Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936) - farbig
- Issue
- 7 (13.2.1936)
- Date
- 1936-02-13
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Judentum in der Schweiz Die Zerstreuung der Juden über die Erde. XXV. Innerhalb einer Gesamtbevölkerung von wenig Wer vier Millionen Menschen leben in der schweizerischen Eidgenossenschaft nach der neuesten amtlichen Statistik (1930) knapp 18 000 Juden, d. % vier unter 1000 Einwohnern. Der jüdische Sektor in der Schweiz ist damit prozentual nur etwa halb so groß wie im benachbarten Deutschland. Die ersten zahlenmäßigen Angaben über jüdische Familien stammen aus dem 13. Jahrhundert, damals bereits waren Juden in Basel, Bern, Biel, St. Gallen, Zürich usw. ansässig. Aus eine lange Geschichte können die jüdischen Gemeinden in Lengnau und Oberendingen im A a r g a u zurückblicken; ein alter jüdischer Friedhof ist Beweis, für die Alteingesessenheit vieler jüdischer Familien in Schweizer Landen. Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts, oft nach wechselvollem Schicksal, sind in allen Kantonen Juden seßhaft. Im Jahre 1850 etwa betrug ihre Gesamtzahl 2500 Köpfe. Die amtlichen Statistiken, die in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts einsetzen, geben für 1880 eine Zahl von rund 7400 Juden an, 1900 ist diese Ziffer auf 12 300 gestiegen, sie wächst mit dem Steigen der übrigen Bevölkerung allmählich an, wenn auch stets in bescheidenen Grenzen. Eine Einwanderung von russischen und polnischen Juden in der Zeit kurz vor der Jahrhundertwende bis 1910, die im Gefolge der Pogrome einsetzte, brachte eine weitere Erhöhung, die sich in einer Ziffer von 18 500 Juden unmittelbar vor Kriegsbeginn ausdrückt. Das Ende des Krieges brachte eine große Anzahl von Flüchtlingen aus allen Ländern, darunter auch Juden; 1920 wurde daraufhin die Höchstzisfer für Juden in der Schweiz mit rund 21000 festgestellt, die bis zur Gegenwart, wie oben festgestellt, wieder auf unter 18 000 abgesunken ist. Insgesamt bestehen heute 24 jüdische Gemeinden, die in ihrer großen Mehrzahl liberal sind, sehr wenige sind religiösorthodox, Ihrer Herkunft nach find die schweizerischen Juden Aschkenasim, überwiegend Nachkommen derer, die in der ersten Hälfte des 17.. Jahrhunderts im Gefolge des 30jährigen Krieges ins Land gekommen sind. (Nachdruck verboten) Ebenso wie in Deutschland waren die Schweizer Juden schon frühzeitig genötigt, sich den Berufen des Handels zu widmen; so erklärt sich auch, daß sie größtenteils in den schweizerischen Großstädten wohnen. Zürich hat die größte jüdische Gemeinde, dort leben gegenwärtig über 5800 jüdische Menschen, etwa 2% Prozent der Bevölkerung. Der Größenordnung nach folgt die jüdische Gemeinde der Stadt Basel mit 2600 Köpfen. Innerhalb der 150 000 Baseler bedeutet dies eine jüdische Quote von weniger als 2 Prozent. In Gens wohnen heute etwa 2250 Juden; da die Stadt eine geringere Einwohnerzahl als Basel hat, ist der prozentuale Anteil der Juden etwas höher als 2 Prozent. In Bern, der Landeshauptstadt, wohnen nur 850 Juden, das sind weit unter 1 Prozent, in Lausanne nur wenig mehr als 800. Diese wenigen Zahlenangaben zeigen bereits, daß die Mehrheit der schweizerischen Juden in den deutschsprachigen Gebieten lebt, in den Kantonen italienischer Zunge sind die Ziffern der jüdischen Einwohner sehr gering, ebenso wie in den besonderen, weltbekannten Fremdenverkehrszentren. Dennoch bleibt festzuhalten, daß in allen 25 Kantonen der Schweiz jüdische Menschen leben. Die