Mannheim
Compact Memory

Jüdischer Almanach · 1904-01-01 · 1902-1903 : Teilweise veränderte Neuausgabe · p. Seite 85

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdischer Almanach
Volume
1902-1903 : Teilweise veränderte Neuausgabe
Date
1904-01-01
Page
Seite 85 (sequence 101)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
90% known words query
IRI
…/1112869-9323001--092-9304669
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

t^gYf C^ii t^Sii CsSi* t^Sü EsSi? SEPHIRAH. Ks£5? Esgl* EsSÜt E£=i* Psgl» PsSnR VON MORRIS ROSENFELD (NEW-YORK). Nun stimm dich zur Lust, meine Leier, und lache! — •Umsonst! — Das Lachen gelingt dir schlecht! Ei freilich, wir haben ja jetzt Sephirah1), Und dann — wie lacht denn ein Jude, sprecht! Du lachst, mein Vater? Welch schauriges Lachen! "Wo gäb's auch echte jüdische Lust?' t^a So herb und weh ist jüdisches Lachen, Cssa ■Rls war' es ein Seufzen aus tiefster Brust. Ist jüdisches Leben denn auch ein Leben? Da ist nicht Glück, nicht Schimmer und Schein, Am Himmel silberne Wölkchen schweben, Es blühen die Felder, — Du sitz' und wein'! Es leuchten die Berge, es duften die Wiesen, Frisch weht der Lenzwind mit frohem Gesaus — Was schert's dich, Jude? Du hast doch Sephirah, 'Du sitz' in der Kammer und wein' dich dort aus. ISurKlagen undSchmerzen und Seufzer undThränen, So zieht der wonnige Sommer vorbei, cz^t Kann er dir, Jude, ein Hoffen schenken? Dich tröstet kein Sommer, dich tröstet kein Mai. Dem Bettler, dem wegemüden Gesellen, c^a Oer kaum ein Plätzchen hat für die Macht, Den jeder barsch verweist seine Schwelle — Was ist ihm Blumen- und Blütenpracht? r^g»? --Ei horch! Ein Jude singt mit dem andern. Das giebt ein Lied der Freude zum Hohn! Ihr hört nur die ewige Weise vom Wandern, Ihr höret den Juden aus jedem Ton: Rjgi? Ein jüdisches Lied! Hört's einer singen, c^a Den noch zu rühren vermag Gesang, c^a Dann bebt sein Leib, es fliegt sein Rtem. Rufschluchzen muss er bei jedem Klang — — Busspsalmen und Klage- und Sterbelieder, Sie sind des Juden vertraute Musik, c^s? Seit er mit seinem heiligen Lande a^a Die Freude verlor und verlor das Glück. Der stürzende Tempel begrub seine Spiele, Die Jubellieder begrub der Rltar, cssi? c^n Der „Schofar" allein ist dem Juden geblieben. — Das finstere Horn tönt einmal im Jahr, r^n Der gellende, bebende, stöhnende Schofar Ist jetzt das jüdische Instrument — csgs? Eine Brust von Stahl zerschmettert sein Gellen, Sein Beben ist Glut, die das Herz verbrennt. Das finstere, kalte Horn ist geblieben, r^st Posaunen und Pauken liegen im Staub, Czss? Flöten und Cymbeln, Guitarren und Harfen Wurden der Wut der Zerstörer zum Raub.-- ünd will jetzt ein Jude froh sein und lachen ünd singen ein Lied voll Lust und Scherz, Da hört man plötzlich im Lied erwachen Zitternde „Kinnoth"2) — ein Riss geht durchs Herz. Ich wollt', meine Leier, du solltest heut lachen. Umsonst! — Das Lachen gelingt dir schlecht! Ei freilich, wir haben ja jetzt Sephirah, c^i? ünd dann — wie lacht denn ein Jude, sprechtl *) Zeitraum von 49 Tagen der Trauer. 2) Schmerzvolle Klageweisen. AUTORISIERTE UEBERSETZUNG AUS DEM JUEDISCHEN VON BERTHOLD FEIWEL. GsSSi 85

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.