Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936) - farbig
- Issue
- 10 (5.3.1936)
- Date
- 1936-03-05
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Grossbritannien und Irischer Freistaat Die Zerstreuung der Juden über die Erde j - Nachdruck verboten! ist in Glasgow, der zweitgrößten Stadt des Königreiches, in deren Mauern inmitten einer Bevölkerung von mehr als einer Million Menschen etwa 15 000 Juden leben, also etwa 1,5 Prozent der Bevölkerung. In der zweitwichtigsten Stadt Schottlands, in Edinburg am Firth os Die Zahl der Juden in Großbritannien — ohne die Dominien, die Kolonien und ohne den selbständigen irischen Freistaat — beträgt gegenwärtig rund 340 000. Unter einer Bevölkerung von 48,5 Millionen Menschen bedeutet dies eine jüdische Dichte von 0,7 Prozent. Es leben in England also sieben Juden unter je 1000 Engländern. Der Vergleich mit dem Deutschen Reiche ergibt, daß die jüdischen Sektoren der beiden Länder in der Gegenwart annähernd gleich hoch sind; Mitte 1933 und vorher war bekanntlich der Anteil der jüdischen Menschen an der Bevölkerung Deutschlands höher. Auf dem englischen Jnselboden sind jüdische Gemeinden etwa seit dem 7. Jahrhundert nachgewiesen. Etwa 1000 Jahre später haben sich spanische Juden niedergelassen und Ausgang des 17. Jahrhunderts kamen niederländische Juden ins Land. Im 18. Jahrhundert verstärkte sich das sesardische Element, erst später wandern kontinentale Juden aschkena s i sch e n Ursprungs zu. Der aschkenasische Sektor der Juden bekommt um die Wende zum 20. Jahrhundert erheblichen Zustrom — und zwar aus Rußland — anschließend an eine Einwanderungswelle aus heute polnischen Gebietsteilen, sowie aus Bayern und aus dem Rheinland. Die ersten exakteren Zahlen sür die Größenordnung der Juden in England gehen auf den Anfang des 19. Jahrhunderts zurück. 1825 wird eine jüdische Bevölkerung von 20 000 Menschen angegeben — worin'Irland eingeschlossen ist —, dis zur Mitte des 19.' Jahrhunderts hat sich diese Zahl mehr als verdoppelt. 1880 beträgt die Zahl der Juden in Großbritannien fast 70 000, sie erreicht jedoch damit noch nicht einmal ein Viertel Prozent der Gesamtbevölkernng des Königreiches. Dann setzt zahlenmäßig nachweisbar auf Grund der Judenverfolgungen in Rußland die Einwanderung russischer Juden ein, die im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts etwa bis zum Jahre 1906 300 000 jüdische Menschen nach England bringt; nur ein Teil von ,ihnen hat allerdings dort Fuß gefaßt, die anderen sind nach Nordamerika weitergezogen. Dennoch ist die Zahl der in England verbleibenden so groß geworden, daß im Jahre 1900 die Zahl der Juden auf 200 000 angegeben lvird, womit ihre Quote aus 0,5 Prozent der Gesamtbevölkerung angestiegen ist. In den 31/2 Jahrzehnten, die seit der Jahrhundertwende verflossen sind, hat eine weitere Zuwanderung stattgefunden; dadurch ist die oben angegebene Hohe von rund 340 000 Juden erreicht worden, wobei die zahlenmäßig nicht sehr ins Gewicht fallende Einwanderung deutscher Juden in den letztvergangenen fast drei Jahren bereits berücksichtigt ist. England und Wal es. Das Gros der englischen Juden lebt in London. Ihre Zahl wird mit rund 185 000 angegeben. Unter der Londoner Gesamtbevölkerung von rund 4*4 Millionen Menschen bedeutet dies eine Quote von 4,1 Prozent. Vergleicht man diese Ziffern mit Berlin und Wien, so ergibt sich, daß diesen beiden Städten gegenüber die Zahl der Juden in London absolut größer ist, dagegen ist sie prozentual erheblich