niedrig st en Zahlen, manchmal nur ein oder zwei Familien, gelten für die Kantone Uri, Schwyz, Ober- und Unterwalden, Glarus und Appenzell, während die Kantone mit den Hauptstädten Zürich, Bern, Basel, Genf und auch Baud und Luzern die absolut höchsten Ziffern ausweisen, wenngleich die jüdische Quote selbst in diesen Kantonen zum Teil weit unter dem Landesdurchschnitt von 4 zu 1000 zurückbleibt. Als Besonderheit der schweizerischen Juden nach der bevölkerungspolitischen Seite ist ein geringer Männerüberschuß festzustellen, der sich aus den Einwanderungen der letzten beiden Jahrzehnte erklärt. Deren Umfang drückt sich u. a. auch darin aus, daß von den 18 000 Juden, die gegenwärtig in der Schweiz leben, nur etwa 10 000 Schweizer Bürger sind, während rund 8000 sich unter der großen Zahl von Ausländern — weit über 350 000 — befinden, denen die Schweiz Gastrecht gibt. Leider bestehen keine amtlichen Ziffern, aus denen man für die einzelnen Konfessionen die Bevölkerungsentwicklung und insbesondere den Geburtenüberschuß ablesen kann. Die Dolkszählungsziffern der letzten Jahre führen jedoch zu der Schlußfolgerung, daß die schweizerischen Juden einen Sterbeüberschuß haben und ihr annähernder Bestand nur durch Zuwanderung erhalten geblieben ist. In diesem Zusammenhang ist eine Feststellung für die Judenheit Zürichs interessant, wo man die Geburtenzahl der Ost- und der Westjuden gesondert feststellte. Dabei ergab sich, daß der Kiüberreich tum der o st jüdischen Familien fast doppelt so groß ist wie der der Westjuden. vr. E. R-s. Auslands - Nachrichten Holland Aus Amsterdam wird gemeldet, daß durch einen Erlaß die für viele Branchen bereits vorgeschriebene schriftliche Genehmigung zur Beschäftigung von Ausländern auf zahlreiche weitere Berufe ausgedehnt worden ist. Es gäbe jetzt kaum noch Branchen, in denen Ausländer ohne besondere Genehmigung beschäftigt werden könnten. In Kürze werde auch ein Gesetzentwurf erwartet, der die Niederlassung von Ausländern als selbständige Unternehmer Beschränkungen unterwerfe. Polen An dem letzten Markttag ist es in dem Städtchen Gostyn im Kreise Posen zu ernsten judenseindlichen Ausschreitungen gekommen. Der eingreifenden Polizei setzten die Aufrührer Widerstand entgegen. In dem Kampf wurden zwei Polizisten und ein Gendarm getötet. Auch in anderen Ortschaften, insbesondere in der Gegend von Czenstochau, fanden judenfeindliche Ausschreitungen statt. Außerdem wurden siebzehn Nationaldemokraten als Rädelsführer der Unruhen in Truskoläs verhaftet. Ferner wurden vier .Nationaldemokraten festgenommen, die, als sie von den Unruhen in Truskoläs erfuhren, an dem gleichen Tage judenfeindliche Ausschreitungen in Klobuck Hervorriesen. Eine lebhafte judenfeindliche Propaganda geht auch in der Gegend von Wilna vor sich. Auf eine Interpellation des jüdischen Abgeordneten Dr. Emil S o m m e r st e i n über die zunehmenden antijüdischen Attentate in Polen hat Innenminister Rackiewicz dem Sejmvorsitzenden folgende Antwort übersandt: „Die Erscheinungen der antifüdischen Aktion sind mir bekannt; die mir unterstehenden Organe wurden angewiesen, über die öffentliche Sicherheit zu wachen, antijüdische Ausschreitungen sofort zu unterdrücken und auch Vorbeugungsmaßnahmen zu treffen. Bis heute stießen alle Exzesse auf energische Gegenwirkung; das wird auch in Zukunft so sein. Ich halte es nicht für zweckmäßig, irgendwelche neuen Verordnungen zu erlassen. Rumänien Im Alter von 75 Jahren starb in Budapest der Reichstagsabgeordnete