Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936) - farbig
- Issue
- 10 (5.3.1936)
- Date
- 1936-03-05
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 10 * 6. Beiblatt 5. März 1936 Was kümmert uns Grossarabien? Eine wichtige Fragestellung / Von M. Y. Ben-Gavriel Jerusalem, den 27. Februar 1936. Einige kleine Meldungen der letzten Tage aus Arabien deuten auf gewisse politische Veränderungen in der Halbinsel hin, die in ihren Auswirkungen von Einfluss auf Palästina, besonders aber auf die Gestaltung der englischen Middle- East Politik der nächsten Zeit sein können. Wie es im allgemeinen Pflicht des jüdischen Jishuw in Palästina sein müsste, mit der leichtfertigen Phrase „Was kümmert uns Grossarabien“ aufräumend, alle Bewegungen im arabischen Lager mit grösster Aufmerksamkeit zu betrachten, so sind gerade diese kleinen Meldungen, über die hier gesprochen werden soll, von besonderem Interesse für uns. Wenn aus gar keinem andern Grund, so doch schon deswegen, weil ihr realpolitischer Niederschlag irgendwie die innerpalästinensisch-arabische Politik beeinflussen wird. Es ist, dies sei in Parenthese, aber dennoch als Parenthese bemerkt, von ausserordentlicher Wichtigkeit, bei jeder Gelegenheit darauf hinzuweisen, dass jede Art von splendid Isolation, was unsre Politik und ihre Blickpunkte betrifft, sich über kurz oder lang rächen muss, weil, nun weil weder die inner-jüdische, noch die inner-palästinensische Politik eine Lokalpolitik ist, sondern unter stetem, richtunggebenden Einfluss von aussen steht. Dies in einem Ausmass, wie vielleicht die Innenpolitik keines andern Landes der Welt. Es ist also nicht allein jede Art von Bewegung im arabischen Lager Palästinas, sondern auch alles, was in den grossen arabischen Zentren, in Bagdad, in Mekka, in Damaskus geschieht, wichtig für die Bildung eines konstruktiven und verantwortlichen politischen Weltbildes, das über den Zustand des Wunschtraumes hinausgeht. Einerseits, weil Palästina keine abgeschlossene Insel ist, anderseits aber, weil die englische Orientpolitik, nur zum geringen Teil von der Existenz Palästinas beeinflusst, sich vornehmlich an den Dingen und Interessen der grossarabischen Staaten, des grossarabischen Lebens- (und Aufmarsch-) raumes orientiert.*So fern auch anscheinend Länder wie Yemen, Iräq oder Hidjäs von Jerusalem oder gar von Tel-Aviv liegen, ist doch mehr oder weniger alles, was dort geschieht, in seinen Auswirkungen wichtig für die Gestaltung der Dinge in Palästina. Selbst Angelegenheiten primär durchaus unpolitischer Art, wie, sagen, wir eine Missernte im Nedjd oder eine Verringerung des Pilgerstroms nach Mekka, müssen, um nur ein Beispiel zu nennen, unfehlbar Bewegungen unter den Stämmen auslösen, die, nach allen volksbiologischen Gesetzen der Wüste, sich nach dem Norden richtend, geeignet sind, die politischen Massnahmen Ihn ssa ’üds zu beeinflussen und, in weiterer Folge, ein starkes Echo im arabischen Büro der Downing Street in London 'hervorrufen, das sich bald in den Weisungen an die britische Beamtenschaft des immerhin auch von Arabern bewohnten Palästina widerspiegelt. Schon aus diesem Grund sind die Meldungen der letzten Tage mit gebührender Aufmerksamkeit zu registrieren, jene Meldung vor allem, die mitteilt, dass soeben in Bagdad Verhandlungen zwischen den Vertretern der Wahhabi-Staaten, Yemens und des Iräq begannen, die den Abschluss eines militärischen Schutzvertrages zwischen diesen drei grossen arabischen Staaten zum Ziel haben. Diese Neuigkeit gewinnt umso mehr an Bedeutung, als gleichzeitig bekannt wird, dass in Djiddah, dem Hafen Mekkas, neuerliche Verhandlungen zwischen England und der Ssaudiye