höher in Wien, ein wenig höher auch in Berlin. In Paris ist die jüdische Einwohnerzahl zwar um. 50 000 niedriger als in London, der Prozentsatz der Juden ist jedoch in Paris mit - wa 5 Prozent etwas größer als in London und auch in Berlin. Zieht man die Weltstädte der Erde — d. h. die Städte mit mehr als 1 Million Einwohnern — zum Vergleich heran, so wird die absolute Zahl der Juden in London in drei Zentren weit überstiegen: in N e w - P o r k, in Warschau und — wenn auch nicht sehr stark — in Budapest. Innerhalb der beiden Weltstädte des Deutschen Reiches ist die Zahl der Juden niedriger als in London, in Berlin leben etwa 25 000 Juden weniger als in London und in Hamburg etwa 165 000 weniger als in London, d. h. also, daß die Zahl der Hamburger Juden um mehr als neun Zehntel geringer ist als die der Londoner. - - Die Juden Londons, ebenso wie alle englischen Juden und alle Engländer, ihrem Vaterlande und der Krone treu ergeben, haben sich unbeschadet dessen zum Teil ein ausgeprägtes jüdisches Eigenleben erhalten, das sich auf den verschiedensten Gebieten zeigt. Außerordentlich groß ist die Zahl der jüdischen Synagogen in London. Die verschiedenen Religionsgemeinschaften unterhalten fast 100 Synagogen bzw. Bethäuser. Allein die spanische und portugiesische Gemeinde besitzen vier Gotteshäuser, deren ältestes vor fast 250 Jahren errichtet worden ist; in diesen Tempeln findet Wan heute noch auch die gläubigen Juden, deren Voreltern bereits als Marannen die pyrinäische Halbinsel verlassen haben, und die sich nach ihrer Niederlassung in England wieder offen zum Judentum bekannten. Von der religiösen Einstellung der Londoner Juden legt auch die große Zahl der jüdischen Wohlfahrtsinstitutionen Zeugnis ab. Jüdische Schulen, theologische Seminare, Erziehungsinstitute, jüdische Bibliotheken, Zeitungen in hebräischer und jiddischer Sprache, j ü d.i s ch e Klubs englischen Musters, jüdische Sportvereine usw. zeugen für den hohen kulturellen Stand, den der jüdische Volksteil Englands, eng angelehnt an den hohen Forth, in der Handel und Industrie etwas zurücktreten, beziffert sich die jüdische Einwohnerzahl aus 2000, d, h. auf etwa % Prozent der Stadtbevölkerung, in der Großstadt Dundee leben nur etwa 100 Juden, das sind etwa 6 unter 10 000 Stadtbewohnern, und schließlich in der viertgxößten Stadt Schottlands, in Aberdeen, wohnen nur 60 Juden, das sind 3 unter 10 000 Einwohnern. Nord-Irland. Die größte Stadt dieses irischen Bestandteiles des Königreiches Großbritannien ist B e l f a st; hier leben unter 450 000 Menschen etwa 1200 Juden, das sind etwa 4 aus 1000 Einwohner. Ganz im Norden Irlands, in L o n d o n d'e r r y, an der Grenze von Donegal, wohnen nur 50 Juden; das sind etwa 15 unter 10 000 Stadtbewohnern. Irischer Frei sta a t. Im Nahmen der britischen Inseln liegt, wie bekannt, der Irische Freistaat, ein britisches Dominion mit Selbstverwaltung, das im Jahre 1921 aus dem Vereinigten Königreich von- Großbritannien und Irland geschieden ist. Das Staatswesen umfaßt den größeren, südlichen Teil Irlands, es ist an Gebietsuwsang kleiner als Bayern. Seine Bevölkerung von etwa 3 Millionen Menschen ist zu etwa 90 Prozent römisch-katholisch, in ihrer Mitte leben etwa 4000 Juden, d. h. etwa 1 pro Mille. Unter 1000 Irländern lebt demnach ein Jude. Um die Jahrhundertwende betrug die Zahl der Juden innerhalb der heutigen Grenzen des Staatsgebietes etwa 3000, der jüdische Sektor war also stets sehr klein. Heute lebt die Mehrzahl der irischen