupp Am 30. März dieses Jahres wird der Völkerrechtslehrer Professor Dr. Karl Strupp 50 Jahre alt. Bis zur Umwälzung ordentlicher Professor an der Universität Frankfurt, wurde er 1933 von d«p türkischen Regierung ausgefordert, seine Arbeit an der reorganisierten Universität Istanbul sortzusetzen. Seitdem wirkt er, zusammen mit einer N^ihe anderer ehemaliger Hochschullehrer aus Deutschland, am Goldenen Horn, wo man inzwischen die Universität nach europäischem Muster ausgestaltiet hat. Die außerordentliche Schätzung, die Professor Strupp in seinem neuen Wirkungskreis genießt, zeigt sich am deutlichsten in seinen Kollegs. Der Andrang ist meist so stark, daß die Sitze der Hörsäle nicht ausreichen. Professor Strupp hält seine Vorlesungen in französischer Sprache. Für die Hörer, die lediglich türkisch sprechen, wird viertelstündlich eine Pause eingelegt, in der ein Dolmetscher den Vortrag übersetzt. Trotzdem dadurch natürlich das Quantum des gebotenen Lehrstoffes verringert wird, nehmen die Studenten diesen Nachteil gern in Kauf. Als Wissenschaftler von internationalem Ruf ist Professor Strupp durch eine große Anzahl bedeutsamer Publikationen hervorgetreten. Am bekanntesten sind wohl seine „Grundzüge des positiven Völkerrechts", die Generationen von Studenten das Verständnis für zwischenstaatliche Rechtsbeziehungen vermittelt haben und auch in griechischer, türkischer und italienischer Uebersetzung erschienen sind. Besonders interessant vom Standpunkt des jüdischen Volkes sind seine Ausführungen über den „völkerrechtlichen Notstand". Hier vertritt Professor Strupp die Auffassung, daß ein Staat rechtmäßig handelt, wenn er in bestimmten Gesahrfällen in fremde rechtlich geschützte Interessen eingreift. Aus dieser Ansicht basierend, haben andere Juristen in den völkerrechtlichen Diskussionen über das Araberproblem Palästinas die Frage aufgeworfen, ob nicht ein derartiger „Notstand" auch für die Juden vorliegt. Auf diese Problematik näher einzugehen, verbietet selbstverständlich der Raum. Aber die Andeutung zeigt schon, wie bedeutungsvoll die theoretischen Fundamente sind, die Professor Strupp hier und anderwärts gelegt hat. In innerjüdischen Angelegenheiten ist der Jubilar nie hervorgetreten. Diese Passivität ist jedoch nicht etwa Gleichgültigkeit. Professor — jüdischer Geist Strupp ist im Gegenteil bewußter Jude, der auch in Istanbul jüdische Zusammenhänge ausrechterhält. Das Bild der Persönlichkeit wäre nicht vollständig, würde man neben dem Gelehrten den Menschen Strupp vergessen. Einsatz- und Hilfsbereitschaft sind die Grundzüge seines Wesens. So bringen ihm die, die ihn kennen, aus dem Gefühl innerer Verbundenheit ihre Glückwünsche dar. Der internationalen Wissenschaft aber gilt der Wunsch, daß sie beim nächsten Jubiläum des Gelehrten um eine Reihe neuer Werke von ihm bereichert sein möge. vr. Kurt Stillschweig Semesterschluss- F eier des Berliner jüdischen Lehrhauses Es war ein glücklicher Gedanke der Leitung des Berliner jüdischen Lehrhauses, daß sie die Ausgestaltung der Semesterschlußfeier am 19. März hauptsächlich den musikalischen Arbeitsgemeinschaften, das heißt dem Jnstrumentalkreis und dem Singkreis, übertrug. Auf diese Weise wurden einerseits Ergebnisse der Winterarbeit gezeigt, während andererseits die Feier wesentlich aufgelockerter Verlief, als dies bei feierlichen umfassenden „Rechenschaftsberichten" möglich gewesen wäre. Der unter Leitung von Hermann Schildb e r g e r und Gertrud W e r t h e i m