Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Volume
- 1 (1946-1947)
- Issue
- 12 (26.9.1946)
- Date
- 1946-09-26
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Einwanderung nach Palästina wird andauem Jerusalem. Die in Paris zusammengetretene Exekutive der Jewish Agency für Palästina traf die nötigen Vorkehrungen für die Fortdauer der jüdischen Einwanderungen nach Palästina, gab die Jewish Agency in öiner herausgegebenen Meldung bekannt. _ General McNarney, Militärbefehlshaber der amerikanischen Zone in Deutschland, gab in Frankfurt bekannt, daß der Zuzug von 21 000 jüdischen Flüchtlingen, die sich bis jetzt in Österreich und Berlin auf hielten, in die amerikanische Besatzungszone genehmigt ist. London. Die neuen Londoner Besprechungen über Palästina begannen am Dienstag, dem 10. September. Die Jewish Agency wie auch das arabische Palästina-Komitee haben bisher ihre Teilnahme verweigert. Der Vertreter der Jewish Agency, Goldmann, hatte im Laüfe der vergangenen Woche in Paris mehrere Besprechungen mit dem britischen Außenminister Bevin. Goldmann wird morgen in London erwartet, wird aber vorläufig nicht an den Besprechungen teilnehmen. München. Unter dem Verdacht, zusammen mit dem Luftwaffen-Arzt Dr. Rascher an Häftlingen des KZ.s Dachau Eiswasserexperimente durchgeführt zu haben, wurde dessen ehemaliger Assistent, Dr. Rolf Puntzengruber, verhaftet. Er war bisher Leiter der Landesstelle Chemie im Bayrischen Landeswirtschaftsamt. - ' Warburg. Der frühere Gauleiter ,des Gaues Köln-Aachen, Josef Grohe, der letzte noch in Freiheit befindliche ehemalige Gauleiter, ist nun verhaftet worden. Er hatte sich als Landarbeiterversteckt gehalten und lag bei seiner Verhaftung mit verbundenem Kopf im Bett. Der Verband verbarg eine von einem Selbstmordversuch herrührende Schußwunde. Grohe leitete bei seiner Festnahme keinerlei Widerstand. Bonn. Die Bühnen der Stadt Bonn brachten zur Eröffnung die Oper Fidelio von Beethoven heraus. Die Rolle des Pizarco sang das Mitglied unserer Gemeinde, der Heldenbariton Siegfried U r i a s. Es war sein erstes Auftreten . als Opernsänger *nach der Befreiung. Sein herrliches, gutgepflegtes Organ, seine hervorragenden schauspielerischen Leistungen, brachten ihm bei Publikum und Presse einen ungewöhnlich großen Erfolg. Auch wir beglückwünschen herzlich diesen Künstler zu seiner außerordentlichen Leistung. Was sollen wir Juden wählen? Ueberall erscheint das Flugblatt der britischen Militär- ’regierung: „Wählen ist die 1. Bürgerpflicht”. Auch an uns tritt diese Frage heran. Ich habe viele Zuschriften /erliegen, wo man die Frage an mich richtet: „Was sollen wir Juden wählen”? Diese Frage ist nicht schwer zu beantwoiten. Wir ^dürfen und können nur einer Partei unsere Stimme geben, die lOOprozentig demokratisch ist, d. h., die voll und ganz mit dem Herzen auf dem Böden der Demokratie steht. Lippenbekenntnis haben wir zur Genüge kennen gelernt und wir müssen uns der letzten 12 Jahre der oitte ren Erfahrung, die wir mitmachen mußten, erinnern, daß wir nicht viel Vertrauen haben können zu leeren Versprechungen. Ich habe nicht das Recht, unseren Mitgliedern irgendwelche Vorschriften zu machen, wen sie wählen sollen, aber fch habe die Pflicht, ihnen zuzurufen „Wählt nur Männer und Frauen, die wirklich mit beiden Füßen auf dem Boden der Demokratie stehen.” F. Schicksal der jüdischen Bürger in Deutschland Frankfurt. General Josef T. McNarney hat als Vertreter von fünf jüdischen Organisationen der USA, unter ihnen den Vorsitzenden des jüdischen Weltkongresses Rabbiner Stephen S. Wi se und Dr. Nachum Goldmann von der Jewish Agency, zu Besprechungen über die Zukunft der jüdischen Flüchtlinge empfangen, an denen auch jyicNarneys Berater "für jüdische Angelegenheiten Rabbiner Philipp S. Bernstein teilgenommen hat. Die Abgeordneten sprachen den Besetzungstruppen ihren Dank für alle Hilfe aus, die diese den heimatlosen Juden erwiesen haberT, und betonten, wie sehr sie sich der Schwierigkeiten bewußt wären, die den amerikanischen Dienststellen dadurch oft erwachsen seien. In diesem Jahre würden von den jüdischen Organisationen in USA aus ’ Sammlungen 100 Millionen Dollar für den Unterhalt der Flüchtlinge beigesteuert werden. Der General erwiderte darauf, daß er. weiterhin für die in die amerikanische Zone Deutschlands einwandernden Flüchtlinge sorgen werde. 104 510 Personen seien seit dem 8. Mai 1945 schon aufgenommen worden, aber die Zuwanderung halte ständig an. 21000 Juden, die aus Polen zunächst nach Berlin und Oesterreich geflohen seien, werde er ebenfalls in die US- Zone übernehmen, wo die Lebensbedingungen besser seien. Die rassisch Verfolgten würden auch weiterhin höhere Rationen erhalten als Normalverbraupher. McNarney schloß mit der Feststellung, daß die Zunahme von Verantwortungsbewußtsein und Disziplin unter den vertriebenen Juden es gestatte, ihnen, künftig die Selbstverwaltung zu übertragen und so ihre Selbstachtung wieder zu heben. * Neun jüdische Organisationen, darünter der jüdische Weltkongreß, haben der Pariser Friedenskonferenz in einem Memorandum Vorschläge unterbreitet, deren Verwirklichung den 700 000 überlebenden Juden in ehemaligen Feindstaaten Frieden und Sicherheit gewährleisten-soll. Die Hauptpunkte der Denkschrift sind folgende: Die Menschenrechte und grundlegenden Freiheiten — wie Gleichheit, aller vor dem Gesetz, freie Religionsausübung, Gleichstellung im Berufsleben und'das Recht auf Wahrung der kulturellen Eigenart — sollen von den Vereinten Nationen garantiert werden. Ehemalige Feindstaaten sollen die Aufhetzung zu Religions- und Rassenhaß als gesetzwidrige Handlung erklären. Die Opfer der JüdenVerfolgungen sollen gleiches Recht auf Eigentumsentschädigung haben wie Angehörige der Vereinten Nationen. Der Besitz von Juden, die während der Pogrome ums Leben gekornmen sind, soll an jüdische Körperschaften übergeben und durch sie der Finanzierung der jüdischen Auswanderung zugeführt werden. V . ' ALLEN LESERN UND FREUNDEN DES GEMEINDEBLATTES <zum Jal)redu>ecl}del N DIE BESTEN WÜNSCHE FÜR EIN GESUNDES, . . FROHES NEUES JAHR! die schriftleitung l ■