begannen, die nicht nur die Frage der Grenzregelung am Persischen Golf, sondern insbesondere die Regelung des Provisoriums von ’Aqaba zum Ziel haben. Dass dieses Problem auch für Palästina von Wichtigkeit ist, ist bekannt und wurde an dieser Stelle schon wiederholt dargestellt. Wenn nun also ’Aqaba, wie zu erwarten ist, dauernd in dieser oder jener Form dem englischen Einfluss unterstellt bleibt, ist es ziemlich einleuchtend, dass Ihn ssa ’üd — dieser prominente Vertreter der grossarabischen Gedankens — der trotz aller religiösen Ueberkleidung letzten Endes weit mehr pan-arabisch, denn parf-islamisch ist — Kompensationen auf anderem Gebiet bekommen wird. Ebenso einleuchtend aber ist es, dass diese Kompensationen in dieser oder jener Form sich auf Palästina auswirken können. Dies umso mehr, als die gleichzeitigen Verhandlungen in Bagdad nichts anderes als die Schaffung eines gewaltigen Blocks der arabischen Staaten zur Folge haben soll. Ein Freundschaftrespektive militärischer Defensivvertrag, wie er dort geschlossen wird, der den Beitritt des Wahhabi zu dem kürzlich abgeschlossenen Vertrag der mohammedanischen Nordstaaten-Türkei, Iran, Iräq und Afghanistan — vorbereitet, ist imstande das gesamte politische Bild Arabiens zu ändern. Nicht allein, weil dieser Vertrag, unter der Aegide Englands zustande kommend, die Stellung Britanniens in Arabien ungeheuer stärkt, gleichzeitig aber Englands Politik — in Anschluss an die Ansichten Edens — den arabischen Wünschen geneigt machen muss, sondern auch, weil er das Selbstbewusstsein des Arabers in Palästina stärken wird, der nicht mit Unrecht seinen Rücken durch den grossen Block der arabischen Staaten gedeckt fühlt. Wenn auch Ihn ssa ’üd heute wenig Interesse für die internen Angelegenheiten in den andern arabischen Lebensräumen zeigt und dies erst letzthin durch den Mund seines thronfolgenden Sohnes in Jerusalem erklären liess, ist doch klar, dass alles, was in Arabien und vielleicht auch bald alles was in Asien überhaupt geschieht, Einfluss nehmen muss auf die Haltung der Menschen im Mandatgebiet Palästina. Dies aber, richtig überlegt, müsste unseren politischen Horizont erweitern, wollen wir nicht Gefahr laufen, zu einer Zeit noch Kirchturmpolitik zu treiben, da dieser Kirchturm längst nicht mehr Mittelpunkt der Kreise ist, in denen wir uns zu bewegen glauben. Heute handelt es sich nicht allein darum, dass auf Grund der neuen Verträge „die arabischen Heere von Ssaudije Yemen, Iräq und Transjordanien die Küste des Roten Meeres für England schützen werden“, sondern auch darum, welche Stellung die Juden Palästinas in dieser bald lückenlosen Mauer einnehmen werden, die knapp an der Grenze Palästinas von Bagdad nach Aden sich erstrecken wird. Dies ist eine Frage am Scheideweg, denn die Zeit des „Was kümmert uns Grossarabien“ ist endgültig vorbei; Subjekt der Weltpolitik können wir nur Das Palästina-Problem fährt fort, die englischen Parlamente zu beschäftigen. Im Unterhaus wurden am 25. und 26. Februar zahlreiche Anfragen an den Minister für die Kolonien, J. H. Thomas, gerichtet, von denen wir diejenigen hier wiedergeben, denen eine gewisse grundsätzliche Bedeutung zukommt. Auf eine Anfrage des Abg. Captain Caza- 1 e t gab der Minister bekannt, dass die geplante Einschränkung des Bodenverkaufs in Palästina sich auf alle Ländereien ausserhalb des von der Verordnung ausgenommenen Gebietes von Beer Schewa beziehe, gleichgültig, ob sie im Besitz von Arabern oder Juden, von Grossgrundbesitzern oder siedelnden Eigentümern stehen. Der Abgeordnete Wedgewood verlangte hierzu die Zusicherung, dass das Haus vor der Einführung der Verordnung befragt werde, erhielt jedoch