Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936) - farbig
- Issue
- 12 (19.3.1936)
- Date
- 1936-03-19
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
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- Ukraine 3× ep/1001131
- Minsk 2× ep/1000754
- Odesa 1× ep/1000834
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Russland Die Zerstreuung der Juden über die Erde (XXIX.) Nachdruck verboten 3. Ukraine II. Bei der statistischen Betrachtung des jüdischen Sektors in der Ukraine*) müß man sich hinsichtlich der Größenverhältnisse stets vor Augen halten, daß das Staatsgebiet der Ukraine nur um ein weniges kleiner ist als das Deutsche Reich, daß aber seine Einwohnerzahl weit weniger als die Hülste betrügt, während die Zahl der ukrainischen Juden fast viermal größer ist, als die der Juden in Deutschland. Für das Eigenleben dieser großen Minderheit in der Ukraine ist es charakteristisch, daß ihre Sprache auch heute noch überwiegend das Jiddische ist. Die amtliche Statistik beweist es. Bon der Gesamtheit der ukrainischen Juden hüben (1926) 76 Prozent das Jiddische als Umgangssprache angegeben; hierbei zeigt es sich, wie stark das Leben in den Städten assimiliert, sogar in der Erhaltung sprachlicher Eigenarten. Bon hundert Juden, die in ukrainischen Städten lebten, hatten nur noch 70 Prozent das Jiddische als tägliche Sprache; dagegen gehen 95 Prozent der auf dein flachen Lande lebenden Juden an, daß sie sich des Jiddischen als ihrer Umgangssprache bedienen. Je stärker die moderne Jugend in den Städten heranwüchst, je mehr die älteste Generation aus dem Lande langsam abstirbt, desto mehr tritt' die jiddische Sprache gegenüber der Landessprache der Umwelt in den Hintergrund. Auch dieses beweist die Statistik mit Klarheit: Von den jugendlichen Juden bis zu 20 Jahren bezeichnten nur noch 70 bis 72 Prozent das Jiddische als ihre Muttersprache, für die älteren Leute über 60 Jahre schwankt der Prozentsatz noch zwischen 93 und 96 Prozent. Wenn eine Generation vorüber sein wird, dann wird auch in der Ukraine die jiddische Sprache, die man nicht mit Unrecht als die zweite Sprache der Juden bezeichnet, soweit zurückgedrängt sein, daß höchstens noch die Hälfte des dann vorhandenen jüdischen Volksteiles jiddisch sprechen und verstehen wird. Die Geschlossenheit des jüdischen Bevölkerungsteiles der Ukraine ist in Richtung auf die Eheschließung noch ziemlich weitgehend. Vor dem Kriege waren Mischehen außerordentlich selten. Allmählich haben sie stärker Eingang gefunden. Besonders jüdische junge Mädchen sind cs, die sich mit n i ch t j ü d i s ch e n Männern verheiraten, während mit Rücksicht auf die Grundsätze ihres Glaubens die Zahl der jüdischen Männer seltener ist, die nichtjüdische Mädchen ehelichen. Diese Erscheinung der Mischehen in dieser Form ist genau entgegengesetzt derjenigen in Mittel- und Westeuropa, wo die Zahl der jüdischen Männer, die nichtjüdische Frauen heiraten, viel höher war, als umgekehrt die Zahl der jüdischen Frauen, die eine Ehe mit einem nichtjüdischen Mann eingehen. Ein wesentlicher Erklürungs- *) Vgl. die Vebersichis-Kartknskizzen in der vorwöclligen C.