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Central-Verein-Zeitung · 1936-01-09 · 2 (9.1.1936) · p. [Seite]

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936) - farbig
Issue
2 (9.1.1936)
Date
1936-01-09
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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TaT DAS NEUE BUCH „Kulturgeschichte als Kultursoziologie“ Zu Alf red Webers „Kulturgeschichte als Kultur* s o z i o 1 o g i e“. A. W. Sijthoff’s Uitgeversmaatschappij N. V., Leiden 1935 Auf dem Hintergrund der Prähistorie inmitten dessen, was wir heute die Welt der Primitiven nennen, entstehen feit etwa 3500 v. Chr. die sogenannten Hochkulturgebiete von Aegypten, Babylonien, China und Indien, die einem unaufhörlichen Wanderungsdruck aus den um- und übergelagerten Gebieten des eurasiatisch-nordafrikanischen Blockes ausgesetzt sind. Die Geschicke Amerikas,. Groß-Asrikas, der Südsee und Australiens bleibenvorläufig ohne Einfluß auf die übrige Welt. Vom 9. bis 6. Jahrhundert v. Chr. gelangen die drei inzwischen herausgebildeten Kultursphären der Welt, die -vorderasiatisch-griechische, die indische und die chinesische in merkwürdiger Gleichzeitigkeit, anscheinend unabhängig von einander,, zu universell gerichtetem religiösem und philosophischem Suchen, Fragen und Entscheiden. In diesen drei Sphären entfalten sich seit Zoroaster, den jüdischen Propheten, den griechischen Philosophen, seit Buddha, seit Laotse und Konfuzius diejenigen religiösen und philosophischen Weltdeutungen und Haltungen, die, mannigfaltig umgemodelt und transformiert, die weltreligiöse Glaubensmasse und die philosophische Deutungsmasse der Menschheit bilden, zu deren religiösem Teil seit dem Ende der Periode, d. h. seit dem 16. Jahrhundert, nichts grundlegend Neues mehr hinzugetreten ist. Mit jenem Abschluß der religiösen Produktivität beginnt die organisierte Wanderung des Abendlandes über den Erdball, getragen von einer überlegenen, sich immer mehr ausbildenden Technik bis zur Umwandlung der Erde^ in ein organisatorisch um-, spanntes, für die Menschen immer einheitlicher beherrschbar' werdendes Gebilde, das durch den Verkehrssortschritt im Umsang immer mehr zusammenschrumpft. In diesem Rahmen des Totalgeschehens will Alfred Weber, der .ehemalige Heidelberger Kultursoziolyge, in seinem neuen kulturphilosophischen Werk das' Auswachsen und Sich-Ablösssn von" geschlossenen Gesamtkulturen sichtbar machen, die gegen einander in Wesen und . Physiognomie.abgehoben sind. Berücksichtigt werden dabei — in einem skizzenhasten Fluge über die meisten Räume und Zeiten der Weltgeschichte — nur diejenigen Teile der menschlichen .Kultur- Phänomenölogie, die universalgeschichtliche Bedeutung gewonnen haben. Ausgeschieden bleiben Afrika, die amerikanischen Halbkulturen, in . der Hauptsache auch die Primitiven und die Prähistorie. Nicht der Sinn der .Geschichte soll erfaßt werden, sondern die „kultursoziologische" Betrachtungsweise Alfred Webers besteht darin, in der unendlichen Geschichtserscheinungswelt besondere Gestaltungen, von einander abgehobene „Geschichtskörper" der Menschheit zu umreißen, von denen jeder seine eigenen Gesetze des Ausbaues und seine eigenen seelischen Anlagen besitzt: also eine Art von Morphologie der Geschichte, die Beschreibung besonderer Kulturkreise nicht nach chronologischen oder sonst geordneten historischen Vorgängen, sondern die Erfassung ihrer soziologischen Struktur, ihres nur ihr eigenen „Geistes". Alfred Weber gibt also keine konkrete Geschichte im Sinne Rankes. Es werden vielmehr dargestellt „die aufeinander ausgebauten oder, wie im Osten, dauernd neben einander stehenden Geschichtsbezirke,, der chinesische, der indische im Osten, im Westen der