Paul S a n d o r, der im ungarischen politischen Leben eine hervorragende Rolle gespielt hat. Er war es, der den Kampf gegen den Numerus clausus in Ungarn im Jahre 1920 führte. Im Jahre 1922 entging er nur wie durch ein Wunder einem Bombenanschlag, der auf ihn wegen der Verteidigung jüdischer Interessen verübt worden war. Aus seine Initiative geht ein im Jahre 1926 erlassenes Gesetz zurück, wonach die ungarischen Juden im Oberhaus durch zwei Rabbiner vertreten sind. Paul Sandor war im vergangenen Frühjahr Alterspräsident des ungarischen Abgeordnetenhauses; um die Uebernahme dieses Amtes hatte ihn Ministerpräsident Gömbös gebeten. _ Krise in der Wiener Kultusgemeinde Die seit längerer Zeit in der Wiener Kulturgemeinde latent vorhandene Krise ist in ein verschärftes Stadium getreten. Die „Union öfterr e i ch i s ch e r Juden" war nicht gewillt, aus den Vorschlag der Zionisten einzugehen, nach dem deren Vertrauensmann, der frühere Vizepräsident Dr. Josef Löwenherz zum Amtsdirektor der Gemeinde bestellt werden sollte. Da sie als Minorität keine Aussicht hatte, ihren Protest durchzusetzen, legte sie ihre elf Mandate geschlossen nieder. Sie begründete diesen Schritt damit, daß durch die nach den Februarereignissen notwendig gewordene Annullierung von je vier poale-zionistischen und sog. „werktätigen" Mandaten die ursprünglichen Mehrheitsverhältnisse entscheidend verschoben worden seien. Infolgedessen sei das zu einem so wichtigen Beschluß wie der Bestellung des höchsten Amtsleiters erforderliche Quorum als nicht mehr vorhanden zu betrachten. Die von der „Union" mit ihrem Protestschritt verfolgte Absicht, die Beschlußunfähigkeit des Gemeindevorstandes herbeizuführen, hat zunächst nicht zum Ziel geführt. In einer Plenarsitzung des Vorstandes der Wiener Kultusgemeinde fanden die durch den Austritt der Unionisten notwendig gewordenen Ergänzungswahlen in das Präsidium und ins Vertreterkollegium statt. An der Sitzung nahmen sowohl die dem zionistischen Landesverband angehörenden Kultusvorstandsmitglieder als auch die Vertreter der Judenstaatszionisten, der NZO und des Verbandes der radikalen Zionisten (Allgemeine Zionisten Gruppe A) teil. Zum zweiten Vizepräsidenten an Stelle des unionistischen Vizepräsidenten Dr. T i ch o wurde der Rat der Stadt Wien, Dr. Jakob Ehrlich, gewählt. Der Kultusvorstand beschloß ferner auf Antrag des Vertreters der progressiven Zionisten (Allgemeine. A) und des Verbandes der radikalen Zionisten, Dr. Leopold Plaschkes, ehestens Neuwahlen auszuschreiben und durchzuführen. Gleichzeitig wurde in der Plenarsitzung beschlossen, dem Vertreterkollegium Dr. Josef Löwenherz als ersten für die Stelle des Amtsdirektors zu empfehlen,' wobei die Bestellung jedoch provisorisch für ein Jahr erfolgen soll, da statutengemäß im Jahre 1936 die Erneuerung des Kultusvorstandes vorgenommen werden muß und der Entscheidung des künftigen Kultusvorstandes nicht vorgegriffen werden soll. Gegen diesen Beschluß hatte sich Dr. Leopold Plaschkes ausgesprochen, der den Standpuükt vertrat, daß im Interesse des Zionismus und der Unantastbarkeit der Gemeindeautonomie von der Bestellung des früheren Vizepräsidenten zum Amtsdirektor abzuraten sei. Der öerliner Gemeindevorstand Verschiebung der Ergänzungswählen In der Repräsentantenversammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde am 28. Januar dieses Jahres wurde nach Wiederwahl des bisher amtierenden Präsidiums der Versammlung die Vorlage betreffend Neuwahl zweier Vorstandsmitglieder