-V.Zeitung. grund ist der abnorme jüdische Frauenüberschuß: die Ehe mit einem Nichtjuden wird der sonst erzwungenen, ungewollten Unfruchtbarkeit vörgezogen, die dem natürlichen weiblichen Empfinden aller Menschengruppen zuwider ist. — Trotzdem darf man die Erscheinung der Mischehe in der Ukraine nicht überschätzen, sie ist viel geringer als in Mittel- und Westeuropa. Gemessen an den rein jüdischen Ehen betrug die Zahl der Mischehen in der Ukraine 1924 4 Prozent, 1927 allerdings bereits 5 Prozent; die Tendenz zur Steigerung ist erkennbar. Die städtische Konzentration der Juden Osteuropas ist, wie bereits erwähnt, zwar sehr groß, dennoch ist aber die absolute Zahl der auf dem flachen Lande lebenden Familien sehr beachtlich. Es kann bei den historischen Gegebenheiten nicht verwundern, daß etwa ein Drittel der ukrainischen Juden in vier Großstädten des Bundesstaates leben: in Kiew wohnten 1926 140 000 Juden, das sind mehr als 27 Prozent der Stadtbevölkerung, in Odessa fast 155 000, düs sind rund 36 Prozent der Bevölkerung dieser bedeutenden Stadt am Schwarzen Meer, in Charkow wurden über 80 000 Juden gezählt, etwa 20 Prozent der Bevölkerung, und schließlich in I e k a t e r i n o s l a w über 62 000, d. h. mehr als 26 Prozent der Bewohnerschaft dieser großen Stadt des Ostens. Leider ist für die berufliche Struktur der Gegenwart und jüngeren Vergangenheit kein statistisches Material vorhanden. Vor der russischen Revolution war etwa ein Drittel der jüdischen Bevölkerung in Handwerkerberufen tätig, ebenso wären in der Ukraine Hunderttausende in Arbeiterberufen, über hunderttausend arbeiteten als Bauern, weit mehr als ein Viertel der Bevölkerung waren in Angestellten- und Beamtenberufen, ein hoher Prozentsatz im Handel tätig. Die Abschaffung der Privatwirtschaft im heutigen Rußland hat die Juden besonders stark betroffen. Das geht daraus hervor, daß nach neuesten Angaben für Gesamtrußland die Zahl der unterstützungsbedürftigen Juden mit ihren Familien rund 1 200 000 beträgt. Illustriert diese Tatsache das wirtschaftliche Elend, so spitzt sich diese Situation für die jüdische Jugend des Landes dadurch noch zu, daß es immer schwerer ist und wird, für sie Ausbildungsmöglichkeiten in wirtschaftlichen Berufen zu finden. Da in der Ukraine weit mehr als die Hälfte der Juden von Gesamtrußland leben, wird es deutlich, wie tiefgehend die Not dieses breiten jüdischen Sektors ist. Dabei ist nicht ans dem Auge zu lassen, daß die jüdische Notlage größer als die der nichtjüdischen Umwelt ist, weil die Juden in besonderer Weise in den Städten als Handwerker und Händler ihr Brot verdient haben, also in Berufen, die dutch die Neuordnung der Wirtschaft in Sowjetruhland in besonderer Weise unterhöhlt worden sind. 4. Weissrusslarld und das europäische Zentralrussland Weißrußland ist derjenige russische Bundesstaat, der den höchsten jüdischen Bevölkerungsanteil aUfweist, wenn auch nicht die absolut höchste Zahl der Juden. In Weißrußland lebten im Jahre 1926 mehr als 400 000 Juden, also an? nähernd ebensoviel — oder nicht viel weniger — als gegenwärtig im Deutschen Reich. Da das weißrussische 'Staatsgebiet eine Einwohnerschaft von rund 5 000 000 Menschen hat, so bedeutet dies eine jüdische Quote von 8,2 Prozent, die höchste von den Staatseinheiten innerhalb der Sowjetunion. Die Sexualproportion bei den Juden Weißrußlands ist günstiger als in der Ukraine: auf 1000 jüdische Männer entfallen 1122 jüdische Frauen. Bei der Gesamtbevölkerung Weißrußlands ist die entsprechende Proportion 1000 zu 1043. Der absolute Frauenüberschuß bei den Inden beträgt etwa 20 000, das ist weniger als bei den sonst ähnlichen allgemeinen Größenverhültnissen des jüdischen Sektors in Deutschland, wo er gegenwärtig zwischen 24 000 und 26 000 liegt. Die Mehrzahl der jüdischen Bevölkerung lebt im südlichen Weißrußland. Hier liegt auch die Hauptstadt Minsk, die unter 131 000 Einwohnern über 53 000 Juden die Heimat gibt. Das. sind