stehende Jnstrumentalkreis brachte Kammermusikwerke aus dem 17. und 18. Jahrhundert zum Vortrag, der Singkreis (Leitung Erwin Jospe) größtenteils Chöre aus der gleichen Zeit sowie zwei palästinensische Lieder. Die Darbietungen des Jnstrumentalkreises wurden besonders reizvoll dadurch, Daß man deutlich spürte, wie die Leistungen wirklich erarbeitet waren und wie es gelungen war, über das rein instrumental-technische hinaus ein Verständnis für die musikgeschichtlichen und allgemein kulturgeschichtlichen Zusammenhänge der Zeit zu erwecken. Karl Wolfskehls gegenwartsnahe Gedichte aus der Sammlung „Die Stimme spricht" wurden durch Fritz Eisenbergs Vortrag lebendig. - Hanns John-Jacobsohn trug jiddische und hebräische Weisen vor. Wenn sich schon ohnehin darüber streiten läßt, wie weit gerade Pessach- Melodien aus ein Vortragspodium gehören, so wurde dieser Zweifel durch die „prickelnde" chansonartige Klavierbegleitung noch verstärkt. Aus dem Tätigkeitsbericht Dr. Paul Eppsteins war zu entnehmen, daß das Lehrhaus im Wintersemester etwa 1700 Hörer gezählt hat, von denen 65 Prozent Frauen und 35 Prozent Männer waren. Ein Drittel der Hörer befand sich im Alter unter 30 Jahren, die Hälfte zwischen 30 und 60 Jahren, 9 Prozent war über 60 Jahre alt. Möge der schöne Abschluß des Wintersemesters gleichzeitig verheißungsvoller Anfang für die Arbeit des kommenden Semesters sein. .W. R—ck. Zun z-Gedächtnisf eier der Jüdischen Mittelschule Anläßlich des 50. Todestages von Leopold Zunz am 17. März veranstaltete die Jüdische Mittelschule, Berlin, gemeinsam mit der Schulverwaltung der Gemeinde eine Erinnerungsfeier an diesen Begründer und Altmeister der „Wissenschaft des Judentums". Dr. Alfred Klee zog Parallelen zwischen den Maimonides-Feiern im vorigen Jahr und der Zunz-Feier. Hier wie dort erhebt sich die Frage nach der Zeitbedingtheit und -gebundenheit des Werkes und seiner Bedeutung für uns Heutige. Zunz sah das Judentum als etwas. Abgeschlossenes und Vollendetes an, dessen Werte er erforschen und erhalten wollte — die heutige Generation will das Judentum wieder leben, sie hat Ehre und Würde, Schicksal und Zukunft des Judentums wieder in ihre eigenen Hände genommen. — Direktor Dr. Heinemann Stern, der Leiter der Anstalt, feierte in klugen und wohlabgewogenen Worten die Bedeutung von Zunz als dem Begründer des Schulwerks der Berliner Jüdischen Gemeinde. Nach dem Zusammenbruch der noch zu Mendelssohns Lebzeiten gegründeten Jüdischen Freischule war es Zunz, auf dessen Betreiben die Gemeinde 1826 die Jüdische Knabenschule ins Leben rief, der einige Jahre später die Mädchenschule folgte; diese Anstalten wurden später in die Jüdische Knaben- und Mädchen- Mittel-Schule, die Trägerin der jetzigen Erinnerungsfeier, umgewandelt. Zunz war auch von 1826 bis 1829 der erste „Dirigent" der Schule, wenn auch nur nebenamtlich; Unterricht hat er nur in ganz geringem Umfange erteilt. Der Dank der heutigen Generation an Zunz kann nur darin bestehen, in seinem Sinne zu arbeiten: in die Wirklichkeit umzusetzen, was die Zeit verlangt, und dem Judentum zu geben, was es heute erfordert. — Rabbiner Dr. van der Z y l nahm in seiner Festrede eine historische Einordnung des Werkes von Leopold Zunz vor. Zunz hat die Lebensarbeit Moses Mendelssohns fortgesetzt und vertieft, nach innen wie nach außen: nach innen durch unermüdliche, sorgfältige Sammlung und Erforschung wertvollen jüdischen Geistesgutes, das sonst der Vergessenheit anheimgesallen wäre; nach