keine Antwort. Der Abgeordnete Gallachger fragte den Minister, ob im Hinblick auf die Rückwirkung der Ereignisse in Syrien auf die Bevölkerung Palästinas und Transjordaniens Truppen an die Grenzen Palästinas gebracht worden seien, und ob die Verwaltung Palästinas und Transjordaniens das Asylrecht für politische Flüchtlinge streng wahren werde. Minister Thomas antwortete, die normalen Verhältnisse in Palästina und Transjordanien seien bisher nur wenig beeinträchtigt worden, und soviel ihm bekannt sei, hätten im Zusammenhang mit der Lage in Syrien keinerlei Truppenverschiebungen in Palästina oder Transjordanien stattgefunden. Auf Grund der bestehenden Verträge werde keine Auslieferung wegen eines politischen Vergehens erfolgen. Wichtiger als diese Erörterung von Einzelfragen war eine hochpolitische Debatte, die am 26. Februar im Oberhaus über den Legislative Council stattfand. Sie wurde durch Lord S n e 1 e eröffnet, der verlangte, dass die Regierung das Projekt einer neuerlichen Prüfung unterziehe. Der Redner wies darauf hin, dass das Land heute für eine zentrale Selbstverwaltung noch nicht reif genug sei und eine solche gar nicht wünsche. Es wäre vielmehr im gegenwärtigen Augenblick ein Zehnjahresplan für die allmähliche Entwicklung lokaler Selbstverwaltungsreinrichtungen aufzustellen. Sachgemässe und schleunige. Durchführung Ihrer H ||fkUIHIinEDilUl1 nach Palästina u. 11 U V VT IIN U L IIU N U anderen Ländern Geschäftsverkäufe — Vermögensliquidation Tauschobjekte Amtsger.-Rat a. D. Dr. Aschner Oberreg.-Rat a. D. R. Eempner Berlin W 15, Meinekestr. 9 / Telefon: J 1 Bismarck2856 neben d. Palästina-Amt / 9*/s bis 13 Uhr u. I6V2 bis 19 Uhr Eigene Repräsentanzen in Palästina dann bleiben, wenn wir lernen, die Dinge um uns objektiv zu betrachten, überhaupt: zu betrachten. Lord Lytton, der durch seine besonders grossen Erfahrungen auf dem Gebiet der Kolonialverwaltung bekannt ist, bezeichnet^ den Plan des Legislative Council gleichfalls als einen „höchst gefährlichen Vorschlag“. Er setze Zusammenarbeit aller Einwohner auf der Grundlage der Mandatsbestimmungen voraus. Die Araber aber hätten sich immer geweigert, das Mandat anzuerkennen. Lord Lytton trat dafür ein, dass eine königliche Kommission zur Untersuchung der Verhältnisse in Palästina dorthin entsandt werde. Dieser Vorschlag wurde von Lord L 0 - t h i a n wärmstens unterstützt. In der Jugend Palästinas werde in Zukunft hoffentlich ein palästinensisches Nationalgefühl entstehen, von dem Araber und Juden in gleicher Weise beseelt sein können. Solange aber nationale und religiöse Gegensätze in so ausgeprägter Weise vorhanden sind wie im Palästina von heute, sei jeder Versuch, ein konstitutionelles Regime einzuführen, höchst gefährlich und würde aller Voraussicht nach die bestehenden Gegensätze verschärfen. Lord Elibank schloss sich den Bedenken an und machte den Vorschlag, einen nur aus ernannten Mitgliedern bestehenden Legislative Council zu schaffen, dem fünf Araber, fünf Juden und sechs Beamten angehören sollen. So würde es möglich sein, den Beginn einer Selbstregierung mit Einsetzung des besten Materials, das in Palästina vorhanden sei, zu sichern. Lord Melchett schliesslich warf der Regierung vor, dass sie mit dem Legislative Council eine kleinliche politische Linie eingeschlagen habe, während eine grosszügige konstruktive Politik nottue. Nachdem ausserdem noch Lord Jessel, Earl of Mansfield und Lord Marley das Wort genommen hatten, antwortete im Namen der Regierung der Unterstaatssekretär für die Kolonien, Earl of Plymouth, u. a. folgendes: Das Mandat verpflichte die Mandatarmacht ausdrücklich, das Land für eine Selbstverwaltung