Alt-Prager Almanach
- Journal
- Alt-Prager Almanach
- Volume
- 1926
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
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tat", auf die Mode der letzten Jahre, gelegt und der Bruch mit den Traditionen noch nicht, wie es heute vielseitig fanatisch geschieht, zur Hauptbedingung des entgegenkommenden Interesses gemacht. Die Schwärmer für eingelebte Dichtung und die Anhänger längst anerkannter wissenschaftlicher Denker und Forscher fanden ebenso willkommene Nahrung für ihren Enthusiasmus, wie die anregsame Jugend, die den Verkündern neuer Gedanken und Tonarten ihre Begeisterungsfähigkeit entgegenbrachte. Felix Dahn, der Dichter des „Kampfes um Rom", in seiner ganzen Persönlichkeit die Verkörperung deutscher Romantik war ebenso willkommen und eindrucksvoll wie der große Erfinder Popper-Lynkeus, der über die erlösende, in ein System gebrachte revolutionäre Idee der „Nährarmee" sprach, die seither immer weitere Kreise gezogen hat, und wie ein junger wiener Adept Nietzsches, der mit den Worten des Meisters den Allwert der Persönlichkeit vertrat. W. H. Riehl, der feingliedernde Meister der deutschen Kulturgeschichte wurde ebenso warm begrüßt, als er in eigenartig hochgestimmtem Glockenton von den nachdröhnenden Stimmungen unserer großen Klassiker sprach, wie Ludwig Büchner, als er den entschlossenen Materialisten sein Kraft- und Stoffevangelium kündete, wie Lazarus, als er mit eigenartiger wortinniger Pädagogie geistreich das Prinzip der Duldung vertrat, wie der Sprachkritiker Fritz Mauthner, der zugleich mit der Ohnmacht des redenden Menschen die Selbsttäuschungen des denkenden nachzuweisen unternahm. Neben Otto Roquette, dessen „Waldmeisters Brautfahrt" damals Vielen als das Um und Auf poetischer Klangschönheitgalt—beiläufigbemerkt, einem wunderlich pedantischen Herrn, der den Schulmeister nie ganz verleugnen konnte — zeigten sich Gustav Falke, 9