Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 3 (17.1.1930)
- Date
- 1930-01-17
- Page
- Seite 38 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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38 Das Jüdische Echo Nr. 3 Der Völkerbund zu Palästinafragen Genf, 13. Januar. (JTA.) Gleich in der ersten Sitzung der neuen Session des Völkerbundsrates, ara 13. Januar, unterbreitete der Vorsitzende Procope den Bericht der Mandatskommission des Völkerbundes, und teilte mit, daß die Mandatskommission den Vorschlag der englischen Regierung, eine spezielle Kommission zur Behandlung und Lösung des arabisch-jüdischen Streites um die jüdischen Rechte an der Klagemauer einzusetzen, als nicht vereinbarlich hält mit Art. 14 des Palästinamandates, der die Bildung einer Kommission zur Behandlung der Fragen der Heiligen Stätten Palästinas insgesamt vorsieht. . Procope teilt ferner mit, daß die britische Regierung einen neuen Vorschlag bezüglich einer Klagemauerkommission unterbreitet hat. und schlägt vor, die Diskussion über diesen neuen Vorschlag vorläufig zu verschieben. Der britische Minister des Auswärtigen, Henderson, erklärte sich mit einer Verschiebung der Diskussion einverstanden; es wurde demgemäß beschlossen. Wie der JTA.-Vertreter erfährt, unterscheidet sich der neue britische Vorschlag nicht wesentlich von dem früher der Mandatskommission unterbreitet gewesenen, auch der neue Vorschlag hat die Bildung einer speziellen Klagemauerkommission zum Inhalt; nur die juristische Formulierung ist anders. Genf. 13. Januar. (JTA.) Der Minister des Auswärtigen der englischen Regierung, Artur Henderson, machte in der heutigen Sitzung des Völkerbundsrates den Vorschlag, die zur ausschließlichen Behandlung der Palästinafragen für März dieses Jahres nach Genf einberufene außerordentliche Tagung der Mandatskommission des Völkerbundes für einen späteren Zeitpunkt zu bestimmen, da es noch nicht sicher ist, ob der Bericht der von England nach Palästina entsandten und von Sir Walter Shaw geführten Untersuchungskommission bis zum März fertig vorliegen wird. Die Beschlußfassung über den Zeitpunkt der außerordentlichen Tagung der Mandatskommission wurde verschoben. Adolf Frankl Vertreter der jüdischen Orthodoxie im ungarischen Oberhaus Budapest, 8. Januar. (JTA.) Unter riesiger Teilnahme der orthodoxen Judenheit des ganzen Landes hat heute die Wahl der Vertretung der Orthodoxie im ungarischen Oberhause an Stelle des verstorbenen Oberrabbiners Koppel Reich stattgefunden. Es bewarben sich drei Kandidaten. Präsident der orthodoxen Landeskanzlei, Adolf Frankl, der vor kurzem zum Rabbiner der orthodoxen Gemeinde gewählt wurde; Rabbiner Straßer aus Debrecen und Rabbiner Rosenbaum aus Kisvarda. Gewählt wurde Adolf Frankl mit 154 Stimmen; auf die beiden anderen Kandidaten entfielen 11 bzw. 10 Stimmen. Scharfes Vorgehen der rumänischen Regierung gegen die antisemitische Studentenschaft — In Jassy aber werden auch jüdische Studenten angeklagt Bukarest, 8. Januar. (JTA.) Der Senat der Bukarester Universität hat beschlossen, um weiteren Unruhen vorzubeugen, bei Beginn des neuen Semesters von allen inskribierten Hörern die individuelle Erklärung abzuverlangen, daß sie sich ruhig verhalten werden. Studenten, die diese Erklärungen nicht respektieren, sollen von sämtlichen Universitäten Rumäniens relegiert und den Gerichten zur strafrechtlichen Verfolgung übergeben werden. Sollte die Ruhe im neuen Semester nicht Vollkommen hergestellt werden, so wird die Universität auf unbestimmte Zeit geschlossen werden. Nach Abschluß der Untersuchung der letzten Studentenexzesse in Jassy ist gegen zehn Studenten Anklage erhoben worden. Unter den Angeklagten sind zwei Juden. Schändung eines jüdischen Friedhofes in Litauen Die Polizei untätig Kowno, 13. Januar. (JTA.) Der jüdische Friedhof des Städtchens Traschkun, Kreis Poniewesch, ist von bekannten Huligans des Ortes geschändet worden. 19 Grabsteine wurden umgeworfen und zertrümmert, sodann die Gräber beschmutzt. Die jüdische Bevölkerung ist durch die Untätigkeit der Polizei, die die Schuldigen kennt, aber nichts gegen sie unternimmt, sehr erbittert. Arabische Polizisten wegen Pflichtverletzung während der Augustunruhen verurteilt Jerusalem, 10. Januar. (JTA.) Vor der Palästina-Untersuchungskommission wurden von mehreren jüdischen Zeugen, darunter auch von dem Kolonisten Abraham Wolinsky aus der überfallenen Kolonie Beer Tuviah, darauf hingewiesen, daß arabische Polizisten ihre Pflicht während der Unruhen verletzt und sich den Angreifern nicht entgegengestellt haben. Von dem Distriktsgericht in Jaffa sind jetzt zwei arabische Polizisten aus Gaza wegen Verletzung ihrer Pflicht während des im August erfolgten Angriffes auf die jüdische Kolonie Beer Tuviah zu je sechs Monaten Gefängnis verurteilt worden. Richter Copeland fällte das Urteil hinter geschlossenen Türen, weil er, wie er sagte, schmutzige Wäsche nicht in der Öffentlichkeit waschen wollte. Beide Polizisten wurden schuldig befunden, vorsätzlich ihre Pflicht verletzt zu haben in einer Zeit der Gefahr für die Siedlung, als Menschen gemordet und Besitztümer zerstört wurden. Jerusalem, 10. Januar. (JTA.) Richter Litt, der Vorsitzende des Distriktsgerichts in Haifa, ist an den Folgen einer Lungenentzündung verstorben. Das Ableben dieses hervorragenden Richters hat unter allen Freunden des Rechts und der Ordnung in Jerusalem tiefe Trauer hervorgerufen. Lautes Beten an der Klagemauer nicht gestattet Jerusalem, 9. Januar. (JTA.) Eine Anzahl orientalisch-jüdischer Frauen, die an der Klagemauer nach ihrer Art mit lauter Stimme für die Genesung eines kranken Kindes beteten, wurden von mehreren Arabern aufgefordert, ihre Stimmen zu dämpfen oder den Ort zu verlassen. Die Araber brachten zur Bekräftigung ihrer Aufforderung einen Polizisten an die Mauer. Mehrere arabische Repräsentanten, unter ihnen auch der Großmufti, haben vor der Untersuchungskommission, übereinstimmend mit dem Brief der Moslemitischen Gesellschaft „Eli Aksa“ an den Oberrabbiner Kock, die Behauptung aufgestellt, daß die Juden zwar das Recht hätten, an der Klagemauer zu beten, daß sie dies aber nicht mit lauter Stimme tun dürfen. Die gemeldete Maßnahme dient offenbar dem Zwecke, dieser Auffassung praktisch Nachdruck zu verleihen. Dr. Aron Mazie gestorben Jerusalem, 6. Januar. (JTA.) Freitag um Mitternacht verstarb plötzlich im Alter von mehr als 70 Jahren der Kolonisten-Pionier, Arzt und