Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Volume
- 1 (1946-1947)
- Issue
- 1 (15.4.1946)
- Date
- 1946-04-15
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Lt. Colonel ROBERT SALOMON ist vom englischen Kabinett zum Berater für jüdische Angelegenheiten ins Hauptquartier des Feldmarschalls Montgommery entsandt worden. Bei seiner Anwesenheit in London hatte Dr. Auerbach Gelegenheit, Colonel Salomon kennenzulernen. Wir sind erfreut, in ihm nicht nur einen hohen englischen Offizier, sondern auch einen bewußten Juden begrüßen zu können. Wir versprechen uns aus unserer Zusammenarbeit für die Juden der britisch besetzten Zone eine besonders erfolgreiche Arbeit. Die Gemeinden der Nordrheinprovinz und Westfalen, die in den Landesverbänden vereint sind, kommen zu einer Sitzung am Ostersonntag, dem 21. April, im großen Saal des Oberlandesgerichts in Düsseldorf zusammen, um eine eingehende Aussprache mit Lt. Colonel Salomon zu pflegen. Synagogenschänder vor Gericht Aus Bamberg und Bad Kissingen kommen Meldungen, wonach vor den dortigen Gerichten demnächst die Prozesse gegen die Synagogenschänder von 1938 beginnen werden. Unseren Mitgliedern geben wir nachstehend das uns zugegangene Schreiben zur Kenntnis: Der Oberlandesgerichtspräsident. — 1121 — 12 — Düsseldorf, den 4. April 1946 An den Landesverband der jüdischen Gemeinde der Nord-Rheinprovinz, Düsseldorf, Königsallee 27, II. Auf das Schreiben vom 22. 3. 1946 wird ein berechtigtes Interesse des Landesverbandes an der Einsicht des Grundbuchs oder der Grundakten (§ 12 GBO., § 46 GbVfg.), die am 30. 1. 1933 in jüdischen Händen befindliche Grundstücke oder Rechte an Grundstücken betreffen, anerkannt, wenn das Grundstück oder Grundstücksrecht infolge unmittelbarer oder mittelbarer Einwirkung der Staatsgewalt in andere Hände übergegangen oder der jüdische Berechtigte ohne Hinterlassung von Erben verstorben oder sein Aufenthalt unbekannt ist. Ich gebe anheim, bei entsprechenden Anträgen dem Grundbuchamt dieses Schreiben vorzulegen. Soweit das Bedürfnis hervortritt, eine Abwesenheits- oder Nachlaßpflegschaft einzurichten, bitte ich, einen dahingehenden Antrag unmittelbar bei dem zuständigen Amtsgericht zu stellen. I. V.: gez. Dr. Wiefels. (Amtssiegel) Beglaubigt: Heinrichs, Justizangestellte. Zwecks Stellung eines Abwesenheits- bzw. Nachlaßpflegers bitten wir alle in Frage kommenden Mitglieder, sich an den Landesverband zu wenden. Jüdische Großmutter zu Schwarzmarktpreisen Die in Berlin herausgegebene englische Zeitung „Air Line“ meldete, daß es in Berlin einen Schwarzen Markt in jüdischen Großmüttern gebe. In dem Bericht heißt es, wohlhabende Nazis nähmen mit dem „Großmutter“-Tauschmarkt Fühlung, bezahlten 7000 Mark und erhielten dafür gefälschte Papiere, die den Besitzer als Nicharier ausweisen. Von einigen, Berliner Nazis behauptet man, daß sie noch einen Schritt weitergingen und sich ihr Profil ändern ließen, damit es eine Ähnlichkeit mit dem der neuerworbenen Großmutter aufweise. Die gefälschten Papiere ermöglichen es den Nazis, sich für eine besondere Behandlung „als Opfer des Faschismus“ zu qualifizieren. Man muß diese kosmetische Münchhauseniade, die die Meldung abschließt, nicht imbedingt ernst nehmen. Aber es ist doch ein Zeichen der Zeit. Wie kurze Zeit ist verflossen, daß die jüdische Großmutter die drohende Wolke war, die über die Lebensmöglichkeit vieler Familien hing — und heute ist diese drohende Gefahr, die einstmals Leben oder Tod bedeutete, Gegenstand romantisch-witziger Spekulationen! Kalendarium 5706 — 1946 14. Nissan (Erev Pesach) Montag, 15. April 15. W I. Pesach Dienstag, 16. 99 16. 99 II. „ Mittwoch, 17. 99 17. 99 Chol Hamoed Donnerst. 18. 99 18. 99 Chol Hamoed Freitag, 19. 99 19. 99 Schabb.Chol Hamoed Samstag, 20. 99 20. 99 Chol Hamoed Sonntag, 21. „ Ostern 21. 99 VII. Pesach Montag, 22. „ Ostern 22. 99 VIII. „ Dienstag, 23. 99 23. 99 Mittwoch,124. 99 24. 99 Donnerst. 25. 99 25. 99 Freitag, 26. 99 26. 99 RoschChodeschB enschen Samstag, 27. 99 27. 99 Sonntag, 28. 99 28. 99 Montag, 29. 99 29. 99 Erev Rosch Chodesch Dienstag, 30. 99 Alle Zuschriften für das Gemeindeblatt sind zu richten an: Jüdisches Gemeindeblatt für die Nord-Rheinprovinz und Westfalen DÜSSELDORF Königsallee 27 Telefon 18470 Herausgeber und für den Inhalt verantwortlich: Hans Frey, Düsseldorf, Königsallee 27. Veröffentlicht mit Genehmigung der Nachrichtenkontrolle der Militärregierung. Druck von L. Schwann, Düsseldorf 6572/46