Juden in der Landeshauptstadt Dublin, insgesamt etwa 3500, das sind etwa 1 Prozent der Dübliner Bevölkerung. Trotzdem, die Gemeinde also nicht sehr groß ist, unterhält sie doch mehrere Synagogen, eine größere Anzahl kariin unserer Serie „Die Zerstreuung der Juden über die Erde“ wurden bisher folgende Länder behandelt: Litauen, Estland, Lettland, Danzig und Memelgebiet, Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland, Tschechoslowakei, Ungarn, Bulgarien, Griechenland, Jugoslawien, Oesterreich, Italien, Frankreich, Spanien und Portugal, Türkei, Syrien, Aegypten, Irak und Arabien, Tripolis, Cyrenaica> Tunis, Algier, Märokko, Tanger, das Mittelmeerbecken, Schweiz, Belgien und Luxemburgfund die Niederlande. ln der nächsten Woche beginnen wir mit der soziographischen Behandlung der Juden im europäischen und asiatischen Russland. Es folgen die Darstellungen über die Juden in den übrigen Erdteilen. Bildungs- und Kulturstand seiner Umwelt und teilweise in enger Verbindung mit ihm. exreicht hat. * Ein Teil der Juden Londons hat seinen Wohn-' sitz in besonderen Stadtteilen. Der bekanntesteist Whitechapel, dessen jüdischer Charakter durch die vielen hebräischen Inschriften, durch den Verkauf der in hebräischer Sprache gedruckten Zeitungen und nicht zuletzt durch, den jiddischen Dialekt seiner aschkenasischen, insbesondere aus Rußland und Polen stammenden Bewohner deutlich und sofort erkennbar ist. Weniger ausgeprägt, aber dennoch überwiegend von jüdischen Menschen bewohnt, sind die Stadtteile Houndsditch und Minories. Ein großer Teil der Juden gehört dem Handwerker st and an. Um die Wende zum 20., Jahrhundert ernährten sich etwa-die Hälfte der Londoner Juden durch handwerkliche Berufe, darunter der größte Teil als Lohnempfänger. Auch heute noch hat sich das Bild nicht wesentlich geändert. Ebenso wie bereits vor Jahrzehnten Sprossen der angesehensten jüdischen Familien Englands sich in Spitzenstellungen der Wirtschaft — im Bankwesen, in Handel und Industrie — bewährt haben, trifft das auch sür die Gegenwart zu. Wie vor Jahrzehnten, so spielen auch heute einzelne angesehene Juden im öffentlichen Leben, im Parlament, in der Politik und der Verwaltung des Imperiums eine Rolle. Außerhalb der englischen Residenzstadt befinden sich große jüdische Gemeinden innerhalb von England und Wales in verschiedenen weltbekannten Städten. Etwa 33 000 Juden sind in Manche st er ansässig, wo sie etwa eine Quote von 4,8 Prozent der Bevölkerung bilden; in Leeds leben unter 460 000 Einwohnern rund 25 000 Juden, also etwa 5,5 Prozent der Stadtbevölkerung. In Liverpool liegt ihr Anteil mit etwa 7000 jedoch unter 1 Prozent. In der wichtigen englischen Industriestadt Birmingham haben etwa 6000 Juden ihre Existenz, an der Bevölkerung der Stadt gemessen etwa % Prozent. Im übrigen beheimaten mehr als 50 zum Teil kleinere und kleinste Städte in England jüdische Untertanen des Weltreiches. Schottland. Die größte jüdische Gemeinde tativer Institutionen und gesellschaftliche Ein-s richtüngen. Die'jüdische Gemeinde in Cork an der Südostküste Irlands umfaßt etwa. 350 Köpfe. Auch dieser kleine jüdische Splitter hat eine eigene Synagoge errichtet. Noch viel kleiner ist die jüdische- Gemeinde in Limerick an der Westküste der Insel, hier gibt es 150 ' jüdische Menschen. Eine jüdische Gemeinde gibt es weiter noch in W a t e r s o r d, wo aber nur 37 Juden wohnen. In anderen kleineren Orten leben zum größten Teil überhaupt keine jüdischen Menschen, nur an wenigen Stellen