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Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone · 1946-09-09 · 11 (9.9.1946) · p. Seite 71

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
Volume
1 (1946-1947)
Issue
11 (9.9.1946)
Date
1946-09-09
Page
Seite 71 (sequence 3)
Language
German
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Die jüdische Gemeinde Köln Die Kölner jüd. Gemeinde entstand in den Jahren 100 bis 200' n. Chr., von" mancher Seite wird allerdings behauptet, daß es im Jah*e 321 n. Chr. zu einer regelrechten Gemeindebildung kam; das wäre aber immerhin zu einer Zeit, da die Christen noch-i den Sabbath hielten, denn das Conzil von Nizea war erst '325. * Es ist wichtig, sich diese geschichtliche Tatsache vor Augen zu halten, um zu begreifen, -vfie eng die Beziehungen der rheinischen Juden zu den hauptsächlich katholischen Kreisen des rheinischen Christentums sein mußten. Der Dom erschien den Kölner Juden als eip Wahrzeichen ihrer Vaterstadt; sie hingen an ihm wohl mit derselben Liebe, wie ihre christlichen Mitbürger. Es war interessant zu beobachten,! daß im Ghetto Litzmannstadt-an den kahlen Wänden" der! elenden Wohnquartiere das Bild des Kölner Doms von den Repräsentanz statt. Damals zählte die Gemeinde erst etwa 50 Mitglieder, die an dem schrecklichen Erlebnis . der Konzentrationslager glücklicherweise vorbeigekommen waren. So erklärte sich, daß der damals gewählte Vorstand einige Monate später nicht das Vertrauen der Mitglieder der Kölner Gemeinde mehr hatte, denn inzwischen war eine Anzahl aus den Konzentrationslagern zurückgekommen (schätzungsweise 300 Menschen), die das Empfinden hatten, daß ihre Belange vom Vorstand nicht ausreichend wahrgenommen würden. Es bildete sich infolgedessen eine immer stärker werdende Opposition, die die Bitte an den Vorstand richtete, Neuwahlen auszuschreiben. Ihre Forderung gipfelte in folgendem: In der Repräsentanz sollten in Zukunft vertreten sein: 1. Frauen 2. ehemalige Konzentrationslager-Häftlinge, 3. Menschen, die auch jüdisch versippt wären. Kölner Juden angebracht wurde. Das sollte nichts, weiter i . V ,. .,, „ zeigen, als die Anhänglichkeit an die Heimat, in der es, den war richttg, so eigenartig es klingen rpag, die dn e - Kölner Jüden seit Jahrhunderten gut gegangen ist, dank"der! derung zu stellen, nicht um irgendeinen Gegensatz zu sc - vorbildlichen Einstellung der offiziellen katholischen Kreise fen “ mcht um etwa zu sagen> daß jüdische _ Menschen, die dieser Stadt zu den jüdischen Mitbürgern. Diese vorbild liehe Einstellung bestand auch darin, daß in keiner Weise eine religiöse Beeinflussung versucht, sondern im Gegenteil, die religiöse Eigenart der Juden, respektiert wurde. Man gab sich hier von christlicher Seite Mühe, die Juden in all ihren jüdisch-politischen und in ihren religiösen Unterschieden zu begreifen. Das hatte wiederum zur Folge,’ daß die Juden selbst sich alle Mühe gaben, mit ihrer Umwelt ge* deihlichst zusammen zu leben. Die Kölner jüdische Gemeinde hat viele bedeutende Männer her vor gebracht: Geistliche, Aerzte,. Juristen, Politiker, Kaufleute. Aus Köln stammte Wolfsohn, der direkte Nachfolger von Theodor Herzl. Und .wenn in Köln der Zionismus besonders stark war — hier, wo .es den Juden so gut ging — sollte man daraus ersehen, daß dieser Zionismus bestimmt kein zweckgebundener war. Hier lag offenbar doch mehr Echtheit, als in anderen Gegenden. Bis zum Jahre 1938 ist die Auswanderung der Kölner Juden nur eine geringe gewesen. Die Männer, die an der Spitze unserer'Gemeinde standen, haben sich stets größter Hochachtung erfreut, und gleichzeitig allgemeiner Beliebtheit bei ihren eigenen Glaubensgenossen. Ich nenne dabei nur Konsul Bendix, det leider durch Selbstmord endete — und Dr. Kramer (bis zur Nazizeit StacTtdirektor bei der Stadt Köln), sowie seinen engsten Mitarbeiter, OberlandeSgerichtsrat Dr. Wolf. Diese’beiden letzten Vertreter des Kölner Judentums sind in Litzmannstadt-Ghetto bzw. in Auschwitz ums Leben gekommen. - Als diese ]?eiden Männer die Kölner Gemeinde Verließen, war sie wirklich verwaist. Ihre Nachfolger genossen nicht] nur nicht das. Vertrauen der Gemeindemitglieder, sondern man mißtraute ihnen sogar; ob mit Recht oder Unrecht, vermag ich nicht' zu entscheiden, aber Mißtrauen müssen sich alle Vertreter gefallen lassen, die glicht nach rein demokratischen Gesichtspunkten gewählt wurden, — und dies besonders bei uns Juden — denn Demokratie isttnun einmal die Grundlage unserer Religion. Die Kölner Jüdische Gemeinde hatte einstmals (im Jahre 1933) zirka ,20 000 Mitglieder — im Jahre 1938 waren es fast noch 16 000 und im Jahre 1941 zirka 6000. Von diesen -6000 sind aus den Konzentrationslagern nur 5 bis* 6 Prozent zurückgekehrt. Wenn wir heute von etwa 7000 durch den Naziterror umgekommenen (Kölner) sprechen, so kommt diese Zahl dadurch zustande, daß wir naturgemäß die Kölner Juden hinzurechnen müssen, die ihren Leidensweg vom benachbarten Ausland .