über 40 Prozent der Minsker Bevölkerung. Mit dieser hohen Quote nimmt diese Stadt jedoch keine Spitzenstellung ein, denn es gibt in Gesamtrußland im Kreise der Städte mit mehr als 20 000 Juden — das sind in Gesamtrußland 18 Städte — 5, in denen die jüdische Quote noch höher ist als in Minsk. Dazu gehört in Weißrußlands zum Beispiel eine sonst weniger bekannte Stadt, Bobruisk, wo unter rund 50 OOO Einwohnern über 21 000 Juden leben, das sind 42 Prozent. In Witebsk, im Norden von Weißrußland, leben 37 000 Juden unter 99 000 Einwohnern, das sind 37 Prozent der Stadtbewohner. Es sei am Rande bemerkt, daß sich ähnlich hphe Quoten jüdischer Menschen in außerpalästinenfischen Städten nur noch in einzelnen Hafenstädten Nordasrikas, insbesondere in denen des Atlantischen Ozeans, aber auch am Mittelmeer finden. Weit nach Osten und nach Nordosten, beginnend an den Grenzen von Weißrußland und der Ukraine, dehnt sich das unendliche Gebiet Innerr u ß l a n d s, des größten Rätefreistaates der Sowjetunion mit der Bezeichnung RSFSR (Russische Sozialistische Föderalistische Sowjet-Republik). Das Staatsgebiet dehnt sich weit über die Grenzen Europas bis nach Asien, bis hinüber nach Kamschatka aus. Allein der europäische Teil hat 82 Millionen Einwohner, von denen 475 090 Juden sind. Die Gesamteinwohnerschaft des Zentralrussischen Freistaates beziffert sich (1926) auf über 101 Millionen Einwohner, die Gesamtzahl der Juden darunter auf 600 000. Dadurch erklärt es sich, daß in dem Gesamtgebiet des zentralrussifchen Bundesstaates nur 6 Juden auf 1000 Einwohner kommen, gleichmäßig aus dem europäischen und asiatischen Gebietsteil. Um einen Begriff von dem Größenausmaß zu geben, der allein den europäischen Teil Zentralrußlands umfaßt, sei festgestellt, daß er fast zwölfmal so groß ist wie das Gebiet des Deutschen Reiches, mit einer Einwohnerzahl, die aber nur um etwa ein Viertel größer ist als die deutsche und mit einer Zahl von Juden, die um rund 50- bis 60 000 höher liegt als die Zahl der gegenwärtig in Deutschland lebenden Juden. Im Zentrum des innerrussischen Bundesstaates liegt die Hauptstadt Sowjetruhlands, Moskau, eine Zweimillionenstadt, mit einem jüdischen Bevölkerungsteil von rund 132 000 Köpfen, so daß dort die jüdische Quote 6,5 Prozent beträgt. Sie ist damit erheblich größer als in den Haupt- und Weltstädten 'Mittel- und West-Europas. Der absoluten Größe nach ist die Zahl der in Moskau lebenden Juden etwa ebenso groß wie in London, sie ist niedriger, als in Berlin, jedoch größer, als der jüdische Vvlksteil in Paris. Die zweitgrößte Stadt Zentralrußlands, Leningrad (früher Petersburg) mit einer Gesamtbevölkernng von fast IX Millionen Menschen, hat etwa 85 OOO Juden in ihren Mauern, das sind 5,2 Prozent. In sämtlichen der weit über das ganze Land verteilten Regierungsbezirken des Bundesstaates leben Juden,. selbstverständlich in den früheren Ansiedlungs-Rahons am meisten. Im Wolgagebiet, und zwar sowohl im Zentralwolgagebiet wie auch im Unteren Wolgadepartement leben zusammen etwa 33 000 Juden, in der Region der Schwarzen Erde fäst 20OOO, in der selbständigen Krim-Republik fast 40 000, in der W e st r e g i o n , die unmittelbar an Weißrußland grenzt und deren Hauptstadt Smolensk ist, sind fast 73 000 Juden gezählt worden. Im Uralgebiet, was herauszirheben von Interesse ist, leben etwa 12 700 Juden, wobei zu bemerken ist, daß der größte Teil dieser zentralrussischen Provinz bereits dkm asiatischen Erdteil zugerechnet wird. Besonders interessant ist, daß die amtliche russische Statistik