vorzubereiten. Alles, was darauf hindeuten könnte, dass die Regierung die Erfüllung dieser bestimmten Zusagen auf unbestimmt® Zeit hinausschieben wolle, würde das Vertrauen zur Regierung in Palästina schwer erschüttero und zu ernster Unruhe führen. Im Unterhaus und im Oberhaus „Denkmäler Palästinas“ Der zweite Teil des „Watzinger“ Von dem bedeutsamen, fortan unentbehrlichen Werk des Archäologen der Universität Tübingen Professor Carl Watzinger über die „Denkmäler Palästinas“, dessen erster Band 1933 herauskam, ist nun der zweite Teil erschienen (Leipzig, Hinrichs). Er setzt Watzingers „Einführung in die Archäologie des heiligen Landes“, die vorher bis zur Königszeit gediehen war, in die viele Jahrhunderte umfassende Epoche „von der Herrschaft der Assyrer bis zur arabischen Eroberung“ fort. Mit mustergültiger kritischer Sorgfalt wird hier auf verhältnismässig knappem Raum (164 Seiten) alles zusammengetragen, was die Forschungen der früheren Jahre und die bereits umsichtig eingeordneten Grabungen der jüngsten Zeit über die alte Kultur des Landes in dieser Zeitspanne ans Licht gebracht haben. Eine beträchtliche Zahl von Abbildungen und Tafeln begleitet den Text und spricht mit lebendiger Anschaulichkeit. Es ist die langgedehnte, unselige Periode der Fremdherrschaften über Palästina, in die wir geleitet werden. Sie wird im Grande angekündigt schon durch das kulturelle Vordringen Assyriens seit dem 9. Jahrhundert v. Chr., von dem Architektur und Kunstgewerbe Palästinas so stark befruchtet worden sind, und das nur der Vorbote der im nächsten Jahrhundert beginnenden politischen Eroberung des Landes war. Die Ohnmacht Aegyptens, das die Mächte des Zweistromlandes nicht mehr in Schach halten konnte, und die Zwietracht zwischen und innerhalb der Reiche Israel und Juda begünstigten die verhängnisvolle Wendung. Von da ab löst eine Fremdherrschaft die andere ah, und zuletzt sieht es fast so aus, als wenn das Judentum in der Umarmung der weltumspannenden griechischen Kultur des Hellenismus sein eigenes Wesen überhaupt aufgehen werde. Aber eben nur „fast“! Denn es zeigte sich schliesslich doch, dass durch alle diese endlosen Wirren hindurch der Kern des jüdischen Wesens unversehrt gebliehen war. In dem Augenblick, da die Wissenschaft die vorhandenen Trümmer im Lande und den Boden Palästinas um ihre Geheimnisse befragte, sah sie sich vor ausserordentlichen Schwierigkeiten. Assyrisches und Babylonisches, Persisches und Hellenistisches durchdringt sich so mannigfaltig und seltsam, dass die Entwirrung und Ordnung der Funde und Forschungsergebnisse Probleme über Probleme türmt. Am wichtigsten ist der griechische KultureinfluAs geworden, dem Palästina sich seit Beginn des 5. Jahrhunderts immer stärker erschliesst. Griechische Ueberlieferung berichtet von frühen Niederlassungen athenischer Kaufleute in Akko, und im 4. Jahrhundert v. Chr. stossen wir in der Münzprägung auf Nachahmungen altattischer Münztypen;* die jüdischen Silberstücke dieser Zeit dürfen übrigens zugleich als ein Zeichen dafür gelten, dass dem jüdischen Hohepriestertum in Jerusalem unter der damaligen persi^phen Satrapie eine gewisse Autonomie gewährt war. Unter Alexander dem Grossen fällt die Entscheidung, das ganze Land gerät in seinem äusseren Leben unter den Einfluss des Griechentums. In der Zeit der syrischen Seleukiden wird in Jerusalem die Hellenisierung sogar unter Zustimmung des eine Zeitlang herrschenden Reformjudentums eifrig vorwärtsgetrieben. Am Fuss der Burg entsteht ein Gymnasium, und erst das Gymnasium als Zentrum der körperlichen Ausbildung gibt der griechischen Stadt ihr eigentliches Gepräge, das sie von der orientalischen scheidet. Ja, selbst