erörtert. Während die Vertreter des Jüdischen Volksbundes und der zionistischen Fraktion forderten, die Ergänzung des Vorstandes durch Wahl zweier zionistischer Herren, zumindest die Nachwahl für Dr. Hirsch, die in keinerlei Zusammenhang mit dem Kompromiß stehe, noch in dieser Sitzung vorzunehmen, schlugen die Vertreter der Religiös-Liberalen Fraktion vor, da nicht eindeutig klar sei, ob auch alle Gruppen der Gemeinde noch zu dem Kompromiß stünden, einen Ausschuß einzusetzen, der die Wahl der beiden Vorstandsmitglieder vorbereiten und Fragen, die sich bei der Erfüllung des Kompromisses ergeben hatten, klären solle. In der Abstimmung wurde beschlossen, diesen Ausschuß einzusetzen, der aus fünf Mitgliedern bestehen wird. Erste Reichskonferenz der polnischen Juden in Deutschland Am 9. Februar wurde im großen Saale des Berliner Logenhauses die erste Reichskonferenz der polnischen Juden in Deutschland in Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste eröffnet. Der polnische Botschafter war durch Legationsrat Skolkowski, das Generalkonsulat durch die Konsuln Kruczkiewicz und Kovalewski vertreten. Nach einleitenden Worten des Vorsitzenden des Berliner Verbandes polnischer Juden und Absendmig eines Huldigungstelegramms an den polnischen Staatspräsidenten begrüßte im Aufträge des Botschafters Konsul Kruczkiewicz die Versammlung. Im Namen der Reichsvertretung der Juden in Deutschland sprach Dr. Leo Baeck über die Besonderheit jüdischen Schicksals. „Ein Jude sein", so führte er aus, „heißt, eines Maximums an Geboten und Opfern fähig fein. Unser Heroismus ist nicht der, welcher, ob erregt oder ruhig, nach der Waffe greift. Es ist vielmehr der, welcher, seiner selbst gewiß, darum auch seiner selbst Herr bleibt, welcher, auch in schwersten Tagen, dem Höchsten und Größten, der wahren Frömmigkeit und Sittlichkeit zugewandt bleibt. Das ist die heldenmäßige Form unseres Daseins. In ihr beweist sich jüdisches Bewußtsein, jüdisches Leben. Von diesem Heroismus erzählt auch die Geschichte unserer Brüder im Osten, in ihm wollen Ost und West sich treffen. Mögen Ihre Beratungen von diesem Geiste erfüllt sein." Der Centralverein war durch den stellvertretenden Vorsitzenden des Landesverbandes Groß-Berlin, Dr. Kurt Braun, vertreten. Bevor er das Wort ergriff, wies der Versammlungsleiter auf die bewährte Hilfe hin, die der C. V. dem jungen Verband bei der Rechtsberatung der Mitglieder geleistet hat. Von Beifall empfangen, erörterte Dr. Braun die Tätigkeit des Centralvereins für die jetzigen Mitglieder der neugegründeten Vereine polnischer Juden. Er versprach die weitere praktische Mithilfe auf den Arbeitsgebieten des C. V. und wies auf die Gemeinsamkeit der Tätigkeit zur Erhaltung und Pflege des Judentums hin. Ferner hielten Begrüßungsansprachen Kammergerichtsrat Wolfs für den Preußischen Landesverband und die Jüdische Gemeinde Berlin, Dr. Michael Traub für die Zionistische Vereinigung für Deutschland und Rechtsanwalt Dr. K o z o v e r für den Jüdischen Volksbund. Als erster Hauptreferent sprach Dr. Jakob M e i t l i s über diejüdisch-PolnischeEmig r a t i o n, ihre Geschichte und innere Struktur. Er ging von der Ostjudenheit als einer geschlossenen Kultureinheit aus, welches sich aus volklichreligiösen und sprachlich-kulturellen Komponenten zusammensetzte. Das habe seit vielen Jahrhunderten zu Spannungen zwischen Ost- und Westjuden geführt, die jedoch durch gemeinsame jüdische Arbeit an Intensität verlören. Insbesondere behandelte der Redner