in ihrem Votkszählüngswerk für das Jahr 1926 diejenigen jüdischen Stammesgruppen besonders aufgezählt hat, die versprengte Reste einer weit zurückliegenden Vergangenheit sindihr Ursprung ist kaum mehr einwandfrei allst zuklärkn und ihr volklicher Zusammenhang mit, der Hauptmasse der Juden Rußlands bleibt im Dunklen. Neben 567 000 aschkenastschen Juden in europäischem Sinne leben auf dem Gesamtgebiet des zentralrussischen Bundesstaates rund 15 600 sogenannte Bergjuden, 6200 Krimj u d e n und etwa 600 K a r ä e r. So klein diese Minderheiten-Splitter sind, so gesichert erscheinen sie jedoch für die Zukunst in ihrem zahlenmäßigen Bestände. Was den Bildungsstand der zentralrussischen Juden anlangt, so ist aus der amtlichen Statistik sestzustellen, daß der Prozentsatz der Analphabeten unter ihnen kleiner ist als in der Ukraine. Dört war der Prozentsatz derer, die nicht lesen können, etwa 30 Prozent. In der RSFSR beträgt er etwa jedoch nur 20 Prozent. Das ist mit den natürlich viel besseren Schulverhältnissen und Unterrichtsmöglichkeiten in den Weltstädten zu erklären, die nicht nur den Bildungsstand der Juden, sondern aller Volksschichten dieses Gebietes heben. Natürlich ist es, daß die Analphabeten unter den Bergjuden, die völlig abseits der Städte in der Wildnis rauher Berge leben, erheblich zahlreicher sind. 75 Prozent der Bergjuden sind des Lesens nicht kundig, wie die Statistik feststellt. Im Gegensatz dazu ist innerhalb der kleinen Sekte der Ka r ä e r der Anteil der Analphabeten besonders niedrig, er beträgt weniger als 15 Prozent. Es fei auch hier hervorgehoben, daß diese Zahlen sich durchweg auf das Iaht 1926 beziehen; der Kampf gegen das Analphabetentum im letzten Jahrzehnt wird bei den jüdischen Volksteilen wie bei allen anderen die Ausbildung verbessert und insbesondere die Kunst des Lesens und Schreibens in weitere Volksschichten getragen haben. 3. Oie asiatischen Gebietsteile Das asiatische Staatsgebiet der Sowjetrepublik gliedert sich in fünf 'Staatseinheiten. Den Hauptteil beansprucht der astatische Gebietsteil der russischen Näte-Föderation (RSjPSR), es folgt weiterhin der selbständige Staat Transkaukasten, der sich seinerseits in drei selbständige Unterrepubliken aufgliedert, dann die turkmenische Republik, ferner die usbekische Republik und schließlich Tadschikistan. Die Gesamtzahl der Juden im asiatischen Rußland beträgt rund 225 OO0 innerhalb einer Einwohnerzahl von etwa 32 Millionen Menschen. Es kommen also, ebenso wie im europäischen Teil der Räte-Foderation, im Durchschnitt aus 1000 Einwohner sechs jüdische Menschen. Der weitaus gtößte Teil des astatischen Staatsgebietes gehört — wie bereits erwähnt — zum innerrussischeu Rütestaat (RSFSR). Auch dieses Gebiet enthält eine gvoße Anzahl selbständiger Untergliederungen. Hart an Europa, an den Kaukasus, stößt die Region Nord - kaukasien, wo mehr als 42 000 Juden leben. Daran schließt sich bis zur Küste des Kaspischen Meeres die Republik Dagistan mit etwa 3000 Juden und weiteren etwa 11 800 sogenannten Bergjitden, diesem besonderen jüdischen Sektor, der vor etwa einem Jahrtausend in Kaukasien eingewandert sein soll und im wesentlichen in Dagistan und im benachbarten Georgien lebt. Die Republik Georgien gehört zum Rätefreistaat Transkaukasten, der zwischen dem Schwarzen Meer und dem Kaspischen Meer gelegen ist. Im Norden ist er von Nordkaukasien und Dagistan begrenzt, im Süden stößt er bereits an das türkische Staatsgebiet. Dieser Rätefreistaat Transküukasien faßt drei selbständige Republiken zusammen: Armenien. Georgien, Ase rb e i dscha n. Insgesamt leben in TränskaUkäsien etwa 30 060 Juden im gewöhnlichen Sinne diestr Bezeichnung, 10 500 B e r g j u d e n, weiterhin mehr als 21 OOO sogenannte g e o r g i s ch e I u d e n und schließlich als ein besonderer jüdischer Staillm noch etwa 200 zentralasiatische Juden. Pie Gesamtzahl der Juden aller verschiedenen Stämme beziffert sich also im transkaukasischen Staate auf 62 000 Menschen unter rund 5,9 Millionen Einwohnern. Die jüdische Quote liegt also mit etwa 1 Prozent etwas höher als im Durchschnitt des asiatischen Rußland. Faßt man die Bergjuden. die in den dortigen Landstrichen leben, zusammen, so ergibt sich insgesamt fiit Dagistan wb Transkaukasten eine Zahl von etwa 22 000 Menschen dieses Stammes, die Gesamtzahl der sogenannten georgrschtznJuden beläuft sich auf etwa 31 OOO. Die Anfi'edlUng dieses SiamtNes foll bereits bei Zerstörung des selbständigen Reiches Juda, also vor mehr als zwei Jahrtausenden erfolgt sein. Jenseits des Kaspischen Meeres begittüt das Territorium des Rätefreistaates Turkmenistan. Hier sind unter rund einer Million Einwohnern nur etwa 1800 Juden beheimatet, deren dechogra- Phisches Charakteristikum ein ausgesprochener Mäunerübcrschnß ist. Daneben leben etwa 200 zentralasiatische Juden in Turmenistan, dagegen keine Bergjuden, die sich allein auf dqs Gebiet östlich dez Kaspischen Meeres konzentrieren. Weiter nach Ostenim Süden durch Persien begrenzt, folgt in der Reihe der selbständigen Staatsgebilde Sowjetrußlands der Rätefreistaat Usbekistan, wo fast 20 000 Juden im gewöhnlichen Sinne dieses Begriffes und weitere 18 000 zentralasiatische Juden leben, also insgesamt etwa 38 OOO Menschen jüdischen Glaubens innerhalb einer Bevölkerung von annähernd fünfeinhalb Millionen Menschen. Da der Bildllngs stand der Gesamtbevölkerung sehr niedrig ist, kanll es nicht verwundern, daß auch bei den jüdischen Volksstämmen all dieser großen Landschaften teilweise 70 bis 80 Prozent Analphabeten sind. Das gilt natürlich besonders für die zentralasiqtischen Stämme, die abseits der Städte und der großen Kultur- und Hattdelswege wert verstreut über die ausgedehnten Steppen- und Bergketten wohnen. Der Rätefreistaat östlich von Usbekistan ist Tavschiki stan, das bereits an China grenzt. Hier ist die Zahl der Juden nur gering, es sind wenige Tausendauch die Hauptstadt Statt n a b a d hat nur eine geringe jüdische Bevölkerungsquote. Das ganze übrigs asiatische Rußland gehört zum Staatsgebiet der russischen Räteföderation (R8F8R), von der auf asiatischem Gebiete bereits die Ziffern für Transkaukasten und Dagistan erwähnt worden sind. Von den selbständigen Gebieten ist die Zahl der Juden in der Republik Sibirien am höchsten. Hier leben 32 700 Juden, deren Sexualproportion völlig ausgeglichen ist: die Zahl der jüdischen Männer und Frauen ist dort genau gleich hoch. Als Besonderheit sei festgestellt, daß in ganz Sibirien sich bis zur Gegenwart noch einige 20 Karäer erhalten haben, daneben noch eine geringere Zahl von Bergjuden, die dorthin ausgewandert sein müssen. Die Zahl der Analphabeten unter den sibirischen Juden beträgt etwa 25 Prozent, sie ist bei den Frauen etwas größer äls bei den Männern, wie dies im allgemeinen für die asiatischen Gebietsteile zutrifst. In der weitgestreckten Uralrepublik ernähren sich etwa 12 700 Juden, die einen kleinen Männerüberschuß aufweisen. In der K o s a ck e nr e P u b l i k östlich des Ural hinüberreichend bis zur Mongolei, leben etwa 3600 Juden unter 6,5 Millionen Einwohnern. Prozentual noch