außen durch Betonung des Eigenwertes des Judentums, den es damals zu verlieren schien. Die Gründung des Kulturvereins von 1819 leitete die Gegenströmung gegen die damalige Abfalls- und Taufbewegung ein. Die Stellung der heutigen Zeit zu Zunz ist eindeutig: gleich ihm suchen auch wir wieder unsere Zuflucht in dem Gesamtbereich alles jüdischen Geschehens. Die Wege, die Zunz der jüdischen Wissenschaft gewiesen hat, sind bis auf den heutigen Tag maßgebend und vorbildlich geblieben. Auch wir erstreben wie Zunz eine jüdische Renaissance, die stets eine Renaissance jüdischen Wissens sein muß. — Vorträge des Schulchores umrahmten die Feier. Gii. Lo. Zunz-Feier der Berliner jüdischen Gemeinde Montag, den 30. März 1936, 20*4 Uhr, in der Synagoge Prinzregentenstraße. Redner sind Rabbiner Dr. Max Wiener und Moritz Rosenthal, Mitglied des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde. Musikalische Umrahmung. Mitwirkende: Hede Türk-Börnstein, Oberkantor Julius Peissachowitsch, Organist Werner Baer, Jüdische Orchestervereinigung (Dirigent Leo Kopf). Kurt Sternberg: Der philosophische Sinn des biblischen Schöpfungsgedankens. Im Jüdischen Kulturbund Berlin untersuchte Dr. Kurt Sternberg die biblische Schöpfungsgeschichte vom Standpunkt des Philosophen aus, wobei er zu interessanten Ergebnissen gelangte. Während fast alle mythologischen Weltanschauungslehren von dem Aufbau des Kosmos aus dem Chaos berichten, lehrt die Bibel die Erschaffung der Welt aus dem Nichts; aus dem Nichts schasst Gott das Chaos, das er dann sukzessive zum geregelten Kosmos gestaltet. In der Tendenz, durch das noch stoffverhastete Chaos zum stofslosen Nichts hindurchzustoßen, offenbart sich das Neinheitsstreben des Judeq^ums. Die mythologischen Gottheiten, die ein schon vorhandenes Chaos ordnen, sind letzten Endes Baumeister, die bei ihrem Werke aus das Baumaterial Rücksicht nehmen müssen; dagegen ist nach der jüdischen Ueberlieferung Gott, der auch das Material als Chaos erst schafft, bei der Erschaffung der Welt von absoluter Souveränität. Dennoch bedeutet die Allmacht Gottes keine die Türen weit auf, und der Geruch, noch stärker, berauschender als vorhin, strömt herein, strömt über sie hin, sanft-heitere Lenzgeräusche dringen herein, und lustiges Vogelgezwitscher erschallt . . . und wieder schließt Ruth die Augen. Alle drei, der Doktor, seine Frau und seine Tochter, stehen nun in der offenen Tür und blicken herab auf das Blumenbeet, und Ruth sitzt einen Augenblick allein. „Waren es solche Hyazinthen?" „Genau solche, violette, weiße und rosa, ein großes Büschel hatte der Mann in seiner Hand. Sie wachsen an den Sandusern längs des Kanals, in Hülle und Fülle, wie hier . . Ruths Gedanken schweifen weit fort bis zu dem Berge Sinai . . . Himmel und Wasser blau, die Sonne golden, der Sand gelb . . . Ihre Sinne sind durchzogen vom Lenzgeruch der Hyazinthen, und in ihrer Klei'nmädchenseele steigt ein ahnungsvolles Glücksgesühl auf, Erinnerungen, die auch Wünsche sein können, durchglänzt von Gelb und Gold und Blau, darin das Bild eines Berges, dessen sie in diesem Pessach-Fest gedenken ... des Berges, den sie sich bis jetzt nie anders vorgestellt hatte als majestätisch düster, im Dunkel drohender Gewitterwolken, umzuckt von Blitzen und umwölkt von Opferqualm, des Berges, den sie mit Moses zusammen von der Erde verschwunden glaubte . . . wiedererstanden in funkelnden, sonnigen Weiten, mit gelbem Sand, blauem Himmel, goldener Sonne und Hyazinthendust . . . Wissenschaftliche Personalien In Anerkennung seiner hervorragenden Verdienste für die Wissenschaft, ist der bekannte jüdische Physiker und Philosoph Professor Federigo Enriques, Herausgeber der bedeutenden wissenschaftlichen Zeitschrift „Scientia", zum Mitglied des Institut de France ernannt worden. v Im Alter von 65 Jahren ist in Bologna der Vorsitzende der dortigen jüdischen Gemeinde, Professor Ing. Attilio Muggia, gestorben. Professor Muggia bekleidete fünf Jahre lang das Amt eines Rektors der Ingenieurschule von Bologna. Bei der Beisetzung waren Vertreter der Stadt Bologna und zahlreicher wissenschaftlicher Institute anwesend. Die Gedenkrede hielt der Rektor der Universität Bologna, Professor G h i g i. # Der Architekt Guido Zewi, Mitglied des Rates der Jüdischen Gemeinde zu Rom, der eine Reihe der bedeutendsten öffentlichen Gebäude Roms entworfen hat, wurde zum Großoffizier des Ordens der italienischen Krone ernannt. Dr. Olga Bloch: Jüdische Volkskunst Im Klubheim des Jüdischen Frauenbundes sprach Dr. Olga Bloch an Hand von Originalen aus der Sammlung Julius Car leib ach über „Jüdische Volkskunst". Ob dieser Begriff der „jüdischen Volkskunst" überhaupt berechtigte Anwendung finden kann, wurde allerdings weder im Vortrag noch in der sehr angeregten Diskussion geklärt. Jedenfalls aber waren die gezeigten Originale ebenso wie die Ausführungen von Dr. Olga Bloch und die im Plauderton gegebenen Erklärungen von Julius Carlebach äußerst interessant; wenngleich man oft Entstehungszeiten und -orte der einzelnen Stücke nicht genau bestimmen kann, so gewähren sie doch Einblick in ein Stück Kulturgeschichte aus dem Zusammenleben von Juden mit ihrer Umwelt. Ihr besonderes Gepräge geben dieser Sammlung die vielen Karikaturen, die, als Darstellungen in Pappmache, Holz, Steingut und als Stiche, Drucke und Aquarelle, den Juden teils von feindseliger, teils von wohlwollender Betrachtungsweise aus zeigen. Dr. Bloch definierte den Unterschied zwischen Volkskunst und Stilkunst nach der Grenze der Verwendung; gerade auf dieser Grenze hielt sich eines der schönsten Stücke der Sammlung, eine Wiener Arbeit in Bronze, den „Ewigen Juden" darstellend, der mit weitem Schritt über Länder und Meere wandert, mit zerrissenen Schuhen, mit einem zerbeulten Regenschirm uwd einem Bündel auf dem Rücken, in dein er seine ganze Habe, die 24 Bücher des Testamentes, trägt: eine wehmütige, tragische Verkörperung des Schicksalsfymboles. Anmutige Schilderungen sah man ferner etwa in der Holzsigur eines stehenden Juden aus Karpatho-Rußland, dessen rote Schnapsnase man über seinem Ausdruck tiefster Gläubigkeit vergißt, oder in dem aus der Schinkel-Zeit stammenden Stich eines geschäftetreibenden Juden, oder in dem sehr launigen „Bilderrestaurator". 8. M. Hedwig Fechheimer: Monotheistische Strömungen in der Religion des alten Aegypten Hedwig Fechheimer, die bekannte Kunstkennerin und verdiente Aegyptologin, sprach am 26. März im Jüdischen Museumsverein in Berlin über diejenigen Göttervorstellungen der Aegypter, die in die Geistesgeschichte der Menschheit eingegangen sind und deren religiöse Tendenzen auf den Weg zum Monotheismus weisen. , Zwei Gruppen sind in dem religiösen Vorstellungsbereich Aegyptens zu unterscheiden: die Tiergötter, die zu den einzelnen Gauen und Stadtsiedlungen gehören, und die kosmischen Götter, deren große Bedeutung charakteristisch für Aegypten ist, weil dieses Volk sehr früh Einsicht in den Kosmos bekam durch den sich