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Das jüdische Echo · 1930-10-31 · 44 (31.10.1930) · p. Seite 625

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
44 (31.10.1930)
Date
1930-10-31
Page
Seite 625 (sequence 13)
Language
German
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Nr. 44 Das Jüdische Echo 625 den dem die Sünden der andern entgegen. Denn die andern sind nicht würdig, ein Wunder bei einem Gerechten zu sehen, und deshalb mußte Loth auswandern, und Sodom und Gomorrah gingen zugrunde und sahen nicht das Wunder an Loth. Heute aber ist die Welt überall bewohnt — und selbst, wenn Du auswanderst, werden die Zeitungen berichten, was mit Dir geschehen ist. Also muß Gott heutzutage nur mäßige Wunder vollbringen. Aber sie sind groß genug, gelobt sei sein Name! Deine Frau Deborah kann nicht lebendig werden, Dein Sohn Schemarjah kann nicht lebendig werden. Aber Menuchim lebt wahrscheinlich, und nach dem Krieg kannst Du ihn sehen. Dein Sohn Jonas ist vielleicht in Kriegsgefangenschaft, und nach dem Krieg kannst Du ihn sehen. Deine Tochter kann gesund werden, die Verwirrung wird von ihr genommen werden, schöner kann sie sein als zuvor, und einen Mann wird sie bekommen und sie wird Dir Enkel gebären. Und einen Enkel hast Du, den Sohn Schemarjahs. Nimm Deine Liebe zusammen, die Du bis jetzt für alle Kinder hattest, für diesen einen Enkel! Und Du wirst getröstet werden.“ „Zwischen mir und meinem Enkel,“ erwidert Mendel, „ist das Band zerrissen, denn Schemarjah ist tot, mein Sohn und der Vater meines Enkels. Meine Schwiegertochter Vega wird einen anderen Mann heiraten, mein Enkel wird einen neuen Vater haben, dessen Vater ich nicht bin. Das Haus meines Sohnes ist nicht mein Haus. Ich habe dort nichts zu suchen. Meine Anwesenheit bringt Unglück, und meine Liebe zieht den Fluch herab, wie ein einsamer Baum im flachen Felde den Blitz. Was aber Mirjam betrifft, so hat mir der Doktor selbst gesagt, daß die Medizin ihre Krankheit nicht heilen kann. Jonas ist wahrscheinlich gestorben, und Menuchim war krank, auch wenn es ihm besser ging. Mitten in Rußland, in einem so gefährlichen Krieg, wird er bestimmt zugrunde gegangen sein. Nein, meine Freunde! Ich bin allein und will allein sein. Alle Jahre habe ich Gott geliebt, und er hat mich gehaßt. Alle Jahre hab ich ihn gefürchtet, jetzt kann er mir nichts mehr machen. Alle Pfeiler aus seinem Köcher haben mich schon getroffen. Er kann mich nur noch töten. Aber dazu ist er zu grausam. Ich werde leben, leben, leben.“ „Aber seine Macht“ wandte Groschel ein, „ist in dieser Welt und in der anderen. Wehe Dir, Mendel, wenn Du tot bist!“ Da lachte Mendel aus voller Brust und sagte: „Ich habe keine Angst vor der Hölle, meine Haut ist schon verbrannt, meine Glieder sind schon gelähmt, und die bösen Geister sind meine Freunde. Alle Qualen der Hölle habe ich schon gelitten. Gütiger als Gott ist der Teufel. Da er nicht so mächtig ist, kann er nicht so grausam sein. Ich habe keine Angst, meine Freunde!“ Da verstummten die Freunde. Aber sie wollten Mendel nicht allein lassen und also blieben sie schweigend sitzen. Groschel, der jüngste, ging hinunter, die Frauen der anderen und seine eigene zu verständigen, daß die Männer heute abend nicht nach Hause kommen würden. Er holte noch fünf Juden in Mendel Singers Wohnung, damit sie zehn seien und das Abendgebet sagen können. Sie begannen zu beten. Aber Mendel Singer beteiligte sich nicht am Gebet. Er saß auf dem Bett und rührte sich nicht. Selbst das Totengebet sagte er nicht — und Menkes sagte es für ihn. Die fremden fünf Männer verließen das Haus. Aber die vier Freunde, blieben die ganze Nacht. Eine der beiden blauen Lampen brannte noch mit dem letzten Tropfen Öl auf dem flachen Grunde. Es war still. Der und jener schlief auf seinem Sitz ein, schnarchte und erwachte, von seinen eigenen Geräuschen gestört; und nickte wieder ein. Nur Mendel schlief nicht. Die Augen weit offen, sah er auf das Fenster, hinter dem die dichte Schwärze der Nacht endlich schütter zu werden begann, dann grau, dann weißlich. Sechs Schläge erklangen aus dem Innern der Uhr. Da erwachten die Freunde, einer nach dem anderen. Und ohne, daß sie sich verabredet hätten, ergriffen sie Mendel bei den Armen und führten ihn hinunter. Sie brachten ihn in die Hinterstube der Skowronneks und betteten ihn auf ein Sopha. Hier schlief er ein. Gemeinden- und Vereins-Echo München. In der Sitzung der gemeindlichen Körperschaften vom 29. X. wurde mit Einstimmigkeit eine Verlängerung der Amtszeit der gegenwärtig fungierenden Körperschaften um ein Jahr, bis zum 1. IV. 1931, beschlossen, so daß die für den Februar 1932 angesetzten Gemeindewahlen entfallen. (Im Verband sind Verhandlungen im Gange, die zu einem gleichartigen Beschluß führen sollen.) Ferner wurde gegen 2 Stimmen der Gemeindevertretung und 3 des Vorstands einem Antrag der orthodoxen Fraktion stattgegeben, dem Verein Ohel Jakob eine Nachbewilligung von 5580 RM. zu gewähren und Klarheit darüber geschaffen, daß im nächsten Etat für die Bedürfnisse des Vereins Ohel Jakob ein Betrag von höchstens 15 000 RM. bewilligt werden wird. (Bericht folgt in der nächsten Nummer.) Lehrkurse der Israelitischen Kultusgemeinde Winter 1930 Programm: I. Rabbiner Dr. Ehrentreu: „Entstehung und Entwicklung der hebräischen Schriftzeichen (mit einigen Lichtbildern)“. Dienstag, den 25. November, 2. Dezember, 9. Dezember 1930. 20.30—21.30 Uhr. II. Dr. Raphael Straus: „Der Nationalismus der Völker und die Juden“. Mittwoch 5. und 19. November 1930. 21.15—22 Uhr. Der Ratskeller das Lokal jedes Einheimischen und Fremden. Neuer Pächter HANS FÜRST Hotel „Oer KönigsM” S"' München, Karlsplatz 25 Prachtvolle Hotel-Halle Bar v. Restaurant Konditorei ■ Bekannte Küche Oer rornelwie 5 Uhr-Tee Abends Tm Konzerte CAFE WINTERGARTEN Inhaber: Franz Schnabel Nachmittags Konzert Äbends ununterbrochen Tanz 2 Kapellen 9 Mäßige Preise Kein Weinzwang Kein Eintritt

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