(Belgien, Holland, Frankreich) antraten. Die Gemeinde zählt wieder etwa 600 Mitglieder. Diese Zahl kommt nicht durch Zuwanderung, sondern auch dadurch zustande, daß sich eine ganze Anzahl jüdischer Menschen durch die Mithilfe christlicher Menschen, und nicht zuletzt durch offizielle Vertreter der katholischen Kirche, hat versteckt halten können. Als die amerikanischen Truppen das ' Rheinland befreit hatten, konnten viele jüdische Menschen ihr Versteck verlassen. Sie schlossen sich sofort zu einer Religionsgemeinschaft zusammen und hielten auf den Trümmern einer der Synagogen den ersten Gottesdienst ab. Die damals noch amerikanische Militär-Regierung, die diesem Gottesdienst beiwohnte, bestimmte zum Vorsitzenden der sich neubildenden Gemeinde Herrn Fritz Loewenstein, der auch heute noch der Repräsentanz angehört. Zwei Monate danach fand die erste Vollversammlung und Wahl zur Moritz Mannasse Alfred Markus. Leo Sachs. in Mischehen leben, unfähig wären, jüdische - Belangezu vertreten — sondern um die absolut jüdisch-eingestellten Menschen nicht an die Wand zu drücken. Nach einer vor-, übergehenden Kompromißlösung (es wurden zwei von der Opposition bestimmte Männer für die Repräsentanz. kooptiert), mußte sich der Vorstand“ doch entschließen, eine Wahlversammlung und Wählen auf demokratischer Grundlage zuzulassen. "Diese Wahlen fanden arh 24. 2. 1946 statt mit dem Ergebnis, daß 13 Vertreter gewählt wurden, die sich aus folgenden Herren zusammensetzen: Dr. Herbert Lewin Isaak Bernknopf Arno ’tobatt* - Julius Jacob Siegmund Bachenheimer Frau Erna Dünnwald Heinrich Kohn Moritz Goldschmidt Fritz Loewenstein Leopold Faber Am 25. 2. 1946 fand die. erste Repräsentantensitzung unter dem Vorsitz des Aeltesten, Herrn- Julius Jacob, statt. In dieser Sitzung wurde Dr. Herbert Lewin zum Ersten Vorsitzenden, und Herr Moritz 'Goldschmidt zum Zweiten Vg^sitzenden' gewählt. — Da aus dem alten Vorstand heraus Herr Julius Mayer als Vertreter des Landesverbandes bestimmt worden ist, hielt es die Repräsentanz für opportun, diesen ihr weiter genehmen Vertreter beizubehalten und ihn nicht nur für die Repräsentanz, sondern auch für den Vorstand zu kooptieren. Die immer größer werdenden Aufgaben der Gemeinde erforderten die Schaffung von Dezernaten. Obgleich’ es vielleicht nicht ganz den Gepflogenheiten entspricht, . hat der Erste Vorsitzende einige Mitglieder aus der Repräsentanz heraus gebeten, bestimmte Dezernate zu übernehmen. Die Auf gef orderten erklärten sich zur Uebernahme wie folgt bereit: Kultusdezernät: Herr Siegmun«^ Bachenheimer Wohlfahrtsdezernat: Frau Erna Dünnwald Wohnungs- und Möbel-Dezernat: Herr Arno Tobar Finanz-Dezernat: Herr Alfred Markus 1 Leiter des Alters- und Flüchtlingsheim: Herr Bernknopf (später Visser) Betreuungsstelle:- Herr Leo Sachs Frauenu. Jugend-Dezernat: Herr Moritz Goldschmidt. An die Stelle des nach Amerika ausgewanderten Herl-n Isaak Beri^cnopf trat Herr Meyer Visser. Es4 wurde nun ein Frauen- und Jugendbund ins Leben berufen, -sowie eine Auswanderungsberatungsstelle, deren Leitung ebenfalls Herr Mofitz Goldschmidt übernahm. Von Zeit zu Zeit finden Dezernats-Besprechungen — je nach der Notwendigkeit — sowie Repräsentanz-Sitzungen statt. Die Letzteren sind auf allgemeinen Wunsch jetzt öffentlich. . . Allwöchentlich findet am Freitag abend und am Sonnabend Gottesdienst statt, der unter der Leitung des Kultus^zernenten steht und jetzt von den Herren Mannasse und Jacob abgehalten wird. Wenn ich a,Ls Religiös-Liberaler bei der Gestaltung des Gottesdienstes den der Orthodoxe zugeneigten Kreisen den Vorrang ließ, so bewegte mich dabei, folgender Grund: In den schweren- Jahren des Naziregimes gab es einp Anzahl jüdischer Menschen, besonder? solcher, die nicht ip Konzentrationslagern waren, die reichlich wan- 71

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