jährlich in großartiger Gesetzmäßigkeit abspielenden Naturvorgang der Nilüberslutung, von dem das Wachstum allen Lebens abhing. Die strenge Gesetzmäßigkeit der ägyptischen Kunst, jener anderen „Natur", ist eine Folge dieses elementaren Erlebnisses. Hedwig Fechheimer erklärte dann im einzelnen die Erscheinungsformen und Namen der Götter Ne, Amon, Ptach und Aton. Der Sonnengott Re erscheint in der ältesten Form in Menschengestalt, später auch als Tier und wird als Falke, Pillendreher, aber auch als Sphinx verehrt. Der Gott Amon von Theben erlangte mit der wachsenden Bedeutung seiner Stadt auch die Bedeutung eines Reichsgottes, der sich in vielerlei Strömungen zu einem einzigen Gotte vereinigt. Er ist ein Luftgott, der Gott des Atems (Pneuma), in blauer Farbe und mit Federn geschmückt, erscheinend. Mystische Ausdrücke verdeutlichen das Wesen dieses Gottes. Das Bild des Widders mit der Sonnenscheibe (hervorragendes Beispiel im Berliner Museum) und die Schlange, als Zeichen ewiger Dauer, sind seine Verkörperungen. Andere Namen, die in bezug auf spätere religiöse Entwick.ungen interessieren, sind: der Geheime, der Unsichtbare, der Windschöpfer, der die Schöpfung Willkür, sondern die Fähigkeit zu einen autonomen Ordnung. Symbol dieser Ordnung ist das Licht, das am ersten Tage geschaffen wird und eine andere Bedeutung haben muß als die erst am vierten Tage geschaffenen Gestirne; schon in früher Zeit ist dieses Licht als das der Erkenntnis und Weisheit gedeutet worden. Von hier aus lassen sich sowohl die logischen wie die ethischen Ordnungsprinzipien des. Judentums ableiten. Der Freiheit Gottes entspricht die Freiheit des Menschen, der nach der Bibel sowohl wertmäßig wie dem Grade nach von Gott unterschieden ist, während er sich nach den mythologischen Kosmogonien nur quantitativ von den Göttern unterscheidet. Die zweite, mit dem Thema des Abends nur in losem Zusammenhänge stehende Hälfte des Vortrages brachte polemisch gehaltene Ausführungen über alle pantheistischen und mystizierenden Richtungen von Philo von Alexandrien bis Henri Bergson, denen gegenüber der Vortragende die sittliche Ueberlegenheit des jüdischen Monotheismus betonte. Grii. Lo. Musikpädagogische Arbeitsgemeinschaft in Karlsruhe Der Badische Oberrat der Israeliten veranstaltete in Karlsruhe wiederum eine musikpädagogische Arbeitsgemeinschaft, die dritte ihrer Art. Sie stand diesmal nicht unter Leitung von Karl Adler, Stuttgart, sondern unter der des ehemaligen Dozenten am Musikseminar der Stadt Freiburg i. Br., Dr. Erich K a tz. Die Zahl der Teilnehmer war geringer als früher; dafür setzte sich aber der Kreis einheitlich aus Lehrern und Jugendführern zusammen. Diese Tatsache gestattete eine Intensivierung der Arbeit, der von Dr. Katz sichtlicher Nachdruck verliehen wurde. In ein- und mehrstimmigen Kanons, in Improvisationen über gegebene Melodien wußte der Leiter den Stoff eindringlich und abwechslungsreich zu gestalten und zu vermitteln. Ein kleines Orchester von Blockflöten und Geigen wurde in die Arbeit einbezogen. Eine kleine Aussprache über jüdische Musik zeigte sogleich, wie wenig einfach gerade diese Dinge zu fassen sind. Die Behandlung und das Heben von Pessach-Melodien leitete zum bevorstehenden Fest über. 8tg. Berliner Lehrhaus Die nächste wissenschaftliche Ar» beitsgemeinschast findet am Donnerstag, 2. April, Warburger Straße 5, III., 20.15 Uhr, statt. — Die Sprachkurse werden bis 2. April durchgeführt und am 15. April wieder ausgenommen. — Beginn deS S o m m e r s e m e st e r s Ende April. Auskünfte in den Sprechstunden des Sekretariats: 10 bis 13. 