die Ein- und Durchwanderung der Polnischen Juden in den Jahren 1920 bis 1930 in Deutschland und ihre bevölkerungspolitischen und sonstigen Folgen. Die Entwicklung seit 1933 hätte die Spannungen noch stärker vermindert und Ost und West einander nähergebracht. Der Referent glaubt, daß der hier verbleibende Rest aus Polen eingewanderter Juden sich mit den in Deutschland geborenen Juden verschmelzen werde. Der nächste Refernt, Dr. Traub, behandelte die wirtschaftliche Lage der polnischen Juden. Die ungünstige Berussschichtung als eine Folge der zaristischen Gesetzgebung sowie der Weltkrieg hätten zu einer großen Not im polnischen Judentum geführt. Der größte Teil der polnischen Juden gehöre .gezwungenermaßen dein Handelsstand an und werde zwischen Produzenten und Konsumenten zerdrückt. Das hätte mit Antisemitismus nichts zu tun, sondern wäre die Folge der ausgezwungenen, unmöglichen Berufsschichtung. Es bliebe für die polnischen Juden in erster Linie nur der Uebergang zu produktiven Berufen übrig, der durch die Not in Landwirtschaft und Industrie nicht gerade erleichtert werde. Die Auswanderung nach Palästina stelle für die polnischen Juden noch weniger eine restlose Lösungsmöglichkeit der wirtschaftlichen Schwierigkeiten dar, als für die deutschen Juden. Die große Masse werde in Polen bleiben müssen. Ihre Aufgabe wird es sein, sich den gegebenen ökonomischen Verhältnissen anzupassen. Dieses Bestreben müsse durch die wirtschaftliche Gesetzgebung der polnischen Regierung unterstützt werden. Nach Schluß der Eröffnungssitzung fanden in der Zeit bis zum 11. Februar zahlreiche Plenar- und Kommissiönssitzungen statt, auf denen im An-? schluß an Referate von Dr. Jacob Meitlis, Rosenwasser (Frankfurt a. M.) und Isaak Kornfeld grundsätzliche und organisatorische Fragen erörtert wurden. Landesleitertagung im RjF Am 9. Februar 1936 fand eine Sitzung der Vorsitzenden der Landesverbände und der Bundesleitung des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten in Berlin statt. Nach der Tradition des Bundes begann die Sitzung mit dem ehrenden Gedenken der gefallenen Kameraden; hieran knüpfte der Bundesvorsitzende Dr. Löwen st ein Worte der Begrüßung für die Anwesenden. Es folgten Berichte von Dr. Ernst Rosent h a l, Dr. Elsbach, Dr. Siegel und Walter Beck. Nachdem der Bundesvorsitzende Dr. Löwenst e i n über die Stellung des RjF. innerhalb der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland eingehend gesprochen hatte, wurde der Bundesleitung in einer Entschließung einmütig das Vertrauen ausgesprochen. Die Resolution schließt: „In Auswirkung der stets von ihm vertretenen Lebensauffassung dient der RjF in Disziplin, Einsatz und Opferbereitschaft der jüdischen Gesamtheit und fördert im Bewußtsein der Größe von Aufgabe und Verantwortung im Geiste echter Frontkameradschast die Bildung einer innerlich gefestigten jüdischen Gemeinschaft in Deutschland." Das Christentum in der heutigen Welt Auf der Tagung der Bremischen Evangelischen Kirche, die auf Veranlassung des Landesbischofs Lic. Dr. Weidemann einberufen worden war, wurde, wie wir der Tagespresse entnehmen, eine Reihe von Vorträgen über die Stellung des Christentums in der heutigen Welt gehalten. Pastor Roser (Bremen) sprach über das Thema „Ist Christentum jüdisch?" Er erörterte darin die Frage, wie es mit der Herkunft Christi stehe, und ob er jüdischer oder arischer Abstammung gewesen sei. Galiläa, seine Heimat, sei kein rein jüdisches Land gewesen. Die Bibel treffe keine