ägyptisch - babylonische, der persischjüdische und antike Mittelmeerkulturkreis, der bhzantinisch-slavisch-östliche, der islamische und der abendländische", und zwar „als Geschichtskörper, deren, geschlossene Körper- Hastigkeit durch etwas auch äußerlich Sichtbares und Faßbares, ihre sozial-strukturelle Formationen und deren Wandlungen, greifbar sind". Diese „Primär- und Sekundärkulturen" stehen alle in einer großen, einheitlich stufenweise fortschreitenden Bewegung der Zivilisation und der theoretisch-intellektuellen Beherrschung des Daseins. „Immer wieder springt eine neue' Schicksalshaltung gegenüber dem Daseinsstoff auf." Die dunklen, dumpfen, dämonischen Kräfte gehören dabei ebenso zur Gesamtexistenz jedes einzelnen Geschichtskörpers, weil überhaupt zu unserer Gesamtexistenz, wie das harmonisch Geklärte, Durchdachte, .Ausgesprochene. „Wir wären platte Bildungsphilister, wenn wir diese mitverflochtenen, in den verschiedenen Kulturen ganz verschieden gefühlten/ in manchen als dämonische Schicksalsgewalt, in anderen als seinsgegeben-kosmisch, in ge-' wissen als das radikal böse begriffenen-Haltungen, Handlungsgewalten und auch. Gestaltungskräfte nicht mitsähen, die erst das Abgründige und die Spannweite des'Vollendungsbogens über dem Abgrund mit bestimmen." „Wo der Mensch aus einer Seelenverfassung handelt und gestaltet, die. im ausschließlichen Ringen mit der Dämonie der Welt besteht, ohne Kenntnis einer überwindenden, über sie erhobenen Vollendungsmöglichkeit, liegt Früh- oder Halbkultur vor. ' Die Webersche „Kulturgeschichte" ist im ausgesprochenen Gegensatz zur materialistischen Geschichtsüussassung geschrieben; sie ist durchdrungen von der erlebnishasten Erkenntnis, daß aus jeder neuen, noch. nicht dagewesenen historischen Situation immer wieder, alle Bedingungen und Möglichkeiten des menschlichen Handelns nützend, das schöpferische menschliche Handeln spontan hervorspringt. In der Ausführung sind die Darstellungen so vieler und. manchmal sehr entlegener Kulturen kühne Skizzen von faszinierender Anziehungskraft: Die Kulturphyftognomien Chinas und Indiens werden mit derselben zusammengefaßten und abgekürzten Eindringlichkeit in den Umrissen grundiert wie die „Sekundär-Kulturen" erster und zweiter Stufe: Die vorderasiatische und Mittelmeer- Antike aus der einen Seite (Juden — Perser -r- Griechen — Rom — die christliche Antike) wie auf der anderen Morgen- und Abendland seit Ausgang des Altertums bis 1500 (Byzanz — Islam — Rußland — Ritterliches Mittelalter — Italienische Renaissance — Nordalpine Städtezeit — Reformation). Das expansive Abendland seit 1500 (hauptsächlich: Rationale Kristallisationen — Aufklärung:— Deutsche Renaissance — Japan) und „Die Moderne" (Französische Revolution — Stufen des 19. Jahrhunderts — Materielle Lebensumwälzung — Enthumanisierung) bilden den Abschluß. Eingefangen sollte werden unter absichtlicher Weglassung aller Tatsächlichkeiten, Ereignisse und Zustände der echte Geist der Zeiten und Kulturen. Daß bei einem solchen Versuch keine entleerten Abstraktionen oder willkürliche Konstruktionen entstanden, ist der weiten Geschichtskenntnis Und dem tiefen Sinnverständttis Alfred Webers, seiner großen, über Spengler hinausgehenden Fähigkeit des „Zusammen- Sehens", einer Art „Synopsis" entlegenster typischer Kulturvorgänge und immer wiederkehrender kollektivpshchischer Abwandlungen zu verdanken. Trotz der Weglassung der historischen Kulissen und obwohl die gesamte Statisterie des Welttheaters samt dem Ablauf der äußeren Vorgänge einfach vorausgesetzt wird, kann man sich hier der vollkommen sicheren Führung eines erfahrenen Ranke- und Mommsen-Schülers anvertrauen. Die große Gefahr solcher Gesamtbetrachtungen der Menschheitsgeschichte