Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 1902-1903 : Teilweise veränderte Neuausgabe
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 15 (sequence 31)
- Language
- German
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sich mit denen, deren Seele in der kalten, feindlichen Fremde nichts Heimatliches finden konnte, zu einer machtvollen Aeusserung eines neuen jüdisch - socialen Empfindens, das sich im eigenen Lande die freie Arbeit und die freie Geistesentfaltung durch eigenes Recht und eigene Ordnung sichern will. Mit dem socialen Antrieb aber verbindet sich der national-kulturelle — wofern ein neuverjüngter jüdisch-socialer Geist nicht auch an sich Kultur ist. Das jüdische Volk, einst der Träger einer unvergesslichen Kultur, während zweier Jahrtausende durch leibliche und seelische Not ohnegleichen, durch den Fluch der Heimatlosigkeit und Zerstreuung in jeder Art des Schaffens gehemmt, soll in der Zukunft die befreiten Rassenkräfte in eine neue Kultur umsetzen. Der Vermählung des Volkes mit dem Mutterboden soll der neue Geist entwachsen, der zugleich der fessellose, ureigene Geist der Nation und der Geist der neuen Zeiten sein soll. Das unsterbliche Erbe einer unsagbar glänzenden Vergangenheit, der in der Nacht und Not des Ghetto mühselig erworbene Schatz, das nationale Gut, das inmitten der fremden Völker gerettet wurde, soll hinüberleiten zu dieser neuen, durchaus modernen und durchaus nationalen Kultur. Man könnte meinen, die Geschichte hätte auf diese kommenden Tage hingearbeitet. Denn so sehr sie die jüdischen Menschen im Golus marterte und zerbröckelte, sie liess ihnen doch noch so viel Stärke und Glut, dass sie das Ererbte nicht aus den Händen Hessen und Neues schufen, Kleineres, das ein Grosses der Zukunft vorbereiten sollte. Es ist, als hätten hundert V J 15