weit geringer ist die jüdische Schicht in der K i r g h i s e n - R e p u b l i k; unter einer Million Einwohnern fristen hier 300 Juden ihr Leben. An die Küsten des sibirischen Eismeeres stößt die Jiko uten-Republik. In diesem fernen ostasiatischen Lande leben 300 000 Menschen und unter ihnen nicht mehr als 800 Juden. Die großen Landstrecken, die sich Zwischen Beringsmeet, Ochotskisches Meer im Osten und den Norden von China schieben, bilden die Republik Ferner Osten, mit der Halbinsel Kamschatka. Unter einer Bevölkerung von 1,9 Millionen Menschen leben hier 7750 Juden, die ebenfalls einen Männerüberschuß zu verzeichnen haben. Zu erwähnen ist schließlich, daß die jüdische Republik B i r o - B i d j a n in diesen östlichen Teilen des asiatischen Rußlands gelegen ist; ein Land, in dem versucht wird, eiue jüdische Kolonisation durchzuführen, trvtzdem hier sogar eingeborene sibirische Volksschichten vergeblich zu siedeln begonnen haben, weil die klimatischen Verhältnisse insbesondere der menschlichen Siedlung übergroße Schwierigkeiten entgegensetzen. An der Grenze der Mandschurei liegt dieses Gebiet, in dem heute trötz aller Schwierigkeiten über 10 000 Juden unter schwersten natürlichen Bedingungen Fuß zu fassen suchen. Bei Zusammenziehung aller dieser Einheiten ergibt sich (1926) eine Gesamtzahl von 225 000 Juden auf denr asiatischen Gebiete der Solvjetunion. Nur ein Teil dieser Juden ist ihrer Herkunft nach mit den heutigen Juden Europas und Asiens verwandt; große Teile haben sich mit beit umliegenden Bergvölkern, andere mit mongolischen Volksschichten vermischt; andere wiederum sind Gruppetl, die ihre Abkunst nicht von einem dir zwölf Stämme ableiten können, sondern die erst zum jüdischen Glauben bekehrt wurden nuddie religiösen Glaubenssä^e und die jüdischen' Religiopsbräuche im Lause der Jahrhunderte übernommen haben. Es bleibt festzuhalten, daß die Juden im asiatischen Rußland, zumal sie teil-' weise durch Zuwanderung aschkenafischer Jndeip aus dem europäischen Rußland verstärkt worden sind, dell größten Teil aller Juden des asiatischen Erdteiles überhaupt darstellen. Es wird im Rahmen dieser ANfsatzreihe noch gezeigt werden, daß — natürlich mit Ausnahme von den alten, überkommenen Lebenszentren in Kleinasien — das sonstige asiatische Gebiet nur zahlenmäßig sehr geringfügige jüdische Siedlungen aufweist. Zum Teil handelt es sich dabei allerdings um Siedlungen, deren Geschichte sich viele Jahrhunderte lang zurückverfolgen läßt und deren Alter daraus hindentet, daß bei Beginn der Zerstreuung einzelner jüdischer Stammesglieder ihren Weg abseits des Mitteltnerbeckens hinüber über unwegsame Gebirgskomplexe hindurch durch menschen- Vernichtende Wüsten und Steppen, hinüber über damals unübersehbare Meere in Länder genommen haben, wo sie trotz der hundertfachen und tausendfachen Ueberzahl der eingeborenen oder einwattderNden Stämme ihre religiöse Eigenart bis in die lebendige Gegenwart erhalten haben. vr. F. R.—z. Baüptschriftleiter: Dr. Alfred Hirschberg; Stellvejttr und verantwortlich für die Aufnahme von Bildern; Dr. Margarete Edelheim. Verantwortlich für Sport: Dr, Ernst G. Löwenthal, sämtlich in Berlin. Für Rücksendung unverlangter Einsendungen ist Freiumschlag beizufügen. Leiter der Anzeigen-Abteilung und verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Friedrich Nathan, Berlin. DA. IV. Vj. 40 00Ö, PI. 5. Verlag: Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens e V., Berlin W 15, Einser Strasse 42. Druck dfer Buch, und Tiefdruck-Gesellschaft mbH, Berlin SW 19.