bleibt ja immer die Vermischung von Fiktion und Historie. Wenn dann noch dazu die Elemente Wunsch und Phantasie kommen, so wird uns nur zu oft ein „kölikieum" als Geschichte oder gar als „Richtschnur" praktischen Handelns serviert: im besten Fall, wenn Gutgläubigkeit erwiesen ist, hat sich der Verfasser in seine eigenen (angelesenen und angeborenen) Illusionen heillos verfangen. Diese Gefahren hat ein Mann wie Alfred Weber in allen Teilen seines Werkes, eines Werkes voraussetzungsloser Forschung im alten humanistischen Sinn, die allein den Namen Forschung verdient, peinlich vermieden. - Alfred Weber ist es nie/eingefallen,, der historischen Einzelpersönlichkeit, dem Einzelereignis', dem Schicksal als eigentlicher Geschichte ihr selbständiges schweres Gewicht zü nehmen. Er ist wie jeder ernst zu. nehmende Historiker überzeugt von der Einzigartigkeit und Unwiederholbarkeit jeder historischen Epoche, vor allem von ihrer Eigengesetzlichkeit/ Die philosophisch-weltanschauliche^ Voraussetzung seiner Kultursoziologie ist jedem Materialismus oder „Biologismus" gänzlich abgewandt.. Er drückt es selbst einmal in seinen zahlreichen Erklärungen des „soziologischen Kulturbegrisses" so aus: „Die fachlich durchaus nicht durchgebildete philosophische Prämisse . . . . ist das Erlebnis unerklärlicher, weil über jede Nützlichkeitszwecksetzung hinausrägender ..... Kräfte, die ..., im Seelisch-Geistigen' im Menschen ihren Sitz haben und ihn zu einem Geheimnisvollen antreiben: Selbstaufopferung, Hingabe an die Welt, an einen Kreis von Mitmenschen .... in gänzlich überzweckmäßigen Dokumenten, Kunstwerken, Ideen- oder Selbstsormungen." Ein solches Dokument hohen geistigen Ranges haben wir hier vor uns. Ludwig Feuchtwanger Ein amerikanisches Handbuch Louis Gershenfeld: The Jew in Science, Philadelphia 1934 Der Verfasser, Professor der Bakteriologie und Hygiene in Philadelphia, hat sich die Aufgabe gestellt, die Leistungen der Juden auf dem weiten Gebiet der Naturwissenschaften und der Medizin Zusammenzustellen. Gewiß besteht dafür ein Bedürfnis. Die Aufgabe ist schwer und dürste die' Kräfte eines einzelnen übersteigen. Eine Schwierigkeit liegt schon in der Auswahl. Es dürfte zweckmäßiger sein, nur die wirklich Bedeutenden zusammenzustellen, als jeden aufzunehmen, dev aus irgendeinem Gebiet eine äußere Stellung erlangt hat. Unterläßt man die Auswahl, so gerät man leicht dazu, ein Adreßbuch der Toten und Lebenden zu geben. Dieser'Gefahr ist der Verfasser leider nicht ausgewichen. Wer auf einem Gebiet zu Hause ist, kann unmöglich die wissenschaftliche Bedeutung der Leistungen ans allen Gebieten richtig, einschätzen. So kommt es, daß wir in den Listen, die der Verfasser uns gibt, Prominente, Minderprominente und Unbedeutende in buntem Gemenge finden. Das könnte noch hingehen, denn der Benutzer kann seine eigene Auswahl treffen.' Schlimmer ist die anders Gefahr, der derartige Arbeiten so sehr unterliegen: Die Unterlassung' der Kritik bei/der Feststellung, ob jemand Jude ist oder nicht. Es geht nicht an, nach dem bloßen Klang des Namens oder Vornamens oder - nach Gerüchten Leute für das Judentum in Anspruch zu nehmen, die mit ihm nichts , zu tun . haben. Auch bei der Feststellung, ob jemand Halb- oder Vierteljude ist, oder ob er getauft oder Abkömmling von Getauften ist, muß man vorsichtig sein. Der Ver--' safser hat hier eine Anzahl von Fehlern übernommen, die berichtigt werden müssen, damit sie sich nicht weiterschleppen.. Es besteht kein Anhaltspunkt dafür, daß der große Astronom Wil- Joseph Conrad Viele von uns kennen den großen englischen Erzähler Joseph Conrad, der, Pole von Geburt, als Kind dem Vater in die sibirische Verbannung folgte, als Siebzehnjähriger nach