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Jüdischer Almanach · 1904-01-01 · 1902-1903 : Teilweise veränderte Neuausgabe · p. Seite 248

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Journal
Jüdischer Almanach
Volume
1902-1903 : Teilweise veränderte Neuausgabe
Date
1904-01-01
Page
Seite 248 (sequence 264)
Language
German
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IRI
…/1112869-9323001--255-9304837
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DER JUBDISCHB ORIENT. VON DAVIS TRIETSCH (BERLIN). Unter den Hauptaufgaben des jungen Judentums, deren jede auf die Stärkung, Zusammenfassung und Centralisation alles Jüdischen hinzielt, ist eine der ernstesten diejenige, welche mit der örtlichen Zusammenfassung zum mindesten eines grossen Teiles der Juden sich beschäftigt. Nichts erfordert grössere Vorbereitungen und einen grösseren Apparat als diese Aufgabe, die gegenwärtige, auf die Zerstreuung der Juden gerichtete Tendenz, die immer mehr in eine wahnwitzige Politik der feinsten Verteilung ausartet, zum Stillstand zu bringen und sie in ihr Gegenteil umzukehren, nämlich in die Ueberführung möglichst aller an irgend einem Punkte der Erde überschüssigen, oder nicht genügend wurzelfesten Juden in ein Land. Es sei gleich hier bemerkt, dass die Landfrage auch für diejenigen von grösster und grundlegendster Bedeutung ist, welchen die Bethätigung auf kulturellem Gebiet näher liegt oder dringender erscheint. Denn es kann kein Zweifel darüber sein, dass die Ueberführung gut jüdischer Volkselemente in ein Land mit Notwendigkeit die Entstehung einer an die altjüdische anknüpfenden und durch die wertvollsten europäischen Einschläge bereicherten neujüdischen Kultur zur Folge haben mu s s. Dagegen müsste eine neujüdische Kultur nicht nur in den verschiedenen europäischen und anderen Kulturländern zu stark nichtjüdisch und zu wenig einheitlich jüdisch ausfallen, sondern sie würde auch keineswegs mit irgend welcher Notwendigkeit die Entstehung eines nationalen Landcentrums in sich schliessen. Jüdisches Land führt mit Sicherheit zu jüdischer Kultur, und zwar in ihrer besten möglichen Form, während jüdische Kultur in den Ländern der Zerstreuung die Chancen auf jüdisches Land nur indirekt tangieren könnte. Auf diese Weise ist die Frage der territorialen Centralisation nicht nur für diejenigen von überragender "Wichtigkeit, für welche ein jüdisches Land die Lösung der Judenfrage bedeutet, sondern auch für die, denen es um jüdische Kultur zu thun ist, und ganz unbedingt für alle diejenigen, welche weder im jüdischen Lande, noch in jüdischer Kultur allein, sondern in der Verbindung beider das Heil sehen. Die Frage, in welches Land eine solche Ueberführung bewerkstelligt werden könne, ist in unserer Zeit deutlich im Begriff, engiltig entschieden zu werden. Es sind mancherlei Vorschläge gemacht worden, aber gerade in der Yielartigkeit dieser Projekte liegt die Gewähr für ihre Unausführb arkeit im Sinne einer Centralisation. 248

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