Alt-Prager Almanach
- Journal
- Alt-Prager Almanach
- Volume
- 1926
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 184 (sequence 194)
- Language
- German
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DER MEYRIADE FUNFUNDZWANZIGSTER GESANG. Nach 35 Jahren. Oskar Kraus. Der fünfunddreißigste Gedenktag der überstandenen Maturitätsprüfung war der Anlaß, der dazuführte, die folgenden höchst anspruchslosen Verse für die Teilnehmer unseres Kollegentages, die heute noch lebenden „Helden" meiner „Meyriade", zu verfassen. Die Popularität, deren sich dieser Jugendstreich erfreut — er erschien bald nach dem Abiturium i. J. 1891 in Reclams Universalbibliothek — brachte es mit sich, daß das Entstehen eines 25. Gesanges ruchbar wurde und ich von Tagesblättern dringend brieflich und telegraphisch um Gestattung des Abdruckes ersucht wurde. Was ich wegen des unbekümmerten Lokalkolorites jenen versagte, glaube ich einem Prager Almanach gestatten zu dürfen: die Wiedergabe des ganzen „Gesanges" mit einigen mir unerläßlich erscheinenden Kürzungen.— Schon Egon Erwin Kisch hat in seinen ergötzlichen „Prager Abenteuern" von den späteren Schicksalen meiner einstigen Mitschüler berichtet. Nun mag als eine Art Ergänzung dienen, was der selige Professor Meyer—sein wahrer Name war Josef Seidl—von seinem himmlischen Observatorium aus Neues erlauscht hat. Also sprach zu sich selbst der selige, reisige Meyer: „Hübsch lang bin ich schon tot, ich weiß schon gar nicht, ob's wahr is, Aber noch wenige seh' ich hier oben von allen Sextanern. Sollten so viele der Knaben noch wandeln auf blumiger Erde, Der ich Ärmster entflohen, verfolgt und gequält von den Schlimmen? Oder sind sie gestorben und leiden die ewige Strafe, So wie sie es verdient ob ihrer verwerflichen Schandtat!? 184