Marseille' ging, um auf französischen, später auf englischen Schissen die Meere zu befahren, bis ihn nach zwanzig Jahren die Krankheit das Steuerruder mit der Feder vertauschen hieß, und der nach weiteren dreißig Jahren, als er die Augen für immer schloß, ein Werk hinterließ, das' nach Umsang, Gehalt und Verbreitung in der neueren Epik in vorderster Reihe steht. Wir sehen in ihm den meisterhaften Gestalter großer Leidenschaften, er hat das Meer, die tropische Landschaft, in allen ihren Regungen mit einer Lebendigkeit gemalt, daß wir ihren Hauch ganz nah zu verspüren glauben, er hat den feinsten Seelenregungen gelauscht, er hat das. schönste Englisch geschrieben — aber was ist er uns Juden unmittelbar, neben dem Erleben seiner Kunst? Nun, zunächst hat er uns die Gestalt eines echten jüdischen Menschen geschenkt, des Gastwirts Jankel in der Erzählung „Prinz- Roman", die kürzlich in der Zeitschrift „Corona" ins Deutsche übersetzt erschiAr und zu der Sammlung Tales ok Hearsay, Geschichten vom Hörensagen, gehört. Dieser Jankel, der dem eigentlichen Helden in der entscheidenden Stunde seines Lebens den wichtigsten Dienst leistet, steht zwar an peripherer Stelle, aber Conrad hat ihn mit solcher Liebe geschildert, daß wir die einleitenden Worte des Herausgebers verstehen, der.in dieser Erzählung ganz tiefe Jugendeindrücke lebendig werden sieht. Und schon daß ein Dichter von Conrads Bedeutung, der auch, allen, die ihm persönlich nahetraten, darunter Galsworthy und Walpole, ein Mensch von Größe, Vornehmheit und Güte war, dem einen Juden in feinem Werk einen solchen Ehrenplatz eingeräumt hat, muß uns viel bedeuten. Aber wir brauchen uns hiermit nicht zu begnügen, Conrad kann uns mehr sein, sein gesamtes Schaffen ist es, das zu uns spricht^ Denn die Gestalten nahezu aller seiner Helden, sollten uns in schweren Zeiten einen Halt geben. , Die Menschen Conrads sind tragisch im tiefsten, im - eigentlichen Sinne, ihr Los ist schicksalsmäßig bestimmt. An sich scheint es zwar, daß sie keineswegs zum Leiden erkoren seien. Sie alle sind Einsame, die den Staub der Märkte scheuen, als ob sie wüßten, daß ihnen von dort das Unheil nahe. Aber nicht ängstlich ziehen sie sich in die äußere oder seelische Einsamkeit zurück, sondern weil sie nicht anders können, weil diese Haltung ihnen im Innersten gemäß ist. Und hier trifft sie das Unheil; denn sie alle stehen unter einer Wolke, wörtlich oder dem Sinne nach hören wir dies von allen. Dunkel lagert sich das Schicksal über ihrem Haupte, und sie spüren es, wie das Verhängnis näher und immer näher rückt. Und nun ist das für sie alle so Bedeutsame, was sie hoch über die Masse der üblichen Romanßestalten emporhebt, ein eigentümlicher Pflicht- und Treüebegriss, der ihnen die Kraft gibt, erhobenen Hauptes dem Schicksal in die Augen zu blicken, bis zum letzten auf ihrem Posten zu verharren. Diesem Gefühl opfern die Helden Conrads alles. „Er verläßt", so heißt es einmal von Lord Jim, vielleicht dem prachtvollsten seiner Helden, „ein Weib von Fleisch und Blut, um feine eiskalte Hochzeit feiern mit einem schattenhaften Idol, das ihm wie eine Braut des Ostens verschleiert an die Seite getreten." Dieses Idol ist, was er als feine Pflicht erkannt hat. Und in seiner „Schattenlinie", diesem Hoheliede der Treue und Standhaftigkeit, finden wir jene Worte beherrschter Männlichkeit: „Die Wahrheit ist, daß man von nichts in seinem Leben zu viel hermachen darf, mag es nun gut oder böse sein. Ein Mann soll zu seinem Unglück stehen, zu feinen Jrrtümern, zu feinem Schuldbewußtsein und zu allen diesen Dingen." Für diesen Pflicht- und Treuebegrifs hat Conrad aber ein Symbol von besonderer Eindringlichkeit geschaffen in der Gestalt eines Schiffes. Er war ja