die Makkabäer stehen trotz ihrer Gegnerschaft gegen die Seleukiden und trotz ihrer religiösen Unerschütterlichkeit innerhalb der hellenistischen Kultur, wofür Watzinger das grossartige, noch zu Josephus Zeit aufrechtstehende Grabmonuinent, das Simon Makkabi seinem Bruder Jonathan ' in ihrer Heimat Modem 143 v. Chr. errichtete, als Beweis anführt. Bodenständige Vorstellungen durchdrangen sich hier mit hellenistischen Formen. Ein grosses und wichtiges Kapitel trägt die Ueberschrift „Herodes der Grosse“. Aus seiner Kenntnis des weitschichtigen Quellenmaterials gibt Watzinger einen Ueberblick über die Verwandlung Jerusalems unter diesem skrupellosen Gewaltmenschen, der die Bauleidenschaft aller Despoten des Altertums besass. Durch die erhebliche Erweiterung des Mauerrings, durch den Neubau des Tempels, der Burg Antonia, der Königsburg, die Vergrösserung des Tempelplatzes mittels imposanter Aufschüttungen erhält die Stadt ein ganz neues Gesicht. Hinzu kommt die Betätigung des königlichen Bauherrn in Hebron, in Jericho, in Samaria (wo die übereinandergelagerten Schichten erst in allerjüngster Zeit in ihren Zusammenhängen erkannt wurden) und in dem zahlreichen herodianischen Stadtgründungen nach römischem Muster. Aber inmitten dieses Stromes der griechisch-römischen Kultur, die unter Hadrian schliesslich aus Jerusalem die römische Kolonialstadt Aelia Capitolina machte, weiss das Judentum Palästinas seine besondere Art zu bewahren. Die Münzen in den Zeiten der beiden Aufstände des zweiten nachchristlichen Jahrhunderts bestätigen es, vor allem aber die Synagogenruinen in Galiläa, die bei Watzinger eingehend beschrieben und erklärt werden. Wenn in Tel Hum (Kapernaum), in Meron, in Kefrbirim, in Chorazin und an den übrigen galiläischen Ruinenstätten (im ganzen sind es elf) sowohl die Front mit ihren Portalen wie der Thoraschrein ihren Platz nach Süden erhalten, beide also nach Jerusalem weisend, so liegt in dieser Gleichsetzung der Frontorientierung und des Zieles der Verehrung trotz allen griechisch-römischen Formbildungen im einzelnen ein deutlicher Gegensatz zwischen Synagoge und antikem Tempel. Bemerkenswert dabei, wie auch das plastische dekorative Detail mehr und mehr von vorderasiatischen Elementen flächigen Schmucks aufgezogen und mit rein jüdischen Emblemen durchsetzt wird. Auch Schmuck der Wände mit bildlichen Darstellungen wird nun bemerkbar. Nach einer Nachricht im Jerusalemer Talmund, die Watzinger anführt, hat der Rabbi Jochanan im 3. Jahrhundert solchen Schmuck ausdrücklich erlaubt; anscheinend ist um diese Zeit die Auffassung herrschend gewesen, nach der im mosaischen Gesetz nur die Verehrung der Bilder, nicht die figürliche Darstellung an sich verboten sei. Die neugefundene Synagoge in Dura-Europas, die 244 n. Chr. erbaut wurde, wird mit ihren hervorragenden Freskomalereien in diesem Zusammenhang naturgemäss ausführlich gewürdigt. Freilich, die Auffassungen wechselten. Es kam später wieder zur orthodoxen Unbedingtheit, ja zu Bilderstürmereien, hei denen alles Bildliche (wie in Naaren bei Jericho) zerstört oder wenigstens angekratzt wurde. Vom 5. Jahrhundert an vertreten die Synagogenbauten einen neuen, byzantinischen Typus. Aber Watzinger weist besonders darauf hin, wie sich auch hier eine der jüdischen Baukunst Palästinas eigentümliche, von der sonstigen Entwicklung abweichende Formgebung einstellt. Dabei ist zu beachten, wie überhaupt die jüdische Anschauung sich vielfach durchsetzt. Offenbar ist z. B. durch Kaiser und Senat wieder den Prokuratoren von Judäa die Rücksicht auf die ablehnende Haltung der Juden gegenüber dem heidnischen Bilderdienst ausdrücklich zur Pflicht gemacht. So ver-