Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 1902-1903 : Teilweise veränderte Neuausgabe
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 154 (sequence 170)
- Language
- German
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ttsa c^s* ttsa DER PROPHET. t^a t£=a ttzü EINE DICHTUNG DER ZUKUNFT VON ADOLPH DONATH (WIEN). Niemand kannte ihn im Ghetto, Und es hiess, er sei aus weiten Fernen in das Land gekommen, Um der Sehnsucht, die verglommen, Neue Ziele zu bereiten. # & & Doch man spottete des Weisen Und verhöhnte seine Lehre, & Und man wollte des Propheten, Dieses thörichten Asketen, & & Durch Verachtung sich erwehren. Denn die meisten von den Juden Hatten Furcht, wenn einer sagte, Dass sie nichts als Sklaven wären, Dass sie nur die Last des leeren Selbstbetruges immer plagte. # Dass sie nur dem Gott des Goldes Opfern, wenn die Knuten schwirren, Und dann wieder still beglückt sind, Wenn der Peitsche sie entrückt sind Und die Ketten fernher klirren. Täglich wuchs der Hass im Volke, Nur ein kleines Häuflein Armer Schaarte sich um seinen Sprecher, Pries ihn als des Volkes Rächer Und als seines Leids Erbarmer. Und des Abends, wenn die letzte Sonne aus den Wolken strahlte Und mit ihren Feuerbränden & An des Tempels weissen Wänden Rote Flammenzeichen malte, & & Lauschten sie dem Lied des Weisen, Der da sang: Im tiefen Leide Liegt die Zionsburg im Osten, * Ihre Zinnen, die verrosten, & Und wie Knistern morscher Seide Geht es durch die Cedernwälder Weine, Tochter Zions, weine! & Deine Leier ist verdorben, & Deine Sehnsucht ist erstorben, Deine nimmermüde reine i~ Glaubensstärke ist zerronnen, & Deine Mutterliebe schwindet, & Denn dein Volk ist siech geworden Und die abtrünnigen Horden & Sind schon längst für dich erblindet. Weine, Tochter Zions, weine! & Aber deine Thränen sollen & * Unser Mutterland verjüngen. * Neue Blüten werden dringen Aus den feuchten Ackerschollen. An des Libanons Gehängen & Wird die Ceder wieder grünen, Kranke werden dort gesunden, *k Und in weihevollen Stunden & Wird dein Volk die Frevel sühnen. Voll ertönten diese Laute * & Und das Echo gab sie wieder, * Und es schien, als glitten leise Aus der Sterne Silberkreise * Diamantensplitter nieder. * & Und es glühten alle Rosen, * Und durch Wälder und durch Haine Klang, wie eine Wundersage, & Des Propheten Judenklage: & Weine, Tochter Zions, weine! & Jahre waren hingegangen, sfc * Auf den salten Feldern regten Sich vieltausend starke Hände, * Die, des Sommers reicher Spende Froh, den Eisenpflug bewegten, Während in des Ghettos Mauern Der Prophet die Kinder lehrte: Dass in Gleichheit nur auf Erden Arm und Reich geboren werden, Die der gleiche Tod begehrte. * Und die Lernenden erstarkten, m- Trugen des Propheten Worte Immer weiter in die Welten, * Bis in Jakobs stolzen Zelten * Und ein neues Volk erhob sich, Reich an Liebe, reich an Kräften, Gleich an Sitte, gleich im Kleide, Frei von Furcht und stark im Leide Keine Hoffnung mehr verdorrte. Wuchs es fort mit frischen Säften. 154