16 bis 18 Uhr. Die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums gibt ein neues Vorlesungsverzeichnis für das Sommer-Semester 1936 heraus. Außer den judaistischen Fächern, zu denen eine Einführung in die arabische Sprache tritt, findet man u. a. eine Vorlesung über die Hauptprobleme der Philosophie von. der Renaissance bis zur Neuzeit (Metzger), über Kinder- und Jugendlichenpsychologie (Friedländer), über Religion und Kunst (Kaufmann), über ausgewühlte Kapitel aus. der neueren Geschichte und über Wirtschaftsgeschichte der Zeit des Frühkapitalismus (Berney) sowie über das Judentum in der Entwicklung des ulittelalterlichen Weltbildes (Liebeschütz). In Aussicht genommen ist ferner eine Eingliederung der an verschiedenen Stellen bestehenden Fortbildungskurse für die jüdischen Lehrkräfte in das Vorlesungswefen der Lehranstalt. Das Sommer- Semester beginnt am 21. April, die Zulassung erfolgt nach schriftlicher Anmeldung an das Sekretariat der Lehranstalt, Berlin N 24, Artilleriestraße 14. beginnen läßt, die verborgene Seele, die sich geheim macht, vor dem, was sie geschaffen hat. Sein Schriftzeichen, die Ämonsbarke, veranlaßte die Forschung (Sethe) zum Vergleich mit dem Bild der Bundeslade. Der Gott Aton erhält in der Zeit Amenophis IV. eine überragende Bedeutung; diese Epoche genießt durch die Ausgrabungen von El- Amarna und durch die stilistischen Merkmale einer uns leichter zugänglichen Spätzeit eine allgemeinere Bekanntheit. Amenophis IV., der Schöpfer des Sonnenhymnus, eine eigenwillige Künstlernatur, bedeutet in religiöser Hinsicht eine ganz neue revolutionäre Phase des Monotheismus. Amenophis geht wörtlich und dem Sinne nach aus dem Rahmen der Konvention heraus. Auf einem Boden, der keinem Gott und keinem Herrscher gehörte, gründet er eine neue Stadt, führt gegen die ägyptische Tradition den Kult im Freien ein, ernennt Hofleute von niedriger Herkunft, und die Reliefs, die sein Leben darstellen, enthalten intime, lebendig-lockere Familienszenen, wie sie vor ihm nicht da waren. Sie schildern in großartiger Breite das Leben der Natur, den Segen der Arbeit im Scheine der Sonne, und die erhaltenen sprachlichen Dokumente sind eine reiche Ergänzung und Darstellung dieser Religion der Demut und des Dankes, die, in einem innigen Tone vorgetragen, die Gerechtigkeit und die Gleichheit aller Menschen verkünden. Als letzten interpretierte die Rednerin Ptach, den Gott der Stadt Memphis. Er erscheint im Griechischen als Hephaistos und hat von Anfang an menschliche Gestalt. Er gilt als Weltschvpfer und erhält durch das Zeugnis, daß er im Leibe und Munde aller Götter, Menschen und Tiere sei, eine übersinnliche, religiös tiefe und selbständige Kraft. Er gibt dem Kosmos das Gesetz. Hedwig Fechheimer gab noch einige Ausschnitte aus Texten mystischen Inhalts und eine Reihe künstlerischer Beispiele des Gesagten im Lichtbild. Die künstlerische Betrachtung stand hier nicht im Vordergrund, doch wirkte die einmalige Großartigkeit dieser Kunstwelt zusammen mit dem religiösen Inhalt und Symbol. Die Porträts des Amenophis, lebendig und durchsichtig in ihrer psychologischen Deutbarkeit, bildeten das Ende des inhaltlich reichen Vortrags, der die hohe Qualität seines Themas in schlichter und vornehmer Wissenschaftlichkeit den Zuhörenden übertrug. Sie dankten der Rednerin mit herzlichem Beifall vr. Hilde Colm ,