Irlands noch einige wenige jüdische Familien. Da keinerlei statistische Angaben über die Bevölkerungsentwicklung und über die Altersgliederung vorliegen, können keinerlei Schlüsse nach der Richtung gezogen werden, ob der schmale Sektor der irischen Juden sich aus eigener Fruchtbarkeit heraus selbst erhält oder bereits einen Sterbeüberschuß aufweist. Auch über die Berufsstruktur der. irischen Juden fehlen irgendwelche Anhaltspunkte. Um etwaige Zweifel zu vermeiden, sei nochmals wiederholt, haß es sich bei den vorstehenden Zahlenangaben nur um die britischen Inseln handelt, also um das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Irland und um den Irischen Freistaat, während die Dominien des großen britischen Reiches außerhalb der britischen Inseln, also die englischen Reichsteile in Nordamerika (Kanada), Indien, Australien, in Afrika, die britischen Besitzungen Gibraltar, Cypern, Malta usw. hierin nicht inbegriffen sind. Die sür die jüdische Statistik wichtigen Ergebnisse dieser Gebiete werden an anderen Stellen, und zwar nach der geographischen Lage der mehr oder weniger selbständigen Gebietsteile behandelt. Es sei jedoch hier zusammenfassend sür das britische Empire sestgestellt, daß die Gesamtzahl seiner Untertanen jüdischen Glaubens einschließlich des Mandatsgebietes Palästina nahe bei einer Million liegt, diese Ziffer schließt die Juden des englischen Mutterlandes mit ein. vr. E. R—z, Auswanderer! 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Der Zuwachs betrug in der ersten Hälfte des Jahrzehnts, von 1925 bis 1930, 700 000, d. h. durchschnittlich 140 000 Seelen jährlich. In der zweiten Hälfte des Jahrzehnts da^. gegen nur 600 000, somit bloß 120 000 jährlich. Der natürliche Zuwachs der Juden geht, wie bei allen Völkern, zurück. Die Verringerung des Bevölkerungszuwachses ist nicht auf erhöhte Sterblichkeit, sondern auf das Fallen der Geburtenzahl zurückzuführen. r Die Verteilung der Juden in der Welt blieb im großen ganzen in dem abgelausenen Jahrzehnt fast unverändert. Ueber 60 Prozent aller Juden, annähernd 10 Millionen-, leben in Europa; über 30 Prozent, rund 5 Millionen, leben in Amerika, über 5 Prozent, mehr als eine halbe Million, in Asien; in Australien gibt es im ganzen etwa 30 000 Juden. Zwei Drittel des jüdischen Volkes, über 10 Millionen Seelen, sind in den drei Ländern: Vereinigte Staaten von Nordamerika (4 450 000), Polen (3 150 000) und Svwjetrußland (3 080 000) konzentriert. Im übrigen verteilen sich die Juden der Welt auf über 80 Staaten und Länder. Nur vier Staaten haben eine Bevölkerung von mehr als einer Million Juden, nämlich die drei bereits genannten Länder und Rumänien Eine jüdische Bevölkerung von über 100 000 Seelen gibt es in siebzehn Staaten, die zusammen 15 Millionen Juden oder 92 Prozent der gesamten Judenheit umfassen. Die absolute Zahl der Juden ist überall gestiegen, mit Ausnahme von Deutschland, Oesterreich, Ungarn, Italien, der Schweiz und der Türkei. In einzelnen dieser Länder ist die Zahl der Juden erheblich zurückgegangen. Die Nichtzionisten in der Jewish Agency Ensprechend einem von der Luzerner Tagung des Council der Jewish Agency gefaßten Beschluß wurde bei der Exekutive der Jewish^Agency ein unter der Leitung von Dr. Werner Senator stehendes Büro zur Organisierung der Nichtzio-. nisten innerhalb der Agency geschaffen. Das Büro hat seine Arbeiten bereits ausgenommen. Hut 33 Uftn bif mh Humol I kostet die C.-V.-Zeitung. 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