so sehr Seemann — im Vorwort zur „Schattenlinie" nennt er seine Schriftstellerei die zweite Phase seines Seemannslebens —, daß ihm sein Schiff kein lebloser 'Gegenstand, sondern ein beseeltes, ein vertrautes Wesen-war. Ost steht es ihm näher als die Maünschast, die Offiziere. In der Novelle „Der geheime Teilhaber" (aus der Sammlung „Twixt Land and Sea Tales“), einer Jcherzählung, heißt es einmal: „In dieser atemlosen Pause an der Schwelle einer weiten Seefahrt schienen wir — mein Schiss und ich — unsere Kräfte für ein langes und schweres Unternehmen zu prüfen, fern von allen menschlichen Augen, nur den Himmel und das Meer als Zuschauer und Richter." Und kurz darauf: „Meine Hand ruhte leicht aus der Reling meines Schiffes wie aus der Schulter eines vertrauten Freundes." Ein Schiff ist der Träger der Handlung in der Erzählung „Das Ungeheuer" („The Brüte“) aus der Sammlung „A Set of, Six“, ein Schiff endlich die Verkörperung jenes Pflicht- und Treuebegrisss in der Erzählung „Jugend". Es ist ein alter Segler, der schon viel durchgemacht hat und der jetzt mit einer Ladung Kohlen von. England nach Bangkok fahren soll. Immer wieder muß er umkehren, bei der ersten Ausfahrt stößt er mit einem Dampfer zusmnmen, bei der zweiten gerät er in einen Sturm, der das Deck kahl fegt, ihn leck werden läßt. Monatelang liegt er im Dock, ein Gespött der Straßenjungen, aber immer wieder wagt er sich ins Meer hinaus, auf jene weite und ungewisse Fahrt, getreu den Worten, die sein Heck zieren: „Do or Die“, „Tat oder Tod". Denn er muß seine vorgeschriebene Bahn gehen nach dem Gesetz, nach dem er angetreten. Der Name des Schisses aber ist: Juden. Paul Wohllarth Rilkes Briefe an Stefan George Da map über persönliche Beziehungen zwischen Ruin er Maria Rilke und Stefan G e o r g e bisher nichts Genaueres wußte, ist es von besonderem Reiz; daß Carl Sieber in der ausgezeichneten.. Literaturzeitschrist'■ „Coro na" (5. Jahrg., Nr. 6) zwei.Briefe Rilkes an George, die er im Nachlaß des ersteren fand, mitgeteilt und mit einem.aufschlußreichen Kommentar versehen hat. Rilke lernte George zuerst im Winter 1897/98 kennen, als .er durch Lou Andreas-Salome, Nietzsches Freundin, im Hause von Reinhold und Sabine Lepsius eingesührt wurde. Georges dortige Gedichtvorlesung hinterließ bei ihm einen sehr, starken Eindruck; dennoch bekundete er in einem zögernden Briefe an George nur „Interesse", gelobte aber nicht Gefolgschaft. Auch Georges sehr, zurückhaltende Antwort enthielt keine Aufforderung zu Persönlicher Fühlung. Ein Jahr später — 1898 — trafen beide Dichter im Boboli-Garten zu Florenz zusammen. Rilke wollte zuerst eine Begegnung vermeiden, aber George kam auf ihn zu und benahm sich einfach und liebenswürdig. Er hielt Rilke vor, daß er mit seinen Gedichtbänden zu früh an die Oefsentlichkeit getreten sei. Rilke hat später bezeugt, die Paar Stunden mit George hätten seinem Leben wieder spielende Gleichgewichte gegeben. Als im . folgenden Jahre Rilke eine Vorlesung Georges im Hause Lepsius zu seinem großen Bedauern verabsäumt (die Einladung erreichte ihn nicht), da richtet er am 7.' April 1899 einen recht herzlichen, persönlich wärmeren Brief an George: er teilt mit, daß er mit Georg Bondi, Georges Verleger^ in Verbindung treten will; er gibt zu verstehen) daß er Georges Tadel wegen seines zu frühen Hervortretens ernst genommen habe; er kündigt - mit deutlichem Selbstbewußtsein sein Gedichtwerk „Mir zur Feier" an. Aber Georges Antwort ist wiederum kühl und stolz. Rilke fühlt sich zurückgestoßen. Der Briefwechsel endet. Rilke bewunderte Georges Gedichte, aber sie waren ihm fremd. Er hat George nicht mehr gesucht; als ein. Freund eine Wieder-

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