Unterscheidung, weil sie in Christus nicht den Menschen, sondern den Gott sehe, Christus sei von den Juden ans Kreuz gebracht worden. Sie hätten ihn nicht gelten lassen wollen als ihren Volks¬ und Glaubensgenossen und Hütten ihn aus ihrem Volk und ihrer Kirche ausgestoßen. Denn sein Leben sei nichts anderes gewesen als ein großer, sich steigernder Kampf gegen die Juden. Auch die Apostel hätten als Juden den Kamps Christi gegen das J^entum fortgesetzt. Darum seien sie von ihrem Volk ausgestoßen worden wie ihr Herr. Die Briefe des Paulus seien leidenschaftliche Kampfschriften gegen das Judentum. Echtes und ursprüngliches Christentum sei der radikalste Gegner des Judentums, und gegen jeden Versuch, das Christentum wieder jüdisch zu machen, müsse scharfer Protest eingelegt werden. Landesbischof Dr. Weidemann sprach über „Das Neue Testament deutsch den Deutschen des Dritten Reichs" und führte dabei u. a. aus: Seit Februar vorigen Jahres sei eine Gruppe von Männern bei der Arbeit, die Bibel neu zu über* setzen. Es gehe nicht um den Luther von gestern» sondern um den Christus von heute. Die Ehrfurcht vor Luther dürfe nicht zur Unwahrhastigkeit gegenüber dem Bibeltext führen. Ein deutscher Mensch mache ein Buch wieder zu, in dem stehe, daß ihm das Gesetz von Moses gegeben sei. Es genüge nicht, nach der Bibel zu rufen, sondern man müsse nach dem wahren Sinn der einzelnen Textstellen fragen. Es sei Pflicht für jeden evangelischen Geistlichen, für seine Predigt nicht nur den Luther-Text heranzuziehen, sondern auch aus den griechischen Urtext zurückgehen. Für die Gruppe der Männer, die mit der Uebersetzung beschäftigt sei, bilde das Johannis-Evangelium das Eingangstor in die Bibel. Es habe sie, als Nationalsozialisten, angezvgen, weil in ihm der göttliche Heilbringer in erbittertem Kamps gegen das Judenvolk liege. Reichsausschuss zum Schutze des deutschen Blutes Das Reichsministerialblatt für die Innere Verwaltung veröffentlicht eine Verordnung des Reichs- und preußischen Ministers des Innern, derzufolge der Reichsausschuß für Ehegenehmigungen beim Reichsministerium des Innern gebildet worden ist. Er hat den Namen Reichsausschuß zum Schutze des deutschen Blutes erhalten. Diesem Reichsausschuß sind alle Anträge von staatsangehörigen jüdischen Mischlingen nnt zwei volljüdischen Großeltern auf Genehmigung der Eheschließung mit Staatsangehörigen deutschen oder artverwandten Blutes oder mit staatsangehörigen jüdischen Mischlingen, die nur einen volljüdischen Großelternteil haben, vorzulegen. Die Anträge sind schriftlich bei der für den Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt des Antragstellers zuständigen höheren Verwaltungsbehörde zu stellen. 100 Jahre weniger 11 'Tage... Dieser Tage ist in Paris Moise W e i s ko p f gestorben, der am 19. Februar 100 Jahre alt geworden wäre. Er wurde am 19. Februar 1836 in Aub (Bayern) geboren, war Lehrer an dem Rabbiner-Seminar in Colmar, nachdem er sich vorher auf einer ungarischen Lehranstalt in den jüdischen Disziplinen vervollkommnet hatte. Er ist 75 Jahre amtierender Rabbiner der orthodoxen Gemeinde in der Synagoge Rue Cadet, Paris, und etwa 70 Jahre beeidigter Uebersetzer am Appellationshof gewesen. Vor wenigen Wochen ist er zum Chevalier de la Legion d’honneur ernannt worden. Trotz seines Alters erfreute er sich einer seltenen geistigen und körperlichen Jugendfrische; in den Wintermonaten ging er zwar nicht mehr aus, sandte aber seine mieden in die Synagoge, wo sie vom Vorstand verlesen wurden.