Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 1902-1903 : Teilweise veränderte Neuausgabe
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 106 (sequence 122)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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täss* cisri? r^=s? c^iff IM SPEISEWAGEN, t^sa c^s? x^sa x^za EIN ELEGISCHER SCHWANK. VON THEODOR HERZL. Ort der Handlung: der Speisewagen des Eilzuges Wien-Prag-Berlin. Personen: Die Fürstin. Der Theater-Direktor. Ein Herr. Ein Garcon der Schlafwagen-Gesellschaft. Beschreibung der Personen: Dio Fürstin, dreissig Jahre alt; nicht schön, aber hübsch; ein Charme; feines Profil, um den Mund tiefe Palten, die Yom Lachen herrühren. Sie ist ausserordentlich einfach gekleidet, mit einer verstohlen rauschenden Eleganz, die den Kenner ergreift. Der Theater-Direktor, vierzig Jahre alt; roter Schnurrbart, dessen edler Schwung den Gebrauch einer Strammheitsbinde Verrät; im Knopfloch eine phantastische Rosette, welche den Besitz hoher asiatischer und afrikanischer Orden anzeigt. Er liest den Pariser „Pigaro". Der Kopf des Blattes ist imposant nach aussen gekehrt. Es kann keinem der Anwesenden entgehen, dass dieser Herr den Pariser „Figaro" liest, und das ist auf der Strecke Wien-Prag nicht ohne Wirkung. Das Haupt des Direktors deckt eine schwarzseidene Reisemütze. Auf seinem Bauche tanzt ein Monokle. Der Herr, am Ausgang der Dreissig, Weltbummler ohne Beruf; schwarzer Schnurrbart, Hakennase, dunkle Augen, das Haar an den Schläfen ergrauend; lautlos korrektes Betragen; liest scheinbar vertieft ein Buch in gelbem Umschlag, das er eben erst aufgeschnitten hat. D er Garcon, verschlafen. Der Theater-Direktor (hat schon früher krampfhafte Versuche gemacht, [die Aufmerksamkeit der Fürstin auf sich zu ziehen, jetzt vernehmlich): Garcong, haben Sie- 'ne gute Marke nne Champagne'? (Mit Betonung.) Eine Champagne! Aber echten. Garcon: Bitte, wir führen nur echte Elaschen, mein Herr! Theater-Direktor (scherzend): Die Elaschen sind echt, ja, das glaub'ich, mein Lieber! Na, bringen Sie immerhin! (Blickt siegreich umher, mit dem Ausdruck „He, bin ich ein Kerl?" im Gesichte.) Fürstin (blickt heimlich lächelnd zum Fenster hinaus). Theater-Direktor (hält sie nunmehr für reif zur Annäherung): Aimez-vous aussi la fine Champagne, madame? Fürstin (schüttelt verneinend den Kopf und blickt sehr ernst durchs Fenster). Der Herr (der beide vom Sehen keünt— sie vom Turf zu Ascot und Deauville, ihn aus einer Berliner Premiere — beisst sich in die Lippen und liest gespannt in seinem Buche). Theater-Direktor (klemmt das Einglas ins Auge, betrachtet die Kognakflasche mit dem Ernst des Forschers): Hmja, die Flasche! .... (Nimmt einen Schluck.) Aber der Inhalt! C'esfc incredibile! Fürstill (lacht über den Schnitzer ein klein wenig). 106